Farben im Dunkeln schmecken? Synästhesie?

Hallo,

ein blinder Führer im Dialog im Dunkeln wurde von einem Kind über die Farbe eines Autos aufgeklärt.
Die Farbe sei Rot, weil das Auto nach Erdbeeren schmecke, wie der rote Pullover des Kindes.

Sehende Mitarbeiter bestätigten die Farbe des Autos.
Synästhesie, oder?

Jedoch: Können die Farben denn auch im Dunkeln geschmeckt werden?
Ich dachte immer, wenn die Farbe gesehen, wird, stellt sich ein Geschmack ein?

Lg,
Tili

keine Synästhesie
Hallo Tilli,

ein blinder Führer im Dialog im Dunkeln wurde von einem Kind
über die Farbe eines Autos aufgeklärt.
Die Farbe sei Rot, weil das Auto nach Erdbeeren schmecke, wie
der rote Pullover des Kindes.

wenn ich das richtig verstehe, konnte derjenige die Farbe des Autos nennen, obwohl er blind ist?
Wo befand sich das Auto - drinnen, in der Dunkelheit (weil es sich um ein Spielzeugauto, ein gemaltes Auto o.ä. handelte) oder draußen auf dem Parkplatz? Hätte ein Sehender das Auto in der Situation sehen können?

Synästhesie, oder?

Mit Synästhesie hat dies gar nichts zu tun. Hierzu müssten erst einmal die Reize im Gehirn ankommen um dann „falsch zugeordnet“ (Lichtimpuls löst Geschmackswahrnehmung im Gehirn aus) zu werden.
Bei den allermeisten Formen von Blindheit wird der Reiz aber nicht entsprechend im Gehirn ankommen. Bei einem Sehenden in völliger Dunkelheit ebenfalls nicht.
Es gibt jedoch Formen von Blindheit (sehr selten), bei denen derjenige nicht bewusst sehen kann, jedoch unbewusst Eindrücke wahrnimmt, diese auch verarbeitet, jedoch sich nicht erklären kann, woher er diese Eindrücke hat. In Büchern von Oliver Sacks sind einige solche Fälle geschildert, in denen Personen, die „eigentlich“ blind waren, dennoch Leistungen zeigten, die nur mit einem gewissen Sehvermögen möglich sind. Dies bezeichnet man als „Blindsehen“.
Dies könnte hier durchaus der Fall sein.

Wahrscheinlicher ist aber, dass derjenige einfach davon ausgegangen ist, dass das Auto rot ist - mitunter, weil ihm früher öfter jemand gesagt hat, dass Autos häufig diese Farbe haben. Das Ganze evl. noch in einer etwas seltsamen sprachlichen Situation, und es kann seltsam wirken.

Viele Grüße,
Nina

dialog im dunkeln

wenn ich das richtig verstehe, konnte derjenige die Farbe des
Autos nennen, obwohl er blind ist?

so halb.
kennst du „dialog im dunkeln“? da werden sehende von blinden durch eine art stadt im haus geführt.

http://www.dialog-im-dunkeln.de/

das kind war sehender gast (aber im dunkeln natürlich „blind“), der blinde war führer, aber konnte natürlich reden und hören.

das kind nannte die farbe aufgrund des genannten geschmackstests.

und hat dem blinden die farbe des autos genannt. dieser erzählt die anekdote nun bei führungen.

die farbe stimmte, der führer hat gefragt. kollegen, die sehen und die ausstellung bei licht kannten.

tilli

Hallo Tilli,

ich kenne „Dialog im Dunkeln“ - ich habe nur nicht ganz den von dir beschriebenen Handlungsablauf verstanden.
Du schriebst:

Die Farbe sei Rot, weil das Auto nach Erdbeeren schmecke, wie der :rote Pullover des Kindes.

Wer sagt das? Kind oder blinder Führer?

Sehende Mitarbeiter bestätigten die Farbe des Autos.

Warum schreibst du das?
Wer hat hier eine außergewöhnliche Leistung vollbracht - hat ein Blinder die Farbe des Autos genannt, oder ein sehendes Kind das sich aber im Dunkeln befunden hat und das Auto daher nie sehen konnte?

das kind war sehender gast (aber im dunkeln natürlich
„blind“), der blinde war führer, aber konnte natürlich reden
und hören.

das kind nannte die farbe aufgrund des genannten
geschmackstests.

