Falsche Vorstellung von Juristen?

Ich war insges.bei 3 verschiedenen Anwälten zum Beratungsgespräch und frage mich,ob ich eine falsche Vostellung von Juristen habe.

Ich bringe den Vertrag mit, stelle konkrete Fragen und erlebe zögerliche und unsichere Leute die mir mit Dingen kommen wie:

Weiß ich jetzt so nicht…
Muss ich überprüfen …
Das muss ich mit meinem Kollegen besprechen, der weiß da gut Bescheid

Selbst die Frage ob es sich um eine Zivil oder Arbeitsrechtliche Sache dreht wird beantwortet mit

Gute Frage…

Ich „träume“ von Anwälten die Biss und einen Plan haben,allerdings
kenne ich sie nur aus Law&Order :wink:

Also…falsche Vorstellungen meinerseits?

Hallo,

ja, mein Hausarzt ist leider auch nicht Dr. House und selbst der muss nachdenken, was denn los ist und hat leider keine Diagnose aus dem Ärmel.

In einem Fach, in dem die Statistik der „Guten“ so aussieht:

http://www.juraforum.de/juraexamen/jurastudium/praed…

kann man statistisch gesehen bei 5 Anwälten 3 erwischen, die keines der begehrten „Prädikatsexamina“ haben, was aber auch nichts heißen mag.

Tendenziell ist die Chance bei einem Fachanwalt besser als bei einem Allgemeinjuristen, bei einer der großen Law Firms aufgrund von deren Einstellungspolitik vielleicht größer, eine bessere Beratung zu bekommen (nur Prädikatsjuristen, am besten mit Fachanwaltslehrgang, LLM und Promotion) als bei kleinen Sozietäten. Die arbeiten aber dann auch in anderen Preisklassen für außergerichtliche Beratung. Insofern ist man gut beraten, wenn man den Anwalt nach der Größenordnung seiner Probleme aussucht.

Vielleicht ist die Frage aber auch wirklich schwer zu beantworten.

VG
EK

Tendenziell ist die Chance bei einem Fachanwalt besser als bei
einem Allgemeinjuristen, bei einer der großen Law Firms
aufgrund von deren Einstellungspolitik vielleicht größer, eine
bessere Beratung zu bekommen (nur Prädikatsjuristen, am besten
mit Fachanwaltslehrgang, LLM und Promotion) als bei kleinen
Sozietäten.

Ja und nein.

Zunächst könnte man davon ausgehen, dass man bei Fachanwälten und Großkanzleien aufgrund der dortigen Qualifikation bessere Beratung bekommt als woanders.

Allerdings hat ein Fachanwalt nur in genau diesem Gebeit mehr Ahnung und (aufgrund der für den Titel vorausgesetzten Fallzahlen) Erfahrung, mit einem Problem aus anderen Gebieten ist es da wie bei jedem anderen.

Was die Großkanzelein betrifft, insb. die mit Anwälten mit LLM (die bevorzugt von englischen und amerikanischen Kanzleien eingestellt werden), so wird man dort in allgemeinen rechtlichen Problemen meist kaum gute Beratung bekommen, weil die Anwälte dort in dem Gebiet garnicht arbeiten. Hier geht es um Transaktionen (M&A), Finanzierung, Regulierung, Kartellrecht etc, idR. mit Auslandsbezug, und zwar im großen Maßstab. Für „normale“ Rechtsprobleme werden sie in der Tat nicht eingesetzt.

Mit einem allgemeinen Vertragsproblem (wie im Ausgangsfall) ist man also entweder bei dem Fachanwalt für genau das Rechtsgebiet gut aufgehoben (wenn man dieses kennt) oder idR. bei einer mittelgroßen (10 bis 15 Anwälte, gibt auch aber sehr gute kleinere) renommierten und vor Gericht tätigen Kanzlei.

Gruß
Dea

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Hallo!

Tendenziell ist die Chance bei einem Fachanwalt besser als bei
einem Allgemeinjuristen, bei einer der großen Law Firms
aufgrund von deren Einstellungspolitik vielleicht größer, eine
bessere Beratung zu bekommen (nur Prädikatsjuristen, am besten
mit Fachanwaltslehrgang, LLM und Promotion) als bei kleinen
Sozietäten.

