psychologische Theorien
Hallo Alpha,
selbstverständlich gibt es allgemeinpsychologische Aspekte, die Erklärungen für Verhaltenswiederholungen liefern. Sie hier komplett auszuführen, sprengte den Rahmen, dennoch kann ich versuchen, Dir hier eine kleine Auswahl der gängigsten Mechanismen kurz darzustellen.
Zuallererst muss man bedenken, dass das Gedächtnis nicht wie ein Computer mit angeschlossenem Sensor funktioniert. Bestimmte Effekte können diejenigen Inhalte, die schließlich tatsächlich im Gedächtnis abgespeichert werden, unterschiedlich zu den objektiven Gegebenheiten machen. So filtert beispielsweise die (selektive) Aufmerksamkeit viele Umweltreize heraus, die ansonsten für uns (wenigstens in diesem Moment) unwichtig wären. Möglicherweise sind derartige automatisierte Handlungen anfällig für Ablenkungen. Wenn Du normalerweise um 21 Uhr die Tür absperrst, aber gerade in dem Augenblick, in dem Du den Schlüssel in Schloss gesteckt hast, das Telefon klingelt und Dir Dein bester Freund etwas Wichtiges erzählt, dann ist es möglich, dass Du darüber das Absperren vergisst. Das bringt mich zu den Phänomenen, die die Erinnerungsleistung herabsetzen, z.B. wenn man bei einer Tätigkeit unterbrochen wird und andere Tätigkeiten verrichten muss; Erkrankungen oder Vergiftungen oder auch Stress (ggf. gerade in der Situation entstanden, weil dort vorher der ärgerliche Fehler auftrat) und (andere) hormonelle Ereignisse können hier ebenfalls erwähnt werden. Selbstverständlich st diese Liste unvollständig.
Mit den Gedächtnistheorien im Hintergrund könnte man erörtern, dass möglicherweise entsprechende Bedingungen bei der Wiederholung von Verhalten vorliegen, das zuvor in dieser Form noch nicht gezeigt wurde und deren Bedingungen (den Fehler zu begehen) fortdauern zumindest bis zur Wiederholung.
Eine andere Erklärung könnte die Theorie zur sog. „selbsterfüllenden Prophezeiung“ oder „Pygmalion-Effekt“ liefern. Nach den Forschungen des Soziologen Merton (1957) kann eine (falsche) Definition einer Situation ohne willentliche Absicht ein Verhalten hervorrufen, das die Bewahrheitung der Definition zur Folge hat. Auf das von Dir beschriebene Phänomen bezogen könnte man vielleicht sagen, dass Du in der „Fehlersituation“ gedacht haben könntest, dass Dir bestimmt wieder der Fehler passieren würde - und dann Dein Verhalten darauf ausgerichtet hast.
Schließlich sind lerntheoretische Erklärungen hier ebenfalls möglich. So kann es sein, dass in der vorangegangenen Lerngeschichte z.B. immer eine bestimmte Reizkonfiguration automatisch bedeutet hat, die Tür sei abgesperrt und Du kannst etwas anderes machen ( klassiche Konditionierung ). Dies könnte Z.B. eine bestimmte Uhrzeit oder eine Tätigkeit, die immer direkt nach dem Absperren der Tür durchgeführt wird, sein. Es ist möglich, dass Dir diese Reizkonfiguration begegnet ist, auch ohne, dass Du die Tür zuvor abgesperrt hast, wenn sie davon unabhängig auftritt.
Ein Beispiel: nehmen wir an, dass draussen mit Einsetzen einer bestimmten Uhrzeit die Aussenbeleuchtung angeht und Du normalerweise immer dann schon die Tür ganz automatisch abgesperrt hast. Durch irgendeinen Grund hast Du die Tür nun nicht abgesperrt, siehst aber z.B. zufällig durch das Fenster draussen die Beleuchtung und gehst automatisch davon aus, dass ein Absperren der Tür nicht mehr nötig sein wird.
Ein weiterer Grund für das Wiederholen des Verhaltens könnte darin begründet liegen, dass Du nicht vollständig für das Handlungsergebnis verantwortlich bist, aber es auf Dich selbst attribuierst (z.B.: Selbstwahrnehmungshypothese ).
In Bezug auf das Einparken ist dies vielleicht gut verständlich zu machen: Wenn Du Dich beim Einparken darauf konzentrierst, wie ein anderes Fahrzeug steht, dann fährst Du z.B. so, dass Dein Wagen erst neben dem anderen Fahrzeug zum Stehen kommst, dann schlägst Du das Lenkrad in eine bestimmte Weise ein, fährst weiter rückwärts und so weiter, bis Dein Auto perfekt geparkt ist. Du hast gelernt, dass Du ein bestimmtes Verhalten in einer bestimmten Situation zeigen musst, so z.B. das Lenkrad um x° einzuschlagen, wenn Dein Auto in einer bestimmten Weise nehben einem anderen parkenden Wagen steht. Nun ist es so, dass Du ebenfalls gelernt hast, dass ein anderes Fahrzeug im Normalfall in einer bestimmten Weise geparkt wird, so dass Du Dich auch daran orientieren kannst, um selber einzuparken. Allerdings kann dies auch mal nicht der Fall sein - mit dem Ergebnis, dass Du nicht fehlerfrei einparkst.
Dies war ein kleiner Ausblick auf die möglichen Erklärungsansätze. Wie Du siehst, sind Pauschalerklärungen nicht möglich - man müsste individuell schauen, was in der spezifischen Situation auf Dich zutrifft.
Ebenso ist möglich, dass verschiedene Mechanismen gemeinsam wirken.
Viele Grüße
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