Fehlende Muttergefühle - heilbar?

Hallo Ge-es,

du schließt die Möglichkeit einer Krankheit aus. Und aus dieser Position heraus verstehe ich auch deine Argumentation.

Unabhängig davon lese ich aus den Aussagen der Betroffenen eine Menge Hinweise auf das Vorhandensein einer Depression. Und die Verrmutung, dass diese mit der Geburt in Zusammenhang steht, liegt in meinen Augen mehr als nahe. Ich habe zudem eine nahezu identische Symptomatik bei meiner Tochter erlebt, die eigentlich von ganzem Herzen ein Kind wollte.

In einem solchen Zustand eine Entscheidung über eine Adoptionsfreigabe zu treffen, halte ich einfach nicht für sinnvoll. Dafür ist diese zu weitreichend.

Ich denke, dass es in jedem Fall für die psychische Gesundheit der Betroffenen wichtig ist, einen ernstzunehmenden und umfassenden Versuch des Bindungsaufbaus zu machen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser gelingt, ist hoch. Und selbst wenn er es nicht sein sollte, wird die Betroffene für sich später die Gewissheit haben, dass sie versucht hatte, was in ihrer Macht stand. Es macht einen Unterschied, erst gar kein Kind zu kriegen oder eines geboren zu haben und dann wegzugeben.

Schöne Grüße,
Jule

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Hallo Ge-es,

du schließt die Möglichkeit einer Krankheit aus. Und aus
dieser Position heraus verstehe ich auch deine Argumentation.

Unabhängig davon lese ich aus den Aussagen der Betroffenen
eine Menge Hinweise auf das Vorhandensein einer Depression.
Und die Verrmutung, dass diese mit der Geburt in Zusammenhang
steht, liegt in meinen Augen mehr als nahe. Ich habe zudem
eine nahezu identische Symptomatik bei meiner Tochter erlebt,
die eigentlich von ganzem Herzen ein Kind wollte.

Gutentag Jule959,

aber genau das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen deine Tochter und die UP. Deine Tochter hatte eine Post-Natal Depression. Deine Tochter (so zitiere ich dich) ist eine Frau „die eigentlich von ganzem Herzem ein Kind wollte“. Die UP hat solches nicht geschrieben.
Und mit allem Respekt zu deinem reichen und grossem Wissen auf dem Gebiet der Psychologie, besteht auch für dich die Gefahr, dass du (wegen die Erlebnisse mit deiner Tochter) subjectiv dir eine Meinung gebildet hast.

In einem solchen Zustand eine Entscheidung über eine
Adoptionsfreigabe zu treffen, halte ich einfach nicht für
sinnvoll. Dafür ist diese zu weitreichend.

Aber es ist auch weitreichend um einem Kind eine Mutter aufzuzwingen die nicht für diese Rolle geschaffen ist. Ich bin der Meinung dass das Wohl des Kindes wichtiger ist als zu probieren doch noch zu „kitten“.

Ich denke, dass es in jedem Fall für die psychische Gesundheit
der Betroffenen wichtig ist, einen ernstzunehmenden und
umfassenden Versuch des Bindungsaufbaus zu machen. Die
Wahrscheinlichkeit, dass dieser gelingt, ist hoch. Und selbst
wenn er es nicht sein sollte, wird die Betroffene für sich
später die Gewissheit haben, dass sie versucht hatte, was in
ihrer Macht stand. Es macht einen Unterschied, erst gar kein
Kind zu kriegen oder eines geboren zu haben und dann
wegzugeben.

