Fahren auf Sicht

hey ho,

bin gerade in der L17-Ausbildung und habe demnächst Prüfung. Habe jetzt angefangen zu lernen und bin auf „Fahren auf Sicht“ gestoßen. Schon klar was „Fahren auf Sicht“ heißt, aber wie kann ich mir die benötigte Sichtweite ausrechnen? Mal ein Beispiel dazu damits klarer wird was ich meine:

Ich fahre beispielsweise auf der Autobahn > Fahren auf Sicht; Meine Sichtweite beträgt 70 m
Wie schnell darf ich fahren? Wenn möglich auch bitte eine Formel dazu!

LG

Hallo,
ist schon ewig her… Faustformel ist, daß der Abstand mindestens halber Tacho sein sollte (für PKW, aber für LKW hast du noch Zeit, da gibt es Mindestabstandsregelungen). Dimensionen lassen wir mal weg, auch wenn mir als Physiker da die Haare zu Berge stehen.
Bremsweg ist komplizierter, die Geschwindigkeit zu einem Anhalteweg (Bremsweg plus Weg in der Reaktionszeit) ist im Kopf kaum auszurechen. Aber das lernt man auch in der Fahrschule.
Faustformel für den Bremsweg s=(v/10)², umgestellt also 10*Wurzel(s), mit s=70m also etwa 80 km/h.

Cu Rene

hey ho,

also den Anhalteweg … jetzt mal ehrlich, beachtet das denn irgendwer beim Fahren? ich muss es ja nur für die theoretische Prüfung wissen, und das ist da ziemlich leicht mit den 4 Antwortmöglichkeiten wovon 3 sehr unrealistisch erscheinen.

Da finde ich diese ganze Show um Fahren auf Sicht wesentlich komplizierter. Und, das ist jetzt nicht bös gemeint, aber Wikipedia ist von Laien für Laien, und mit den kryptischen Formeln dort … naja, lassen wir das. Ich will nur sagen: auf die Idee Wikipedia wäre ich auch schon gekommen, aber ich frage nunmal extra hier, da Wikipedia mein Vertrauen schon vor langer Zeit verlor.

Trotzdem danke für den Versuch. (bezieht sich jetzt auf deinen Artikel)

LG

hey ho,

meinte natürlich diese WikipediaGeschichte bezieht sich NICHT auf deinen Artikel! blöde Tastatur …

LG

hey ho,

Hallo Bananenschale (Nicks gibt es hier, die gibt es gar nicht) ;o)

bin gerade in der L17-Ausbildung und habe demnächst Prüfung.

Für die alten Säcke mit Klasse3- Lappen wie mich bitte nochmal zum Verständnis: L17-Ausbildung hat ‚(begleitetes) Fahren mit 17‘ zum Ziel, richtig?

Auf alle Fälle wünsche ich dir schon mal viel Erfolg bei der Prüfung!

Habe jetzt angefangen zu lernen und bin auf „Fahren auf Sicht“
gestoßen. Schon klar was „Fahren auf Sicht“ heißt, aber wie
kann ich mir die benötigte Sichtweite ausrechnen?

Ähhm, Sichtweite ist die Entfernung, innerhalb derer du etwas sehen kannst (muss ja keine Zeitungsschlagzeile sein, ein anderes Fahrzeug wäre aber schon schön zu erkennen… ;o) ) Die brauchst du nicht berechnen, da reicht schätzen völlig aus, kleiner Tipp: die weißen Leitpfosten stehen auf Landstraßen und Autobahnen in einem Abstand von 50m zueinander (in Kurven und bei Einmündungen (die sind auf Autobahnen aber eher selten) aber auch mal enger zusammen)…

Mal ein Beispiel dazu damits klarer wird was ich meine:

Gerne, Beispiele finde ich immer klasse!

Ich fahre beispielsweise auf der Autobahn > Fahren auf Sicht;
Meine Sichtweite beträgt 70 m

Siehst du, die wird vorgegeben, dann brauchst du sie nicht berechnen… ;o) Ist übrigens schon relativ neblig/regnerisch oder dunkel bei dir… Allerdings darfst du die Nebelschlussleuchte noch nicht einschalten! ;o)

Wie schnell darf ich fahren? Wenn möglich auch bitte eine
Formel dazu!

