Fehlender Artikel

Hi

Vielleicht kann mir jemand erklären helfen. Ich stehe auf der Leitung!

Im Deutschen hat normalerweise jedes Substantiv einen Artikel, bestimmt oder unbestimmt. (Obwohl es keinen Unterschied gibt zwischen „Ein (einziger) Hund steht am Straßenrand (und nicht zwei)“ und „Ein (unbekannter) Hund (und nicht der des Nachbarn) steht am Straßenrand“.)

Ausnahmen sind der Plural: Hunde stehen am Straßenrand.
Und Eigennamen: Peter steht am Straßenrand. „Der Peter“ ist umgangssprachlich und „unhöflich“ (witzig irgendwie).

Aber anscheinend gibt es doch bestimmte Substantive, die keinen Artikel haben müssen:

Liebe ist stark.
Hitze kann gefährlich sein.
Sicherheit ist wichtig im Verkehr.

Wasser ist lebensnotwendig.
Alkohol desinfiziert.

Unter welche Kategorie fallen diese Wörter? Eigennamen? Versteckte Plurale („Hitzezustände“)? Oder gelten für Abstraktes und chemische Stoffe überhaupt andere Regeln? Woher kommt das? Man könnte doch ebenso sagen: „Hund steht am Straßenrand.“ Es wäre sonnenklar, was gemeint ist. (Und es gäbe einen Unterschied zum Zahlwort!)

Bitte um Aufklärung.

Gruß
dataf0x

Liebe ist stark.
Hitze kann gefährlich sein.
Sicherheit ist wichtig im Verkehr.

Wasser ist lebensnotwendig.
Alkohol desinfiziert.

Unter welche Kategorie fallen diese Wörter? Eigennamen?
Versteckte Plurale („Hitzezustände“)? Oder gelten für
Abstraktes und chemische Stoffe überhaupt andere Regeln? Woher
kommt das? Man könnte doch ebenso sagen: „Hund steht am
Straßenrand.“ Es wäre sonnenklar, was gemeint ist. (Und es
gäbe einen Unterschied zum Zahlwort!)

Es handelt sich hier um sogenannte ‚Abstrakta‘: Substantive also, die Nichtgegenständliches benennen. Das können Zustände sein, Eigenschaften, Zeitangaben, Handlungen usw.
Gemeinsam ist ihnen, dass in der jeweiligen Wortbedeutung kein Plural existiert.

Messalina

Hi, dataf0x,

damit rührst du an eine große Sache!

In der Duden-Grammatik wird dies Thema in den §§ 554 - 567 behandelt.

Als Untergruppen treten dort auf:

Eigennamen (mit vielen Ausnahmen), Stoffbezeichnungen, Kollektiva, Abstrakta, Appositionen nach Maß- Mengen- und Klassenbezeichnungen, Funktionsverbgefüge, Phraseologismen Präpositionale Konstruktionen, usw.

Wenn du keine Grammatik zur Hand hast, versuch den Link zur Dudenreaktion, da müsstest du auch fündig werden unter dem Stichwort:

Sonderfälle: artikellose Substantivkonstruktionen.

Gruß Fritz

Ich denke, dass sind REDEWENDUNGEN. Ich habe ein hervorragendes Buch:
Duden: Mehr als 10000 feste Wendungen sprichwörtliche Redensarten und Sprichwörter.
Vielleicht hilft es dir,
Gruss,
Chari

Eigennamen (mit vielen Ausnahmen), Stoffbezeichnungen,
Kollektiva, Abstrakta, Appositionen nach Maß- Mengen- und
Klassenbezeichnungen, Funktionsverbgefüge, Phraseologismen
Präpositionale Konstruktionen, usw.

Hallo

Vor allem bei Ländernamen wird das deutlich: Deutschland und Frankreich haben keine Artikel. Aber es gibt auch „die Mongolai, die Türkei …“ als Ausnahmen. Hier bildet die deutsche Sprache eine Ausnahme (zusammen mit englisch). Aber in romanischen Sprachen haben Länder interessanteweise einen Artikel: El Perú, La France …

  1. Zu den STOFFBEZEICHNUNGEN: Meinst Du damit chemische Substanzen? Die haben stets einen Artikel: Das Chlor, das Kalium, das Formaldehyd, das Arsen …

Hallo,

  1. Zu den STOFFBEZEICHNUNGEN: Meinst Du damit chemische
    Substanzen? Die haben stets einen Artikel: Das Chlor, das
    Kalium, das Formaldehyd, das Arsen …

Du kannst zwar einen Artikel davorsetzen, hier geht es aber darum, dass man es in einem Satz nicht tut:
Chlor ist Element der 7. Hauptgruppe
nicht
DAS Chlor ist ein Element der 7. Hauptgruppe

oder

Arsen ist giftig
nicht
DAS Arsen ist giftig

Aber
DER Hund ist tot
nicht
Hund ist tot

Grüße,

Anwar

Hallo

Du kannst zwar einen Artikel davorsetzen, hier geht es aber
darum, dass man es in einem Satz nicht tut:
Chlor ist Element der 7. Hauptgruppe
nicht
DAS Chlor ist ein Element der 7. Hauptgruppe

Es ist zwar richtig, dass man einen Artikel davorsetzen kann, aber nicht unbedingt muss. Somit sind beide Sätze richtig.

Es gilt aber zu unterscheiden, welche Substantive prinzipiell Artikel haben (egal ob deren Verwendung obligatorisch ist oder nicht) und welche keinen Artikel haben (Frankreich, Deutschland aber auch Städte: Frankfurt, Berlin, Hamburg).

Das sagt Peter Eisenberg
Hallo datafox,

Im Deutschen hat normalerweise jedes Substantiv einen Artikel,
bestimmt oder unbestimmt.

Das sieht Peter Eisenberg „Grundriss der deutschen Grammatik“ anders. Nach seinen Ausführungen - und wohl ähnlich im Duden - hast Du einfach nur den Unterschied zwischen „Gattungsnamen“ („Tisch“) und „Stoffsubstantiven“ entdeckt. Die Stoffsubstantive unterscheiden sich eben von den Gattungsnamen gerade durch ihre Artikellosigkeit („Mehl, Öl, Papier“). Als dritte Kategorie nennt Eisenberg die „Eigennamen“ („Paul“).
Gewissermaßen quer zu dieser Dreiteilung sieht Eisenberg die Abstrakta. Er „schlägt vor“ (ist sich also offenbar selber nicht so ganz sicher) anzunehmen, dass Abstrakta sowohl Gattungsnamen, als auch Stoffsubstantive oder Eigennamen sein können, oft auch in mehrer Kategorien zugleich fallen
Nach Eisenberg wären dann also „Wasser“ und „Alkohol“ klare konkrete Stoffsubstantive, „Liebe“, „Hitze“ und „Sicherheit“ dagegen „abstrakte Stoffsubstantive“.

Liebe ist stark.
Hitze kann gefährlich sein.
Sicherheit ist wichtig im Verkehr.

Wasser ist lebensnotwendig.
Alkohol desinfiziert.

Warum das so ist? Der fehlende Artikel hilft dem Hörer, das Substantiv schnell in die richtige Kategorie einzuordnen und erleichtert das Verständis!
Gruß!
Christian

MOD: Fehlendes „Du“ ergänzt" und entsprechenden Hinweisartikel gelöscht.