hallo,
bin durch zufall beim surfen meines problems auf dieses sehr interessante forum gestossen und hätte da auch schon eine frage an die hiesige community:
meine freundin und ich studieren derzeit übersetzen und spielen ernsthaft mit dem gedanken uns schon während unserer studienzeit selbsttändig zu machen. nun wissen wir allerdings nicht, wie das ganze so funktioniert? was wäre denn für uns vorteilhafter? wäre es besser als freiberufler/ freelancer, oder wäre es besser als selbstständiger oder besteht hierin kein unterschied?
ps: tschuldigung für die tippfehler, ist halt schon spät!
danke schon einmal im voraus!!!
Hallo buddylotion!
meine freundin und ich studieren derzeit übersetzen und
spielen ernsthaft mit dem gedanken uns schon während unserer
studienzeit selbsttändig zu machen. nun wissen wir allerdings
Falls ihr irgendjemanden kennt, der jemanden kennt usw., könnt ihr vielleicht Aufträge bekommen, aber ansonsten: Seid gewarnt, das Leben in der Wildnis der freiberuflichen Übersetzung ist hart umkämpft. Es sei denn: Ihr habt eine exotische Sprachkombination, die zufälligerweise dann doch jemand braucht, und/oder ein interessantes Fachgebiet, in dem ihr über fundierte Kenntnisse verfügt und das nicht jeder zweite an jeder Häuserecke anbietet, also z.B. nicht IT oder allgemeine BWL.
nicht, wie das ganze so funktioniert? was wäre denn für uns
vorteilhafter? wäre es besser als freiberufler/ freelancer,
oder wäre es besser als selbstständiger oder besteht hierin
kein unterschied?
Kurz: Selbstständig ist eher ein Oberbegriff. Selbstständige unterteilen sich grob in Gewerbetreibende und Freiberufler. Übersetzer sind Freiberufler (siehe Einkommenssteuergesetz).
Nichts hält euch davon ab, während des Studiums zu versuchen, Aufträge zu bekommen, aber um ehrlich zu sein, sehe ich die Chancen eher schlecht. Es gibt Tausende von freiberuflichen Übersetzern, die über mehr Erfahrung und Kenntnis verfügen als ein Studi-Frischling - und das nicht nur in Deutschland, nein, ihr konkurriert gerade in dieser Branche mit der ganzen Welt. Auch mit den Agenturen in den Billigländern …
Die letzten Jahren waren für die Branche ziemlich hart. Nach 9/11 sind auch hier die Aufträge zurück und die Preise in den Keller gegangen, seit einer Weile erholt sich der Markt ein bisschen, aber auch alte Hasen des Geschäfts haben zum Teil ihre Preise schon seit Jahren nicht mehr erhöht und an die Inflationsrate angepasst und manchmal sogar verringert.
Mein Tipp: Macht Praktika, holt euch soviel „real life“-Erfahrung wie möglich (das reale Übersetzungsleben hat teilweise nicht viel mit dem zu tun, was man in der Ausbildung lernt), lernt ein paar CAT-Tools rauf und runter (insbesondere Trados), übersetzt etwas nebenbei, wenn ihr einen Job bekommen solltet, aber setzt keine Hoffnung darauf, dass sich daraus eine tragfähige Existenz entwickelt - und sucht euch nach abgeschlossenem Studium eine Festanstellung.
Dort ein paar Jahre, von erfahrenen Kollegen lernen, über den eigenen Tellerrand schauen, Fehler nicht auf eigene Kosten machen, sondern auf Kosten des AG, ein paar Kontakte knüpfen, das wirkliche Leben kennenlernen, etwas BWL-Wissen aneignen, sich überlegen, ob man überhaupt zum Freiberuflertum geeignet ist (ich kenne einige wirklich gute Übersetzer, die als Freie kein Bein auf den Boden bekommen würden, denn das liegt nicht jedem) - und dann versucht nach drei, vier, fünf Jahren euch selbstständig zu machen, wenn ihr es dann noch wollt.
Viel Spaß und Grüße
Christiane
- freiberufliche Übersetzerin/Localizer
- ehemalige Leiterin einer Übersetzungsabteilung
- seit 9 Jahren in der Branche
danke für die schnelle antwort!
naja, wir studieren da so exotische asiatische sprachen. außerdem habe ich vorher schon bwl und informatik studiert und würde sagen dass ich auf diesen gebiete nicht gerade unerfahren bin. hab zwar kein abschluss darin,hab aber ziemlich viele scheine. computerkenntnisse sind auch vorhanden, außer in besagten cat tools.
wie und wo gibt es denn größere übersetzerbüros im köln- bonner raum, die unerfahrene praktikanten für die semesterferien aufnehmen würden? ich hab gehört, dass es ziemlich schwer sei, einen praktikumsplatz zu ergattern.
danke schon einmal im voraus für die antworten!
grüße
danke für die schnelle antwort!
naja, wir studieren da so exotische asiatische sprachen.
Hallo, ich würde in dem Fall lieber Praktika in Verlagen machen, nicht gleich übersetzen, sondern das Verlagsleben kennlernen, denn das lässt sich sicher verwenden. Zur Not flutet ihr dann in ein paar Jahren Deutschland mit asiatischer Literatur. Hätte doch was.
Ansonsten könntet ihr auch im Auswärtigen Amt Praktika machen um dann später Botschafter in einem dieser Länder zu werden.
Oder bei der Uno oder Entwicklungshilfeorganisationen oder so. Irgendetwas muss euch doch an den entsprechenden Ländern fasziniert haben…?
