Hallo!
Du hast schon eine Antwort erhalten, wonach Du Dein Vorhaben vergessen sollst. Das sehe ich anders. Ein barrierefreies Haus kann die Entscheidung wesentlich beeinflussen, ob man sein Dasein nach einem Unfall oder im Alter in irgendeiner Verwahranstalt fristet oder ob man weiterhin unabhängig, selbstbestimmt und mit einem hohen Maß an Lebensqualität in den eigenen Wänden lebt. Die Anschaffungs- und Wartungskosten für einen Fahrstuhl bewegen sich in Größenordnungen, die auch ein normaler Pkw verursacht. Bei einem Pkw würde niemand meinen, man solle die Finger davon lassen, weil er für unerschwinglich gehalten wird.
Aus gegebenem Anlaß setzte ich mich vor ein paar Jahren intensiver mit der Technik von Fahrstühlen auseinander. Es gibt verschiedene Bauarten für unterschiedliche Einsatzfälle. Für geringe Förderhöhe von nur wenigen Stockwerken eignen sich hydraulische Antriebe. Dabei sitzt unter oder hinter der Fahrkabine ein Hydraulikzylinder. Es gibt Hydraulikantriebe mit einer Seilübersetzung ähnlich einem Flaschenzug, um die mögliche Förderhöhe zu vergrößern. Außerdem gibt es Antriebe über Seilwinden, die sich prinzipiell für beliebige Förderhöhen eignen. Daneben gibt es noch Funktionsweisen, bei denen der Antrieb an der Fahrkabine sitzt, also mitfährt. Was zweckmäßig zum Einsatz kommt, hängt von der gewünschten Verfahrgeschwindigkeit ab, von der Förderhöhe und von den Voraussetzungen am Einbauort. Dabei stellen sich u. a. die Fragen, wieviel Unter- und Überfahrt zur Verfügung steht, wieviel Platz also unterhalb der unteren und oberhalb der oberen Haltestation für die Unterbringung von Sicherheitseinrichtungen und Antriebselementen genutzt werden kann. Die gewünschte Verfahrgeschwindigkeit ist von großer Bedeutung, die Anzahl der Haltestationen spielt eine Rolle, ob alle Haltestationen an der gleichen Seite des Fahrkorbs liegen oder nicht, ob der Fahrstuhlschacht gemauert, aus Beton geschüttet oder aus einer Metallkonstruktion besteht und schließlich, welche Art Türen an den Haltestationen sind, ob sie manuell geöffnet werden sollen, ob es automatisch aufschwenkende Türen sind oder Teleskoptüren in unterschiedlichen Bauformen oder Falttüren.
Bei Dir handelt es sich um nur 2 Stationen. EG + 4 Stockwerke können 12 m Förderhöhe sein, in manchem Industrie- oder Altbau aber auch 20 m. Nehmen wir an, Du bist mit geringer Geschwindigkeit des Fahrkorbs zufrieden und kannst deshalb auf eigene Fahrkorbtüren verzichten. Nehmen wir weiter an, die Förderhöhe liegt am unteren Ende des genannten Bereiches und an den beiden Stationen hast Du genügend Platz, um manuell oder automatisch aufschwenkende einteilige Türen verwenden zu können. Schließlich nehmen wir an, es gibt im 4geschossigen Gebäude keine Möglichkeit, irgendwo mittendrin einen Fahrstuhlschacht zu bauen, es geht deshalb nur außen an der Fassade. Außerdem nehme ich an, daß in der Kabine nicht unbedingt eine ganze Fußballmannschaft Platz finden muß, sondern daß Platz und Tragfähigkeit für 3 Personen oder eine Person im Krankenbett nebst Begleitperson oder ein Rollstuhlfahrer nebst Begleitperson als Kapazität reicht. Dann könnte man einen hydraulisch getriebenen Fahrstuhl verwenden, der vermutlich noch eine zusätzliche Seilübersetzung braucht, um den Verfahrweg zustande zu bringen. Nehmen wir schließlich an, Du bist vernünftiger als ich, treibst kein längeres Studium von Literatur und Bau- und Sicherheitsvorschriften, um selbst bis auf die Konstruktionsebene von Fahrstühlen vorzudringen und verdingst Dich auch nicht vorher als kostenloser Hiwi bei einem einschlägigen Betrieb, um in die Praxis zu schnuppern und den Fahrstuhl selbst aufbauen und warten zu können, sondern willst Dir den Fahrstuhl fix und fertig ans Haus bauen lassen. Dann rechne einschließlich der außen montierten Schachtkonstruktion mit der Größenordnung von 40 T€.
Für die beschriebene Einfachversion gebe bei Google „Domuslift“ ein. Dabei findest Du Details wie Verfahrgeschwindigkeit, Tragfähigkeit, Kabinengröße, Schachtabmessungen. Wenn es darum geht, bei körperlichen Einschränkungen überhaupt noch aus und in die eigene Wohnung oder von einem Stockwerk ins andere zu kommen oder gelegentliche Lasten nicht die Treppen herauf schleppen zu müssen, kann der Domuslift die richtige Wahl sein. Die Einschränkung bei diesem vergleichsweise billigen Lift besteht darin, daß nur die Haltestellen Türen haben, aber die Kabine hat keine eigene Tür. Das ist nur zulässig bei niedriger Verfahrgeschwindigkeit und wenn die Kabine sich nur bewegt, wenn innen ein Knopf gedrückt und gehalten wird. Die Steuerung der Kabine gewährleistet natürlich trotzdem den Stopp in exakter Position im gewünschten Stockwerk.
Die genannten Einschränkungen sind nicht überall akzeptabel und wie immer ist die Preisskala nach oben offen. Insbesondere eine höhere Verfahrgeschwindigkeit, die eigene Fahrkorbtüren erfordert, erhöht neben den Außenabmessungen von Fahrkorb und Schacht die Kosten deutlich. Dann kannst Du für das Vorhaben bei 60 bis 80 T€ landen. Aber auch eine Investition in solcher Höhe übersteigt nicht die Größenordnung eines Pkw der etwas gehobenen Klasse und ist zudem nur einmalig fällig. Ein Fahrstuhl hat ein langes Leben.
Gruß
Wolfgang