Okay - das Kind hat also an dem Spielzeugauto geleckt und so dessen Farbe erschmeckt?

Das jedenfalls hat mit Synästhesie gar nichts zu tun:

Bei Synästhesie werden wahrgenommene Reize falsch in Eindrücke „übersetzt“, d.h. eine Erdbeere wäre nachwievor rot und erdbeerig schmeckend, aber zusätzlich z.B. „hell klingend“, oder jeder spitze Gegenstand wäre „blau“ ungeachtet dessen, in welcher Farbe er gestrichen ist, Mozart klingt „hellviolett“ o.ä.
Dies bedeutet aber nicht, dass sich mit „abgeschaltetem“ Sinnesorgan (verbundene Augen, mit Ohrenstöpsel verschlossene Ohren, etc.) die jeweilige Eigenschaft des Objekts nun mittels anderer Sinnesorgane herausfinden lässt. Sprich: Auch jemand, der der Synästhesie fähig ist, wird nicht aufgrunddessen die Farbe eines Objekts ohne Zuhilfenahme seiner Augen herausfinden können.

Was hingegen möglich ist:

  • Das Kind hat einfach auf eine Farbe getippt anstatt zuzugeben, dass es die Farbe nicht erschmecken kann - und „rot“ ist ein guter Tipp für die Farbe eines Autos, da viele Spielzeugautos oder andere „unechte“ Autos diese Farbe haben.

  • Das Auto war mit einem häufig für „rot“ verwendeten Farbstoff gestrichen, sodass das Kind dies wiedererkannte (du schreibst von „rot wie der Pullover“ - viele Kinder nuckeln mal am Pulloverärmel, davon könnte das Kind den Geschmack und/oder Geruch des Farbstoffs gekannt haben).
    Ich kann z.B. bei einer bestimmten Marke von Buntstiften den braunen, schwarzen und hellblauen Stift zweifelsfrei mit verbundenen Augen erschnuppern - das hat aber nichts mit Synästhesie zu tun, sondern schlichtweg mit einem wohl besonders feinen Geruchssinn (dass diese Stifte leicht unterschiedlich riechen und besonders der braune Stift markant ist, konnten andere Menschen bei ganz genauem Hinschnuppern auch bestätigen).

Viele Grüße,
Nina

Hallo Tilli,

ich kenne „Dialog im Dunkeln“ - ich habe nur nicht ganz den
von dir beschriebenen Handlungsablauf verstanden.
Du schriebst:

Die Farbe sei Rot, weil das Auto nach Erdbeeren schmecke, wie der :rote Pullover des Kindes.

der ganze satz war: ein blinder Führer im Dialog im Dunkeln wurde von einem Kind über die Farbe eines Autos aufgeklärt.
Die Farbe sei Rot, weil das Auto nach Erdbeeren schmecke, wie der rote Pullover des Kindes.

Wer sagt das? Kind oder blinder Führer?

also: das kind.

Sehende Mitarbeiter bestätigten die Farbe des Autos.

Warum schreibst du das?

weil das auto tatslächlich rot ist.
weder der blinde noch das kind konnten das im dunkeln doch sehen.

oder ein sehendes
Kind das sich aber im Dunkeln befunden hat und das Auto daher
nie sehen konnte?

das sehenkönnende aber im dunkeln nichtsehenkönnende kind habe am auto geleckt und dieses für rot befunden, ohne diesen geschmackseindruck durch optische wahrnehmung verifizieren zu können. mangels licht.

Okay - das Kind hat also an dem Spielzeugauto geleckt und so
dessen Farbe erschmeckt?

so soll es gewesen sein.
kommt mir eigenartig vor.

Das jedenfalls hat mit Synästhesie gar nichts zu tun:

Dies bedeutet aber nicht, dass sich mit „abgeschaltetem“
Sinnesorgan (verbundene Augen, mit Ohrenstöpsel verschlossene

aha.

Was hingegen möglich ist:

  • Das Kind hat einfach auf eine Farbe getippt anstatt
    zuzugeben, dass es die Farbe nicht erschmecken kann - und
    „rot“ ist ein guter Tipp für die Farbe eines Autos, da viele
    Spielzeugautos oder andere „unechte“ Autos diese Farbe haben.

