Facharztwartezeiten

Hallo Forumsmitgöieder,

ich las weiter unten den Thread über die Frage nach den katastrophalen Facharztwartezeiten und fand einige Antworten sehr interessant. Es stellt sich mir aufgrund verschiedener anderweitiger Informationen aber folgende Frage:

Es gibt wohl eine „Marge“, wieviele Facharztsitze für einen bestimmten Bezirk/ jeweilige Fachgebiete zugelassen werden. Wer bestimmt die Zahl der Kassenarztsitze pro Fachgebiet in einem Bezirk - Ärztekammer? Krankenkasse? Oder, wie beim Zulassungsausschuß, ein daraus gemischtes Gremium? Oder wer sonst?

Wie oft/ unter welchen Umständen wird die Zahl solcher Sitze revidiert(= nach oben oder unten geschraubt)? Wer entscheidet über die Änderung dieser „Margen“ (daß überhaupt geändert werden soll)?

Erfährt der Patient/ die Menge der Patienten/ Beitragszahler je irgendetwas über diese seine Interessen so sehr berührenden Entscheidungen? (meine Krankenkasse tut sich zwar durch jährlich immer umfangreichere und buntere Prospekte hervor, die ich, obwohl ich sie ohne Zustimmung auch von meinen Beiträgen finanziert weiß, auch noch zu lesen persönlich als belästigend empfinde, aber solche Dinge stehen nie darin, auch nicht näherungsweise).

Hintergrund meiner Frage: ich höre aus einer bestimmten sehr großen Stadt in Deutschland z.B., daß die Zahl der Kassenarztsitze für ein bestimmtes, wachsend notwendiges (aufgrund wachsender Erkenntnisse) Fachgebiet innerhalb weniger Jahre entscheidend zurückgeschaubt worden sei - Ärzte, die sich dort beworben haben, bekamen keine Zulassung mehr, auch wenn frühere Praxisinhaber aufgehört hatten. Die ohnehin bereits sehr langen Wartezeiten für dieses Fach verlängerten sich seitdem um ein Mehrfaches.
Danke für kundige Antworten, S.I.

ich las weiter unten den Thread über die Frage nach den
katastrophalen Facharztwartezeiten und fand einige Antworten
sehr interessant. Es stellt sich mir aufgrund verschiedener
anderweitiger Informationen aber folgende Frage:

Es gibt wohl eine „Marge“, wieviele Facharztsitze für einen
bestimmten Bezirk/ jeweilige Fachgebiete zugelassen werden.
Wer bestimmt die Zahl der Kassenarztsitze pro Fachgebiet in
einem Bezirk - Ärztekammer? Krankenkasse? Oder, wie beim
Zulassungsausschuß, ein daraus gemischtes Gremium? Oder wer
sonst?

Die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung erfolgt per Gesetz durch die sog. „kassenärztliche Vereinigung“. Diese legt die Zahl der zu besetzenden Kassenarztsitze nach geheimnisvollen Kriterien fest. Offiziell vertritt sie auch die Ärzte gegenüber den Krankenkassen - tatsächlich aber tritt sie sie eher.

Besetzt werden die KVen durch Verwaltungsbeamte und Ärzte, die von Medizin keine Ahnung haben (ich kenne da nur eine Ausnahme), und sie bestimmen darüber, wieviel Ärzte welcher Fachrichtung in dem entsprechenden Gebiet zugelassen werden.

Die KVen wurden nach dem Krieg gegeründet, damit die Ärzte nicht durch die Krankenkassenkassen ausgenommen werden können. So rechnen Ärzte auch nicht mit den Krankenkassen ab, sondern mit der für sie zuständigen KV.

Die Machtfülle der KVen ist in den letzten Jahrzehnten immens gestiegen und man komm nur noch mit Hilfe der Sozialgerichte dagegen an - und diese Prozesse sind für den Arzt kostenpflichig!

Die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung
erfolgt per Gesetz durch die sog. „kassenärztliche
Vereinigung“. Diese legt die Zahl der zu besetzenden
Kassenarztsitze nach geheimnisvollen Kriterien fest.

Servus Priamos,

hier will jemand erst einmal Auskunft, nicht die - sicher verständlichen - frustbedingeten Kommentare eines altgedienten Weißkittels.

