Facharzt Psychotherapie

Hallo
Nachdem ich immer wieder von Psychotherapeuten Klagen über angeblich mangelhafte Qualifikation und Kompetenz
von ärztlichen Psychotherapeuten höre möchte ich nun gern wissen, welche minimalen Anforderungen erfüllt werden müssen, um sich Facharzt für Psychotherapie nenen zu dürfen.
Reichen da wirklich ein paar Wochendkurse?
Gruß
KH

Nein. Definitiv nicht. Der Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, der noch in diesem Jahr umbenannt wird in den Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (und auch jetzt schon wechselweise so genannt werden darf), dauert wie „jeder anständige“ Facharzt so seine 5 bis 6 Jahre. Es ändert sich jetzt einiges in diesem Bereich. Ich war gerade auf der Facharztbesprechung in Berlin. Demnächst können Ärzte den kleineren Titel „Psychotherapie“ oder „Psychotherapeut“ nur noch im Rahmen ihres anderen Faches führen, also z.B. darf ein Frauenarzt nur noch Psychotherapie bei seinen gynäkologischen Patientinnen machen, wenn er den Zusatz Psychotherapie erworben hat.
Der FACHARZT für PSYCHOSOMATISCHE. MED.und Psychotherapie hingegen ist zusammen mit dem FACHARZT für Psychiatrie und Psychotherapie dann der „große Facharzt“ für psychische Erkrankungen.
Gruß, Branden

Hallo, nachdem ich immer wieder von Patienten Klagen über Heilpraktiker gehört habe, die sich Psychotherapeuten nennen und nun so ziemlich überhaupt keine Qualifikation bzw. geregelte Ausbildung haben, will ich Dir dennoch etwas Kanonenfutter liefern…

Tatsächlich gab es das „Problem“, dass im Rahmen einer Übergangsregelung vor mehreren Jahren ärztliche Kollegen mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie und z.B. einer Tätigkeit als praktischer Arzt bzw. andere Fachrichtungen sich den Facharzt für Psychotherapeutische Medizin „aneigenen“ konnten.

Ich denke, dass dies ein grosser Fehler war (der aber u.a. auch mit der von mir grundsätzlich sehr begrüssten Zulassung der psychologischen Psychotherapeuten zusammen hängt).

Jedenfalls gab es tatsächlich eine wahre Inflation von „Fachärzten“ im Nervenheilkundlichen Fachgebiet. Aus meiner Sicht ist dies deshalb problematisch, weil jetzt nachrückende fundiert (5-6 Jahre) ausgebildete Ärzte sich nicht niederlassen dürfen und es bald schlicht und ergreifend keine klassischen Psychiater mehr gibt. Die Bezirke sind dann zwar gesperrt, die nervenärztliche Versorgung aber eine Katastrophe… Ich bin zwar sehr für Psychotherapie, aber es muss eben auch eine klassich psychiatrische Versorgung (medikamentös, sozial-psychiatrisch oder eben in Kombination mit einem Psychotherapieverfahren) geben können. Dies leisten bald für die ehemals typischen Psychiatriepatienten (bzw. die „komplizierten“ Patienten mit Persönlichkeitsstörungen) nur noch die Institutsambulanzen von Psychiatrien… Das ist aus meiner Sicht Wahnsinn…

Wohl aber eben die ärztlichen Psychotherapeuten, die über langjährige psychotherapeutische Erfahrung (nicht aber wirklich eine entsprechende Ausbildung verfügungen müssen). Wobei die Geschichte mit einigen wenigen Wochenendkursen inzwischen auch schon sein Ewigkeiten der Vergangenheit angehört…

