Fehler-Serien

Hallo!

Kann es sein, dass man, wenn einem ein Fehler passiert, diesen Fehler dann aus irgend einem Grund (unfreiwillig) wiederholt?

Zwei Beispiele: Vor einiger Zeit hatte ich vergessen, über Nacht die Tür zuzusperren, obwohl ich normalerweise ziemlich übergenau bei sowas bin. Als ich am nächsten Tag heim kam, war die Tür wieder unversperrt, Einbruch etc. aber ausgeschlossen. Na gut, kann ja mal passieren, dass man beim Weggehen aufs Zusperren vergisst. Am nächsten Tag hab’ ich extra darauf geachtet, abzusperren, aber - was ich wieder erst beim Heimkommen bemerkt hab’ - anscheinend statt doppelt zuzusperren zuerst zu und dann wieder aufgesperrt.

Zweites Beispiel: Ich kann normalerweise ziemlich gut Auto fahren und bilde mir besonders auf meine Einparkkünste was ein (ohne jetzt angeben zu wollen :wink:. Gestern bin ich allerdings versehentlich beim Einparken auf den Gehsteig gefahren, was meinen schadenfrohen Beifahrer bestens amüsiert hat. Prompt bin ich innerhalb der nächsten 30 Minuten nochmal beim Einparken auf den Gehsteig gefahren und hab’ etwas später eine Kurve zu eng geschnitten und dabei nochmal den Gehsteig erwischt, was mir sonst nie, nie, *nie* passiert.

Gibt’s das? Was steckt da dahinter? Oder war das nur Zufall?

lG Alpha

Es kann eine unfreiwillige Selbstkonditionierung in Bezug auf bestimmte Handlungen vorliegen. Eine fehlerhafte Handlung führt zu Ärger. Wenn die Handlung das nächste Mal ausgeführt werden soll, befinden sich die beteiligten psychologischen Systeme in einer Art Alarmbereitschaft, was erneute Fehler nach sich ziehen kann.

Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit sind aber auch Fehlerserien ohne psychologischen Hintergrund möglich. Für eine Häufung von unwahrscheinlichen Ereignissen ist das Verständnis bei den Leuten meist nicht verhanden. Dabei ist gerade das Nichtauftreten von solchen Serien in einem entsprechend langen Gesamtzeitraum statistisch unwahrscheinlich.

Es wird vielleicht gar nicht möglich sein, festzustellen, welcher Fall vorliegt.

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Hallo Alpha,

natürlich kann man immer danach suchen, was hinter einer Fehlerserie stecken könnte, und oft ganz nette Erklärungen anbieten; in Deinem Fall aber scheint so etwas recht schwierig zu sein, weil es sich ja nicht um eine Serie handelt, sondern um eine Duplette; Du verschweigst leider, warum es immer nur zweimal geschieht, nicht dreimal oder viermal …
Deshalb müssen natürlich die vielen Standarderklärungen, seien es „Selbst-Konditionierung“ oder „Zwangshandlung“, etc., ausscheiden; eine Fehler-Duplette aber erklärt sich nicht so leicht, dazu müsste man beispielsweise erst wissen, warum Dir der Fehler beim dritten Mal nicht mehr unterlaufen ist.

Viele Grüße
franz

Hallo!

natürlich kann man immer danach suchen, was hinter einer
Fehlerserie stecken könnte, und oft ganz nette Erklärungen
anbieten; in Deinem Fall aber scheint so etwas recht schwierig
zu sein, weil es sich ja nicht um eine Serie handelt, sondern
um eine Duplette; Du verschweigst leider, warum es immer nur
zweimal geschieht, nicht dreimal oder viermal …

Um genau zu sein, jedes Mal genau 3 Mal. Ein Mal „zufällig“ und dann noch 2 Mal innerhalb der nächsten 1-2 Tage.

lG Alpha

Hausfrauenpsychologie
Hallo Alpha,
die Antwort eher aus Gefühl und Intuition, denn aus Wissen.

Meine Idee wäre, als sehr kontrollierter Mensch, hast du dich sehr erschrocken, als dir ein Fehler unterlaufen ist (beim Autofahren auch noch unter Beobachtung - gräßlich)und das hat dich so verunsichert, daß du an die nächsten passenden Situation viel unsicherer als sonst ran gegangen bist und deine Gedanken dabei eher deine Angst/Unsicherheit, als dein Tun angesehen haben. Dadurch sind dann wieder neue Fehler entstanden. Diese waren jetzt aber weniger erschreckend, denn spannend.

Nach 1-2 Tagen war der Schreck verdaut, jetzt griff wieder die normale Kontrolle, und alles klappt wieder wie vorher.

Just my 2 ct. (hach das wollte ich schon immer mal schreiben)
Schönen Abend
Kerstin

Korinthen (oT)
Hallo, Franz,
nicht nur eine Doublette (auch „Dublette“ wäre richtig) hast du dir geleistet, sondern sogar ein Triplet :smile:
Gruß
E.

noch korinther (oT)
Hi Eckard,

nicht nur eine Doublette (auch „Dublette“ wäre richtig) hast
du dir geleistet, sondern sogar ein Triplet :smile:

wenn schon, dann eine Triplette :wink:

Gruß

Metapher

2 „Gefällt mir“

wenn schon: doublets
das p lasse ich mir nehmen, den Plural nicht! :wink:

Hi Alpha,

ob Zufall oder nicht - was soll das mit Psychologie zu tun haben?

psychologische Theorien
Hallo Alpha,

selbstverständlich gibt es allgemeinpsychologische Aspekte, die Erklärungen für Verhaltenswiederholungen liefern. Sie hier komplett auszuführen, sprengte den Rahmen, dennoch kann ich versuchen, Dir hier eine kleine Auswahl der gängigsten Mechanismen kurz darzustellen.

