Faustregel zur Altersvorsorge

Hallo,
wie (fast) jedermann weiß, wird die gesetzliche Rentenversicherung später vermutlich nicht reichen (Beispielperson ist 30 Jahre), und so steht was von einer „Versorgungslücke“ selbst in der jährlichen Renteninformation drin.

Privatvorsorgen ist also (fast) Pflichtprogramm. Der Versicherungsmarkt gibt viel her und ich möchte jetzt auch nicht DAS Produkt für mich haben, sondern einfach mal nachfragen:

Wieviel Prozent - in Relation zu seinem Bruttogehalt - sollte man denn außer der gesetzlichen Pflichtrente in private Altersvorsorge(n) investieren?

Grüße, Torsten

Hallo,
das hängt von einigen Faktoren ab.
Die Frage ist doch, was ist der kleinste Betrag den Du brauchst um „im Alter“ davon leben zu können. Den kannst Du dann mit Inflation hochrechnen bis zum Endalter und davon die bestehende Versorgung abziehen.
Eine grundsätzliche Zahl zu nennen halte ich für wenig sinnvoll.
Gruß
A.

Wieviel Prozent - in Relation zu seinem Bruttogehalt - sollte
man denn außer der gesetzlichen Pflichtrente in private
Altersvorsorge(n) investieren?

Du zäumst das pferd von hinten auf. Die Frage ist, wieviel Geld willst Du als Ruheständler monatlich zur Verfügung haben. Wenn Du das entscheiden hast, kannst Du zurückrechnen.

Übrigens: Walter Riester war der Meinung, dass 4 % vom Jahresbrutto zusätzlich zur GRV ausreichen.

Hallo Nordlicht,

Übrigens: Walter Riester war der Meinung, dass 4 % vom
Jahresbrutto zusätzlich zur GRV ausreichen.

hoppala, DAS hat noch nicht mal der (zu recht) viel gescholtene Herr Riester behauptet.

Du spielst ja mit Sicherheit auf die nach ihm benannte Riester-Rente an, richtig? Diese und die damit verbundene 4%-vom-Brutto-Regelung ist aber eingeführt worden, um die ZUSÄTZLICHE Lücke auszugleichen, die bei der ebenfalls von Herrn R. durchgeführten Rentenreform und der Berücksichtigung des demographischen Faktors entstanden ist.

Die Riester-Rente war und ist aber nicht so konzipiert, dass mit dem Aufwand der besagten 4% die GESAMTE Rentenlücke geschlossen wäre.

Viele Grüße
Frank Hackenbruch

Hallo Frank,

hoppala, DAS hat noch nicht mal der (zu recht) viel
gescholtene Herr Riester behauptet.

Ich schätze Herrn Riester und sein AV-Konzept sehr. Schelte würde er von mir nicht erhalten.

Du spielst ja mit Sicherheit auf die nach ihm benannte
Riester-Rente an, richtig?

Nicht ganz. Ich schrieb, dass er eher von der Leistung und nicht vom Beitrag her rechnen sollte. Um ihn aber nicht vollständig im Regen stehen zu lassen, habe ich die 4 % zitiert.

Gruß

Nordlicht

Danke erstmal. Dann möchte ich meine Frage insoweit konkretisieren:

Wie viel Prozent von seinem Bruttogehalt sollte man denn zurücklegen um später in der Rente etwa das gleiche Geld wie aktuell zur Verfügung zu haben?

Also unter der Prämisse man möchte weder mehr noch weniger Geld als aktuell zur Verfügung haben.

Schließlich schlägt auf jeden Fall noch die Inflation zu und 2000 Euro sind in 35 Jahren nicht mehr soviel wert wie heute (und da möchte ich die aktuelle Welttwirtschaftskrise mit ihren heute noch gar nicht abschätzbaren Auswirkungen auf die Zukunft der Einfachheit halber mal außen vor lassen)

Natürlich kann man das auch nur sehr schwer abschätzen, denn rechnest du mit einer Kapitallebensversicherung mit 4-5% oder hast du das Wissen (oder kennst jemanden der es WIRKLICH hat) um langfristig 7-8% mit Investment zu erreichen?
Wenn ich eine Zahl nennen müsste, würde ich sagen 10% des Bruttos sollte man wegsparen.

Hallo Torsten Langer,

Wie viel Prozent von seinem Bruttogehalt sollte man denn
zurücklegen um später in der Rente etwa das gleiche Geld wie
aktuell zur Verfügung zu haben?

leider läßt sich auch diese Frage nicht in einer Allgemeingültigkeit beantworten.
Dies liegt an zwei „Problemen“:
Zum einen ist die Höhe der Einsatzes davon abhängig, wie lange und mit welcher Rendite ich die Anlage betreibe.
Dies wiederum hängt aber von Ihrer persönlichen Situation und den gewählten Instrumentarien (Versicherung, Aktienanlage, Fonds, Immobilien, etc.) ab und lässt sich somit hier nicht greifen.