Vielleicht sind für Dich die Kriterien geheimnisvoll - transparent sind sie trotzdem. Sie sind in Gesetzen (SGBV), Satzungen, (z.B. die Satzung der Kasenärztlichen Vereinigung Bayerns:

http://www.kvb.de/fileadmin/kvb/dokumente/Praxis/Rec…

und in Ordnungen (hier die Zulasungsordnung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung)

http://daris.kbv.de/daris/doccontent.dll?LibraryName…

festgelegt.

KV’en bilden mit den Kassen zusammen die sogenannte Selbstverwaltung, die in übertragener Normenkompetenz staatlich/hoheitliche Aufgaben wahrnimmt.

Soweit die Fiktion. In der Realität haben die beiden großen Ärztegruppen (die niedergelassenen Ärzte und die Krankenhausärzte) unterschiedliche Wahrnehmungen und Interessenlagen. Wenn es ums Geld geht, kommen die Interessen der Vertragsärzte und der Privatärzte, der Fachgruppen, der Krankenkassen und -versicherungen, der Arbeitgeber und Gewerkschaften und die der Gesetzgeber noch dazu.
Da ist es kein Wunder, wenn in der Selbstverwaltung ein hohes Maß an Professionalität gefordert ist, das ein niedergelassener Arzt mit seinen zeitlichen und wirtschaftlichen Zwängen kaum noch erwerben kann. Das führt zur Entfremdung zwischen Wählern und Gewählten, zu Frust und Misstrauen - wie im Parlamentarismus auch. Aber - dass genug Ärzte ihren Hintern hochkriegen würden, um auf demokratische Weise die Verhältnisse in Kammer und KV zu ändern, ist seit den fünfziger Jahren nicht passiert. Da ist es schon bequemer, ein paar vollautomatische Sottisen abzulassen und zur Tagesordnung überzugehen.

Offiziell

vertritt sie auch die Ärzte gegenüber den Krankenkassen -
tatsächlich aber tritt sie sie eher.

s.o.

Besetzt werden die KVen durch Verwaltungsbeamte und Ärzte, die
von Medizin keine Ahnung haben (ich kenne da nur eine
Ausnahme), und sie bestimmen darüber, wieviel Ärzte welcher
Fachrichtung in dem entsprechenden Gebiet zugelassen werden.

Die ‚Verwaltungsbeamten‘ sind keine Staatsbeamten, die von irgendwelchen Ministerien in die KVen abgeordnet werden, sondern Angestellte der KVen, deren Führung von den Ärzten frei gewählt wird.

Die KVen wurden nach dem Krieg gegeründet, damit die Ärzte
nicht durch die Krankenkassenkassen ausgenommen werden können.
So rechnen Ärzte auch nicht mit den Krankenkassen ab, sondern
mit der für sie zuständigen KV.

Es sollte hier erwähnt werden, dass das ‚Prüfgeschäft‘, also die Überprüfung der Abrechnungen auf Einhaltung der Vorschriften und des Wirtschaftlichkeitsgebots, von den KVen betrieben und verantwortet wird. Die Kassen sitzen allerdings in den entsprechenden Aussschüssen mit Parität drin.

Die Machtfülle der KVen ist in den letzten Jahrzehnten immens
gestiegen und man komm nur noch mit Hilfe der Sozialgerichte
dagegen an - und diese Prozesse sind für den Arzt
kostenpflichig!

. . . für die anderen Parteien vor dem Sozialgericht ebenso. Die Zusammensetzung der zuständigen Kammern ist ziemlich professionell, die Schöffen dort kommen auch aus der Kollegenschaft und haben durchaus Ahnung von der medizinischen Realität.

All die Institutionen, die über uns Weißkittel wachen, die unsere Interessen, oder die der Allgemeinheit vertreten, tun das in Deutschland. In einem Land, das zur Überregulierung neigt, in dem nicht einmal Revolutionen dazu führen, dass Verstaubtes und Veraltetes in den Mülleimer kommt. Deshalb ist es völlig aussichtslos, das deutsche Gesundheitswesen reformieren zu wollen. Hasselfeld, Ehrenberg, Blüm, Fischer, Seehofer. Schmid und Rösler wären ein paar, die es angeblich versucht haben. Es ist ein Wunder, dass unser Gesundheitssystem tatsächlich gelegentlich gesunde Menschen gesund bleiben lässt :wink:. Da sind wir beide uns dann wohl wieder einig.