Du kriegst von mir nur die Formel(n) - nicht, dass ich hier versehentlich deine Aufgaben mache… ;o) Also:
Dein Anhalteweg muss kleiner sein als die Sichtweite (bei Autobahnen, weil es dort keinen Gegenverkehr gibt oder zumindest geben sollte!),
bei Straßen mit Gegenverkehr muss der Anhalteweg kleiner sein als deine HALBE Sichtweite, weil der Entgegenkommende ja auch eine gewisse Geschwindigkeit hat und damit einen Weg (innerhalb deiner Sichtweite) zurücklegt, der dir dann zum Bremsen fehlt…
Der Einfachheit halber wird hier angenommen, dass der Entgegenkommende:

  1. genauso schnell fährt wie du,
  2. genauso weit gucken kann wie du,
  3. dass seine Reaktionszeit genauso lang ist wie deine und sogar
  4. dass sein Auto die gleichen Verzögerungswerte an den Tag legt wie deins,
    womit dann beide den gleichen Anhalteweg hätten…

Schon daran siehst du eigentlich, dass diese ‚Berechnungen‘ völlig theoretischer Natur sind und ungefähr nichts mit der Realität zu tun haben (können), aber okay, du machst ja auch eine theoretische Prüfung…
Und weiterhin werden in den Formeln technische Werte zugrunde gelegt, die (ich glaube) aus den 60ern oder 70ern stammen… Zum Glück hat sich in den letzten Jahren/Jahrzehnten einiges auf dem Techniksektor weiterentwickelt - jedenfalls möchte ich kein Auto fahren müssen, dass bei einer Gefahrenbremsung (also mit alles!) so mies verzögert, wie es die Ergebnisse der u.g. Formeln erahnen lassen (nach denen würde nämlich ein Auto aus 100km/h immernoch einen Bremsweg von 100/10 x 100/10 = 100m (bzw. durch 2 geteilt, weil Gefahrenbremsung, also 50m) haben, ein modernes Auto steht aber nach ca. 36m!!!)…

Aber nichtsdestotrotz musst du mit den alten Werten rechnen, die moderne Zeit hat in den Prüfungsbögen noch nicht überall Einzug gehalten!

Die Formeln waren jetzt übrigens nicht so schwer zu finden (und du solltest sogar die Bücher dafür haben)…:

Zitat (mehr oder weniger rechtschreibkorrigiert):
"Definitionen:
Reaktionsweg ist die Strecke, die ein Fahrzeug in der Zeit zurücklegt, die der Fahrer braucht, um eine Situation zu erkennen und mit dem Fuß anfängt, das Bremspedal zu drücken. Die Geschwindigkeit ändert sich in dieser Zeit nicht.

Bremsweg ist die Strecke, die ein Fahrzeug in der Zeit vom Drücken des Bremspedals bis zum Stillstand zurücklegt. Dabei verringert sich die Geschwindigkeit anfangs wenig und erst am Ende des Bremsweges stark.

Anhalteweg ist die Strecke, die ein Fahrzeug vom Erkennen der Situation [durch den Fahrer] bis zum Stillstand zurücklegt, also die Summe aus Reaktions- und Bremsweg.

Faustformeln […]:

Reaktionsweg in Meter = 3 x (Geschwindigkeit in km/h / 10)

Bremsweg in Meter = (Geschwindigkeit in km/h / 10) x (Geschwindigkeit in km/h / 10)
[Was da die Klammern drin zu suchen haben, erschließt sich mir nicht, weil alles Punktrechnung ist und damit das Gleiche herauskommt, ob man nun erst das in Klammern ausrechnet oder nicht, aber ich lass sie dann mal stehen, wo sie stehen… ;o)]

Gefahrbremsung = Bremsweg / 2
[das ist neu aufgenommen, das gab es zu meiner Zeit noch nicht]

Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg

Bei diesen Faustformeln wird eine Reaktionszeit von 1 Sekunde angenommen. Bei der normalen Bremsung wird eine Verzögerung von ca. 4m/sec² (man bemerkt ein deutliches Abbremsen, es ist aber noch nicht unangenehm) und bei der Gefahrbremsung von ca. 8m/sec² (die Reifen quietschen, es haut einen in die Gurte und ungesicherte Ladung fliegt nach vorne) angenommen."
Quelle: http://www.verkehrsportal.de/board/index.php?showtop… (war der erste Eintrag bei Google)

LG

MfG zurück, Olli

Hallo!

Ich fahre auch immer auf Sicht,
und das ist meist sehr viel langsamer als andere Zeitgenossen. Mir ist auch bewusst, dass mein Golf kein ABS, Airbags oder ESP hat.

Formeln kann ich da nicht bringen, das macht dann halt die Erfahrung bei der Fahrpraxis. Es bringt meiner Meinung auch nichts, da irgendwelche Rechenspiele auswendig zu lernen, und dann beim fahren loszurechnen, dazu hat man im Ernstfall eh keine Zeit.

Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin, fahre ich so schnell, dass ich die Straße einsehen kann.
Und zwar so schnell, dass ich immer rechtzeitig anhalten kann, wenn irgendwas auf der Straße ligt, oder hinter der Bergkuppe ein defektes Auto stehen sollte.

Wenn Personen/ Kinder am Strassenrand sind, beobachte ich die genau, und fahre entsprechend langsamer.

Und in der Dunkelheit, da fahre ich nur so schnell, wie ich die Fahrbahn einsehen kann, und im Notfall rechtzeitig vor einem Hindernis anhalten kann. Mehr als 100 ist das ehr selten, ich hab ja keinen Stress, und finde das auch gut so.