Der zweite Punkt liegt in der Formulierung „das gleiche Geld wie aktuell“ verborgen:
Wie Sie ja ganz richtig gesagt haben, spielt hier u.a. auch der Faktor Inflation eine nicht unerhebliche Rolle. Dies wird auch gerne einmal von manchem „Finanzberater“ ausser Acht gelassen. Die Rechnung, die dann aufgemacht wird, ist leider ebenso einfach wie unvollständig:
aktuelles Einkommen
./. vorhandene Renten-Absicherung fürs Alter
./. etwaiges Kapital, dass zur AV zur Verfügung steht
= Zielrente
Flugs wird dem Rechner diese Zahl als Vorgabe gegeben und siehe da: heraus kommt eine Rentenversicherung/Aktienanlage/Fondsprodukt mit einem Beitragsaufwand X.

Berücksichtigt man aber den Kaufkraftverlust, ergeben sich leider ganz andere Zahlen. Natürlich ist der Blick in die Glaskugel auch hier schwer. Man kann aber zumindest eine Näherung versuchen, indem man zum Beispiel die durchschnittliche Inflationsrate der - sagen wir - letzen 30 Jahre mit einrechnet. Damit kommt man seinem Ziel - einer realistischeren Einschätzung - schon etwas näher.

Bleibt immer noch ein Faktor, der zwar auch berücksichtigt werden sollte, der aber noch schwerer zu greifen ist, als das Vorangegangene:
die Entwicklung des Einkommens und die damit verbundene Veränderung des Lebensstandards.
Es ist also nur bedingt zielführend zu sagen: „Ich habe heute die Kaufkraft von 2.000 € zur Verfügung, ich möchte auch in 30 Jahren die Kaufkraft von 2.000 € zur Verfügung haben.“ Vielleicht haben Sie ja dann ein Einkommen, was einer Kaufkraft von heute 5.000 € entspricht. Dann würde eine auf 2.000 € abgestimmte Vorsorge einen finanziellen Rückschritt bedeuten.

Natürlich kann man sagen: „Ach, dann begnüge ich mich im Alter halt mit etwas weniger.“ Das klingt zwar schön bescheiden und edel. Aber seien wir anhand eines Beispiels einmal realistisch: Zu Schul-, Studiums- und Ausbildungszeiten fuhren nicht wenige von uns eine alte, klapperige Kiste. Heute fährt der ein oder andere meinetwegen eine neue C-Klasse oder einen gut ausgestatteten VW Golf. Und jetzt soll er - nachdem er sich über z.T. Jahrzehnte an einen besseren Lebensstil gewöhnt hat - wieder einen alten, klapperigen Fiat fahren? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solches Szenario Ziel einer Altersvorsorgeplanung sein soll…

Genug der vielen Worte.
Einen einzigen Tipp wage ich an wie immer an dieser Stelle:
Suchen Sie sich einen qualfizierten Fachmann, der mit Ihnen gemeinsam Ihre Situation und Ihr Ziel analysiert und der nicht mit Faustformeln, Standardprodukten und bunten Prospekten um die Häuser zieht.
Machen Sie sich klar, WAS Sie wollen, WANN Sie es wollen und mit WELCHEN MITTELN Sie es wollen.
Und erst dann treffen Sie in aller Ruhe eine Entscheidung.

Übrigens, es gilt wie bei der Gesundheit: Eine zweite Meinung kann nicht schaden.

Viele Grüße
Frank Hackenbruch

Ach ja, ein Letztes noch: Wenn Sie aufgrund der oben geschilderten Schwierigkeiten irgendwann an einen Punkt kommen, an dem Sie resignierend sagen möchten: „Das ist ja eh nicht zu finanzieren und zu schaffen“, gilt immer noch der Grundsatz: Es ist immer besser, wenigstens etwas zu tun und abzusichern, als gar nicht vorzusorgen.

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Hallo Torsten,
es gibt ein paar kleine Berechnungsprogramme, mit denen man den Bedarf berechnen kann. Ich vermute mal, dass Du Dein Nettoeinkommen möglichst auch im alter haben willst.
Um das herauszubekommen sind die Progrämmchen da.
Dazu solltest Du, auch dafür gibt es Hilfen, die Inflation mitbedenken.
Wir haben zwar z.Zt. 3,7 % Inflationsrate, doch wenn Du 3 % veranschlagst, dürftest Du auf der richten Seite sein.
Und dann bitte nicht den Fahler machen alles auf eine Karte zu setzen.
Das ist beim Kartenspiel falsch aber auch besonders bei Altersvorsorgen. Das kann gut gehen… aber auch zum Totalverlust führen.
Auch hier hat der Nobelpreisträger Markowitz recht wenn er sagt: Kapitalanlagen sollten so breit wie möglich gestreut werden.
Was heißen soll: nicht nur in Aktien, nicht nur in Private Equity, nicht nur in Forex… investieren. Nein, in allen!
Und Finger weg von Lebensversicherungen gleich welcher Art. Das ist in der derzeitigen LV-Form ein Verlustgeschäft… nachweislich!
Causa

Wir haben zwar z.Zt. 3,7 % Inflationsrate, doch wenn Du 3 %
veranschlagst, dürftest Du auf der richten Seite sein.