Das sehe ich nicht so und das sag ich jetzt mal als wer, der lang in einer großen Wirtschaftskanzlei gearbeitet hat (und jetzt eine One-Man-Show betreibt…). Außer in deren Spezialgebieten ist in großen Kanzleien weder die Einstellungspolitik noch die Rechtsberatung besser als in kleinen Kanzleien, geschweige denn die Ausbildung der Nachwuchsjuristen, die ist in den meisten Fällen wesentlich schlechter, zeigt sich bei der österreichischen Anwaltsprüfung immer wieder.

Gruß
Tom

Außer in deren
Spezialgebieten ist in großen Kanzleien weder die
Einstellungspolitik noch die Rechtsberatung besser als in
kleinen Kanzleien,

Naja, die Einstellungs"politik" ist natürlich überall die selbe, weil niemand freiwillig einen schlechteren Absolventen einstellt. Das bestimmt sich halt faktisch dadurch, was Großkanzleien zahlen und wie viele der guten Leute sich halt dann auch dafür entscheiden.

Gruß
Dea

Hallo Sporteule,

Ich war insges.bei 3 verschiedenen Anwälten zum
Beratungsgespräch und frage mich,ob ich eine falsche
Vostellung von Juristen habe.

Ich bringe den Vertrag mit, stelle konkrete Fragen und erlebe
zögerliche und unsichere Leute die mir mit Dingen kommen wie:

Weiß ich jetzt so nicht…
Muss ich überprüfen …
Das muss ich mit meinem Kollegen besprechen, der weiß da gut
Bescheid

Das finde ich jetzt nichts Negatives. Menschen, die ihre eigenen Grenzen kennen, sind oft deutlich vernünftiger, als andere, die bei allem sofort eine Lösung aus dem Ärmel ziehen.

Selbst die Frage ob es sich um eine Zivil oder
Arbeitsrechtliche Sache dreht wird beantwortet mit

Gute Frage…

Das kann auch problematisch sein, kann aber nur anhand der konkreten Fragestellung wirklich beantwortet werden.

Ich „träume“ von Anwälten die Biss und einen Plan
haben,allerdings
kenne ich sie nur aus Law&Order :wink:

Also…falsche Vorstellungen meinerseits?

Ja, würde ich eindeutig so sagen.

Meine Lieblingsanwältin, Spezialität Mietrecht und Familienrecht meinte auf eine Anfrage meinerseits zum Wohungskauf (als Mieter eigene Wohnung gekauft, deshalb kam ich auf sie), dass sie sich da mal schlau machen müsse. Nachdem sie in diversen Kommentaren und was sonst noch nachgesehen hatte (dafür beauftrage ich eine Fachfrau, damit die weiß, wo sie die Information findet), hat sie mich für ein Erstberatungshonorar kompetent und ausführlich beraten.

Was hättest Du denn von einem Anwalt, der Dich knackig, sofort und FALSCH berät, weil er versäumt hat, einschlägige Literatur zu wälzen?

Gruß, Karin

Hallo erstmal,

die Durchschnitte der Studienabschlüsse in verschiedenen Fakultäten sind traditionell geprägt, und sagen recht wenig über die tatsächliche Qualität der Absolventen aus. Es gibt nicht überwiegend mäßige Juristen und ausnahmslos hochqualifizierte Sozialpädagogen, … Insbesondere bei den Juristen muss man zudem sehen, dass das Staatsexamen eine einmalige Momentaufnahme unter maximalem Streß ist, und auch insoweit nur wenig über die Gesamtheit der im Studium gewonnenen Fähigkeiten aussagt. Geh also bitte davon aus, das Juristen im Durchschnitt nicht besser oder schlechter ausgebildet sind als andere Akademiker, was natürlich nicht ausschließt im einem Fall an einen besseren oder schlechteren Juristen zu geraten.

Die Fachanwaltsqualifikationen sind natürlich ein Anhaltspunkt, aber auch nicht das Maß aller Dinge. Erstens gibt es nur eine begrenzte Zahl von Fachanwaltschaften, und zweitens muss man sehen, dass die geforderten - streitigen - Fallzahlen die Fachanwaltschaften für all diejenigen uninteressant machen, die nicht auf Masse und streitige Verfahren aus sind, sondern z.B. eher beratend tätig sind. Ganz abgesehen davon kosten die Lehrgänge auch eine Stange Geld, und wenn es auch ohne läuft, dann kann man sich fragen, ob man sich den Aufwand und die Kosten wirklich antun muss/soll?