Gruß

Kai Müller

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frustbedingeten Kommentare eines altgedienten Weißkittels.

Hallo …,

man freut sich immer über sachliche Kommentare…
Auch wenn einem andere Kommentare politisch nicht ganz so gefallen.

Aber zurück zum Thema in Rheinland -Pfalz gibt es eine Art Bedarfsplanung von der KV. Das heißt man sieht nach den letzten Demografischen Daten, schätzt in etwa wie die Anzahl der Privatpatienten aussehen könnte (Soziale Umfeld) und vergibt dann entsprechend die Zulassungen.

Daraus ergibt sich warum in Freiburg (Breisgau) ein Überangebot an Hausärzten /Fachärzten gibt und im Osten man auf einen Termin sehr sehr lange warten muss.

Gruss Joe

PS.
mehr zum Thema
http://www.kv-rlp.de/info-center/info-center/zulassu…
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/freiburg-hat…

Soweit die Fiktion.

Fiktion ist gut. Sie werden staunen: Ich habe mir für Ihren ausgezeichneten Artikel sogar ein Sternchen abgerungen.

In der Realität haben die beiden großen
Ärztegruppen (die niedergelassenen Ärzte und die
Krankenhausärzte) unterschiedliche Wahrnehmungen und
Interessenlagen. Wenn es ums Geld geht, kommen die Interessen
der Vertragsärzte und der Privatärzte, der Fachgruppen, der
Krankenkassen und -versicherungen, der Arbeitgeber und
Gewerkschaften und die der Gesetzgeber noch dazu.
Da ist es kein Wunder, wenn in der Selbstverwaltung ein hohes
Maß an Professionalität gefordert ist, das ein
niedergelassener Arzt mit seinen zeitlichen und
wirtschaftlichen Zwängen kaum noch erwerben kann.

In der Realität haben wir aber das Problem, daß ein ärztlicher KV-Funktionär ein enormes Gehalt bezieht und sich auch noch beliebig lange in seiner Praxis vertreten lassen kann und so noch einmal verdient.

Das führt
zur Entfremdung zwischen Wählern und Gewählten, zu Frust und
Misstrauen - wie im Parlamentarismus auch. Aber - dass genug
Ärzte ihren Hintern hochkriegen würden, um auf demokratische
Weise die Verhältnisse in Kammer und KV zu ändern, ist seit
den fünfziger Jahren nicht passiert. Da ist es schon bequemer,
ein paar vollautomatische Sottisen abzulassen und zur
Tagesordnung überzugehen.

So ganz vollautomatisch ist das nicht. Ich sitze in einer Gegend, in welcher durch den Tod eines Praxisinhabers der Notstand noch verschärft wird, die Leute kriegen kaum noch einen Hausarzt. Ein weiterer Kollege ist in meinem Alter und kämpft sich mühsam durch den Tag.
Anfrage an die KV: Darf die niedergelassene Internistin wenigstens vorübergehend auch allgemeinärztlich tätig sein?
Nein.

Da hat man doch irgendwo vergessen, einen Gesetzestext auf Klopapier zu drucken!

Offiziell

vertritt sie auch die Ärzte gegenüber den Krankenkassen -
tatsächlich aber tritt sie sie eher.

s.o.

Besetzt werden die KVen durch Verwaltungsbeamte und Ärzte, die
von Medizin keine Ahnung haben (ich kenne da nur eine
Ausnahme), und sie bestimmen darüber, wieviel Ärzte welcher
Fachrichtung in dem entsprechenden Gebiet zugelassen werden.

Die ‚Verwaltungsbeamten‘ sind keine Staatsbeamten, die von
irgendwelchen Ministerien in die KVen abgeordnet werden,
sondern Angestellte der KVen, deren Führung von den Ärzten
frei gewählt wird.

Ja ja, ich hab auch nicht an Staatsbeamte gedacht.

Die KVen wurden nach dem Krieg gegeründet, damit die Ärzte
nicht durch die Krankenkassenkassen ausgenommen werden können.
So rechnen Ärzte auch nicht mit den Krankenkassen ab, sondern
mit der für sie zuständigen KV.