Eigentlich haben wir zur Zeit weniger als 1% Inflation. Das ist natürlich ein Ausnahmezustand.

Was heißen soll: nicht nur in Aktien, nicht nur in Private
Equity, nicht nur in Forex… investieren. Nein, in allen!

Forex? Wie will man denn da für die Altersvorsorge investieren…? Das ist doch Devisenmarkt! Da kann man vielleicht spekulieren, aber wie sollte man da langfristig investieren?

Und Finger weg von Lebensversicherungen gleich welcher Art.
Das ist in der derzeitigen LV-Form ein Verlustgeschäft…
nachweislich!

Aha, dann mal her mit dem Nachweis!

Im Ernst, das kann man so pauschal ja wohl nicht sagen. LV mögen nicht besonders flexibel sein, und wenn man sie vorzeitig beendet, sind sie oft ein Verlustgeschäft. Aber wenn man sie bis zum Ende durchhält, sind sie das nicht mehr.

Causa

Sebastian

Hallo Sebastian,
also:
Kapitallebensversicherung:
Sie haben eine "Rendite von durchschnittlich 4 % p.a… aber nur vom Sparbeitrag. Sparbetrag ist der Betrag der vom Einzahlbetrag übrig bleibt wenn man die Kosten abzieht. Nun Rechne mal: 100 Euro Einzahlung - 50 % Kosten (Durchschnitt; Liste des BaFin)). Was bleibt also übrig? Ca 2 % „Rendite“. Abzüglich Inflation… na???
Wie sieht es bei den
Fondsgebundene LVs aus:
vollkommen identisch. Nur eben keine Mindestgarantie.
Lt. diverser Tests (am bekanntesten der von PlusMinus) kommt eine Rentenversicherung (also eine LV die durch weniger Kosten „glänzt“ (keinen Risikoanteil) erst im alter von über 90 Jahren (!!!) ins Verdienen. Wieviel Menschen werden über 90 Jahre?
Forex: ja, es gibt Anleger, die voll in K1 investieren. K1 ist eine tolle Anlage… Doch auch mit Risiken behaftet.
Nein, eine Diversifikation, die einhergeht mit einer möglichst geringen Korrelation (ganz lässt sie sich nicht vermeiden) ist immer noch das Beste was man für seine Zukunft machen kann. Braucht man eine Absicherung für die Familie, dann reicht hier eine Risikoversicherung (evtl. sogar eine fallende) vollkommen aus.
Und das schöne: es gibt Anlagen, die auch im Katastrophenjahr 2008 im Plus sind.
Nebenbei: lt. Fitchreport sind ein paar LVs am wackeln.
Causa

Hallo Sebastian,
also:
Kapitallebensversicherung:
Sie haben eine "Rendite von durchschnittlich 4 % p.a… aber
nur vom Sparbeitrag. Sparbetrag ist der Betrag der vom
Einzahlbetrag übrig bleibt wenn man die Kosten abzieht. Nun
Rechne mal: 100 Euro Einzahlung - 50 % Kosten (Durchschnitt;
Liste des BaFin)). Was bleibt also übrig? Ca 2 % „Rendite“.

Ob sich die Renditen, die bekanntgegeben werden, auf die vollen eingezahlten Beiträge oder wenn nein auf welchen Anteil beziehen etc. habe ich bis heute noch nicht wirklich geschafft festzustellen :smile:.

Mal sagen es die einen so, mal die anderen so. Zumindest der Risikoanteil der Beiträge sollte vielleicht fairerweise von der Renditebetrachtung ausgeschlossen werden (denn hier entsteht eine Zusatzleistung gegenüber z.B. einem Sparbuch). Die sonstigen Kosten hingegen sollten auf keinen Fall ausgeschlossen werden.

Vielleicht sollte ich hier mal ein Posting starten, um das ein für alle mal herauszufinden.

Eins ist das Lebensversicherungsbusiness zumindest garantiert: nicht so leicht zu durchdringen.

Forex: ja, es gibt Anleger, die voll in K1 investieren. K1 ist
eine tolle Anlage… Doch auch mit Risiken behaftet.

Was ist K1, ein Hedgefonds o.ä.?

Nein, eine Diversifikation, die einhergeht mit einer möglichst
geringen Korrelation (ganz lässt sie sich nicht vermeiden) ist
immer noch das Beste was man für seine Zukunft machen kann.

Diversifikation auf jeden Fall. Aber nicht alles, was divers ist, trägt auch positiv zur Rendite bei, denke ich.

Braucht man eine Absicherung für die Familie, dann reicht hier
eine Risikoversicherung (evtl. sogar eine fallende) vollkommen
aus.

Seh ich auch so.

Und das schöne: es gibt Anlagen, die auch im Katastrophenjahr
2008 im Plus sind.

Naja, die gibt es immer, aber das ist halt auch Glück. Schwer zu sagen, wer eine echte „Strategie“ hat, die vor Krisen schützt und wer nur gerade die richtige für diese.

Nebenbei: lt. Fitchreport sind ein paar LVs am wackeln.

Hast du Link?

Viele Grüße,
Sebastian