Übersetzen ist fast schon eher ein Notbehelf für alle Arten von arbeitslosen Wissenschaftlern geworden. Dabei kommt es vor allem darauf an, was man übersetzt (und ob es irgendwen sonst interessiert) und das sollte man erst einmal für sich herausfinden, was einen selbst so interessiert und weshalb es andere interessieren könnte?!
Heißt euer Studium echt Übersetzen oder eher Philologie, letzteres beinhaltet nämlich gerade dieses etwas mehr.
Schöne Grüße Susanne
danke erst einmal.
nein, nein. unser studiengang heisst schon übersetzen. wir können sowohl ins koreanische, englische und chineische übersetzen. besitzen exellente kenntnisse in medienwissenschaften, wirtschaft, computerterminologie, beherrschen sowohl gängige dtp software auf mac wie auf windows und dachten eigentlich, dass wir damit wir gewappnet wären für die freelancer tätigkeit als übersetzer.
keiner nen tip, wie es mit einer freelancer tätitgkeit aussieht? wie man damit anfängt, wie es funktioniert, wo man sich melden muss?
danke schon einmal für euere antworten
Hallo buddylotion!
unser studiengang heisst schon übersetzen. wir
können sowohl ins koreanische, englische und chineische
übersetzen.
Es gibt da so eine kleine Grundregel: Wer beste Qualität will, übersetzt nur in seine eigene Muttersprache.
Außerdem: Wie lange habt ihr in Korea, China, Taiwan, irgendeinem englisch-sprachigen Land gelebt? Wie viel wisst ihr darüber, wie die Leute dort tatsächlich reden, schreiben, leben? Warum die eine Formulierung gängig ist und die andere bei „Einheimischen“ eher Stirnrunzeln auslösen wird?
Ich habe in GB gelebt und kenne mich dementsprechend mit dem Alltag dort recht gut aus, halte mich aber zurück, wenn es darum geht, wie z.B. eine Autowerkstatt in Australien, USA, Neuseeland am gängigsten bezeichnet wird. In GB you take your car to the garage, aber in USA? Repair shop, work shop, body shop, garage, irgendetwas anderes? Ostküste genauso wie Westküste? Süden? Norden?
besitzen exellente kenntnisse in
medienwissenschaften, wirtschaft, computerterminologie,
beherrschen sowohl gängige dtp software auf mac wie auf
windows
Ähem, nicht bös sein, aber versucht lieber nicht euch als eierlegende Wollmilchsäue zu verkaufen. Das geht schief.
Und „exzellente“ Kenntnisse hat man meistens erst, wenn man in dem Bereich schon eine Weile gearbeitet hat. Der Architekt z.B. der mit einer Zusatzausbildung in Übersetzung AutoCAD übersetzt - der hat exzellente Kenntnisse (wenn er gut ist).
Und IT und Wirtschaft - macht das nicht jeder? Medizintechnik, Pharmazie, Finance, Legal, Maschinenbau, Biotechnologien - da wird’s langsam interessant …
und dachten eigentlich, dass wir damit wir gewappnet
wären für die freelancer tätigkeit als übersetzer.
keiner nen tip, wie es mit einer freelancer tätitgkeit
aussieht? wie man damit anfängt, wie es funktioniert, wo man
sich melden muss?
Ich habe das oben schon ernst gemeint: Sucht euch praktische Erfahrung im Angestelltenverhältnis/Praktika/Aushilfe whatever.
Und deine Fragen hier zeigen schon, dass ihr keine Ahnung vom „Übersetzen in freier Wildbahn“ (soll heißen: außerhalb der Uni) habt. Was weißt du von Dateiformaten und ihre Konsequenzen für den Übersetzungsprozess? CAT-Tools? Style Guides? Branchenüblichen Prozessen? Was ist der Unterschied zwischen Lokalisierung und Übersetzung? Und warum ist es eigentlich Blödsinn SW als RTF zu verarbeiten statt mit Catalyst o.ä. und warum tun es trotzdem noch so viele? Weißt du, was „FIGS“, „concatenated strings“ und „resizing“ bedeuten? Was BiDis sind? Was ich meine, wenn ich die Dateien noch ins TM cleanen muss? Und was es heißt, Styles zerschossen zu haben und sie per Hand flicken zu müssen?
It’s not exactly rocket science - aber ich bekomme das Gefühl, dass ihr euch eine etwas naive Vorstellung davon macht, wie Übersetzung im realen Leben tatsächlich abläuft.
Grüße
Christiane
PS: Die oben genannten „Beispiele“ sind hauptsächlich aus dem Bereich IT-Übersetzung.
Einen hab’ ich noch
Hi again!
beherrschen sowohl gängige dtp software auf mac wie auf
windows und dachten eigentlich,
Versteht ihr unter „gängig“ QuarkXpress und Framemaker? Das könnte interessant sein.
;wie man damit anfängt, wie es funktioniert, wo man
sich melden muss?
Es ist die halbe Miete, wenn „die Leute“ (= potenzielle Auftraggeber) einen kennen. Auch dazu sind Festanstellungen, Aushilfsjobs, Praktika gut. Und um in die Branche reinzuschnubbern, muss das ja nicht unbedingt direkt über den Zweig Übersetzung sein.
Das Einzige, was mir einfällt, was euch eventuell interessant machen könnte, ist die Kombi DTP (wenn’s denn die o.g. Programme sind) und asiatische Sprachen. Sucht euch eine große Lokalisierungs-/Übersetzungsagentur, die auch asiatische Sprachen macht, inhouse eine eigene DTP-Abteilung hat und auch alle Sprachen inhouse dtped und bewerbt euch da um eine Aushilfe/Praktikum in der DTP-Abteilung. DTPler für asiatische Sprachen zu bekommen ist nämlich ziemlich schwer. Da könntet ihr interessant sein.
Grüße
Christiane