heute durfte ich mal wieder den Gesprächen der aktuellen Schülergeneration in der U-Bahn lauschen. Ständig fiel dort das Wort „digga“. In Sätzen wie: „Ey, weissu digga, das is mir komplett egal, digga“. Sollte es ein schlampig ausgesprochendes „Dicker“ sein? Oder etwas mit dem englischen „digger“ zu tun haben? Wo kommt dieses saublöde Wort her und warum wird es so exzessiv gebraucht?
heute durfte ich mal wieder den Gesprächen der aktuellen
Schülergeneration in der U-Bahn lauschen. Ständig fiel dort
das Wort „digga“. In Sätzen wie: „Ey, weissu digga, das is mir
komplett egal, digga“. Sollte es ein schlampig
ausgesprochendes „Dicker“ sein? Oder etwas mit dem englischen
„digger“ zu tun haben? Wo kommt dieses saublöde Wort her und
warum wird es so exzessiv gebraucht?
„Digga“ kommt AFAIK aus der Hamburger Hip Hop-Szene und ist tatsächlich ein verballhorntes „Dicker“ und ist halt „Szene-Jargon“. Diese Szene zeichnet sich nun nicht gerade dadurch aus, daß ihr Klientel aus den gehobeneren Gesellschaftsschichten kommt, im Gegenteil, je fertiger, desto Digga sozusagen.
Aus dem Sprachgebrauch auf das intellektuelle Niveau zu schließen kann jedoch auch in die Hose gehen.
nach dem „Wörterbuch der Jugendsprache“ von Pons, dem ich aber in vielen Fällen ganz und gar nicht traue, ist damit in der Tat „digger“ gemeint. Als Syninyme werden: Freund, Kumpel, Kollege genannt.
Dahinter könnte die Slngbedeutung von „to dig“ = verstehen, kapieren und dann Bescheid wissen stehen. Also ein Mitwisser der Interna der Gruppe.
hier täte ich dem Pons schon trauen mögen: Es ist in Hip Hop viel mehr Beat, Blues und Rock’n Roll drinne, als die Kids wahrhaben mögen. Sozusagen immer noch vorhandene Fußstapfen der Blue Suede Shoes…
Der „digger“ wäre dann eine geheime hommage an unseren alten Freund Dean Moriarty aus Kerouacs „On the Road“, schlaksig auf und ab hüpfend, sich den Bauch reibend und dazu beschwörend „Ya just gotta DIG it, man!“
Es ist in Hip Hop
viel mehr Beat, Blues und Rock’n Roll drinne, als die Kids
wahrhaben mögen. Sozusagen immer noch vorhandene Fußstapfen
der Blue Suede Shoes…
Das ist zwar richtig, aber…
Der „digger“ wäre dann eine geheime hommage an unseren alten
Freund Dean Moriarty aus Kerouacs „On the Road“, schlaksig auf
und ab hüpfend, sich den Bauch reibend und dazu beschwörend
„Ya just gotta DIG it, man!“
…hier überschätzt Du die Szene, denke ich Zum einen hat das, was deutscher Hip Hop heute ist, nicht mehr allzu viel mit dem zu tun, was er noch in den 80ern in den USA war, zum anderen ist gerade das exzessive „Digga!“ regional ziemlich eindeutig - das ist Hamburg, und wie im Missingsch aus „Martha“ die „Madda“ wird, wird aus „Dicker“ der „Digga“. Man darf es da nicht komplizierter machen, als es ist - die deutsche Hip Hop Szene im Allgemeinen und die Hamburger Szene im speziellen ist einfach gestrickt.
ich mein ja nicht, dass das irgendwie überlegt ist. Die mittlerweile in die Dutzende gehenden AbklätschInnen von JayJop haben auch keinen Schimmer von „Ball and Chain“…
Bloß: „Digga“ mit -a ist sowas wie „nigga“ usw., also amerikenglisch, während der Dicke meinich Diggä oder Diggeh heißen täte.
Aber es kann angehn, so differenziert geht das wohl nicht ab da.
Mit einer Träne im Knopfloch wg. „Ritter St. Georg“ in BS, wo manimmer gut den Stacht Richtung Fischmaakt abwarten konnte, weils da ganz außer der Zeit noch '82 sone Jukebox gab, wo die 45er Platten in einem großen Fächer angeordnet drinnestanden. Und n Pils exakt acht Minuten…
ich mein ja nicht, dass das irgendwie überlegt ist.
