Hallo,
Wenn ein Monitor mit einer Reaktionszeit von 1ms angegeben
wird, hat er dann einen Takt von mindestens 1000Hz?
die 1 ms wäre erstens Werbemüll (schreiben das wirklich schon Hersteller drauf?) und bezieht sich zweitens auf die Reaktionszeit der LC-Zellen. Wenn eine LC-Einheit (RGB) ein entsprechendes Steuersignal bekommt, müssen es die Flüssigkristalle in der genannten Zeit schaffen, sich so umzuorientieren, dass der entsprechende Farbwechsel geschieht. Es gibt vorgeschriebene Normen, die aussagen, was da zu passieren hat - einmal wird ein Farbwechsel von schwarz nach weiß vorgenommen (b/w) und einmal ein Farbwechsel von grau über weiß nach grau (gtg), wobei die Zielfarbe jeweils zu 80 oder 90% erreicht werden muss. Das hat mit der Realität natürlich wenig zu tun, bei Farbwechseln im Farbbereich müssen die Subdomains der LC-Einheit einzeln und präziser beschaltet werden und das dauert länger.
Also wären diese 1 ms nur die Zeit vom eingehenden Steuersignal bis zur Reaktion der Zelle und auch nur, wenn die Zelle von Schwarz nach Weiß schaltet oder von Grau nach Grau, so wie es die Norm will. Das nützt in der Realität nicht viel.
Die Bildwiederholrate bei TFTs (also die Aufschaltrate des Steuersignals selbst) beträgt üblicherweise 60 Hz, manche Monitore schaffen in niedrigen Auflösungen bis zu 100 Hz. Dies ist aber gar nicht nötig, da TFT-Monitore statisch arbeiten und mit dem Steuersignal nicht jeweils das ganze Bild refreshen, wie ein Röhrenmonitor (was dann bei weniger als 85 Hz als Flackern wahrgenommen wird) sondern nur die Zellen neu beschalten, bei denen sich der Farbinhalt wirklich geändert hat.
Im allerschlimmsten Fall müssten bei einem TFT-Monitor die Zeit für den Bildrefresh (also 1/ 60 Hz) + die ungünstigste Schaltzeit der LC-Zelle (die kann bei TN-Monitoren, welche Zwischenfarben terminal interpolieren müssen, weit über dem angegebenen Normwert liegen) zusammen kleiner als 25 ms sein, um ein sauberes, flacker- und ruckelfreies Bild zu haben.
Problem ist hier eben, dass manche TN-Monitore zwar mit 2 oder 3 ms angegeben werden für einen gtg-Farbwechsel, aber im Farbraum wesentlich langsamer schalten. Erstens kann es sein, dass sie von hellblau nach minzgrün prinzipiell schon 10 ms brauchen und zweitens haben sie nur 18bit Farbtiefe. Wenn sie eine Farbe anzeigen wollen, die außerhalb dieses Farbraums liegt, müssen sie 2 Farben, die drin liegen, schnell hintereinander anzeigen (terminale Interpolation), damit das Auge die als eine Mischfarbe wahrnimmt. Das kann dann also schon 20 ms dauern. Kommen dann noch die 17 ms für das ansteuern mit 60 Hz dazu. Das macht dann im schlimmsten denkbaren Fall 37 ms und für empfindliche Augen könnte das Bild dann schon sichtbar ‚laggen‘.
Dagegen muss ein hochwertiges 24bit PVA-Panel, welches zwar mit langsamen 8 ms gtg-Schaltzeit angegeben ist, diese aber bei jedem Farbwechsel schaft und für Zwischenfarben keine Zeit durch eine Interpolation verliert, auch im ungünstigsten Fall real bei ca. 25 ms rauskommen, was fürs menschliche Auge völlig flüssig wäre.
LG Jesse