Falsche Einmaldosis Antibiotikum - was nun?

Liebe/r Experte/in,

am Freitagabend bekam ich eine Blasenentzündung, hatte noch das Antibiotikum „Cotrimoxazol forte“ zu Hause und erinnerte mich, dass bei einem unkomplizierten Infekt eine Einmaldosis genommen werden kann. So habe ich 1 Tablette eingenommen.
Die Beschwerden sind heute nur noch gering, allerdings (zu dem Zeitpunkt natürlich zu spät - ich weiß) habe ich mir die Packungsbeilage nochmals durchgelesen und gesehen, dass die Einmaldosis nicht aus einer, sondern aus 1x3 Tabletten besteht.
Jetzt frage mich, ob ich es dabei belassen soll oder ob ich zur Verhinderung einer Resistenz noch 1x3 Tabletten nachnehmen soll?

Und: Heißt dies nun im Umkehrschluss, dass das gleiche Antibiotikum bei einer folgenden Entzündung evtl. nicht mehr wirkt?

Im Voraus meinen ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihren Rat!

Natascha

Hallo Natascha,

genau aus dem Grund soll man auch keine Antibiotika in Eigenregime einnehmen. Eine leichte Blasenentzündung kann in der Eigentherapie mit freiverkäuflichen Präparaten aus der Apotheke (enthalten zB Bärentraubenblätter) behandelt werden. In schweren Fällen oder wenn keine Besserung eintritt muss ein Arzt aufgesucht werden.

Blasenentzündungen können durch eine Vielzahl an Bakterien verursacht werden, harmlose Darmbakterien aber auch sexuell übertragbare Krankheiten wie Chlamydien. Eine ärztliche Abklärung und evtl Mitbehandlung des Partners ist hier wichtig um den sogenannten Ping Pong Effekt zu vermeiden. Auch ist nicht jedes Bakterium sensibel auf jedes Antibiotikum, wobei das in deinem Fall gewählte zufällig wahrscheinlich eine gute Wahl war.

Eine zu niedrige Dosierung hat keine Bakterien-tötende Wirkung, ebenso eine zu früh abgebrochene Behandlung. Da das von Dir eingenommen Antibiotikum nicht verschrieben worden ist, darf und werde ich dir keine weiteren Einnahmeanweisungen geben. Dazu sind nur Ärzte berechtigt. Nimm bitte keine weiteren Tabletten ein, trink dafür viel Wasser, besorge Dir in einer Apotheke freiverkäufliche Präparate und lass Dich dort beraten. Wird es nach 3 Tagen nicht besser, bitte einen Arzt aufsuchen.

Nicht wirkende Antibiotika sind ein allgemein größer werdendes Problem. Allerdings ist niemal der Mensch selber gegen ein Antibiotikum resistend (wie oft irrtümlich angenommen), sondern immer das Bakterium mit dem man infiziert ist. Das heißt, wenn das Antibiotikum bei Dir nciht mehr wirkt, hast du einen gegen dieses Mittel restistenten Keim in Dir. Das ist nicht weiter schlimm, dann wählt man halt ein anderes Antibiotikum oder findet durch ein sogenanntes Antibiogramm heraus gegen welche Antibiotika dieser spezielle Keim noch sensibel ist. Aber auch das kann wieder nur ein Arzt machen! :wink:

Ob eine Einmaldosis gegeben wird oder die normale mehrtägige Therapie angewandt wird hängt übrigens auch wieder von Art des Erregers und von den Symptomen ab und kann nur von einem Arzt entschieden werden.

Bitte jedenfalls keine weiteren Tabletten einnehmen - die Dosierung richtet sich nach Art der Erkrankung, Körpergewicht und Begleitumstände und auch wenn Du das Mittel schon einmal genommen hast, kann man nicht ohne weiteres bei der nächsten Erkrankung einfach die gleiche Dosis wieder einnehmen.

Ich hoffe ich konnte Dir trotzdem helfen. Blasenentzündungen sind weit verbreitet, sprich bei häufig wiederkehrenden Entzündungen mit einem Arzt darüber und frag ihn auch, wie Du in Zukunft am besten selber therapieren kannst sofern es sich um einen leichten Fall handelt.

Beachte bitte auch, dass eine Antibiotikaeinnahme die Wirkung oraler Kontrazeptiva (Pille) beeinträchtigen kann - aus dem Grunde bitte zusätzliche Verhütungsmethoden (zB Kondome) verwenden.
Beachte bitte bei dem schönen Wetter momentan außerdem, dass das von Dir eingenommene Antibiotikum die Haut empfindlicher für Sonnenbrand machen kann (auch wenn das bei der geringen von Dir eingenommenen Dosis unwahrscheinlich ist…)

Viele Grüße,

Sebastian

Hallo lieber Sebastian,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort, die mir sehr weitergeholfen hat!!