Es sollte hier erwähnt werden, dass das ‚Prüfgeschäft‘, also
die Überprüfung der Abrechnungen auf Einhaltung der
Vorschriften und des Wirtschaftlichkeitsgebots, von den KVen
betrieben und verantwortet wird. Die Kassen sitzen allerdings
in den entsprechenden Aussschüssen mit Parität drin.

Die Machtfülle der KVen ist in den letzten Jahrzehnten immens
gestiegen und man komm nur noch mit Hilfe der Sozialgerichte
dagegen an - und diese Prozesse sind für den Arzt
kostenpflichig!

. . . für die anderen Parteien vor dem Sozialgericht ebenso.
Die Zusammensetzung der zuständigen Kammern ist ziemlich
professionell, die Schöffen dort kommen auch aus der
Kollegenschaft und haben durchaus Ahnung von der medizinischen
Realität.

All die Institutionen, die über uns Weißkittel wachen, die
unsere Interessen, oder die der Allgemeinheit vertreten, tun
das in Deutschland. In einem Land, das zur Überregulierung
neigt, in dem nicht einmal Revolutionen dazu führen, dass
Verstaubtes und Veraltetes in den Mülleimer kommt. Deshalb ist
es völlig aussichtslos, das deutsche Gesundheitswesen
reformieren zu wollen. Hasselfeld, Ehrenberg, Blüm, Fischer,
Seehofer. Schmid und Rösler wären ein paar, die es angeblich
versucht haben. Es ist ein Wunder, dass unser
Gesundheitssystem tatsächlich gelegentlich gesunde Menschen
gesund bleiben lässt :wink:. Da sind wir beide uns dann wohl
wieder einig.

Sind wir. Ich kenne beide Seiten, die des Krankenhausarztes und die eines Niedergelassenen, aus der ich allerdings nach 6 Jahren geflüchtet bin, gerade noch rechtzeitig.
Danach begann für mich im Krankenhaus ein neuer Frust: Ich mußte mir bei den weiterführenden therapeutischen Empfehlungen stets überlegen, das Budget des Hausarztes nicht zu überschreiten.

… Jeder hat Anrecht auf ausreichende Behandlung… Was für ein Witz! Kaum einer merkt, daß „ausreichende“ Behandlung nicht heißt „optimal“ oder „die beste“.

In der mir naheliegenden Universitätsklinik fehlen in einem bestimmten Funktionsbereich so an die 6 Ärzte und an die 11 Krankenschwestern. Kein Geld da.
Aber gleichzeitig wurden 80 neue Verwaltungsstellen geschaffen.
Macht doch Spaß!!

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Hi

Ich kann zwar nicht sagen ob es gesetzlich so zutrifft , wie ich das wahr nehme.
nehmen wir mal meine Wohngegend und aktuell den von mir im moment benötigten Augenarzt .

Da ist eine Praxis mit 2 Ärzten in […], die beiden Ärzte sind aber Vollstümper !
der nächste ist in […] , ca 40 km weg , ein anderer in […] , auch ca 35 km aber in die andere richtung und ein weiterer in […] auch ca 40 km weg und als Zentrale die Augenklinik in […].

mehr sind es nicht , es gibt zwar noch 2 Augenärzte über 60 jahre, die nehmen aber nur noch Ihre alteingesessenen Stammpatienten um so gemächlich in den Ruhestand zu gehen .

heist ein Augenarzt ist zuständig für ein Radius von ca 40 - 50 km
dazwischen hängt noch diese Praxis in […] , die unzählige Anzeigen wegen Fehlbehandlungen hat , wo kaum noch einer hin geht .

wundert man sich jetzt über Wartezeiten bis zu 10 Monaten … ich nicht

Toni


[MOD] Ortsnamen entfernt

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Und dann gibt es da noch die strukturell schwachen Gegenden, in denen ein Facharzt zwar theoretisch gut von den vielen Patienten leben könnte, die aber dank Budgetierung finanziell so uninteressant sind, dass alteingesessene Ärzte nicht einmal Nachfolger finden, wenn sie ihre Praxis VERSCHENKEN …

Und dann gibt es da noch die strukturell schwachen Gegenden,
in denen ein Facharzt zwar theoretisch gut von den vielen
Patienten leben könnte, die aber dank Budgetierung finanziell
so uninteressant sind, wenn sie ihre Praxis VERSCHENKEN …

Das ist leider richtig, und es wird noch schlimmer werden. Kai Müller bestätigt das in seinem Posting implizit durchaus, auch wenn er nicht meine zugegebenermaßen zuweilen giftige Diktion hat.

