Hallo,
ich habe seit über einem Jahr einen Konflikt mit meinem Vater.
Ich weiß, Konflikte sollte man lösen…
Das haben wir auch versucht, nur ist es uns nicht über längere Zeit gelungen. Er sucht den Fehler bei mir und zeigt sich dann großzügig, indem er „alles vergisst“. Ich vergesse aber nicht… da ich immer wieder von ihm enttäuscht werde, kann ich auch nicht vergessen.
Ich denke nicht, dass es zu einer Lösung kommen wird. Wir beide schaffen es einfach nicht ohne fremde Hilfe. Ich hatten schon mal eine Psychologin um Hilfe gebeten, was aber nach einem gemeinsamen Gespräch zu dritt logischweise auch nicht zu einer Lösung geführt hat.
Im Moment fühle ich mich unwohl, wenn er Kontakt zu mir haben möchte. Das liegt überwiegend daran, dass ich Angst habe, wieder überrumpelt zu werden und mich nicht verbal wehren zu können. Ich fühle mich sofort in der Rolle, mich rechtfertigen zu müssen.
Ich möchte den Kontakt weiter reduzieren. Wenn ich das versuche deutlich zu machen, dann fragt er wieder nach den Gründen und wartet auf „den“ Grund. Es gibt aber keinen „Übeltäter“ oder keinen Auslöser. Es ist eine Kombination aus ganz verschiedenen Situationen. Dann versuche ich mein Gefühl zu beschreiben, die Lage zu erklären, er bohrt weiter nach, er will/kann mich nicht verstehen, er bohrt weiter und ich komme ins rudern.
Letztes Weihnachten habe ich ein Treffen abgelehnt. Oh, da war er sehr getroffen. Es war für mich sehr anstrengend, meinen Wunsch durchzusetzen und zu halten. Er schafft es, bei mir zudem ein schlechtes Gewissen auszulösen.
Zu einem Konflikt gehören zwei Personen, das ist mir klar. Unsere Kommunikation ist gestört - auch klar. Er sieht allerdings nur den Fehler bei mir. Aus seinem Mund: „es ist gut, dass ICH zum Psychologen gehe, damit er MIR helfen kann und UNSER Verhältnis wieder besser wird.“ Der eigentliche Grund war ein anderer und ich nehme diese Hilfe auch nicht mehr in Anspruch.
Aus meiner Sicht hat natürlich er „angefangen“ (ich weiß, theoretisch gibt es keinen Anfang) und mein (das gebe ich ja zu) nicht ganz optimales Verhalten ist nur eine Reaktion auf sein Verhalten.
Normalerweise kann ich gut argumentieren, selbstbewusst auftreten, meine Meinung vertreten und Grenzen setzen.
Nur ihm gegenüber gelingt es mir nicht. Ich bin zu nett… Wenn er um einen Rückruf bittet, springe ich. Andere sagen - na und, dann rufst du halt irgendwann mal (=3-14 Tage) zurück. Nur ich habe dann „Angst“ vor der Reaktion (natürlich keine schlimme Reaktion, es reicht ein Vorwurf á la „willst du mich nicht sprechen“) und fühle mich sofort gezwungen mein Verhalten zu rechtfertigen.
Wie kann ich meinem Vater gegenüber Grenzen setzen und erreichen, dass ich ihm gegenüber selbstbewusster auftreten kann?
Mir geht jedes Wort aus seinem Mund recht nah - wenn es mir mal gelingt, mich durchzusetzen, dann ist das ein riesiger Kraftaufwand. Einmal war es besonders extrem. Vorwürfe am Todestag meiner Mutter. Ich war während dem Telefonat und danach total fertig - Stress pur. Es war ein Kampf. Ein Kampf um meine Gefühle, für mein Verhalten, für mein Leben (und das meiner Mutter).
Der Kontakt tut mir psychisch nicht gut, daher will ich Abstand nehmen.
Gruß
Tato
Nur an Weihnachten geht das schlecht…