Neben einigen Infos, die mir noch nicht bekannt waren z.B. zum Thema Resistenz, muss ich dir absolut Recht geben, was die Selbstbehandlung angeht - eigentlich ist mir die Problematik ja sogar bekannt, seufz.

Ich hatte vor einigen Jahren einmal eine Serie von Blasenentzündungen; letztes Jahr hatte ich dann wieder eine und weil ich kurz danach in Urlaub fuhr, hatte mir der Arzt das Antibiotikum für den Notfall mitgegeben (daher hatte ich es zu Hause). Am Freitag hatte ich abends eine extrem wichtigen Termin (Murphy’s Law!) und das spielte wohl auch eine Rolle, dass ich kein Risiko eingehen wollte, stattdessen die „chemische Keule“ benutzt und eben nicht abwartend behandelt habe. Bei einer BE kann man ja innerhalb kurzer Zeit große Schmerzen bekommen, daran kann ich mich leider noch gut erinnern.

Nächstes Mal werde ich es aber anders handhaben, aufgrund dieser Infos erst recht!

Schönen Sonntag noch, und danke noch mal,
Natascha
(Tee trinkend :smile:)

Hallo,
ich bin dazu nicht der Antibiotika-Experte. Aber ich würde noch die restlichen 2 Dosen einnehmen. Es sind sonst immer noch Keime vorhanden, die wieder „angreifen“ können. Da ist es besser, ein paar Tage trotz Beschwerdefreiheit weiter zu behandeln. Sonst ist es nur eine kurzfristige, trügerische Ruhe.
Alles Gute

Gerne gerne!

Lass Dir von Deinem Arzt dann in Zukunft einfach zuätzlich zum Rezept einen schriftlichen Einnahmehinweis für die Notfall-Medikamente mitgeben, bzw. schreib’s Dir selber auf und leg en Zettel mit in die Hausapotheke. Die richtige Einnahme ist das A und O, bitte verstehe aber, dass ich dazu keine genaueren Angaben machen darf, da dass in den Aufgabenbereich des Arztes fällt.

Bei wiederkehrenden BE sollte außerdem allgemein über einen Wechsel des Antibiotikums nachgedacht werden. Clotrimoxazol ist zwar ein sehr wirksames und sicheres, aber auch älteres Medikament, so dass es durchaus Resistenzen gibt. Wiederkehrende Infektionen können außerdem durch sogenannte persistierende Keime verursacht werden, d.h. trotz Antibiotikatherapie bleibt der Keim im Körper, „versteckt sich“ und die Infektion bricht beim nächsten Stress für das Immunsystem wieder aus. Auch hier ist ein Antibiotikumwechsel eine gute Option.

Die ersten Anzeichen einer BE erkennt man ja meist recht schnell, in dem Fall in Zukunft viel (sehr viel!!) Wasser trinken und auf Mittel wie Arctuvan oder Cranberry Kapseln aus der Apotheke zurückgreifen. Ein schnelles Handeln ist hier sinnvoll. Auch Vorbeugen durch Blasenentleerung nach dem Geschlechtsverkehr um evtl vorhandende Bakterien „herauszuspülen“ kann helfen!

Mit besten Grüßen,

Sebastian

Sorry, war leider die letzte Woche nicht erreichbar. Die Frage dürfte sich ja nun erledigt haben.
MfG

Liebe Natascha,
wenn nach der unterdosierten Behandlung noch, wenn auch leichte, Beschwerden vorhanden sind, sollte man weiterbehandeln.
Den Behandlungserfolg sollte man jedoch durch einen Arzt überprüfen lassen- dazu Morgenurin mitnehmen.
Der Mechanismus des Unwirsamwerdens von Antibiotika wird häufig falsch gesehen:
Nicht der Patient gewöhnt sich an das Antibiotikum, sondern die Bakterien. Gerade deshalb ist die großzügige Verwendung von Antibiotika in der Tiermast so problematisch: ein großer Teil des eingesetzten Präparates wird in aktiver Form ausgeschieden; in ein Milieu, in dem naturgemäß viele Bakterien lernen können, das Antibiotikum zu verstoffwechseln.
Nebenbei: der von Dir vermutete Mechanismus der Gewöhnung ist natürlich auch bekannt: die heute nicht mehr verwendeten Barbiturate(Schlafmittel) mußten bereits nach einwöchiger Anwendung in doppelter Dosis gegeben werden, um den gewünschten Schlaf zu erreichen.
Mechanismus hier ist, daß der Körper die abbauenden Enzyme in ständig größerer Menge produzierte.

MfG Konrad