Hallo…,

ja es stimmt auf dem flachen Land hat man große Probleme einen Facharzttermin zu bekommen. Hier in der Gemeinde klappt es zwar gut mit dem Hausarzt aber sonst sieht es ganz schlecht aus.
Mit dem Augenarzt erging es mir gerade ähnlich ich musste zum Augenarzt ein Notfall … . Bei Anrufen … die Arzthelferin es ist egal ob sie ein Notfall sind wir können sie nicht dran nehmen und Tschüss.
Nun ca. 40 km von mir entfernt in Ettlingen bin ich in eine Optikergeschäft und habe da gefragt. Ja und oh Wunder ich kam fast sofort dran. (> Notfall).
Ich schätze sehr viel Ärzte udgl. gehen nach dem Studium ins Ausland.
In der Schweiz sind bestimmt mehr als 50 Prozent des medizinischen Personals inzwischen Deutsche.
Ob das nur daran liegt das die Ärzte in Großbritannien z.B. merh verdienen weis ich nicht.
Die Frankfurter Allgemeine schrieb 2008 > In Niedersachsen erhielten rund 13 600 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten im Jahr 2006 etwa 2,48 Milliarden Euro Honorar.
Dabei wird das Honorar ganz unterschiedlich von der KV verteilt. So sind die Radiologen gut dabei bei anderen sieht es nicht ganz so …

Es ist also schon eine schwierige Geschichte. Im Endeffekt heißt das, das Gesundheitswesen wird noch teurer und Termine gibt es noch weniger.
Ich war bei dem letzten Termin nach knapp 3 Minuten wieder draußen.
Da hatte ich eine IGeL - Leistung für 20 Euro und die Krankenkasse hat für die Überweisung ja auch noch bezahlt.
Nun könnte man ja fragen ob sich das Ganze so wie in den USA entwickelt.
Ein Unfall Einlieferung ins Krankenhaus, als erstes die Frage kann die Behandlung bezahlt werden, wenn nicht Pech gehabt… .
In Großbritannien ist man froh wenn bei einem Notfall ein Notarzt kommt, dank Frau Thatcher. Nun probieren wir einmal da Gleiche.
Die Kopfpauschale ist da nur der Anfang.

Gruss Joe

Hallo Kai,

hier will jemand erst einmal Auskunft, nicht die - sicher
verständlichen - frustbedingeten Kommentare eines altgedienten
Weißkittels.

Da ich mit Priamos in etwa einig bin, was „Frust“ in diesem Bereich angeht, war sein Beitrag insgesamt für mich gut verständlich; trotz der (subjektiverweise von mir begrüßten) Sticheleien. Vielleicht sogar: wegen …

Soweit die Fiktion. In der Realität haben die beiden großen
Ärztegruppen (die niedergelassenen Ärzte und die
Krankenhausärzte) unterschiedliche Wahrnehmungen und
Interessenlagen. Wenn es ums Geld geht, kommen die Interessen
der Vertragsärzte und der Privatärzte, der Fachgruppen, der
Krankenkassen und -versicherungen, der Arbeitgeber und
Gewerkschaften und die der Gesetzgeber noch dazu.

Ja, und wie.
Die Labor- und Röntgenärzte stehen an der Spitze der Einkommen, die Kinderärzte und Psychiater am Ende, zumindest war das lange Zeit so und hat sich m.W. nicht entscheidend geändert. Klar. Kinder sind ja kleiner als Erwachsene, da kommt man mit weniger Geld aus als behandelnder Arzt, und der Aufwand der Behandlung ist geringer, zumal ja mindestens die Mutter hilft, oft auch Vater und Großeltern, was unendlich viel Zeit und Mühe spart! Und der Psychiater - ja das weiß eh nur der Auserwählte, was der so treibt…

Da ist es kein Wunder, wenn in der Selbstverwaltung ein hohes
Maß an Professionalität gefordert ist, das ein
niedergelassener Arzt mit seinen zeitlichen und
wirtschaftlichen Zwängen kaum noch erwerben kann. Das führt
zur Entfremdung zwischen Wählern und Gewählten, zu Frust und
Misstrauen - wie im Parlamentarismus auch.