Natürlich! Aber die UP hat mit ihre Ablehnung des Kindes das Kind bereits an die Grosseltern abgegeben und nimmt es nur „wegen dem Pflichtgefühl“ wieder zu sich. Zudem ist zu beachten, dass eine Freigabe zur Adoption hier nicht gehindert wird durch eine feste Bindung die eine Mutter normalerweise zu ihrem Kind hat, und dann doch durch Umstände abgeben MUSS. Und wo das Abgeben dann gewiss sehr schmerzlich und die dadurch entstande Wunde nicht heilbar ist. Das siehe ich hier absolut nicht.
Und wenn die Abklärungen sehr lange dauern, gibt es möglicherweise falsche Schlüsse. Und das Kind muss warten.
Und ich habe sehr nahe miterlebt, dass eine Mutter ihr Kind nicht lieben konnte, obwohl sie dies wollte. Nie wurde dies ausgesprochen. Die Mutter ist durch die Hölle gegangen, weil sie sich selber anfing zu hassen für diese Unfähigkeit. Und das Kind hat es sowieso mitgekriegt.

Schöne Grüße,
Jule

Gruss: Ge-es

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Hallo Ge-es,

besteht auch für dich die Gefahr, dass du (wegen die Erlebnisse mit deiner Tochter) subjectiv dir eine Meinung gebildet hast.

Die Gefahr bestünde sicherlich, wenn meine Tochter die einzige Frau wäre, die ich mit dieser Form einer Depression kennengelernt habe. Bei meiner Tochter ging es mir persönlich sehr nahe - die Anzeichen der Krankheit ähneln sich aber bei den mir bekannten betroffenen Frauen doch sehr.

Ich bin der Meinung dass das Wohl des Kindes wichtiger ist als zu probieren doch noch zu „kitten“.

Was ist in 6 Monaten zu verlieren? Und was ist an einem therapeutisch begleiteten Zusammensein zwischen Mutter und Kind kindeswohlgefährdend?

Aber die UP hat mit ihre Ablehnung des Kindes das Kind bereits an die Grosseltern abgegeben und nimmt es nur „wegen dem Pflichtgefühl“ wieder zu sich.

Das war in den Fällen, die ich kennengelernt habe, nicht anders. Manche Mütter - darunter auch meine Tochter - haben solche Aggressionen gegen ihr Kind entwickelt, dass sie befürchtet haben, ihm etwas anzutun. Es in andere Hände geben, war zunächst die einzige Möglichkeit, die sie sahen. Eine Frau, die ich kennenlernte, bevor meine Tochter betroffen war, hat von ihrem Kind monatelang nur als von „dem Ding“ gesprochen.

Die Mutter ist durch die Hölle gegangen, weil sie sich selber anfing zu hassen für diese Unfähigkeit.

Dieser Punkt ist bei etlichen Müttern mit postpartalen Depressionen - und ich glaube auch bei der UP - bereits erreicht. Und dieses Empfinden ist umkehrbar.

Und wie gesagt: Wenn die Therapie nicht wirksam ist, kann man andere Wege finden. Den Versuch sollte man jedoch in jedem Fall wagen.

Schöne Grüße,
Jule

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Guten Tag,

Guten Morgen,
nach 14 Stunden Wehen (von Anfang an gleich im 7-Minuten Abstand und nach 3 Stunden Fruchtblase geplatzt, grünes Fruchtwasser und ab dann alle 1-3 Minuten Wehen) und einer sehr sehr sehr verspäteten PDA (war laut Arzt gaaaaaanz dringend nötig und habs dann erst nach über 3 Stunden bekommen) war dann ein Kaiserschnitt geplant und plöttzlich wach ich auf und seh meinen Mann mit dem Kind da sitzen…hatte einen Notkaiserschnitt, weil die Herztöne des Kindes stehengeblieben sind…also Vollnarkose (und ich hatte vor 6 Jahren eine verpfuschte Blinddarm-OP und wollte auf KEINEN FALL nen Kaiserschnitt)

Danke

Guten Morgen zusammen,

hier mal der neueste Stand:
Ich weiss nicht ob ich es geschrieben hatte: Ich war so am Ende am Donnerstag, dass mein Mann mich in die geschlossene Abteilung (Klapse) gebracht hat, weil er Angst hatte, dass ich mir was antu…

Ich sollte dann ab morgen in eine dreiwöchige Therapie OHNE Kind.
Das ist in meinen Augen und in denen meiner Psychologin völlig kontraproduktiv, da ich mich immer weiter von dem Kind entferne…in den vier Tagen wo ich wegwar ist er sooooooo gross geworden, dass ich ihn kaum noch erkannt habe…
also wenn Therapie, dann nur MIT Kind.