Zuallererst muss man bedenken, dass das Gedächtnis nicht wie ein Computer mit angeschlossenem Sensor funktioniert. Bestimmte Effekte können diejenigen Inhalte, die schließlich tatsächlich im Gedächtnis abgespeichert werden, unterschiedlich zu den objektiven Gegebenheiten machen. So filtert beispielsweise die (selektive) Aufmerksamkeit viele Umweltreize heraus, die ansonsten für uns (wenigstens in diesem Moment) unwichtig wären. Möglicherweise sind derartige automatisierte Handlungen anfällig für Ablenkungen. Wenn Du normalerweise um 21 Uhr die Tür absperrst, aber gerade in dem Augenblick, in dem Du den Schlüssel in Schloss gesteckt hast, das Telefon klingelt und Dir Dein bester Freund etwas Wichtiges erzählt, dann ist es möglich, dass Du darüber das Absperren vergisst. Das bringt mich zu den Phänomenen, die die Erinnerungsleistung herabsetzen, z.B. wenn man bei einer Tätigkeit unterbrochen wird und andere Tätigkeiten verrichten muss; Erkrankungen oder Vergiftungen oder auch Stress (ggf. gerade in der Situation entstanden, weil dort vorher der ärgerliche Fehler auftrat) und (andere) hormonelle Ereignisse können hier ebenfalls erwähnt werden. Selbstverständlich st diese Liste unvollständig.

Mit den Gedächtnistheorien im Hintergrund könnte man erörtern, dass möglicherweise entsprechende Bedingungen bei der Wiederholung von Verhalten vorliegen, das zuvor in dieser Form noch nicht gezeigt wurde und deren Bedingungen (den Fehler zu begehen) fortdauern zumindest bis zur Wiederholung.

Eine andere Erklärung könnte die Theorie zur sog. „selbsterfüllenden Prophezeiung“ oder „Pygmalion-Effekt“ liefern. Nach den Forschungen des Soziologen Merton (1957) kann eine (falsche) Definition einer Situation ohne willentliche Absicht ein Verhalten hervorrufen, das die Bewahrheitung der Definition zur Folge hat. Auf das von Dir beschriebene Phänomen bezogen könnte man vielleicht sagen, dass Du in der „Fehlersituation“ gedacht haben könntest, dass Dir bestimmt wieder der Fehler passieren würde - und dann Dein Verhalten darauf ausgerichtet hast.

Schließlich sind lerntheoretische Erklärungen hier ebenfalls möglich. So kann es sein, dass in der vorangegangenen Lerngeschichte z.B. immer eine bestimmte Reizkonfiguration automatisch bedeutet hat, die Tür sei abgesperrt und Du kannst etwas anderes machen ( klassiche Konditionierung ). Dies könnte Z.B. eine bestimmte Uhrzeit oder eine Tätigkeit, die immer direkt nach dem Absperren der Tür durchgeführt wird, sein. Es ist möglich, dass Dir diese Reizkonfiguration begegnet ist, auch ohne, dass Du die Tür zuvor abgesperrt hast, wenn sie davon unabhängig auftritt.
Ein Beispiel: nehmen wir an, dass draussen mit Einsetzen einer bestimmten Uhrzeit die Aussenbeleuchtung angeht und Du normalerweise immer dann schon die Tür ganz automatisch abgesperrt hast. Durch irgendeinen Grund hast Du die Tür nun nicht abgesperrt, siehst aber z.B. zufällig durch das Fenster draussen die Beleuchtung und gehst automatisch davon aus, dass ein Absperren der Tür nicht mehr nötig sein wird.

Ein weiterer Grund für das Wiederholen des Verhaltens könnte darin begründet liegen, dass Du nicht vollständig für das Handlungsergebnis verantwortlich bist, aber es auf Dich selbst attribuierst (z.B.: Selbstwahrnehmungshypothese ).
In Bezug auf das Einparken ist dies vielleicht gut verständlich zu machen: Wenn Du Dich beim Einparken darauf konzentrierst, wie ein anderes Fahrzeug steht, dann fährst Du z.B. so, dass Dein Wagen erst neben dem anderen Fahrzeug zum Stehen kommst, dann schlägst Du das Lenkrad in eine bestimmte Weise ein, fährst weiter rückwärts und so weiter, bis Dein Auto perfekt geparkt ist. Du hast gelernt, dass Du ein bestimmtes Verhalten in einer bestimmten Situation zeigen musst, so z.B. das Lenkrad um x° einzuschlagen, wenn Dein Auto in einer bestimmten Weise nehben einem anderen parkenden Wagen steht. Nun ist es so, dass Du ebenfalls gelernt hast, dass ein anderes Fahrzeug im Normalfall in einer bestimmten Weise geparkt wird, so dass Du Dich auch daran orientieren kannst, um selber einzuparken. Allerdings kann dies auch mal nicht der Fall sein - mit dem Ergebnis, dass Du nicht fehlerfrei einparkst.

Dies war ein kleiner Ausblick auf die möglichen Erklärungsansätze. Wie Du siehst, sind Pauschalerklärungen nicht möglich - man müsste individuell schauen, was in der spezifischen Situation auf Dich zutrifft.

Ebenso ist möglich, dass verschiedene Mechanismen gemeinsam wirken.

Viele Grüße

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