Das kann man ja mal ausprobieren, wenn niemand hinter einem fährt:
Also die „Kreuzung“ oder irgendein markanter Punkt ist die angenommene Stelle,
wo man unbedingt zum Stehen kommen muss. Und dann mal probieren, ob man es aus einer bestimmten Geschwindigkeit und Abstand schafft, bis da zum stehen zu kommen.
Viele der Zeitgenossen, die heutzutage auf den Strassen unterwegs sind, denken da sicher anders, so nach dem Motto.„Ich hab ja 7 Airbags, nach mir die Sintflut“
aber wie da völlig blind gefahren und überholt wird, finde ich nicht OK.

Grüße, Steffen!

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Bananenschale

also den Anhalteweg … jetzt mal ehrlich, beachtet das denn
irgendwer beim Fahren? ich muss es ja nur für die theoretische
Prüfung wissen, und das ist da ziemlich leicht mit den 4
Antwortmöglichkeiten wovon 3 sehr unrealistisch erscheinen.

Naja auch in der Praxis bleibt dir nichts anderes übrig, als auch Anhalteweg etc zu beachten… sonst sitzt du ganz fix mal dem nächsten im Kofferraum.

Da finde ich diese ganze Show um Fahren auf Sicht wesentlich
komplizierter. Und, das ist jetzt nicht bös gemeint, aber
Wikipedia ist von Laien für Laien, und mit den kryptischen
Formeln dort … naja, lassen wir das. Ich will nur sagen: auf
die Idee Wikipedia wäre ich auch schon gekommen, aber ich
frage nunmal extra hier, da Wikipedia mein Vertrauen schon vor
langer Zeit verlor.

Du hast doch von der Fahrschule Materialien bekommen, dann schau doch einfach dort hinein… da sind nämlich sämtliche Formeln drin. Auch beim Theorieunterricht wirst du diese noch einmal erzählt bekommen.
Dein Fahrlehrer wird sicherlich auch gern noch mal einige Beispiele mit dir zusammen durchrechnen.

Gruß
Sonja

Du darfst nur so schnell fahren, dass Du innerhalb der Sichtweite anhalten kannst. Also muss die Bedingung Sichtweite > Anhalteweg erfüllt sein. Der Anhalteweg ergibt sich aus Bremsweg plus dem Weg, den Du für die Reaktion und das Ansprechen der Bremsen benötigtst.
Ich erinnere mich schwach, dass die Näherungsformel sagt:
Bremsweg = (Geschwindigkeit/10)^2
Reaktionsweg = (Geschwindigkeit/10) * 3

Bei 60km/h wären das:
BW = 36m
RW = 18m
AW = 54m

Bei 70km/h wären das:
BW = 49m
RW = 21m
AW = 70m

http://de.geocities.com/romildner/anhalteweg.html hilft Dir.

Ergänzung:
Die obige Regel hat zwei Ausnahmen:
Wer auf der Autobahn mit Abblendlicht fährt, braucht seine Geschwindigkeit nicht der Reichweite des Abblendlichts anzupassen, wenn

  • die Schlußleuchten des vorausfahrenden Kraftfahrzeugs klar erkennbar sind und ein ausreichender Abstand von ihm eingehalten wird

oder

  • der Verlauf der Fahrbahn durch Leiteinrichtungen mit Rückstrahlern und, zusammen mit fremdem Licht, Hindernisse rechtzeitig erkennbar sind.
    Wenn die Straße so eng ist, dass zwei Fahrzeuge nicht aneinander vorbeifahren können, muss innerhalb der halbe Sichtweite angehalten werden können.

Anmerkung:
Eine Reaktionszeit von 1s ist sehr lang. Sie kann aber real sein, denn

  1. erschrickt man sich und benötigt dadurch leider manchmal länger
  2. dauert es einen Augenblick, biss die Bremswirkung voll da ist.
    2. Anmerkung
    Die Faustformel für den Bremsweg gilt für schlechte Bedingungen. Unter besten Bedingungen steht ein Auto nicht erst nach 100m aus 100km/h, sondern bereits nach 40m oder sogar weniger.

Hallo,
Du kannst an die Antwort auch ganz pragmatisch rangehen.

Du faehrst schnell um eine unuebersichtliche Landstrassenkurve und fragst Dich, wenn hinter der Kurve jetzt ein LKW steht, haeltst Du noch hinter im an?

Du faehrst auf der Autobahn und denkst Dir, wenn jetzt vorn vom Autodach ein Gepaeckstuech runterfliegt, oder schon vorher auf der Fahrbahn liegend ein Gepaeckstueck vom Vordermann ueberrollt wird und dann fuer Dich erst sichtbar wird, kannst Du da noch anhalten oder drumrumlenken.

Wenn Du am haltenden Bus vorbeifaehrst und ein Kind tritt vor dem Bus raus auf Deine Fahrspur.

In der Fahrschule waere es nett, die Formel zu wissen, in der Praxis der naechsten Jahrzehnte zaehlt fuer Dich, dass Du immer halten koenntest, auch wenn Du es 5 Jahre kein einziges Mal brauchst.

Gruss Helmut