Familie und/oder Karriere

ich würde gerne eine neue Rubrik unter „Kultur und Gesellschaft“ anstoßen, mit dem Namen „Familie und/oder Karriere“. Solange keine eigene Rubrik existiert, passt es hier wohl am besten rein.

Das Thema sollte eigentlich alle Männer und Frauen ansprechen, die im Beruf stehen (oder wieder rein wollen) und Familie haben, und die sich mit der Frage beschäftigen, wie sie ihre knappe Zeit am sinnvollsten zwischen beiden Lebensbereichen aufteilen können, bzw. ob und wie die Familie den Arbeit_nehmer_ und der Arbeit_geber_ die ganze Familie unterstützen kann.

Stichworte könnten sein

  • Entfremdung zwischen Familie und Arbeitnehmer
  • Familie am Arbeitsplatz
  • Telearbeit als Alternative zum Büro
  • Feste vs. flexible Arbeitszeit
  • Erziehungsurlaub
  • Familienangebote vom Arbeitgeber
  • Kinderbetreuung am Arbeitsplatz
  • Die Familie unterstützt/hindert den Arbeitnehmer
  • Entweder Familie oder Karriere?

Insbesondere interessieren mich z.Zt. die Fragen

>> Welche Unternehemen werden von ihren Arbeitnehmern als „überduchschnittlich familienfreundliche“ Unternehmen bezeichnet? > Was gibt es für familienfreundliche Regelungen/Angebote in diesen Unternehmen

Mein Fokus liegt dabei nicht so sehr auf der Problematik der Kindererziehung, sondern etwas allgemeiner:

Auch ein Familienvater, dessen Frau freiwillig und gerne zuhause die Kinder betreut, steht in der Gefahr von früh bis spät im Büro zu schaffen (-> Karriere) und sich von Frau und Kinder zu entfremden. Die Frau hingegen erwartet vielleicht, dass der Mann sich auch mal um die Kinder kümmert und sie nicht die ganze Erziehungsverantwortung hat. Und dann sind die Eltern ja auch noch ein Ehepaar, bzw. halt Mann und Frau, und brauchen auch Zeit für Beziehungspflege.

Gruß
Thiemo

Hallo!

ich würde gerne eine neue Rubrik unter
„Kultur und Gesellschaft“ anstoßen, mit
dem Namen „Familie und/oder Karriere“.
Solange keine eigene Rubrik existiert,
passt es hier wohl am besten rein.

Ich denke, dafür ist kein neues Brett notwendig. Das passt doch alles wunderbar hier rein, oder?

Bye, Vanessa

hallo,

ich finde auch das das doch alles gut hier zusammen passt. es handelt sich ja um themen rund um familie nur das arbeit/karierre mit hereinkommt. da auch allgemeinbezogen die bereiche sich verschmelzen, wozu noch ein brett, das würde doch eher alles unübersichtlicher machen…

gruß

sonja

hai thiemo,

>> Welche Unternehemen werden von
ihren Arbeitnehmern als
„überduchschnittlich familienfreundliche“
Unternehmen bezeichnet? > Was gibt es für
familienfreundliche Regelungen/Angebote
in diesen Unternehmen

Auf meiner Seite diskutiere ich dieses Thema ebenfalls, und zwar hauptsächlich unter dem Aspekt: Warum haben Kinderkrippen in Deutschland ein relativ schlechtes Image? Warum ist es so schwer, einen Platz in einer Kindertagesstätte zu finden, jedenfalls zu Zeiten, die mit einer Berufstätigkeit beider Eltern vereinbar ist?

Zum Thema Beziehung der beiden Partner gibt es dort einen interessanten Beitrag von einem Paar, welches sich gemeinsam eine Firma aufbaut und es sehr gut geschafft hat, Hausarbeit, Kinderbetreuung und Arbeit in der Firma zu teilen (und der Meinung ist, daß davon die Partnerschaft in jeder Hinsicht gewinnt). Auch bei ihnen sind die Kinder tagsüber anderweitig untergebracht. Der Beitrag steht unter:
http://www.uni-giessen.de/~gd1098/kinder1.shtml

Von Dir würde mich noch interessieren, was Deine Idealvorstellung ist:

  • Beide arbeiten vollzeit und Kinder sind tagsüber fremdbetreut?

  • Beide arbeiten halbtags und die Arbeitszeiten sind so gut koordiniert, daß jede® in der anderen Hälfte der Zeit die Kinder betreut?

