Existenzgründung - viele Fragen

Hallo zusammen,

folgender Fall und viele Fragen:

Jemand schließt Ende Februar 2007 sein 8-semestriges Studium (Medienwirtschaft) ab. Er lebt in Berlin und sucht dort seit geraumer Zeit nach einer Festanstellung. Er hat jede Menge Berufserfahrung in Sachen Redaktion und Webdesign sowie nun durch Studium und Praktikum auch im Bereich Marketing. Leider blieb die Jobsuche bislang erfolglos. Kurzer Abriss des Lebenslaufs:

1996 allg. Hochschulreife
1996-2000 Magisterstudium (auch Ausland) ohne Abschluss
2000 bis Februar 2003 Angestellter
März 2003 bis Februar 2007 besagtes Studium

Nun ergeben sich für ihn derzeit mehrere freiberufliche Jobs, vor allem im Bereich Webdesign. Zudem gibt es das Angebot, in eine GbR einzusteigen, die sich in Gründung befindet. Zunächst mit 600 Euro Fixgehalt und noch wenig Zeitaufwand. Später dann hoffentlich lohnende Anteile am Geschäftserfolg. Konzept hört sich gut an. Diese 600 Euro wären vorerst die einzige fixe Einnahmequelle, alle anderen Projekte sind temporär. Die Webdesign-Aufträge ergeben sich natürlich, da hat man kein Fixgehalt.

Der Gründer in spe informiert sich derzeit über eine Selbständigkeit und würde sich dann einen Gewerbeschein holen für ein Gewerbe im Bereich Webdesign, Marketing, Kommunikation.

Die Fragen:

  • Seh ich das richtig, dass er durch seine Studienzeit keinen Anspruch auf Gründungszuschuss etc. vom Staat hat?
  • Angenommen, es kämen zunächst etwa 1.000 Euro reine Einnahmen pro Monat in die Kasse (kaum Ausgaben), könnte er sich eine Krankenversicherung leisten (Miete 400 Euro, sonstige Ausgaben inkl. Essen 400 Euro)?
  • Kann man bei der Arbeitsagentur (Berlin) einen Beratungstermin für sowas bekommen? Braucht er den überhaupt?
  • Gibt es andere finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten?
  • Sollte er sich in Berlin sicherheitshalber nochmal für ein Studium einschreiben, um nur die studentischen KV-Beiträge zahlen zu müssen? Beißt sich das mit irgendwas? (Bisher kein Studium in Berlin)

Vielen Dank!

Die Fragen:

  • Seh ich das richtig, dass er durch seine Studienzeit keinen
    Anspruch auf Gründungszuschuss etc. vom Staat hat?

Soweit ich das sehe, keinen Zuschuss. Allerdings hat gerade wieder die KfW-Bank die Zinsen für Existenzgründerkredite in erträgliche Bereiche gesenkt.

  • Angenommen, es kämen zunächst etwa 1.000 Euro reine
    Einnahmen pro Monat in die Kasse (kaum Ausgaben), könnte er
    sich eine Krankenversicherung leisten (Miete 400 Euro,
    sonstige Ausgaben inkl. Essen 400 Euro)?

Vermutlich nur eine private - in der gesetzl. sollte es keine freiwillige Versicherung für Selbständige unter 250 €/Monat geben …

  • Kann man bei der Arbeitsagentur (Berlin) einen
    Beratungstermin für sowas bekommen? Braucht er den überhaupt?

Wenn er sich arbeitssuchend melden möchte, ja. Ansonsten - wären Existenzgründerseminare etc. angebrachter. (IHK, Wirtschaftsförderungsgesellschaften, Sparkassen …)

  • Gibt es andere finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten?

Teilnahme an Wettbewerben, die innovative Ideen fördern …, Risikokapital - allerdings wohl kaum im angesprochenen Bereich, ausser man erfindet web 3.0

  • Sollte er sich in Berlin sicherheitshalber nochmal für ein
    Studium einschreiben, um nur die studentischen KV-Beiträge
    zahlen zu müssen? Beißt sich das mit irgendwas? (Bisher kein
    Studium in Berlin)

Hat Berlin die Studiengebühren noch nicht erreicht? Das wird ja fast ein Nullsummenspiel mit der Ersparnis bei der KV. Allerdings kann er Pech haben und seine KV sagt irgendwann, die überwiegende Zeit wird nicht mit dem Studium sondern mit dem Job erbracht - und wo wird er dann wohl eintarifiert?