Jetzt ist das Problem:
In einer Mutter-Kind-Einrichtung steh ich auf der Warteliste…das heisst irgendwann zwischen „in 3 Wochen“ und "in „8 Wochen“ kann ich da aufgenommen werden.
Nach dem Anruf meines Mannes dort, dass ich einen „Zusammenbruch“ hatte, haben Sie gesagt, dass ich SOFORT und JEDERZEIT kommen könnte und einen Platz bekomme - aber ohne Kind, und sobald der nächste Platz frei wird kann ich den haben und das Kind dann nachholen.

Aber das hilft mir doch überhaupt nicht…
wenn das bis 8 Wochen dauern kann…dann sitz ich dort allein 8 Wochen rum, entfremde mich immer weiter und nach 8 Wochen kommt dann ein bereits $-MONATE ALTES KIND zu mir, mit dem ich doch gar nichts anfangen kann, weil ich doch die ganzen Signale nicht kenn und nicht weiss was er mittlerweile kann und wie sein Tagesablauf ist…

Ich hab einfach keine Kraft mehr solangsam…

Ich möchte schon irgendwie die Mutterrolle ausfüllen…also auch die Rolle, die ich mir so vorstelle…
aber ich weiss solangsam nicht mehr woher ich die Kraft nehmen soll…und noch 8 Wochen überbrücken…ne, das pack ich einfach nicht…zumal ich mittlerweile mehrere ICHS entwickelt habe, die im ständigen Wechsel da sind…das eine ist voller Hoffnung und denkt positiv, das andre ist fertig, glaubt an nichts mehr und will aufgeben, das andre ist aggressiv, das andre ist verzweifelt…das macht mich wahnsinnig…

schwache Grüße

Hallo,

bitte deinen Mann sich ans Telefon zu hängen und alle Einrichtungen durchzutelefonieren, die er finden kann. Bezieht auch solche mit ein, die weiter weg sind.

Ich bin sicher, du wirst ein Plätzchen für dich und dein Kind finden. Dass du verzweifelt bist, kann ich gut verstehen. Ich weiß, welchen Kampf du gerade kämpfst. Gib nicht auf.

Mutmachgrüße von Jule

Guten Tag,

Hallo Jule,
1000-Dank für alles, du bist mir wirklich eine sehr grosse Hilfe und baust mein Vertrauen in die Hilfsbereitschaft der Menschen wieder auf!!!

Das hat mein Mann schon gemacht…überall entweder nicht die richtigen Grundvoraussetzungen vorhanden (bezüglich Betreuungsmöglichkeiten fürs Kind und schrittweise Annäherung) oder eeeeeeeewige Wartezeiten…

Aber ich hab heut mit Heidelberg telefoniert um zu erfahren auf welchem Platz auf der Liste ich steh…
Am Montag muss ich da nochmal anrufen, aber die Ärztin sagte, dass ich schon sehr weit vorne bin und es sich noch um einen Zeitraum von 1-3 Wochen handelt. Das ist überbrückbar und vielleicht auch gar nicht schlecht, als „Eingewöhnungs- und Annäherungszeit“, sonst geh ich ja mit dem Kind in die Einrichtung und hab keine Ahnung wie der Tagesablauf von meinem Kleinen so ist… Mein Mann hat die nächsten zwei Wochen Urlaub und dann kann ich mich auch in den zwei Wochen richtig mit ihm zusammen um das Kind bei meinen Eltern kümmern…und auch endlich mal wieder Zeit mit ihm verbringen, das tut mir bestimmt auch zusätzlich noch gut.