  • Nur eine® arbeitet, aber die Arbeit läßt noch genug Zeit, sich auch um die Familie zu kümmern?

  • andere Möglichkeit (Heimarbeit, selbständig, etc.)?

Meine Lieblingsvariante wäre übrigens die 1., wobei ich mit Vollzeit eine normale 35-40 Stundenwoche meine. Halbtagsjobs haben momentan doch (noch?) den starken Nachteil, daß man/frau dabei karrieremäßig recht niedrig bleibt. Und jemand bleibt freiwillig ganz zuhause? Wie Du schon selbst schreibst, wenn es eine® von beiden will, ist nichts dagegen zu sagen. Aber bei vielen Paaren funktioniert das heute nicht mehr. Dann bleibt jemand vielleicht zuhause, weil es nicht anders geht und ist dabei unzufrieden (ganz zu schweigen von den finanziellen Problemen im Trennungsfall).

Viele Grüße, Stefanie

F A M I L I E ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! !

Frank

F A M I L I E ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! ! !
! !

Frank

Das finde ich ja ganz prima, dass der einzige Mann der bisher auf meinen Artikel geantwortet hat, sich so deutlich für die Familie antscheidet.

>>> Sind wir zwei denn die einzigen Männer die sich davon angesprochen fühlen?

Lieber Thiemo

Da die ganze Geschichte ist etwas komplizierter ist, schreibe ich sie lieber erst mal offline - wird dann billiger.
Mein Lebensmotto ist: Man kann jedes Ziel erreichen, wenn man bereit ist, die Konsequenzen zu tragen.
Also, ich bin von Beruf Erzieher und Heilpädagoge und habe mein ganzes Leben / meine ganze Ausbildung über genau auf das hin gearbeitet, was ich jetzt mache - oh, wenn ich übrigens hier immer nur von mir spreche, dann ist das natürlich nicht ganz richtig, denn Walli, meine beste Hälfte gehört zu diesem Leben auch dazu.
Also: Ich wollte als absoluter Familienmensch nie ein Feierabendpapa sein. Mein eigener Vater war leider so ein Mensch - er war schon o.k., aber ich habe halt so gut wie nichts von ihm gehabt. So beschloss ich eigentlich schon in dem Moment, in dem ich mit meiner Erzieherausbildung anfing, mich später mit einem eigenen Kleinstheim selbständig zu machen. Das sollte den Effekt haben, dass ich für die aufgenommenen Kinder und auch für meine leiblichen, immer Zeit hätte und halt auch die ganzen Entwicklungen nicht immer nur erzählt bekäme, sondern auch hautnah miterleben könnte. Da mir zu dem Zeitpunkt noch die passende Frau zu meinem Plan fehlte, habe ich dann erst einmal etwa 10 Jahre in den verschiedensten Einrichtungen (Kinderpsychiatrien, Kinderheime…) gearbeitet und noch eine Heilpädagogenausbildung nachgeschoben. Vor fast genau 9 Jahren lernte ich dann meine jetzige Frau (oder besser Partnerin - wir sind nicht verheiratet) kennen, die einen ähnlichen Lebenstraum hegte, wie ich. Wir haben dann angefangen, uns intensiv mit Jugendämtern, bestehenden Einrichtungen … zu unterhalten, und hatten vor etwa 5 Jahren genau das gefunden, wonach wir suchten. Seitdem leben wir mit vier („Heim“-) Kindern, in einem kleinen Haus in Norddeutschland. Wir gehören zu einem Heimverbund, der dezentral organisiert ist (das heißt, wir haben kein „Heimgebäude“ in dem Sinne; die bei uns lebenden Kinder wohnen vielmehr in den Familien der MitarbeiterInnen und nehmen, als gleichberechtigte Mitglieder, am Familienleben teil). Wenn du mich also nach meiner Arbeitszeit fragst, dann sage ich dir:
Ich stehe jeden Tag um ca. 6.30 Uhr auf und arbeite bis etwa 21.00 Uhr (neben der direkten Arbeit mit meinen Kindern bin ich noch stellvertretender Leiter unserer Einrichtung - „Karriere, Karriere!!“ - und gebe eine regelmäßig erscheinende „Heimzeitung“ heraus). Sollte dann mit einem meiner Kinder in der Nacht was sein, arbeite ich dann halt auch. Meine Frau und ich haben seit fast 5 Jahren keinen Tag oder Abend frei gehabt, haben kein Wochenende und auch keinen Urlaub, den wir allein verbringen können. Und das beste daran ist, das wir das total geil finden. Ich könnte mir niemals vorstellen, wieder anders zu arbeiten, denn das was wir machen, ist Familienleben pur - nur das unsere Kinder eben mit einer reichlich heftigen Vorgeschichte gestraft sind, wegen der es halt bei uns hin und wieder mal etwas turbulenter oder nerviger zu geht, als in anderen Familien. Und ich bin mir sicher, dass, hätten wir auch leibliche Kinder (das ist bei uns leider biologisch nicht möglich), diese von unserer Lebensweise reichlich hätten profitieren können.
Ich muss dir sagen, ich habe wirklich tiefstes Mitgefühl mit den Vätern und Müttern, die gerne etwas mehr Zeit für die Familie aufbringen würden, das aber nicht können. Ich glaube jedoch, dass diese Leute in der absoluten Minderheit sind. Die Meisten Eltern sind, so ist meine Erfahrung, häufig ganz froh, wenn sie der Enge der Familie mal entfliehen können und suchen sich - häufig unbewusst - immer mehr Lücken, in die sie schlüpfen können und immer mehr Vorwände, wegen denen sie „leider noch ein bisschen im Büro bleiben müssen“. Wenn man jedoch seine Familie als oberste Priorität ansieht, dann ist man auch IMMER in der Lage, mehr Zeit für sie frei zu bekommen. Notfalls muss man halt lernen, mit weniger Gehalt auszukommen (Walli und ich haben jetzt pro Monat netto etwa 1.800 DM weniger, als vorher für uns zur Verfügung).
So, ich hoffe, ich konnte deine Fragen wenigstens halbwegs beantworten - wenn nicht kannst du mir ja noch mal mailen. Für diese Nacht mach ich jetzt mal Schluss, denn ich muss noch ´ne Mütze Schlaf ab bekommen - wir fahren nämlich Morgen Abend für zwei Wochen in ein kleines Häuschen nach Schweden, wo wir a) versuchen werden, diesem dämlichen Jahrtausendwechselwahn zu entgehen und b) ganz gemütlich und ganz intensiv Familie leben.