Und was die richtig großen Kanzleien angeht: Da offenbart sich der blutige Laie, wenn er einem Privatmann dazu rät, diesen Weg für ein typisches Privatproblem zu beschreiten. In diesen Läden sitzen regelmäßig keine Leute die entsprechende Mandate bearbeiten. Da sitzen Kollegen, die big Business machen, und sich um Firmenfusionen, richtig große Verträge, … kümmern, aber nicht um Verkehrsunfälle und Mietrecht. Wenn man nicht gleich einen Spezialisten ansteuern kann, weil man diesen nicht kennt, lieber eine Kanzlei mit einer handvoll Anwälten nehmen, von denen jeder sein Gebiet/seine Gebiete betreut, und wo man dann beim passenden Kollegen landet.

Spannend ist dann natürlich die einzelne Fallfrage: Natürlich kann man im Einzelfall wie aus der Pistole geschossen antworten, wenn man genau das Thema gerade erst vor zwei Tagen auf dem Tisch hatte, oder auf dem Weg in die Kanzlei dazu einen interessanten Fachartikel in der Bahn gelesen hat. Aber schon die Einordnung einer Frage in ein konkretes Rechtsgebiet kann schwierig sein, und die richtige Einschätzung ist regelmäßig kriegsentscheidend. Hier überstürzt in TV-Manier Pflöcke einzurammen und gleich loszumarschieren würde mich regelmäßig weniger überzeugen als die klare Aussage hierzu noch einmal in sich zu gehen, Kommentar und Kollegen zu befragen, … Entscheidend ist nicht, nach einer Stunde mit einer auf vorgefassten Meinungen basierenden, auf den ersten Blick „runden“ Lösung die Kanzlei zu verlassen, die dann wie eine Seifenblase bei Gericht platzt, sondern ggf. erst nach Wochen eine wirklich fundierte Aussage zu möglichen Herangehensweisen und Risiken zu bekommen, die dann auch Hand und Fuß hat.

BTW, wie man Mandanten richtig beeindruckt: Vor ein paar Wochen tauchte hier ein recht verschüchtertes älteres Pärchen auf, das kaum wagte, mich mit einer schwedischen Nachlassabwicklung zu konfrontieren, und wohl fest mit einer Absage gerechnet hatte. Wir hatten das Thema in einer Stunde komplett durch (aber auch nur, weil ich dank w-w-w mal exakt so einen Fall hatte, und mir daher noch das ganze Verfahren in Schweden mit den entsprechenden Begrifflichkeiten präsent war, und ich zumindest rudimentär die Sprache verstehe). Ich wette mal, im ganzen Großraum Hannover hätten sie keinen zweiten Kollegen gefunden, der genau diese Fragen so schnell hätte beantworten können. Wäre es Finnland gewesen, hätte ich dankend abgelehnt :wink:

Gruß vom Wiz, der froh ist, heute im Unternehmen zu sitzen, da auch big Business mit Kollegen zu machen, die dem Unternehmenserfolg verantwortlich sind, und sich Privatmandate nur noch aus Spaß an der Freude antut, wenn es denn passt.

Hallo!

Sicher, das ist bei euch vielleicht ein wenig anders, weil bei euch das Referendariat eine staatlich garantierte Ausbildung ist, aber bei uns eben nicht, sondern da läuft die Ausbildung nach der Uni, die ja bei uns auch viel länger ist, rein privatwirtschaftlich.

Die Einstellungspolitik bei Großkanzleien läuft da oft so, dass schlechtere Ausbildung und schlechtere Arbeitszeiten mit höheren Gehältern erkauft werden, damit die RAA nicht scharenweise davonlaufen. Dafür erhalten sie dann eine vierjährige Ausbildung zum Experten für Firmenbucheingaben oder so…

…ist natürlich jetzt überspitzt, aber nicht ganz unwahr…

Gruß
Tom

Hallo!

Tendenziell ist die Chance bei einem Fachanwalt besser als bei
einem Allgemeinjuristen, bei einer der großen Law Firms
aufgrund von deren Einstellungspolitik vielleicht größer, eine
bessere Beratung zu bekommen

Ja und nein. Ich bin mal mit einem Streitwert-4000-Euro-Prozess mal aus Versehen bei einem Topanwalt gestrandet. Fachlich war er klasse, aber ich kam mir zwischen den ganzen Millionenprozessen etwas verloren vor. Die Auskünfte waren klasse, als Prozessanwalt und Vertreter hätte ich ihn mir engagierter gewünscht. War aber auch irgendwie nachvollziehbar.

Gruß,
Max