Jedenfalls sieht derzeit die Lage eher anders aus : Ich habe z.B. grosse Probleme einen Facharzt im Bereich Verhaltenstherapie anerkannt zu bekommen. Weniger weil ich nicht lange und qualifiziert ausgebildet worden wäre (u.a. 4,5 Jahre Verhaltenstherapie in einer der grössten VT-Kliniken in Deutschland, 2 Jahre Unipsychiatrie in Mainz, 1,5 Jahre LKH) sondern weil die Weiterbildungsbestimmungen z.T. von den Weiterbildungsinstituten und Ausbildern nicht erfüllte bzw. erfüllbare Bedingungen enthalten…

Ich habe mehrere tausend Euro in die Weiterbildung gesteckt (und werde sicher den ein oder anderen Facharzt ablegen können…). Nur frage ich mich gerade, ob das wirklich für mich finanziell gesehen lukrativ wäre. Jedenfalls ist für mich derzeit eher eine privatärztliche Tätigkeit sinnvoller…

Martin (der jetzt das WE über weg ist)

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Peter,
Die Psychotherapeuten, auf deren Klagen ich mich bezog sind keine Heilpraktiker, sondern Dipl. Psychologen mit mehrjähriger Therapieausbildung.
Es scheint da eine gewisse Konkurenz zwischen psychologischen und ärztlichen Psychotherapeuten zu geben.
Was mich betrifft, so wende ich gelegentlich psychotherapeutische Verfahren an und kann das auch guten Gewissens tun, da ich eine mehrjährige Verhaltenstherapieausbildung gemacht habe und auch einige Zeit im klinischen Bereich tätig war (Psychiatrie).
Während meiner Tätigkeit in der Klinik haben wir immer gern über die Ärzte gelästert, die dort in erstaunlich kurzer Zeit berufsbegleitend den Facharzt für Psychotherapie gemacht haben.
Aber wie du schreibst ist das mit den Schnellkursen in Psychotherapie vorbei und wenn ich dich richtig verstanden habe, dann müssen auch Ärzte heute eine fundierte Ausbildung machen.
Die mit den Schnellkursen werden aber wohl nicht so schnell aussterben und weiter praktizieren.
Danke für deine Auskunft.
Gruß
KH

Hallo,
ganz schön kompliziert bei euch da drüben :smile:

Grüße aus Österreich
Irene

Hallo,

Die Psychotherapeuten, auf deren Klagen ich mich bezog sind
keine Heilpraktiker, sondern Dipl. Psychologen mit
mehrjähriger Therapieausbildung.
Es scheint da eine gewisse Konkurenz zwischen psychologischen
und ärztlichen Psychotherapeuten zu geben.

ja, es gibt Konkurrenz zwischen psychologischen und ärztlichen Psychotherapeuten. Von psychologischer Seite heißt es immer mal wieder, daß Psychologen zwar über eine psychologische Ausbildung verfügen, die Ärzte nicht haben, Ärzte aber im Gesundheitssystem besser gestellt sind als Psychologen. Oft wird das Beispiel der Hierarchie in klinischen Einrichtungen angeführt, in denen nicht (wirklich) psychotherapeutisch kompetente Ärzte ihren Psychologen ins Handwerk pfuschen, weil der Herr Doktor („Halbgott in Weiß“) meint, es aufgrund seines Titels besser zu wissen als sein Psychologe, der ja „nur“ ein Diplom hat (obwohl jeder, der die beiden Studiengänge kennt, weiß, woher die Unterschiede rühren). Man hört auch hin und wieder von den dürftigen Kenntnissen einiger Mediziner im klinischen Forschungsbereich, die trotzdem nicht die Vorschläge ihres in der Regel methodisch besser ausgebildeten Psychologen berücksichtigen und deshalb mit ihrer Studie baden gehen.

Na ja, mir ist so etwas noch nicht passiert, aber ich arbeite z.Z. auch nicht in einer Einrichtung, in der Ärzte tätig sind. Ich kann aus eigener Erfahrung sogar davon berichten, daß Ärzte die Kompetenz eines Psychologen auf dessen Gebiet anerkennen oder gerade aufgrund dieser Kompetenz den Psychologen mit ins Boot holen.

Gruß,

Oliver Walter

1 „Gefällt mir“