Faust mal anders interpretiert

Hallo!
Also erstmal will ich keinem auf den Schlips treten, nur hab ich ein Problem mit Goethe’s Faust. Also ich interpretiere die Geschichte mit Gretchen so:
da kommt ein alter Sack an, der wurde vom Teufel aeusserlich verjuengt, er hat aber immer noch die Lebenserfahrung eines 60 jaehrigen. So, der kommt also in dieses Dorf, lernt Gretchen kennen, will sie aber eigentlich nur ficken, weil sie recht attraktiv ist. Es gelingt ihm dann auch mit Tricks und der Hilfe des Teufels, was ja nicht wenig ist, sie rumzukriegen, schwaengert die arme Sau und laesst sie zurueck. Er muss eigentlich wissen dass ihr nichts gutes blueht, er verlaesst sie trotzdem, weil er die Welt sehen will. (Das muss man sich mal vorstellen, und das mit 60!) So, er erlebt also die Welt waerend sie stirbt. Und jetzt kommt der Hammer:
Obwohl er reulos durch die Welt gezogen ist und keinen einzigen Gedanken an Gretchen oder ihr Ungeborenes verschwendet hat, steigt er nach seinem Tod in den Himmel auf und wird von ihr gluecklich begruesst. Diese doofe Kuh verzeiht dem Arsch mit Ohren auch noch. Also echt, was soll das?
Leute ich studier Literatur und weiss dass ich das nicht so analysieren darf, aber im Privaten hab ich das dann doch komisch gefunden, was haltet ihr denn so von diesem Aspekt des Fausts?
Was genau will Goethe damit ausdruecken? Dass alle blonden, jungen Frauen sich von alten Professoren schwaengern lassen sollen? Oder dass sie denen dann im Tod verzeihen sollen? :smile: Schreibt mir eure Meinung Tschuessi

Hallo carole,

du hast absolut recht. Genau darüber wollte Goethe schreiben. Gut, daß wenigstens ein Leser ihn richtig verstanden hat.

Nebenbei gemerkt, in derselben Art hat Nietzsche mal auch Wagners Geschichtchen inrepretiert (ein Link beim Bedarf). Du bist also in einer sehr guten Gesellschaft.

Bye.

Hallo
Wie genau interpretierst du die Sache denn, mir ging es hauptsaechlich um anderer Leute Meinung? Klar poste den Link.

Hallo Carole,

Der Geheyme Rath hatte ein sehr persönliches Problem mit dem Gretchenthema. Hat ihn auch später als Minister in Weimar nicht losgelassen, als er als ein erbitterter Verfechter der Todesstrafe für „Kindsmörderinnen“ auftrat. Dies zu einem Zeitpunkt, als in Deutschland relativ kurze Zeit nach den Guillotine-Erfahrungen die Todesstrafe bereits grundsätzlich diskutiert wurde, insbesondere für Gretchen-Fälle in ihrer Notlage „wie Du es machst, ist es falsch“.

Die Gretchenstory steht im Zusammenhang der viel gelobten Faust-Geschichte, die meines Erachtens eine relativ frühe Form der Trivialliteratur ist: Es werden in einer großen Krabbelkiste ungeheuer viele Schemata zusammengeschmissen, in denen sich jeder in irgendeiner Situation zu irgendeinem Teil wiederfindet. Suppi Marketing, weil gut für die Auflage, wenn sich möglichst viele Leser „warm verstanden“ fühlen.

Also keine höhere oder tiefere Message bei Gretchen. Bloß ein höchst subjektives Seelenausschütten eines in die Jahre kommenden Frankfurter Spontis, welches ihm übrigens sein Faust-Konzept völlig kaputthaut - für den dramatischen Bogen, falls es ihn geben sollte, ist jedenfalls Feierabend, als Gretchen auf- und nie wieder richtig abtritt.

Probier doch mal zum Vergleich - was immer Du magst und was immer Dir Freude macht - einen Schluck von Goethes beinah vergessenem annähernd Zeitgenossen C.M. Wieland. Das ist wie ein furztrockener zehnjähriger Gewürztraminer im Vergleich zu einem Niersteiner Müller-Thurgau…

Schöne Grüße

MM

Glaubst du wirklich, dass die „Gretchen-Tragödie“ verständlicher und einsichtiger wird, wenn du sie in der Fäkal- und niedrigsten Straßensprache erzählst?

Zu Gretchen am Schluss: Sie kommt mit den Büßerinnen und Liebenden Faust entgegen. Wenn diese große Liebe, die Gretchen für den sicher nichtswürdigen Faust hegt, sie zu dummen Kuh stempelt, dann ist dir vermutlich etwas beim Lesen entgangen.

Fritz

Hallo
Wie genau interpretierst du die Sache denn, mir ging es
hauptsaechlich um anderer Leute Meinung? Klar poste den Link.

Klar poste ich den Link:

http://home.t-online.de/home/g.diesinger/literatur/n…

Ich meine insbesondere die Stelle:

„Irgend wer will bei ihm immer erlöst sein: bald ein Männlein, bald ein Fräulein - dies ist sein Problem. - Und wie reich er sein Leitmotiv variirt! Welche seltenen, welche tiefsinnigen Ausweichungen! Wer lehrte es uns, wenn nicht Wagner, dass die Unschuld mit Vorliebe interessante Sünder erlöst? (der Fall im Tannhäuser) Oder dass selbst der ewige Jude erlöst wird, sesshaft wird, wenn er sich verheirathet? (der Fall im Fliegenden Holländer) Oder dass alte verdorbene Frauenzimmer es vorziehn, von keuschen Jünglingen erlöst zu werden? (der Fall Kundry) Oder dass schöne Mädchen am liebsten durch einen Ritter erlöst werden, der Wagnerianer ist? (der Fall in den Meistersingern) Oder dass auch verheirathete Frauen gerne durch einen Ritter erlöst werden? (der Fall Isoldens)“

Welche Sache soll ich interpretieren, die des Faust, die von Goethe oder die von dir?

