Fairer Prozess

Hallo Rechtskundige,

als Zuhörer in einem Amtsgerichtsprozess über einen Streit zwischen Wohnungseigentümern war ich entsetzt über die Verhandlungsführung des Richters: Nach den erstn Sätzen war bereits klar, auf wessen Seite der Richter stand. Die Verhandlung bestand ausschließlich in einem Disput zwischen Beklagtenanwalt und Richter, der sich redlich bemühte die Argumente der Beklagten zu zerbröseln, auch mit „Schläge unter die Gürtellinie“ wie „Herr Anwalt,im Verfahren N.N. vor 2 Monaten habe Sie noch das Gegenteil behaupte, haben Sie jetzt die Seite gewechselt?“. Die Argumente der Kläger wurden überhaupt nicht hinterfragt, so dass deren Anwalt über ein „Guten Morgen“ hinaus nicht zu Wort kam. Ich empfand diesen Richter als voreingenommen und parteiisch, oder ist solch eine Prozessführung üblich und korrekt? Die Hauptargumete der Parteien werden ja eh schriftlich ausgetauscht, ok, da wird sich ein Richter wohl schon von vornherein eine Meinung bilden. Blos, dann die Argumente nur einer Partei zu hinterfragen finde ich schon sehr einäugig.
Anwälte und Richte schienen sich hier wohl aus verschiedenen Begegnungen zu kennen, der Verhandlungston war daher schon eher kumpehaft, zeitweise glaubte ich einer Fortsetzung des „Königl. Bayrischen Amtsgerichts“ beizuwohnen.

Wolfgang D.

Hallo Wolfgang,

Richter sind auch nur Menschen.
Man erwartet von ihnen immer irgendwie Weisheit, Gerechtigkeit, ja vielleicht sogar Allwissenheit.
Die Mehrheit dieser Spezies kommt ihren Aufgaben ja auch mit Scherheit gerecht daher. Aber es gibt auch dort Blödiane, Ignoranten, Schlechtgelaunte und Desinterssierte. Wie halt überall.
Und ein Studium alleine macht auch niemand wirklich „schlau“.
Ich durfte auch mal einem Prozess beiwohnen wo ich den Eindruck hatte der Richter hat den Sachverhalt überhaupt nicht begriffen.
Gruß elmore

Ich ziehe berufsbedingt auch ganz gerne über Richter her. Und ich habe auch schon Fälle erlebt, bei denen ich tatsächlich überlegt habe, den Richter wegen Rechtsbeugung anzuzeigen. Dabei allerdings ging es nie darum, dass der Richter bewußt eine Partei bevorteilt hat, sondern ausschließlich um Fälle in denen aus Bequemlichkeit eine Beweiserhebung oder Zuständigkeiten mit fadenscheinigen Argumenten weggebügelt wurden.

Kann es sein, dass Du mit der unterlegenen Partei sympathisierst, weil Du in einer ähnlichen Situation bist/warst? Die Haltung des Richters kann auch einfach dadurch erklärt werden, dass der Fall rechtlich eindeutig war.