Hallo Helmut!
Bleiben die Fenster in der ursprünglichen Ebene, ergeben sich ungedämmte Laibungen. Die Fensterrahmen sind i. d. R. für eine nennenswerte Dicke einer Dämmung nicht breit genug. Ich beobachte hier und da, wie deshalb dünnes Material in die Laibungen geklebt wird, was aber hinsichtlich Dämmwirkung nur ein Placebo ist. Es bleibt eine Schwachstelle mit der Folge, daß die raumseitigen Flächen rund um die Fenster kühl und damit potentiell schimmelanfällig werden.
Außerdem sehen hinterher die Fenster mit verdeckten Rahmen übel aus. Große Fenster mit verdeckten Rahmen muten tot an und kleinere Fenster, die wegen der Fassadendämmung von außen gesehen tief in der Wand sitzen, sehen wie Schießscharten aus. Das sind keine tauglichen Lösungen.
In der falschen Wandebene eingebaute Fenster ergeben eine um die Laibungsfläche vergrößerte Außenfläche des Gebäudes. Das bringt bei etlichen Fenstern in der Summe den einen oder anderen Quadratmeter weitgehend ungedämmter Fassadenfläche. Dabei spielt sich nichts in der Art von „nach außen verschieben der 11° oder 12°-Isotherme“ ab. Wie denn auch. Was soll Temperaturniveaus wohin auch immer verschieben, wo es gar keine Dämmung gibt? Und das dann auch noch in der Laibung. Einen kürzeren Weg nach innen hält die gesamte Fassade nicht bereit. Der Vorgang ist ganz schlicht: Raumseitig rund ums Fenster wird’s lausig kalt mit guter Chance, bei kalter Witterung auf der raumseitigen Wandoberfläche Temperaturen in Taupunktnähe zu erreichen, mindestens aber ein Mikroklima mit erhöhter Luftfeuchtigkeit und damit Schimmelanfälligkeit zu erzeugen. Diese bauphysikalisch unsachgemäße und optisch fragwürdige Vorgehensweise ist weit verbreitet, weil man dabei Fenster und Innenräume nicht antastet und deshalb glaubt, Kosten vermeiden zu können.
Wenn man wirksam dämmen will, ohne sich irgendwo Schimmelanfälligkeit einzuhandeln, muß man auf die Details achten. Anders ausgedrückt: Wo immer sich Schimmel an Wänden zeigt, war jemand beim Bau oder Sanierung zugange, dem die Details nicht so wichtig waren.
Die Vernachlässigung der Details ist dafür verantwortlich, daß vielerorts auf die Folgen von Dämmung geschimpft wird und manche Leute sogar behaupten, Dämmung brächte nichts. Die Kritiker bemängeln, allerdings ohne sich dessen bewußt zu sein, die Folgen von Planungsfehlern und nachlässiger Ausführung. Nur bei sorgfältiger Beachtung aller Details bringt Dämmung einen deutlich spürbaren Gewinn an Behaglichkeit, damit an Lebensqualität und eben den Unterschied, ob für ein EFH alljährlich der Gegenwert eines Gebrauchtwagens für Heizmaterial auszugeben ist oder ob die Kosten eines etwas edleren Restaurantbesuchs für 2 Personen reichen.
Und schließlich – aber das wirklich nur am Rande – wird beim Verbleib der Fenster in alter Wandebene die Chance verpaßt, endlich in den Wohnräumen zu alltagstauglich eingebauten Fensterbänken zu kommen. Unsere Altvorderen verputzten die raumseitigen Laibungen stets direkt bis auf die Fensterbänke. So verfuhren Handwerker, die damit unwissentlich zeigten, daß sie ihre Bude noch nie selbst sauber gemacht hatten. Sonst wüßten sie nämlich, daß der feuchte Lappen beim Abwischen der Fensterbänke schmutzige Spuren an den Tapeten der Laibung hinterläßt und hätten schon vor Generationen Wischkanten aus nichtrostendem Stahl oder Aluminium eingebaut 
Gruß
Wolfgang