Hallo Joanne,
ich habe vor einiger Zeit eine Familienaufstellung miterlebt, war allerdings nur als Repräsentant tätig und habe nicht selbst aufgestellt.
Die Leiterin arbeitete nicht nach Hellinger sondern nach Varga von Kibed und Ines Sparrer.
Die Unterschiede?
Nun, wie sie ganz kurz die wesentlichen Unterschiede erklärte:
nicht direktiv, nicht auf die Dankbarkeit gegenüber den Eltern fixiert, ohne das Verbot von Rückfragen, ohne das Verbot, nach der Aufstellung darüber zu sprechen, Möglichkeit, die Leiterin jederzeit nach den Aufstellungen anzurufen, wenn Probleme auftauchen, Angebot weiterführender Therapie (Vermittlung von anderen Therapeuten).
Diese Aufzählung möchte ich nicht zur Diskussion stellen - ich bin weder Hellinger noch von Kibed Fachkenner oder Fan - ich gebe nur das wieder, was gesagt wurde und es wird schon stimmen. Ich glaube nicht, dass die Leiterin uns absichtlich oder böswillig etwas Falsches erzählt hat.
Ablauf:
Die Person, die ein Problem aufstellen möchte, setzte sich neben die Leiterin. Zuerst wurde ein Familiendiagramm auf einem Flip Chart erstellt, d.h. die Person, die Eltern, Großeltern, Geschwister usw. und Anmerkungen dazu (die wievielte Ehe der Eltern, Adoptionen, Halbgeschwister - also alles erwähnenswerte aus dem Familienverband).
Dann wurde gemeinsam die Frage formuliert - in der Art: Was möchten Sie geklärt haben, wenn Sie hier raus gehen? Was soll sich ändern?
(Es ist oft nicht einfach, die Frage zu formulieren - hier half die Leiterin).
Anschließend wählte sie die Familienmitglieder aus, die ihrer Ansicht nach eine Rolle spielen (die jeweilige Person, die Eltern, Geschwister, eine Tante usw.).
Die Person suchte der Reihe nach - mit sich selbst beginnend - aus der Gruppe Stellvertreter aus. (diese Person soll mich verkörpern, jene meine Mutter usw.).
Die Person stellte sich hinter den Stellvertreter, legte ihre Hände auf die Schultern des Stv, schloss die Augen und führte den Stv im Raum herum, bis sie das Gefühl hatte, hier an dieser Stelle steht er richtig. Das machte sie mit allen Stv. Dann setzte sie sich wieder als Zuschauer auf ihren Platz.
Die Leiterin begann abzufragen, wie sich jeder Stv auf seinem Platz fühlt - großes Augenmerk wurde auf körperliche Empfindungen gelegt.
Danach stellte die Leiterin die Stv um. Änderte Blickrichtung, Position usw. Fragte wieder ab.
Das ist im Großen und Ganzen das Vorgehen. Die Auflösung, die Arbeit kann ich natürlich nicht wiedergeben.
Erwähnenswert wäre nur noch, dass in der Endphase der Aufstellung die Person selbst mitwirkt, d.h. gegen ihren eigenen Stv ausgetauscht wird.
Dauer: kürzeste Aufstellung 45 min, längste etwa 90 min (auch hier Unterschied zu Hellinger, der meist so um die 15 min braucht).
Anschließend noch kurze Nachbesprechung in der Gruppe und - falls nötig - Einzelbesprechung. Niemand geht aufgewühlt und hilfslos raus!
Alles in allem war es sehr interessant. Es lohnt sich, wenn man sich dafür interessiert, sich das einmal anzuschauen, evtl. vorerst nur als Repräsentant, wenn man sich nicht sicher ist, ob einem das liegt und ob man das wirklich will.
lg, Irene