Hallo,
natürlich war das Mittelalter dunkel, was denn sonst?
Beweise mir dochj eoin einziges Mal das Gegenteil!
Wie definierst du „dunkel“
Es dürfte sehr schwierig sein, heute das lebensgefühl und die lebensauffassung eines mittelalterlichen menschen nachzuvollziehen. Aus unserer heutigen sicht waren die Umstände freilich „finster“, aber frag doch mal einen menschen des Mittelalters, was er vom vergangenen, ach so aufgeklärten jahrhundert hält?
(Ich halte das 20 Jhdt neben dem 14 Jhdt -Pest usw- für eines der finstersten überhaupt)
Tatsache ist doch, daß vieles an Wissen erst einmal
verlorenging. Schau Dir doch die Wartburg an - immerhin Sitz
der Thüringer Langrafen und damit eines der mächtigsten
deutschen Fürsten! Und vergleiche die mal mit den Palästen der
alten Römer, was zum beispiel den Wohnkomfort betraf - wo
waren denn die Fußbodenheizungen und warmen Bäder plötzlich
hin? Ganz zu schweigen von den Skulpturen, Möbel u.a. - die
mittelalterlichen Fürsten waren da ein armseeliges Volk gegen
die Römer. Wo waren sie denn geblieben die ganzen Römerstraßen
und die Äquadukte mit ihrer Wasserversogung?
Byzanz?
Vergessen?
Aber die Byzantiner, die gerade im frühmittelalter wirklich geschichte schrieben, gegen das die Mitteleuropäische wie ein Kasperletheather wirkt, werden gerne unter den Teppich gekehrt in der Schule.
Wieso mußte den erst Kopernikus kommen und die Erde wieder an
den richtigen Platz im Weltall rücken - Tausende von jahren
nachdem die Ägypter Sonnenfinsternisse berechnen konnten und
die Griechen den Durchmesser der Erde bestimmt hatten (die war
ja christlich wirder zur Scheibe geworden inzwischen).
falsch.
das ist eine klitzekleine Geschichtsverfälschung, die Kopernikus in seinem Werk machte, um sich selber besser hinzustellen. Das revolutionäre an Kopernikus Weltbild war, dass er die Sonne in den Mittelpunkt stellte.
An der Kugelgestalt bestand auch im Mittelalter kein ernstzunehmender Zweifel.
Rom… die römischen Kaiser lebten in Rom mit Hunderten
bediensteten, Angestellten und Sklavgen, das ganze Rom war ne
Millionenstadt. Demgegenüber waren die deutschen Könige des
Mittelalters nicht mal in der Lage, sich und ihre paar Mann
gefolge an einer Stelle durchzufüttern - es waren ja
Reisekönige.
Bedenkt man, das Rom seine Hauptnahrungsversorgung via dem meer von ägypten bekam,und die Städte Germaniens und Rätiens zur Römischen Zeit auch nicht signifikant grösser waren als im Homi und der Frühen Neuzeit, hat das einen ganz einfachen Grund: Wassertransport ist einfacher, und kann mit wesentlich höheren lasten durchgeführt werden. nicht umsonst liegen alle alten Großstädte an Flüssen.
Die Wirtschaft und die Infrastruktur war nicht in
der Lage, den Aufenthalt an einem ort dauerhaft abszusichern.
war auch nicht sinnvoll, da die auf den kaiser strukturierte Lehenspyramide die immer wiederkehrende direkte Anwesenheit des kaisers „vor Ort“ nötig machte
Es gab praktisch keinen Geldumlauf mehr, fast nur
Selbstversorgung, das ganze schöne Anchrichten und Botensystem
der Römer war auch zum Teufel.
Das mit dem Botensystem stimmt so nicht ganz, Bereits karl d. Grosse hatte nachweisliche Kurierreiter und ein halbwegs festes Informationsnetz
Ich habe mal u.a. auch Wirtschafstgeschichte studiert. Und das
ist nicht sehr einfach im frühen Mittelalter - es hat ja kaum
einer was aufgeschrieben. Einfach weil außerhalb der Klöster
gar keiner mehr lesen und schreiben konnte. Es gibt kaum
Werkzeugfunde für das frühe Mittlalter - in den Städten am
Rhein sind die Funde der Römerzeit wesentlich häufiger als die
des frühen Mittelalters.
Dies hat auch mit der massiven Bevölkerungsabnahme am Ende der Antike zu tun, durch Seuchen und Kriege. Ausserdem war die Frühmittelalterliche Gesellschaft eben keine derartige Überflussgesellschaft wie die Römische, so dass vor allem viel Metall recycelt wurde.
Sicher hatte da auch die Völkerwanderung ihren Anteil daran,
daß im Zerfall des römischen Reiches vieles unterging. Aber
einiges hat auch die Kirche mit ihrem christlichen Übereifer
verbockt - das ist eindeutig. Und dazu gehört u.a., daß es bis
ins hohe Mittelalter ja keine praktische Forschung und Lehre
mehr gab - nur nochbtheologische und theoretische Debatten.
Das ist in bezug aus Westeuropa sicherlich vertretbar. Ich teile diese Meinung allerdings nicht ganz, auf dem Gebiet der Landwirtschaft und der Technologie gab es teilweise erhebliche Fortschritte, Mühlentechnik, verbesserte Verüttungsmethoden, Wasserbetrieben Hammerwerke, aber da der Bevölkerungsdruck durch interne Entwicklung (= Urbarmachung unbesiedelter Gebiete) gemildert wurde, war einfach kein Entwicklungsdruck da. Am Ende des Hochmittelaters begann auch eine dynamische Wirtschaftsentwicklung, beruhend auf Fernhandel.
Des weiteren übersieht die West- und Zentraleuropafixierte Geschichtsbetrachtung immer gerne das Christliche Byzanz, in dem das Wissen der Antike weitergetragen wurde, aus dem ganz erhebliche (und imho unterschätzte) Impulse in den Westen kamen… nicht nur die Araber haben das Wissen der Antike bewahrt.
Gruß
Mike