Ich wünsche dir und deinen Lieben ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Übergang ins neue Jahrtausend (das für mich, allen Unkenrufen und gut gemeinten Belehrungen zum Trotz am 01.01.2000 beginnt), in dem hoffentlich endlich mal wieder in unserer verkorksten Gesellschaft die Familie vor der Karriere kommt.

Liebe Grüße
Frank und Familie

Die allgemeine Ideallösung gibt es nicht. Jedes Paar muss selber entscheiden, womit es ambesten zurecht kommt. Außerdem wird sich die Lösung abhängig vom Alter und der Anzahl der Kinder und sonstigen Randbedingungen (z.B. Behinderungen) verändern.

Was das Thema „Beide gehen Arbeiten, Kind wird betreut“ angeht, steht meine Frau auf dem Standpunkt, dass es eigenartig wäre, jemand fremdes für die Betreuung der Kinder zu bezahlen, wenn man das genausogut selber tun kann - als Arbeit. Das Extrem wäre, dass zwei Nachbarn jeweils eine gewerbliche Kinderbetreuung machen und sich gegenseitig ihre Kinder „berufsmäßig“ betreuen.

Das ist sicher ein Punkt über den man mal nachdenken sollte, wenn man Kinder von fremden betreuen lassen will, aber wie man dann dazu steht, hängt natürlich auch von vielen Faktoren ab.

ZU „Familie und/oder Karriere“ interessiert mich auch die Sicht des Arbeitgebers: kann er z.B. von allen Angestellten die gleiche Felxibilität bzgl. Überstunden, Reisen, … erwarten, oder macht es Sinn, zu differenzieren? Kann der AG durch spezielle Angebote für Familien das Arbeitsklima und damit die Produktivität der Angestellten mit Familie verbessern, oder macht das keinen Sinn?

Gerade wenn man in die Führungsetagen aufsteigt, bleibt i.d.R. nicht mehr viel Zeit für die Familie, aber muss dann ein fähiger Mitarbeiter (geschlechtsneutral!) eins von beidem aufgeben - die Familie oder die Führungsposition? Welche Angebote kann der AG machen, um dem MA (neutral!) beides zu ermöglichen? Oder muss das der MA selber entscheiden?

Gruß
Thiemo

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Familie und/oder Karriere - Newsgroup?
mich würden zu diesem Thema auch internationale Stimmen interessieren. Weiss jemand, ob sich eine Newsgroup mit diesem Thema beschäftigt?

Gruß
Thiemo