Ist euch das auch schon aufgefallen - überall wimmelt es von ‚Experten‘.
Bei einschlägigen Privatsendern gibt es von Promi-Experten über Styling-Experten bis hin zu Geschenke-Experten einfach alles. Nun ziehen auch die öffentlich-rechtlichen nach und aus meinem Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Wahlforschung wird ein Wahl-Experte, ich sehe Terrorismus-Experten und gestern sogar einen Gesundheitsexperte. Woher kommt diese „Experten-Invasion“, oder gibt es die schon immer und ich habe es nur mal wieder verpasst?
Besonders schockiert hat mich der Gesundheitsexperte - ich bin ja prinzipiell auch einer, bin öfters erkältet und weiß somit Bescheid über Hausmittelchen. Bin ich jetzt ein Krankheitsexperte oder ein Erkältungsexperte?
Was spricht dagegen, die richtige berufliche Bezeichnung hinzuschreiben, also „Arzt“ oder „Politikwissenschaftler“ oder „Psychologe“? Oder haben die meisten etwa gar keine??? ;o)
experte klingt toll und schlau…genau das, was man braucht, um einen nicht-experten zu beeindrucken…oder besser gesagt, die leute,die vor dem fernseher sitzen.
ein elektriker ist genauso ein experte wie ein maurer oder ein verkaeufer (—>auf jeden fall 10mal mehr als ein promiexperte,) jedoch wuerde das doch komisch klingen:smile:))
Was spricht dagegen, die richtige berufliche Bezeichnung
hinzuschreiben, also „Arzt“ oder „Politikwissenschaftler“ oder
„Psychologe“? Oder haben die meisten etwa gar keine??? ;o)
Ich denke, da liegt der Hase im Pfeffer. Es gibt nun mal für viele Dinge einerseits keine offiziellen Bezeichnungen und andererseits existieren viele geschützte Bezeichnungen, die aber gerade auf denjenigen nicht zutreffen, um den es geht. D.h. für den Promiexperten gibt es nun mal keine geregelte Ausbildung, keinen geregelten Abschluss und auch keine geschützte Berufsbezeichnung, ergo kann und darf man jeden als Promi-Experten bezeichnen, wenn man dies gerade so gebrauchen kann.
Vielfach bewegen sich so genannte Experten aber eben auch ganz eindeutig neben geschützten Berufsbezeichnungen, und da hilft dann der Experte eben auch, um nicht z.B. standesrechtliche Probleme zu bekommen. Klassisches Beispiel wären da so die ein oder anderen Fernsehredakteure, die schon ewig als Rechts- oder Gesundheitsexperten auftreten, andererseits aber selbst nie Jura oder Medizin studiert haben (bzw. zumindest keinen Abschluss oder keine Zulassung haben).
Und dann gibt es da noch die Geschichte mit denen, die extrem vorsichtig sein müssen, weil es Zusatzausbildungen mit geschützten Bezeichnungen gibt, die rein fakultativ sind, und deren Träger natürlich ein hohes Interesse daran haben, dass nicht jemand ohne diese Zusatzausbildung zu sehr zu ihnen in Wettbewerb tritt (ob er deshalb mehr oder weniger Ahnung hat, sei mal dahin gestellt). Gutes Beispiel hierfür sind z.B. die Fachanwaltschaften. Eine solche zu erlangen kostet viel Zeit und Geld und setzt eine hohe Mandatsquote voraus (da man Mindest-Fallzahlen erreichen muss). Ergo verzichten viele Anwälte hierauf, können aber trotzdem durchaus mit einem Fachanwalt vergeleichbar tief in der Materie stecken. Treten sie in den Medien auf, müssen sie höllisch aufpassen, dass nicht irgendein unbeleckter Moderator sie als Fachanwalt anspricht (lustig auch bei Rechtsgebieten für die es gar keine Fachanwaltschaften gibt). Also bleiben sie „Experten“ und gut ist.
D.h. der Experte kann durchaus ein Experte sein, muss es aber nicht.
Gruß vom Wiz, der mit letztem Problem seit der Einführung der neuen Fachanwaltschaft für Erbrecht auch zu kämpfen hat
Invasion der Kommentarwichsmaschinen
Hallo,
das hast du richtig beobachtet, schließlich leben wir auch nicht mehr in einer Demokratie, sondern in einer Expertokratie. Jedes auch nur ansatzweise heikle politische Problem wird in die Hände von Experten gegeben, Expertenkomissionen haben sich in den letzten Jahren schneller vermehrt als die Pickel der Tokyo-Hotel-Fans. Es gab mal einen Beitrag auf Kulturzeit dazu, für den - natürlich - auch Experten befragt wurden:wink: http://www.3sat.de/3sat.php?http://3sat.de/kulturzei…
Was die Experten im Boulevard-Journalismus angeht: Das liegt wohl einfach an der gewünschten Popularisierung. Kein RTL-Zuschauer weiß schließlich, dass man so etwas wie Politologie studieren und auch erforschen kann, daher heißen die dann Polit-Experte. Dass diese armen Akademiker dann auf eine Stufe gestellt werden mit anderen „Experten“ (Styling-, Hausier-, Akne-Experten), geschieht den mediengeilen „Kommentarwichsmaschinen“ (Max Goldt) gerade recht.
In einer Firma kann jemand, der für irgendetwas zuständig ist (und sonst nichts), auch als „Experte für…“ bezeichnet werden, insbesondes im französischen Sprachraum.