Hallo Spanischkundige!
„hablar“ geht andererseits auf lateinisch „fabulari“ =
Geschichten erzählen zurück
las ich auf dem Deutsch-Brett. Dazu hab ich schon lang eine Frage:
Weiß man, auf welches sprachliche Substrat auf der iberischen Halbisel (darum muss es sich ja wohl handeln) dieses Lautgesetz zurückzuführen ist, dass aus dem anlautenden f- des Lateinischen im Spanischen (oft) ein h- geworden ist?
Dank und Gruß!
Hannes
Weiß man, auf welches sprachliche Substrat auf der iberischen
Halbisel (darum muss es sich ja wohl handeln) dieses
Lautgesetz zurückzuführen ist, dass aus dem anlautenden f- des
Lateinischen im Spanischen (oft) ein h- geworden ist?
Hallo Hannes!
In einer Romanistikvorlesung hat man uns erzählt, dass dieses Phänomen vielleicht auf den Einfluss der baskischen Sprache zurückzuführen sei. Das Baskische habe keine labiodentalen Laute, deswegen sei das lateinische ‚f‘ entweder durch ‚b‘ ersetzt, ausgelassen oder aspiriert worden. Mehr weiß ich dazu leider auch nicht.
smokassi
Ja danke!
Das geht genau in die Richtung, wo ich suche.
Schönen Gruß!
Hannes
Hallo Hannes,
„hablar“ geht andererseits auf lateinisch „fabulari“ = Geschichten erzählen zurück
Weiß man, auf welches sprachliche Substrat auf der iberischen
Halbisel (darum muss es sich ja wohl handeln) dieses
Lautgesetz zurückzuführen ist, dass aus dem anlautenden f- des
Lateinischen im Spanischen (oft) ein h- geworden ist?
in der Forschung wird mehrheitlich davon ausgegangen, dass es sich um das Baskische handelt. Das /f/-Phonem hat in dieser Sprache, die als linguistisch isoliert klassifiziert wird, einen besonderen, weil nicht-nativen Status:
- The non-Indo-European languages of Europe have f-sounds mainly by virtue of borrowing. That is their only source in Basque […].
(Charles F. Hockett: Distinguished Lecture: F. In: American Anthropologist, New Series, Vol. 87, Nr. 2 (Jun. 1985), S. 263–281.)
Was geschah mit labiodentalen Frikativen im Baskischen und wieso wurden sie im Kastilischen stumm?
- The Basque sounds closest to those [labiodental fricatives] were bilabial fricatives […]. This voiceless bilabial /ɸ/ was almost imperceptible to people outside the Cantabrian […] area.
(R. Thomas Douglass: The Letter H in Spanish. In: Hispania, Vol. 70, Nr. 4 (Dez. 1987), S. 949–951.)
Zu Bedeutung gelangte diese lokale phonetische Entwicklung, weil die Basken früher auf der iberischen Halbinsel präsenter waren als heute:
- The frontier between Basque and Romance has been steadily moving toward the north for many centuries as the number of Basque speakers has dwindled […], but during the first few centuries after the Moslem invasion, Basques were found in a much larger area and may even have occupied lands close to the city of Burgos, founded in A. D. 882, essentially the capital of Castile.
(Paul M. Lloyd: Where Spanish Came from: The Birth of Castile. In: Proceedings of the American Philosophical Society, Vol. 133, Nr. 3 (Sept. 1989), S. 360–369.)
Zunächst wurde die h-Aussprache als sprachliches Charakteristikum niedriger sozialer Schichten des Nordens angesehen. Die rigide Sozialstruktur in Kastilien verhinderte über einige Jahrhunderte das Vordringen dieses Merkmals:
- The spread of elements of lower class speech may have been aided, however, not only by the continuous movement southward of people from the north, but also by another factor, namely, covert prestige. In the estimation of the members of the upper classes the use of [h] for /f/ and the abandonment of voiced sibilants may have been considered somewhat vulgar. It is entirely likely, however, that among many speakers there existed at the same time a hidden, but no less real, admiration for these, as well as other aspects of Castilian, as somehow characteristic of a tough, aggressive attitude toward life. Such covert prestige is often a powerful factor in the maintenance of socially disapproved aspects of life.
(Lloyd: Where Spanish Came from: The Birth of Castile. 1989.)
Oder wie Douglass schreibt:
- The spread southward began in the thirteenth century and included Segovia, Soria, Toledo, Madrid, Guadalajara, and Salamanca by the fourteenth century. By the end of the fifteenth century, h for f was widespread in Spain.
(R. Thomas Douglass: The Letter H in Spanish. 1987.)
Ich hoffe, dies erklärt das Phänomen hinreichend.
Gruß
Christopher
Ich hoffe, dies erklärt das Phänomen hinreichend.
Ich nehme an, Du meinst: erschöpfend. 
Besten Dank
Christopher!
Hannes