Offensichtliches müßte, schon aus Solidaritätsgründen, auch von allen Entscheidungsträgern für alle von zeitlichen und wirtschaftlichen Zwängen gebeutelte Praktiker gerecht berücksichtigt werden.

Aber - dass genug
Ärzte ihren Hintern hochkriegen würden, um auf demokratische
Weise die Verhältnisse in Kammer und KV zu ändern, ist seit
den fünfziger Jahren nicht passiert. Da ist es schon bequemer,
ein paar vollautomatische Sottisen abzulassen und zur
Tagesordnung überzugehen.

Ja, eine Schande, wie träge der gemeine Praktiker seine demokratischen Chancen vermasselt … da es Ärzte doch generell schon extrem bequem haben. Schon das Studium ist ein Spaziergang … und die Berufsausübung eine lukrative Hängematte mit Überstunden, Schlafdefiziten, Freizeitverzicht, Wochenendbesetzung durch Fortbildungen ohne Ende … derartige Hängemattenbewohner werden rasch ermattet durch endlose „demokratische“ Debatten von Funktionsträgern …

Die Zusammensetzung der zuständigen Kammern ist ziemlich
professionell, die Schöffen dort kommen auch aus der
Kollegenschaft und haben durchaus Ahnung von der medizinischen
Realität.

Das scheint mir oft in keiner Weise der Fall. Endlose Wartezeiten für eine bestimmte Facharztrichtung, ohnehin von allen Praktikern für ihre Patienten beklagt - dann wird die Zahl der Kassenarztsitze genau für DIESES Fachgebiet NOCH weiter gekürzt …

All die Institutionen, die über uns Weißkittel wachen, die
unsere Interessen, oder die der Allgemeinheit vertreten, tun
das in Deutschland. In einem Land, das zur Überregulierung
neigt, in dem nicht einmal Revolutionen dazu führen, dass
Verstaubtes und Veraltetes in den Mülleimer kommt. Deshalb ist
es völlig aussichtslos, das deutsche Gesundheitswesen
reformieren zu wollen. Hasselfeld, Ehrenberg, Blüm, Fischer,
Seehofer. Schmid und Rösler wären ein paar, die es angeblich
versucht haben. Es ist ein Wunder, dass unser
Gesundheitssystem tatsächlich gelegentlich gesunde Menschen
gesund bleiben lässt :wink:. Da sind wir beide uns dann wohl
wieder einig.

Na also.
Da hilft wohl nur, mitbestimmende Patienteninstanzen (-Interessenvertretungen) zu schaffen, die mitbestimmen können, wieviel Kassenarztsitze es für welche Fächer geben sollte - unter Berücksichtigung der jeweiligen Wartezeiten. (Da könnte dann auch gleich versucht werden, zu erreichen, daß auch der Kassenpatient seine Rechnungen für die Kasse zu sehen bekommt.)
Daß mit den Unsummen, die der Beitragszahler jährlich in die Töpfe der Krankenkassen einzahlt, ab dem Augenblick der Einzahlung dann nur noch von „Profis“ entschieden wird, wird weder den Rechten dessen gerecht, der zahlt, noch dessen, der krank ist und die Hilfe zeitnah braucht.

S.I.

Da ich mit Priamos in etwa einig bin, was „Frust“ in diesem
Bereich angeht, war sein Beitrag insgesamt für mich gut
verständlich; trotz der (subjektiverweise von mir begrüßten)
Sticheleien. Vielleicht sogar: wegen …

Konstruktiv ist das aber nicht. Ich finde Kais Beitrag dagegen einen sehr sinnvollen Ansatz für eine vernünftige Diskussion.

Offensichtliches müßte, schon aus Solidaritätsgründen, auch
von allen Entscheidungsträgern für alle von zeitlichen und
wirtschaftlichen Zwängen gebeutelte Praktiker gerecht
berücksichtigt werden.

Stimmt - wenn denn die Funktionäre noch im Blick haben, worum es überhaupt geht, nämlich die Gestaltung der Gesamtversorgung über alle Fachgruppen hinweg.