Gruß

hallo carole,

meinung und gegenfragen gefällig?

er verlaesst sie trotzdem, weil er die Welt sehen will. (Das muss man sich mal vorstellen, und das mit 60!)

frage: ist emotionales oder moralisches versagen tatsächlich am alter festzumachen?..staun!

macht alter den menschen edel ?..freu, da müßt sich ja irgendwann mal was bei mir tun, da ich täglich älter werde. :wink:


Er muss eigentlich wissen dass ihr nichts gutes blueht…

weswegen wird gretchen zum tod verurteilt? wegen einem unehelichen kind?..
…oder wegen mord an ihrem säugling und ihrer mutter?

goethes jurastudium-der prozess gegen die kindsmörderin…verarbeitung des stoffes ist bekannt?

ist gretchen durch faust verführt…wer verführte faust?.. und warum?

verlangt nicht der prolog im himmel,daß faust in fast allen bedeutenden dingen versagt.?

faust ist kein hiob, aber er gefällt mir besser, weil mir trotz seiner schwächen menschlicher vorkommt.

So, er erlebt also die Welt waerend sie stirbt. Und jetzt kommt der Hammer:

unternimmt faust wirklich keinen versuch gretchen zu retten?

Obwohl er reulos durch die Welt gezogen ist und keinen einzigen Gedanken an Gretchen oder ihr Ungeborenes verschwendet hat,

stimmt das wirklich?
faust II aufmerksam gelesen?

steigt er nach seinem Tod in den Himmel auf und wird von ihr gluecklich

wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen?..
was ist da wohl gemeint?

Diese doofe Kuh verzeiht dem Arsch mit Ohren auch noch. Also echt, was soll das?

„es ist, was es ist, sagt die liebe“

„es ist, was es ist, sagt die liebe“

in diesem sinne
liebe grüße
felicitas

Hallo
Na das worueber ich geschrieben habe die Geschichte mit Gretchen am Anfang und in den Bergschluchten.

Hallo
Na das worueber ich geschrieben habe die Geschichte mit
Gretchen am Anfang und in den Bergschluchten.

Kulturkritik eines Nietzsche plus Dekonstruktion eines Derrida. Die Reduktion eines großen Kunstwerkes auf die private Story ist manchmal sehr hilfreich, um ethische und historische Hintergründe zu beleuchten. Du zeigst auf diese Weise, wie christliche Werte in der männlichbesetzen Ethik des 19. Jhs. real funktionieren. Ich hoffe, dir muß ich diesen Gedanken nicht weiter eklären.

Wenn du aber dabei bleibst, und aus dieser pubertierenden Empörung über tatsächliche Verhältnisse ein Werk verurteilst, welches dich überhaupt erst auf diese Gedanken gebracht hat, dann bist du bei Nietzsche im besten Fall und im nicht mehr so guten Fall bei der Kolportage. War es deutlich genug? :smile:

Danke war deutlich genug und genau so hatte ich das auch gemeint: also ich kritisiere nicht das Gesamtwerk, denn das ist sozusagen unantastbar, weil zu gut und komplex, was ich angreife (und auch das nur zur Diskussion, nicht weil ich es unerhoert finde was Goethe schreibt) wisst ihr.

Hallo!

was ich
angreife (und auch das nur zur Diskussion, nicht weil
ich es
unerhoert finde was Goethe schreibt) wisst ihr.

Äh, nein, eigentlich nicht - hab ich da was verpasst?
Und warum ist Goethes „Faust“ unantastbar? Jedes Kunstwerk ist kritisierbar. Das Niveau der Kritik sollte nur dem des Werks möglichst angemessen sein.

Wenn ich es richtig verstehe, löst Du die Gretchen-Geschichte komplett aus dem Kontext, inhaltlich wie künstlerisch, und sagst dann: das ist aber Scheiße, bäh.

Was soll man dazu denn sagen? Kannst Du machen, sicher. Aber ob es sinnvoll ist?

Leute ich studier Literatur

Gut, dass Du’s dazusagst.

und weiss dass ich das nicht so analysieren darf, aber
im Privaten hab ich das dann doch komisch gefunden,

Wenn es da tatsächlich einen Unterschied gibt zum privaten Lesen, dann schalte doch bitte einmal all das wieder ein, was Du offenbar beim privaten Lesen ausknipst. Und erspar’ uns entweder solche Postings oder den Hinweis darauf, dass Du ja Literatur studierst.

Sorry, das war jetzt wieder nicht nett.
Gruß,
Elisabeth

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Du studierst Literatur und stellst eine solche Frage ? Weißt Du nicht, was Literatur bzw. Drama bedeutet ? Kannst du den Kontext nicht erkennen, in dem diese Gretchen-Geschichte im gesamten „Faust“ steht ?

Oder warum äußerst Du dich in einer derartig verhunzten Sprache. Arme Germanistik !

LS