Hallo Torsten Langer,
Wie viel Prozent von seinem Bruttogehalt sollte man denn
zurücklegen um später in der Rente etwa das gleiche Geld wie
aktuell zur Verfügung zu haben?
leider läßt sich auch diese Frage nicht in einer Allgemeingültigkeit beantworten.
Dies liegt an zwei „Problemen“:
Zum einen ist die Höhe der Einsatzes davon abhängig, wie lange und mit welcher Rendite ich die Anlage betreibe.
Dies wiederum hängt aber von Ihrer persönlichen Situation und den gewählten Instrumentarien (Versicherung, Aktienanlage, Fonds, Immobilien, etc.) ab und lässt sich somit hier nicht greifen.
Der zweite Punkt liegt in der Formulierung „das gleiche Geld wie aktuell“ verborgen:
Wie Sie ja ganz richtig gesagt haben, spielt hier u.a. auch der Faktor Inflation eine nicht unerhebliche Rolle. Dies wird auch gerne einmal von manchem „Finanzberater“ ausser Acht gelassen. Die Rechnung, die dann aufgemacht wird, ist leider ebenso einfach wie unvollständig:
aktuelles Einkommen
./. vorhandene Renten-Absicherung fürs Alter
./. etwaiges Kapital, dass zur AV zur Verfügung steht
= Zielrente
Flugs wird dem Rechner diese Zahl als Vorgabe gegeben und siehe da: heraus kommt eine Rentenversicherung/Aktienanlage/Fondsprodukt mit einem Beitragsaufwand X.
Berücksichtigt man aber den Kaufkraftverlust, ergeben sich leider ganz andere Zahlen. Natürlich ist der Blick in die Glaskugel auch hier schwer. Man kann aber zumindest eine Näherung versuchen, indem man zum Beispiel die durchschnittliche Inflationsrate der - sagen wir - letzen 30 Jahre mit einrechnet. Damit kommt man seinem Ziel - einer realistischeren Einschätzung - schon etwas näher.
Bleibt immer noch ein Faktor, der zwar auch berücksichtigt werden sollte, der aber noch schwerer zu greifen ist, als das Vorangegangene:
die Entwicklung des Einkommens und die damit verbundene Veränderung des Lebensstandards.
Es ist also nur bedingt zielführend zu sagen: „Ich habe heute die Kaufkraft von 2.000 € zur Verfügung, ich möchte auch in 30 Jahren die Kaufkraft von 2.000 € zur Verfügung haben.“ Vielleicht haben Sie ja dann ein Einkommen, was einer Kaufkraft von heute 5.000 € entspricht. Dann würde eine auf 2.000 € abgestimmte Vorsorge einen finanziellen Rückschritt bedeuten.
Natürlich kann man sagen: „Ach, dann begnüge ich mich im Alter halt mit etwas weniger.“ Das klingt zwar schön bescheiden und edel. Aber seien wir anhand eines Beispiels einmal realistisch: Zu Schul-, Studiums- und Ausbildungszeiten fuhren nicht wenige von uns eine alte, klapperige Kiste. Heute fährt der ein oder andere meinetwegen eine neue C-Klasse oder einen gut ausgestatteten VW Golf. Und jetzt soll er - nachdem er sich über z.T. Jahrzehnte an einen besseren Lebensstil gewöhnt hat - wieder einen alten, klapperigen Fiat fahren? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solches Szenario Ziel einer Altersvorsorgeplanung sein soll…
Genug der vielen Worte.
Einen einzigen Tipp wage ich an wie immer an dieser Stelle:
Suchen Sie sich einen qualfizierten Fachmann, der mit Ihnen gemeinsam Ihre Situation und Ihr Ziel analysiert und der nicht mit Faustformeln, Standardprodukten und bunten Prospekten um die Häuser zieht.
Machen Sie sich klar, WAS Sie wollen, WANN Sie es wollen und mit WELCHEN MITTELN Sie es wollen.
Und erst dann treffen Sie in aller Ruhe eine Entscheidung.
Übrigens, es gilt wie bei der Gesundheit: Eine zweite Meinung kann nicht schaden.
Viele Grüße
Frank Hackenbruch
Ach ja, ein Letztes noch: Wenn Sie aufgrund der oben geschilderten Schwierigkeiten irgendwann an einen Punkt kommen, an dem Sie resignierend sagen möchten: „Das ist ja eh nicht zu finanzieren und zu schaffen“, gilt immer noch der Grundsatz: Es ist immer besser, wenigstens etwas zu tun und abzusichern, als gar nicht vorzusorgen.