  • Das Auto war mit einem häufig für „rot“ verwendeten
    Farbstoff gestrichen, sodass das Kind dies wiedererkannte (du
    schreibst von „rot wie der Pullover“ - viele Kinder nuckeln
    mal am Pulloverärmel, davon könnte das Kind den Geschmack
    und/oder Geruch des Farbstoffs gekannt haben).

naja, das kind sagte, rot schmecke nach erdbeere, der pullover und das auto eben auch.

Ich kann z.B. bei einer bestimmten Marke von Buntstiften den
braunen, schwarzen und hellblauen Stift zweifelsfrei mit
verbundenen Augen erschnuppern - das hat aber nichts mit
Synästhesie zu tun, sondern schlichtweg mit einem wohl
besonders feinen Geruchssinn (dass diese Stifte leicht
unterschiedlich riechen und besonders der braune Stift markant
ist, konnten andere Menschen bei ganz genauem Hinschnuppern
auch bestätigen).

ja, das kann alles sein.
ich frage mich nur: zufall? kindesflunkerei? führeranekdote? oder irgendwas sinnliches, das ich nicht kenne…
spezielles synästhesiephänomen offenbar nicht.

danke,
tilli

farben schmecken

ja, das kann alles sein.
ich frage mich nur: zufall? kindesflunkerei? führeranekdote?
oder irgendwas sinnliches, das ich nicht kenne…
spezielles synästhesiephänomen offenbar nicht.

oder doch?

http://www.synaesthesie-portal.de/content/wenn-farbe…

Hallo Tilli,

mir ist bekannt, dass Synästhetiker (oft) auch geschmackliche Eindrücke als Farbe erleben.
Aber: Das passt überhaupt nicht zu dem beschriebenen Fall!

Ein Synästhetiker würde sagen: „Diese Suppe schmeckt blau“ (rein optisch ist sie nicht blau, aber der Geschmack ruft den Eindruck „blau“ hervor). Aber: Das ermöglicht nicht, die tatsächliche (!) Farbe zu erschmecken, also „mit Mund und Nase sehen“ wie jemand anderes mit den Augen sieht - geht einfach nicht, da Sehen bedeutet „Lichtreize wahrnehmen“ und Mund und Nase dies nunmal nicht können.

naja, das kind sagte, rot schmecke nach erdbeere, der pullover und das auto eben auch.

Auch das ist untypisch für einen Synästhetiker:
„Rot schmeckt nach Erdbeere“, das ist eher ein „… erinnert an“.
Für mich waren auch einige Zeit Montage gelb, Dienstage grün, Mittwoche violett… schlichtweg, weil die Beschriftung des Stundenplans diese Farbe hatte und ich dies miteinander verbunden hatte.
Synästhesie hat aber nichts damit zu tun, dass etwas an etwas anderes erinnert.
Bei Synästhetikern ist dies eher „überkreuz vermischt“, d.h. eine Erdbeere schmeckt mitunter gelb und spitz, obwohl sie beides nicht ist.

Von daher: Jedenfalls mit Synästhesie hat das rein gar nichts zu tun.

oder irgendwas sinnliches, das ich nicht kenne…

Mir ist auch kein anderes Phänomen bekannt, das es erlaubt, trotz „abgeschalteter“ Sinnesorgane (verbundenen Augen, verstopfte Ohren etc.) mit diesen dennoch etwas wahrzunehmen das dem entspricht, was jemand mit funktionierenden Sinnesorganen wahrnimmt. Wäre auch seltsam, denn sie _sind_ „abgeschaltet“.

ja, das kann alles sein.
ich frage mich nur: zufall? kindesflunkerei?

Es kann durchaus so passiert sein (kann aber auch komplett vom Führer erstunken und erlogen sein).
Zufall ist hier sehr wahrscheinlich. Ein Kind, ein Auto - klar: Farbe rot! Spielzeugautos, Autos in Bilderbüchern etc. sind stereotypisch meist rot. Und viele Kinder finden eine Zeitlang solche harmlosen Flunkereien über geheimnisvolle Fähigkeiten ganz spannend und machen das evl. nicht mal bewusst: im Dunkeln angeblich sehen können, Farben angeblich erschmecken können, angeblich sich schrumpfen können etc.

Viele Grüße,
Nina