Ja, eine Schande, wie träge der gemeine Praktiker seine
demokratischen Chancen vermasselt … da es Ärzte doch
generell schon extrem bequem haben. Schon das Studium ist ein
Spaziergang … und die Berufsausübung eine lukrative
Hängematte mit Überstunden, Schlafdefiziten, Freizeitverzicht,
Wochenendbesetzung durch Fortbildungen ohne Ende … derartige
Hängemattenbewohner werden rasch ermattet durch endlose
„demokratische“ Debatten von Funktionsträgern …

Lass doch den Zynismus an der Stelle weg. Grundsätzlich ist es an der Stelle völlig berechtigt, darauf hinzuweisen, dass sich die Ärzteschaft ihre Vertreter selbst wählt! Es ist ein sehr billiges Argument, dass man hilflos sei gegen gewählte Betonköpfe, weil man ja arbeitsmäßig so überlastet sei. Das Stichwort Hängemattenbewohner ist zwar deutlicher Ausdruck des eigenen Frustes - aber ist letztlich auf nicht angebracht, weil die Mehrheit in der Gesellschaft nicht so denkt.
Eine Änderung der Situation, so schwer sie sowieso schon ist, führt man mit Sicherheit nicht mit dem Tonfall herbei.

Paradebeispiel für eine KV, wo ich mich schon seit Jahren wundere, warum sie nicht schon längst von den Ärzten abgeschossen wurde, sind bspw. die Berliner. Da kenne ich sogar „Flachpfeifen“, die eine alternative an den Start bringen wollen, persönlich - und weiß daher aus erster Hand, wie die Reaktionen der Kollegen darauf ausfallen. Es ist traurig.

Wobei ich in einem Punkt sogar noch mitgehen kann: Was das aktive Engagement angeht (nicht das passive als Wähler) haben die guten, engagierten Ärzte, die ihren Job auch noch aus Überzeugung machen, wohl eh keine Zeit auf Funktionärsgehampel.

Hasselfeld, Ehrenberg, Blüm, Fischer,
Seehofer. Schmid und Rösler wären ein paar, die es angeblich
versucht haben. Es ist ein Wunder, dass unser
Gesundheitssystem tatsächlich gelegentlich gesunde Menschen
gesund bleiben lässt :wink:. Da sind wir beide uns dann wohl
wieder einig.

Na also.
Da hilft wohl nur, mitbestimmende Patienteninstanzen
(-Interessenvertretungen) zu schaffen, die mitbestimmen
können, wieviel Kassenarztsitze es für welche Fächer geben
sollte - unter Berücksichtigung der jeweiligen Wartezeiten.

Es geht auch, aber eben nicht nur um Kassenarztsitze. Genau da liegt m.E. der Fehler! Das Ganze wird seit Jahrzehnten überwiegend von Maßnahmen her aufgerollt, was dazu führt, dass man für andere, die wirklich effizienten Lösungen nicht offen ist.
Ein weiterer Aspekt, der m.E. maßgeblich an Lösungen hemmt, ist, dass jede Gruppe nur die Schuld beim Anderen sucht und selber keinen Veränderungswillen zeigt. Verständlich, ist auch bequemer, aber führt zu nix.

Den Hinweis darauf, Patienten stärker einzubeziehen, halte ich für goldrichtig! Denn die (potenziellen) Patienten, um die es geht, sind ja nicht nur die, um deren Gesundheit es geht, sondern die, welche auch den Mist zu bezahlen haben. Genauso wie an der Diskussion m.E. auch viel mehr die Helferberufe beteiligt gehören. Aber eben nicht mit dem Ziel, nur die eigene Zunft zu befriedigen, sondern das „Output“ zu verbessern.

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Den Hinweis darauf, Patienten stärker einzubeziehen, halte ich
für goldrichtig! Denn die (potenziellen) Patienten, um die es
geht, sind ja nicht nur die, um deren Gesundheit es geht,
sondern die, welche auch den Mist zu bezahlen haben. Genauso
wie an der Diskussion m.E. auch viel mehr die Helferberufe
beteiligt gehören. Aber eben nicht mit dem Ziel, nur die
eigene Zunft zu befriedigen, sondern das „Output“ zu
verbessern.

