Hallo erstmal,
die Durchschnitte der Studienabschlüsse in verschiedenen Fakultäten sind traditionell geprägt, und sagen recht wenig über die tatsächliche Qualität der Absolventen aus. Es gibt nicht überwiegend mäßige Juristen und ausnahmslos hochqualifizierte Sozialpädagogen, … Insbesondere bei den Juristen muss man zudem sehen, dass das Staatsexamen eine einmalige Momentaufnahme unter maximalem Streß ist, und auch insoweit nur wenig über die Gesamtheit der im Studium gewonnenen Fähigkeiten aussagt. Geh also bitte davon aus, das Juristen im Durchschnitt nicht besser oder schlechter ausgebildet sind als andere Akademiker, was natürlich nicht ausschließt im einem Fall an einen besseren oder schlechteren Juristen zu geraten.
Die Fachanwaltsqualifikationen sind natürlich ein Anhaltspunkt, aber auch nicht das Maß aller Dinge. Erstens gibt es nur eine begrenzte Zahl von Fachanwaltschaften, und zweitens muss man sehen, dass die geforderten - streitigen - Fallzahlen die Fachanwaltschaften für all diejenigen uninteressant machen, die nicht auf Masse und streitige Verfahren aus sind, sondern z.B. eher beratend tätig sind. Ganz abgesehen davon kosten die Lehrgänge auch eine Stange Geld, und wenn es auch ohne läuft, dann kann man sich fragen, ob man sich den Aufwand und die Kosten wirklich antun muss/soll?
Und was die richtig großen Kanzleien angeht: Da offenbart sich der blutige Laie, wenn er einem Privatmann dazu rät, diesen Weg für ein typisches Privatproblem zu beschreiten. In diesen Läden sitzen regelmäßig keine Leute die entsprechende Mandate bearbeiten. Da sitzen Kollegen, die big Business machen, und sich um Firmenfusionen, richtig große Verträge, … kümmern, aber nicht um Verkehrsunfälle und Mietrecht. Wenn man nicht gleich einen Spezialisten ansteuern kann, weil man diesen nicht kennt, lieber eine Kanzlei mit einer handvoll Anwälten nehmen, von denen jeder sein Gebiet/seine Gebiete betreut, und wo man dann beim passenden Kollegen landet.
Spannend ist dann natürlich die einzelne Fallfrage: Natürlich kann man im Einzelfall wie aus der Pistole geschossen antworten, wenn man genau das Thema gerade erst vor zwei Tagen auf dem Tisch hatte, oder auf dem Weg in die Kanzlei dazu einen interessanten Fachartikel in der Bahn gelesen hat. Aber schon die Einordnung einer Frage in ein konkretes Rechtsgebiet kann schwierig sein, und die richtige Einschätzung ist regelmäßig kriegsentscheidend. Hier überstürzt in TV-Manier Pflöcke einzurammen und gleich loszumarschieren würde mich regelmäßig weniger überzeugen als die klare Aussage hierzu noch einmal in sich zu gehen, Kommentar und Kollegen zu befragen, … Entscheidend ist nicht, nach einer Stunde mit einer auf vorgefassten Meinungen basierenden, auf den ersten Blick „runden“ Lösung die Kanzlei zu verlassen, die dann wie eine Seifenblase bei Gericht platzt, sondern ggf. erst nach Wochen eine wirklich fundierte Aussage zu möglichen Herangehensweisen und Risiken zu bekommen, die dann auch Hand und Fuß hat.
BTW, wie man Mandanten richtig beeindruckt: Vor ein paar Wochen tauchte hier ein recht verschüchtertes älteres Pärchen auf, das kaum wagte, mich mit einer schwedischen Nachlassabwicklung zu konfrontieren, und wohl fest mit einer Absage gerechnet hatte. Wir hatten das Thema in einer Stunde komplett durch (aber auch nur, weil ich dank w-w-w mal exakt so einen Fall hatte, und mir daher noch das ganze Verfahren in Schweden mit den entsprechenden Begrifflichkeiten präsent war, und ich zumindest rudimentär die Sprache verstehe). Ich wette mal, im ganzen Großraum Hannover hätten sie keinen zweiten Kollegen gefunden, der genau diese Fragen so schnell hätte beantworten können. Wäre es Finnland gewesen, hätte ich dankend abgelehnt 
Gruß vom Wiz, der froh ist, heute im Unternehmen zu sitzen, da auch big Business mit Kollegen zu machen, die dem Unternehmenserfolg verantwortlich sind, und sich Privatmandate nur noch aus Spaß an der Freude antut, wenn es denn passt.