Hallo,

das mit Heidelberg klingt für mich ebenso gut wie die Aussicht, die Zeit mit der Hilfe deines Mannes zu überbrücken :smile:. Ich finde jeden Versuch gut, mit deinem Kind Kontakt zu haben. Solange du noch zuhause bist, solltest du dich dabei nicht überfordern. Aber wenn es dir gelingt, ein wenig Kontakt zu halten, indem du es immer mal wieder ansiehst (am besten wenn es NICHT weint), vielleicht mal hochnimmst, fütterst, wickelst oder badest, hast du viel getan. Dabei darfst du auch deine Grenzen und deine Abwehr spüren. Du stellst dich gerade einer Herausforderung, die sehr viel von dir verlangt - und dabei musst du nicht „perfekt“ sein. Du leistest ohnehin eine Menge.

Unser Hirn ist ein ziemlich kompliziertes Teil, und auch, wenn man eine Menge noch nicht weiß, so weiß man doch, dass es sich manipulieren und austricksen lässt.

Ich lese aus deinen Zeilen immer wieder deine Sehnsucht nach einer intakten Beziehung, und ich glaube nicht, dass diese nur den Erwartungen der Umwelt entstammt. Und wie immer sich das Ganze auch fügen mag: Du trägst deinen Teil dazu bei, dass das Ergebnis gut und richtig sein wird.

Noch eine Kleinigkeit: Ich würde dich gerne mit einem Namen ansprechen und es widerstrebt mir, „tieferschmerz“ zu schreiben, auch wenn der Nick deinen momentanen Zustand sicher treffend beschreiben mag. Aber vielleicht hast du ja noch einen anderen „Anredenamen“, es muss ja nicht dein echter sein.

Schöne Grüße,
Jule

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Guten Tag,

Hallo Jule,

wie unhöflich von mir - hab darauf irgendwie gar nicht geachtet.
Ich heisse Susanne…

Gestern habe ich mal richtig körperlich gearbeitet (seit ewig langer Zeit) und einige Dinge umgeräumt und aufgeräumt. Gestern abend hats mich dann gepackt und ich hab meine „Erinnerungskiste“ mit alten Briefen und Erinnerungen etc. komplett ausgemistet…jetzt hab ich nur noch meine Tagebücher und Geburtstagskarten meiner Familie und meiner besten Freundin behalten…glaub, dass mich die ganzen Gegenstände mit negativen Erinnerungen auch noch belastet haben.

Ich hoffe sehr, dass ich mich in Heidelberg früher oder später wohlfühlen kann…ich hasse Krankenhäuser und sterile Einrichtungen…und viele Menschen auf einem Haufen…

Viele Grüße
Susanne

Hallo Susanne,

Gestern habe ich mal richtig körperlich gearbeitet (seit ewig langer Zeit) und einige Dinge umgeräumt und aufgeräumt.

Das halte ich für ein gutes Zeichen. Antriebslosigkeit gehört zu Begleitsymptomen von Depressionen, und ein solcher Energieschub ist ganz sicher als positiv zu werten. Auch deine Idee, „Ballast“ loszuwerden ist ein Anzeichen dafür, dass du dich auf den Weg machen kannst, gesund zu werden - und das nicht nur in Zusammenhang mit deinem Baby.

Ich hoffe sehr, dass ich mich in Heidelberg früher oder später wohlfühlen kann…ich hasse Krankenhäuser und sterile Einrichtungen

Zeig’ mir den Menschen, der das leiden kann :smile:. Meine Einstellung dazu hat sich durch meine Aufenthalte in Ländern wie Afrika deutlich verändert: Wenn man plötzlich darauf angewiesen ist, mit unzureichenden Methoden und Mitteln in einer sehr unsterilen Umgebung behandelt zu werden, lernt man die heimischen Krankenhäuser richtig schätzen :smile:.

Versuch’ es positiv zu betrachten und es als einen Ort zu sehen, wo du Hilfe erfahren kannst. Es ist keine Strafe, dorthin zu müssen, sondern eine Chance, dorthin gehen zu können.

Schöne Grüße,
Jule