JaninaG schafft es immer wieder, daß ihre Schriften bei mir leichte Verärgerung erzeugen. Leider findet man sie in allen Brettern.
Hier wird es mal wieder typisch:
Wie soll ich in ein System Leute mit einbeziehen, die den Unterschied zwischen Einkommen und Umsatz nicht kennen!
Man sieht’s auch hier.
Ein Psychiater etwa kriegt weniger Geld, weil sein Umsatz geringer ist etwa im Vergleich zum Radiologen der einen millionenschweren Maschinenpark vor sich herschiebt. CT, MRT, konventionelles Röntgen - schon haben wir locker die Million überschrittten. Allein bei den Zinsen kriegt man schon graue Haare, von der Tilgung reden wir noch gar nicht.
Und jetzt brauchen wir neben ahnungslosen Patienten noch unbedingt noch ahnunslosere Krankenschwestern oder sonstige Klugscheißer, die von Ökonomie keine Ahnung haben. Und Basel II für einen Vorort von Lörrach halten.

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JaninaG schafft es immer wieder, daß ihre Schriften bei mir
leichte Verärgerung erzeugen.

Wenn das so ist und jemand wirklich clever wäre, dann würde er die Beiträge nicht mehr lesen.

Hier wird es mal wieder typisch:
Wie soll ich in ein System Leute mit einbeziehen, die den
Unterschied zwischen Einkommen und Umsatz nicht kennen!

Spannend. Ein Mediziner kennt von Natur aus den Unterschied zwischen Einkommen und Umsatzsteuer - aber ein Physiotherapeut, ein Mechanikermeister oder ein Betriebswirt (als Patient) kennen ihn nicht? Ist ja interessant.

Ein Psychiater etwa kriegt weniger Geld, weil sein Umsatz
geringer ist etwa im Vergleich zum Radiologen der einen
millionenschweren Maschinenpark vor sich herschiebt.

… usw.

Danke für die Aufklärung. Wirklich! Ich arbeite seit über 15 Jahren im Gesundheitswesen, auch mit betriebswirtschaftlichen Zahlen. Aber das hätte ich jetzt nicht gedacht! DANKE! DANKE! DANKE!
Ich habe echt geglaubt, die Radiologen kriegen die Geräte immer von der Pharmaindustrie hingestellt! Das haben die mir nie erzählt, dass die das selber zahlen müssen.

Und jetzt brauchen wir neben ahnungslosen Patienten noch
unbedingt noch ahnunslosere Krankenschwestern oder sonstige
Klugscheißer, die von Ökonomie keine Ahnung haben. Und Basel
II für einen Vorort von Lörrach halten.

Stimmt, dass 80 Millionen Patienten in Deutschland deiner Meinung nach keine Ahnung von Medizin haben und deshalb gefälligst nicht über ihre Gesundheit und den Weg dahin mitreden dürfe, nie nicht irgendeine Handlung eines Arztes beurteilen dürfen, ist ja hinlänglich bekannt.

Dass du dich aber hier mit Inbrunst hinstellst und den Mediziner zum automatisch betriebswirtschaftlichen Experten und Unternehmer darstellst und damit selbstverständlich über die Millionen Freiberufler, Unternehmer, Betriebswirte, Kaufleute stellst, die alle schon von Berufswegen oder weil gar studiert ausgebildet davon mehr Ahnung haben, ist echt der Brüller! Wirklich! Und es hilft so ungemein, dich ernst zu nehmen.

Zum Glück stirbt die Gattung der Mediziner aus, die glauben, mit ihrer Approbation ein Fachexpertentum für ALLE Berufsgruppen erworben zu haben.

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Nachtrag
Manch einem Arzt täte es dringend gut, wenn er die „Helferberufe“ mal mer respektieren würde und mal eine Pflegekraft, Krankenschwester oder einen Physiotherapeuten fragen würde. Denn von Pflege und Physiotherapie hat der Mediziner recht wenig Ahnung - nur manche kennen halt ihre Grenzen nicht.

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Noch ein Nachtrag
Einer muss noch sein:

Ein Psychiater etwa kriegt weniger Geld, weil sein Umsatz

geringer ist

Schon dieser Satz zeugt von so viel betriebswirtschaftlichem Sachverstand, dass einem ganz schwindlig wird!

Ehrfurchtsvoll

Janina

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