Bloß: „Digga“ mit -a ist sowas wie „nigga“ usw., also
amerikenglisch, während der Dicke meinich Diggä oder Diggeh
heißen täte.
Fahr mal nach Hamburch und hör’s Dir an. Der „Digga“ ist auch mehr ein [dɪgɛ]. Ich hab jetzt leider keinen Sample parat, um das zu demonstrieren, „is aber so“.
Mit einer Träne im Knopfloch wg. „Ritter St. Georg“ in BS, wo
manimmer gut den Stacht Richtung Fischmaakt abwarten konnte,
weils da ganz außer der Zeit noch '82 sone Jukebox gab, wo die
45er Platten in einem großen Fächer angeordnet drinnestanden.
Und n Pils exakt acht Minuten…
Bei mir isses mehr der „Komet“ auffem Kiez gewesen, und die Pizzeria am Hans-Albers-Platz
zum
anderen ist gerade das exzessive „Digga!“ regional ziemlich
eindeutig - das ist Hamburg, und wie im Missingsch aus
„Martha“ die „Madda“ wird, wird aus „Dicker“ der „Digga“.
Meiner Ansicht nach hast Du vollkommen recht. Ich kenne das aus Hamburg nur in der Bedeutung „Dicker“. Um mich herum verwandeln alle möglichen Leute das „ck“ in „gg“: „Hmm, legger“, „Ich geh’ ma’ zum Bägger“ etc.
mal etwas an deinem Thena vorbei, zu deiner Grammatik.
Bloß: „Digga“ mit -a ist sowas wie „nigga“ usw., also
amerikenglisch, während der Dicke meinich Diggä oder Diggeh
heißen täte.
Warum beendest Du den Satz mit „heißen täte“? Hast Du dich dort am Englischen orientiert? In der englischen Grammatik ist ein „do“ als Hilfsverb ja in jedem zweitem Satz vertreten, in der deutschen Grammatik jedoch ist ein „tun“ als Hilfsverb vollkommen überflüssig. Auch wenn wenn Du den Konjunktiv II benutzt, anstatt der Umschreibung mit würde + Infinitiv, macht es das nicht besser. Ein schlichtes „…hieße“ wäre schöner. Oder normal umgangssprachlich die Umschreibung mit würde: „…heißen würde“.
Ich hoffe, Du fühlst Dich jetzt nicht persönlich angegriffen!
lass mich eine Lanze brechen für Matin und die schöne schwäbische Sprache.
„i dät/tät“ und „i häb“ sind im Schwäbischen vollgültige Formen des Konjunktivs.
Wenn Martin diese benutzt, sieht man darin - als Eingeweihter - die leise Ironie, die Martin angesichts der „ernsthaften“ Diskussion dieser quantité négligeable walten lässt.
dann danke für die Einweihung! An meiner Einstellung zu tun als Hilfsverb ändert sich trotzdem nichts. Als Grammatik des Dialekts nehme ich es aber hin.
Häbat i bloß meinen Beruf im Kopf, nô dät i dir zustimmen ab
immo pectore!
ich kann leider kein schwäbisch, oder welcher Dialekt das auch immer ist. *verzweifel* *heul* Kannst Du es für mich bitte noch einmal ins Standardsprachliche übersetzen?
anderen ist gerade das exzessive „Digga!“ regional ziemlich
eindeutig - das ist Hamburg, und wie im Missingsch aus
„Martha“ die „Madda“ wird, wird aus „Dicker“ der „Digga“.
Bitte, was ist Missingsch?
Ich hab den Ausdruck schon mal gehört, bwz gelesen, aber was weiss ich in was für nem Kontext das war - null Ahnung, was Missingsch ist…
(eh, könnte ich das in Massaquoi’s ‚Neger Neger Schornsteinfeger‘ gelesen haben???)
Bitte, was ist Missingsch?
Ich hab den Ausdruck schon mal gehört
Hallo Isabel,
nicht nur den Ausdruck, angesichts deines Wohnort bist du mit missings regelrecht umgeben! http://staff-www.uni-marburg.de/~naeser/modkunst.htm
Lieben Gruß an die Alster, die Elbe und die Bille!
Eckard