Wenn es z.b. keine Autos auf dem Markt gibt, die behindertengerecht ausgestattet sind entstehen der behinderten Person Zusatzkosten zur Umrüstung eines Fahrzeugs, um eins nutzen zu können.
Ist das ein externer Effekt? Oder wie beschreibt man einen derartigen Effekt?
Vielen lieben Dank für eure Hilfe! Ich steh da grad echt etwas auf dem Schlauch. Je nach Definition könnte es passen oder auch nicht…
das mit den externen Effekten ist tatsächlich etwas schwammig. Hier würde ich es aber nicht so sehen. Durch den Verkauf von Autos alleine entstehen dem Behinderten keine Zusatzkosten. Die entstehen nur, weil es für ihn keine gibt, das hat aber mit den restlichen Marktaktivitäten erst mal nichts zu tun. Würden keine Autos verkauft, hätte er unter Umständen sogar höhere Kosten.
Externe Effekte entstehen nur, wenn Kosten Dritter durch Marktaktivitäten positiv oder negativ beeinflusst werden, ohne dass sie abgegolten werden. Dass es zum Beispiel auf dem Land keine schnellen Internetanschlüsse gibt (ein analoger Fall zu Deinem Behinderten), ist kein externer Effekt, sondern ein anderer Marktversagenstatbestand.
Würde aber auf dem Land eine Fabrik entstehen, die schnelle Glasfaserleitungen braucht und die hätten eine so hohe Kapazität, dass das restliche Dorf die Leitungen kostenfrei kann, dann liegt ein externer Effekt vor, da hier durch eine Aktivität (Betreiben einer Fabrik), die Kosten dritter niedriger geworden sind, als es über den Markt der Fall gewesen wäre.
Internalisiert würde der Effekt dann, wenn der Fabrikbetreiber auf die Idee käme, gängige Marktpreise für die Nutzung des Netzes zu verlangen. Dann haben die restlichen Dorfbewohner keinen Vorteil mehr.
Ein anderes Beispiel aus der Praxis: Bildet ein Betrieb aus, beinflusst das die Kosten anderer Firmen positiv, da diese die ausgebildeten Arbeiter abwerben können ohne selber in Ausbildung investieren zu müssen. Hier könnte man die Kosten über eine Ausbildungsplatzabgabe internalisieren.
Vielen Dank erstmal, das hilft mir schon weiter!
Aber nochmal zurückkommend auf das Beispiel mit den behindertengerechten Autos.
Du würdest sagen, dass es sich hierbei um ein Marktversagen handelt, richtig? Dann widerrum müsste man sich fragen, warum es zu diesem Marktversagen kommt. Soweit ich weis, kann es durch asymmetrische Infos, externe Effekte, öffentliche Güter oder z.B. Monopole entstehen. Lieg ich da richtig? Aber was genau ist es dann?
Hättest du da ne Idee? Wie kommt es zu diesem Problem? Lieg ich vlt. ganz falsch und der Grund kommt aus ner ganz anderen Ecke?
m.E. handelt es sich hierbei nicht um einen negativen externen Effekt im klassischen Sinne (Nutzen eines Akteurs wird beeinträchtigt durch von ihm nicht beeinflussbare Variable, die vom Handeln anderer Akteure abhängig ist; Standard-Beispiel ist die Verschmutzung eines Flusses durch eine Chemiefirma, die einem Fischer flussabwärts das Geschäft versaut).
Hier geht es vielmehr um das Problem, dass das am Markt angebotene Gut (das normale Auto) nicht dem nachgefragten Gut (das behindertengerechte Auto) entspricht. Kosten entstehen der behinderten Person, da sie ein aus ihrer Sicht verbessertes Gut in Anspruch nehmen möchte - eine Aufwertung des Gutes ruft Zusatzkosten hervor.
Ich denke, man kann hier nicht von einem klassischen Marktversagen sprechen (die behindertengerechten Autos gibt es ja); vermutlich ist die Käufergruppe der Behinderten zu klein, um eine Standard-Serienproduktion durch die Hersteller zu rechtfertigen (so blöd das für die Betroffenen ist).
nach diesen klassischen Kategorien ist es kein Marktversagen, allerdings gibt es ein breites Spektrum, in dem der Markt nicht so funktioniert, wie er sollte. So z.B. beim Schweinezyklus, bei dem eine erhöhte Nachfrage erst mit Verzögerung befriedigt werden kann und dadurch „Überschwinger“ entstehen.
Im Fall des behindertengerechten Autos würde ich die Hindernisse in den Markteintrittsbarrieren sehen. Um ein derartiges Auto zur Serienreife zu entwickeln sind hohe Investitionen in Entwicklung und vor allem in die Fertigung nötig, die sich über den Preis nur schwer wieder hereinholen lassen.
Insbesondere denke ich dabei daran, dass nicht jede Behinderung gleich ist und solche Autos daher meist Maßanfertigungen sind. Für einen Massenhersteller würde das eine komplette Umstellung seiner Fertigung bedeuten.
Langfristig würde sich der bei einer vollständigen Konkurrenz der Hersteller der Preis in Richtung der Grenzkosten bewegen und bei einer kleinen Serie würde der resultierende Gewinn nie die Gesamtkosten decken.
Handwerker wiederum sind auf Einzelanfertigungen spezialisiert. Ihre Grenzkosten sind zwar deutlich höher als bei den Massenherstellern aber dafür sind ihre Investitionen niedriger. Deswegen werden behindertengerechte Autos meist von diesen hergestellt.