Mein Tipp: Angebot der GbR gut prüfen und schnellstens einsteigen - dazu eigene Projekte anschieben, die nicht über die GbR laufen …

Viel Erfolg!
Frdl. Gruss
Marian

Hi,

ich glaube ich habe da einige Tipps für dich:

  1. Wenn du in GbR einsteigst, solltet ihr im Gesellschaftsvertrag schon von Anfang an klarstellen, wie die Gewinnverteilung zu geschehen hat.
    Wenn es nicht gleich am Anfang gemacht wird, kann es nachher ohne Zusatzvertrag oder Vertragsänderung nicht mehr geändert werden… und dazu brauchst du deinen Mitinhaber. Wenn der nicht will, wird nichts geändert und du stehst dumm da.

  2. Haftung. Ihr haftet gesamtschuldnerisch mit eruem Privatvermögen.
    Das bedeutet, dass sich ein Gläubiger einfach aussuchen kann, wer ihm den Schuldbetrag aus der privaten Kasse zu geben hat.
    Wenn schon gesamtschuldnerische Haftung = gemeinsames Risiko - dann auch gleicher Gewinnanteil.

Zur Finanzierung von Existenzgründern habe ich einen link für dich:
http://www.existenzgruender.de/selbstaendigkeit/grue…
Lies dir auch die anderen Bereiche durch.
Denk dran… viele Förderungen oder Kredite bekommst du nur, wenn du VOR Gründung beantragst… also nicht erst anmelden und dann nach Geld suchen… dann findest du nur wenig, nichts oder zu teuer.

Nimm ruhig an kostenlosen Existenzgründerseminaren teil. Sie werden oft vom „Arbeitsamt“ gefördert oder beworben.
Sind sehr nützlich. Du wirst auch von Existenzgründern hören wie deren Efahrungen sind… das ist manchmal sehr aufschlussreich und hilft dir bei deiner eigenen Planung.

Gruß
BJ

Servus,

Du hast schon einige wichtigen Punkte gehört. Einen will ich nochmal ganz fett unterstreichen:

Für Mitunternehmer in einer GbR gibt es kein Fixgehalt. Null, niente, nada. Wer sich als Mitunternehmer an einer Personengesellschaft beteiligt, hat keinen irgendwie gearteten Anspruch auf feste Bezüge. Bei den Planungen ist also zu berücksichtigen, dass bei diesem Einkommensteil das Risiko nicht nur genau so groß ist wie bei dem geplanten Einzelunternehmen, sondern wegen der gesamthänderischen Haftung noch wesentlich größer. Eine GbR muss man genau kennen, wenn man sich an ihr beteiligen will.

Schöne Grüße

MM

Vielen Dank für eure konstruktiven Antworten.

Er wird sich bei den Förderprogrammen mal umschauen. Da er keine Investitionen hat und es ein Kleinunternehmen ist, werden viele Programme rausfallen.

Drei, vier Monate in der studentischen KV würden ihm ja schon weiterhelfen. Wäre an seiner Uni auch eingeschrieben geblieben, aber da muss er Studiengebühren zahlen (Hessen).

Das Fixgehalt käme nicht aus der GbR, da die ja noch gar nicht gegründet ist. Es käme vom zukünftigen Partner, der auch andere Unternehmen hat.

Dann geht’s jetzt noch auf die Suche nach den kostenlosen Seminaren.

Bin für weitere Antworten natürlich auch dankbar.

Viele Grüße

So. Die Förderdatenbank des BMWi brachte einige Ergebnisse für Berliner Existenzgründer zutage, unter anderem das Mikrodarlehen und das Existenzgründungsdarlehen nach dem Arbeitsmarkt- und Berufsbildungspolitischen Rahmenprogramm. Es gibt auch BerlinStart, aber bei den meisten Förderungen steht, dass die Mittel z.b. für Betriebsmittel sind. Muss man die Ausgaben dann nachweisen? Oder kann man das auch für andere Dinge nutzen? Im vorliegenden Fall geht es ja vor allem darum, die ersten zwei, drei Monate die Ausgaben zu decken und weniger um Geld für Anschaffungen.