Hai, Maxet,
vorneweg: ich denke, daß Du mit „-hass“ über das Ziel hinausschießt…
Ein Beispiel: ich gehöre eher zu den Intellektuellen (sagt man
); damit meine ich, daß ich viel lese, unglaubliche Mengen an (zugegebenermassen überwiegend völlig nutzlosem) Wissen anhäufe, grenzenlos neugierig bin und eine besondere Vorliebe für geschliffene Diskussionen habe.
Nun kenne ich einen Menschen, dessen Horizont nicht über die Bildzeitung hinausreicht, für den eine Feier erst dann gut war, wenn er wg. Alkohol einen Filmriss hatte, für den auf-den-Oberarm-boxen ein Ausdruck von Zuneigung ist und der immer Recht haben muss und andernfalls seine „Zuneigung“ ausdrückt.
Wir zwei haben nichts, aber auch gar nichts gemein - außer, daß die Hälfte meiner Gene von ihm stammen…
„Auf Familie machen“ war für mich schon als Kind ein Graus. Nicht, weil die ganze Familie so schrecklich gewesen wäre, sondern, weil ich dieses Getue schon als Kind als falsch und gelogen erkannt habe. Wenn Leute, die sich normalerweise das Maul übereinander zerrissen, plötzlich auf Harmonie machten und unter der Oberfläche die Aggressionen brodelten; wenn irgendwelche Tanten, die ich doch gar nicht kannte, meinten, mir in die Wangen kneifen zu dürfen, oder irgendwelche Onkel, die ich auch nicht kannte, mich auf ihren Schoß zerrten, um mich abzubusseln - wenn ich mich wehrte, hieß es „Hab Dich nicht so, ist doch Familie…“
So hab ich also als Kind gelernt, daß „Familie“ ein Haufen Leute sind, die sich eigentlich nicht leiden können, die aber mehr oder minder regelmäßig zusammenkommen, um diese Abneigung unter einer dünnen Schicht Pseudo-Harmonie zu pflegen.
…und nun kommt jemand an und möchte mir unbedingt seine harmonische Familie vorstellen - womöglich noch auf einem dieser von mir so verabscheuten Familienfeste…
Meine Frage:
Wie gestört mus man sei, um eine nicht bekannte Familie per se
abzulehnen ?
Wie gestört muß man sein, um wildfremden Menschen einen Symphatie-Bonus einzuräumen, nur weil sie zufälligerweise mit jemandem verwandt sind, den man mag? (nicht so ganz ernst gemeint, diese Frage)
Ich ziehe es vor, einfach Leute kennenzulernen, ohne den das-ist-meine-Familie-also-musst-Du-sie-lieben-Druck - was eben nicht bedeutet, daß ich die Leute von vorneherein ablehne, sondern nur den Anspruch, sie mögen zu müssen. Und ich denke - nein, ich weiß - daß ich mit dieser Haltung nicht alleine bin.
Gruß
Sibylle (wählerisch)