Hallo Leutz,
mir wurde folgendes Angebot von einem größeren Logistikunternehmen wie z.B. DHL für eine Tour in München als selbstständiger Fahrer gemacht:
- Pro Paket 1,25€ zzgl. Mwst „das beim Kunden abgeliefert wird“
- Auslastung p. Tag ca. 110-150 Pakete (varriert wird aber garantiert)
- Mietkosten für den 3,5t Transporter 640€ pro Monat
(das ist meiner Meinung nach zu hoch, werde deshalb wahrscheinlich einen gebrauchten Transporter anschaffen, um mehr Geld rauszuholen)
- Sprit sowie Reperaturarbeiten müssen vom Fahrer übernommen werden
- Arbeitszeit 5:30Uhr bis ca. 15:30Uhr (Mo - Fr)
- Inhalt eines Arbeitstages: vom Band Pakete sortieren, dann
Transporter beladen und anschließend Ausfahren, danach Rückläufer (nicht zugestellte Pakete) zurück zum Depot fahren.
In meiner Tour gibt es leider mehr Privat als Geschäftskunden d.h. mehr zum laufen und mehr Rückläufer weil Privatkunden während der Mittagszeit öfters nicht angetroffen werden können, sprich weniger Kohle!)
Womit mich der Chef immer wieder versucht einzuweichen ist, das ich Diesel, Telefon+Handy, Büromaterialbeschaffung, Reperaturen usw. absetzten kann.
Sind diese Vorraussetzungen akzeptabel in der Logistik Branche? Ich kenne mich nur minimal aus, deshalb bin ich für jede Hilfe dankbar.
Hi,
wenn Du dann noch Sprit und PKV abziehst bleiben Dir keine 1000 Euronen Netto mehr. Dann sind wohl noch Strafen üblich, wenn Eilzustellungen nicht pünktlich ankommen. Dann müssen nur noch Werkstattkosten anfallen und die Bilanz wird negativ.
Hohes Risiko, schlechter Ertrag.
Gruß, Rainer
Hallo Volkan!
Versuchen wir einmal abzuschätzen, was der Job bringt:
Nehmen wir an, Du stellst 10 Pakete pro Stunde zu, also alle 6 Minuten 1 Paket, inklusive Anhalten, Paket im Laderaum suchen, aussteigen, zum Haus des Kunden gehen, klingeln, warten, Paket übergeben, Kunden unterschreiben lassen, wieder zurück zum Auto, zum nächsten Kunden fahren. Das alles in 6 Minuten. Damit hast Du einen Umsatz von 12,50 € pro Stunde. Mit 110 bis 150 Paketen bist Du zwischen 11 und 15 Stunden beschäftigt. Dazu die Zeiten im Depot.
110 Pakete täglich zu je 1,25 € an 22 Tagen im Monat macht 3.025 € Umsatz pro Monat. Treibstoffkosten schätze ich mal auf 20 € täglich, also 440 € pro Monat. Kfz-Steuern und Versicherung kosten 1.800 € im Jahr, also 150 € monatlich. Kfz-Leasing kostet 640 € monatlich (die Idee mit dem Gebrauchtauto kannst Du vergessen, Du kannst keine alte Karre gebrauchen). Das Auto muß regelmäßig in die Werkstatt, es darf unterwegs niemals ausfallen. Rechne für Ölwechsel, Reifenverschleiß, Wäsche, sonstige Wartung nochmal 300 € monatlich. Wenn ich richtig gerechnet habe, sind jetzt noch 1.495 € übrig. Davon mußt Du mindestens Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen, rund 200 € bei einer privaten KV. Außerdem mußt Du Einkommensteuer bezahlen. Unter dem Strich werden Dir rund 1.000 € im Monat bleiben. Allerdings hast Du dann noch keine Rentenversicherung, keinen Urlaub, das Auto ist keinen Tag defekt und Du bist nie krank. Deine Arbeitszeit beträgt 11 Stunden fürs Zustellen und 1 Stunde Depotzeit, macht bei 22 Tagen 264 Stunden im Monat. Dazu kommt noch ein bißchen Zeit für die Buchführung.
Du wirst auf einen Nettolohn von 3 € und ein paar Zerdrückten kommen. Die polnischen Saisonarbeiter auf den Gemüsegütern unserer Gegend verdienen doppelt so viel, haben freie Kost und Logis und müssen nicht noch nebenbei einen Leasingvertrag für 2 bis 3 Jahre auf Gedeih und Verderb erfüllen.
Nein Volkan, laß die Finger davon!
Gruß
Wolfgang
Hi,
ich wäre sehr vorsichtig, denn IMHO klingt das ganz nach Scheinselbständigkeit. Das kann im Nachhinein eine Menge Ärger verursachen.
Ciao
Kaj
Hi
du musst einkalkulieren dass du ein Ersatzfahrzeug brauchst im Schadensfall (unfall, reparatur) - mit sicherheit musst du dafür sorgen dass du IMMER Einsatzbereit bist und die Kosten für Ersatz tragen. Was ist bei Krankheit - musst dann du für nen Ersatzfahrer sorgen?
HH
servus zusammen,
da ich beim ausrechnen des netto lohnes ebenfalls auf diesen hungerlohn zugestossen bin, wollte ich rechenfehler meinerseits ausschließen und deshalb die frage hier geposted. nach dieser erkenntnis werde ich natürlich den job nicht annehmen. leider habe ich bereits zwei probe tage (natürlich unbezahlt) hinter mir, jetzt weiss ich wenigstens wie die pakete zu uns nach hause befördert werden *grins*. ich kann es nicht fassen, das eine namenhafte speditionsfirma die ihr bestimmt auch kennt, so ein hungerlohn an seine mitarbeiter auszahlt.
naja jedenfalls vielen dank für eure antworten.
volkan