Fehlkalkulation

Hallo liebe werweisswas-wisser,
ich bin seit einem Jahr selbständig. Leider haben mehrere Kunden die auftragsabwicklung stark verzögert, so daß meine Terminierung nicht mehr hinkommt. Sprich: Ich hab keine Eingänge für diesen Monat. Auftragsbestätigungen liegen vor. Meine Frage: Weiß jemand, wie sich die sparkassen i.d.R. verhalten, wenn man Gründer ist und um eine Erhöhung seines privaten Dispos bittet um die Zeit zu überbrücken? Habe etwas Angst, daß sie mir, wenn ich das anspreche den privaten Dispo kappen, weil ja kein regelmäßiges, terminiertes Einkommen wie beim Angestellten vorliegt. Zur Erklärung, in allen anderen Monaten hatte ich ein gleichbleibendes einkommen, nur diesmal nicht. Ich würde mich feuen, wenn jemand über ähnliche Erfahrungen berichtet oder einen Tip für mich hat. Schönen Dank schon mal,
Ulli

Hallo Ulli,

hatte das gleiche Problem, nur dass sich dieser Zustand während des gesamten 1. Jahres meiner Existenzgründung gehalten hat und ich somit den ursprl. gewährten Dispo von 10 Tsd DM auf 20 Tsd DM überzogen hatte.

Gründe, warum es trotzdem mit der Bank geklappt hat:

  1. ich habe die zuständige Mitarbeiterin bei der Bank „auf dem Laufenden gehalten“.
    Denn diese Dame hatte immer die Aufgabe, meine Schulden gegenüber Ihrer Vorgesetzen zu rechtfertigen => je besser sie sich informiert gefühlt hat, umso besser und mit umso besserem Gewissen konnte sie gegenüber Ihrer Chefin argumentieren und war somit unser bestes Sprachrohr !!!

Wichtig: Du gehst am Besten zur Bank, bevor die Bank zu Dir kommt !

  1. ich habe immer sachlich argumentiert und bei Bedarf eine Liquiditätsvorausschau (welche Aufträge habe ich in der Pipeline, wann werden sie vermutlich fertig sein und wann kommt realistisch (!) die Kohle rüber…) vorgelegt (evtl. natürlich etwas positiv dargestellt, aber niemals plump gelogen)

  2. Ich habe versucht, Gelder aus anderen Quellen zu beschaffen, damit das Bankkonto nicht allzusehr belastet wird (=>Lieferantenkredit, aber seeeehr mit Vorsicht zu genießen, im Handwerk haben sich Anzahlungen vom Kunden bewährt)

  3. sobald ich etwas mehr Geld in die Kasse bekam (hatte u.a. Bar-zahlende Kunden), habe ich einen Teil des Geldes nicht zur Bank gebracht (natürlich trotzdem versteuert => „Bar in Kasse“) und konnte damit in schlechten Zeiten das Girokonto im grünen Bereich halten, obwohl ich dann keine Einnahmen hatte => die Bank bekam nur noch die geglätteten Wogen zu sehen.

Fazit: wer aktiv handelt, wird von der Bank meißtens als Geschäftspartner und nicht als Bittsteller behandelt und kann sich mehr „erlauben“

Grüsse

Sven

Hallo!
Sven hat darauf die beste Antwort gegeben; dazu noch ein Tip von mir:
Da ich Fälle kenne, wo Kunden mit nur einer Bankverbindung in schwierigeren Zeiten schlecht beraten waren, empfehle ich Existenzgründern immer eine oder zwei weitere Bankverbindungen herzustellen.
Diese kommen dann mit Kontonr., BLZ und Bankname auf den Briefbogen/Rechnung usw.
Dies ist auch gängige Praxis bei langjährig existierenden Unternehmen.
Weiterhin viel Erfolg - auch wenn´s jetzt
gerade mal „klemmt“, wegen einem Monat wird wohl nichts schiefgehen, aber: die Bank informieren!
Viele Grüße
Heinz

Hallo , danke für den Tip. Ich habe sogar zwei Konten, ein offizielles Geschäftskoto (auch fürs Briefpapier, habe auch vorgedruckte Überweisungsträger die ich dem Kunden senden kann), wo ich bisher keinen Dispo habe und mein privates. Auf dem Geschäftskonto hat man mir bei Eöffnung sogar einen Dispo von mehreren Tsd. DM eingeäumt, für die ersten drei Monate, weil ich ja wußte, daß ich in den ersten Monaten wenig Einnahmen hatte. Ich habe ihn damals nicht beansprucht und auch nicht verlängern müssen. Einen regulären Dispo habe ich nur auf dem Privatkoto, noch vor der Gründungszeit bekommen. Deshalb bin ich mir ja so unsicher, ob es mich in Schwierigkeiten bringen kann, für den Dispo eine Erhöhung zu beantrgaen. Vielleicht seh ich ja zu schwarz, aber die Antworten hier machen Mut, DANKE
Ulli

Hallo,
danke für deine offene Antwort. Eines ist mir nicht klar, sprichst du von deinem Privatkonto oder vom Geschäftskonto?
Auf jeden fall finde ich die Heransgehensweise sehr gut und werde wohl eine offenes Wort mit der Sparkasse wechseln. Tausen Dank,
Ulli

Hallo Uli,

ich sprach vom Geschäftskonto.

Prinzipiell halte ich es für wichtig, Geschäfts- und Privatkonto zu trennen, möglichst sogar bei verschiedenen Banken.

Grüsse

Sven

*derDirvielGlückwünscht*

Hallo Uli,

halte es für sehr wichtig und auch normal, auf dem Geschäftskonto einen Dispo zu haben. Läßt sich auch gegenüber der Bank ganz einfach argumentieren => als Ausgleich für Vorfinanzierung gegenüber dem Kunden. Ausserdem verdient die Bank gut daran.

Evtl. mußt Du „die Hosen runterlassen“ und Bilanz / BWA vorlegen.

Grüsse

Sven

Hallo,
die ANfrage ist zwar schon etwas länger her, aber auch ich möchte meinen Senf dazu geben;
Also ich bin seit 3 Jahren selbständig und ich halte es für das wichtigste die Bank in alles einzuweihen. Ich habe mein Privat und 1 Geschäftskonto bei einer Bank. Glücklicherweise ist dies KEINE Sparkasse da ich von diesen nicht allzu viel halte ( aber das ist meine persönliche Meinung ) Eine BWA vorzulegen ist wahrscheinlich aus zeitlichen Gründen noch nicht möglich, ausserdem sagt sie im ersten Jahr noch nicht allzuviel aus. Meiner Meinung nach muß Du aber nicht die geringsten Bedenken haben, ein Kontokurrentkredit bei Deiner Bank zu beantragen, vor allen weil Du noch nie ein beantragt, bzw. nötig hattest. Dies ist bei einer Geschäftsgründung sehr ungewöhnlich (ausser man hat genug Eigenkapital, und wenn DU genug EK im ersten Jahr hattes, welches Du ja in die Firma investiert hast, um die anfänglichen Investionen zu tätigen was spricht dagegen dies im Prinzip zu „beleihen“).
Sprich mit Deiner Bank und habe keine Angst davor. Denk daran Sie verdienen ihr Geld durch Leute wie Dich.

Gruß Alf
derseinkontoumsdoppelteüberzogenhatundtrotzdemnochruhigschläft

Hallo,

vielen Dank, für deine Antwort. Auch sie hat mir Mut gemacht, ich werde jetzt auf jeden Fall einen Dispo beantragen.
Danke,
Ulli