Hallo zusammen,
meine Frau ist Lehrerin und ist gerade mit folgender Frage beschäftigt:
Sie hat einen türkischen Schüler, der behauptet das er am Ende des Ramadan 1 Woche nicht zur Schule kann, weil er auf Ramadan Endfeiern ist.
Sie kann das nicht glauben (zumal ein anderer türkischer Schüler nur einen Tag frei haben möchte).
Zudem behauptet der Schüler, das alle Jungen von den „Priestern“ zur Belohnung 500 € bekommen.
Diese Aussage stiftet Unfrieden in der Klasse. Meine Frau weiss aber nicht, wie sie damit umgehen soll.
Da ich kein Islamexperte bin, würde ich mich (und besonders meine Frau) freuen, wenn ein Kenner des Islams zu meinen Fragen Stellung beziehen kann.
Grüße,
Andre Rene
Hallo Andre,
ich bin zwar auch kein „Islamexperte“, aber praktizierender Moslem und hoffe, das ich dir die richtige Antwort gebe.
Zum einen hat der Schüler deiner Frau recht, das nach dem Ende des Ramadan eine Feier stattfindet. Zu diesem Anlass gehen alle männlichen Familienmitglieder in die Moschee um ein gemeinsames Gebet zu verrichten. Zum anderen dauert diese Feier keine Woche, sondern DREI Tage. An denen Verwandte und Bekannte besucht werden.
Man freut sich das man dem Gebot des Fasten nachgekommen ist und den Monat hinter sich gebracht hat.
Zu der Bitte eine Woche beurlaubt zu werden ist klar zu sagen, das dies überzogen ist. Wichtig ist das er am ersten Tag dieser Feierlichkeiten beurlaubt wird, um an dem Gebet teilzunehmen. Alles weitere liegt im ermessen deiner Frau.
Zu den 500 € ist zu sagen, das es nicht üblich ist. Vielmehr bekommen Kinder von Ihren Eltern und älteren Verwandten entweder kleine Geschenke oder Geld, jedoch nicht vom Mullah oder Imam.
Meist erhalten die kleinen etwa 5€ bis 10€, bei einer großen Familie kann dies schnell eine stattliche summe ausmachen.
Ich würde deiner Frau empfehlen Ihn am ersten Tag frei zu geben, da dies ein wichtiger Tag für uns Moslems ist, jedoch nicht die verlangte Woche.
Zudem könnte Sie, da es anscheinend unter den Schülern zu Problemen führt, jemanden aus der Umgebung z.B. einen Imam von der örtlichen Moschee oder einen kundigen Elternteil eines moslemischen Schülers bitten, Fragen der Schüler zu diesem Thema zu beantworten.
Ich hoffe, ich konnte euch etwas Helfen.
Hallo Andre,
Du hast ja schon eine sehr kompetente Antwort von Wahed bekommen.
Ich wollte noch hinzufuegen, dass es in Saudi-Arabien nach Ramadan
drei offizielle Feiertage gibt (Eid al Fitre). Da dies aber vom
Mond abhaengt(und ob der Neumond gesehen werden kann) und das
modernen Firmen mit ihrem Beduerfnis nach Planung nur
schwer vereinbaren koennen, haben viele Firmen einfach
in der Woche geschlossen, in der Ramadan zu Ende geht.
Es gibt auch einige Organisationen, die die letzten zwei Wochen von
Ramadan ganz dicht machen (z.B. die Universitaet hier), weil sie wissen,
dass eh’ kaum noch jemand zum Dienst erscheint. Die Anzahl der moslemischen
Schueler, die in der letzten Ramadan-Woche noch zum Unterricht kommt,
sinkt auch (das liegt daran, dass soviel Leben in die Nacht gepackt wird,
dass viele einfach nur muede sind - hier singt der Muezzin in den letzten
Tagen schon ab 2 Uhr in der Nacht, *gaehn*).
Dies nur zur Erklaerung. Ich finde Waheds Vorschlag, wie deine Frau
damit umgehen soll, gut.
Ramadan karim
(das heisst soviel wie: Hab einen schoenen Ramadan)
und ab uebermorgen (?) dann:
Eid Mubarak!
(schoenes Fest)
Elke
Hallo, Wadeh,
ich finde Deinen Kompromiß sehr angemessen. (Vor allem vor dem Hintergrund, dass es unbillig wäre, zur Schule zu zwingen, wenn die Familie feiert!)
Das Fest heißt bei „unseren“ Türken ja Zuckerfest. Vielleicht bringt der Knabe ja am Tag nach dem Fest eine Runde Süßigkeiten für den Rest der Klasse mit?
Ich habe gerade meine Frau (ebenfalls Grundschullehrerin) dazu angeregt, diesen realen und aktuellen Anlaß zu einem Gespräch mit den Kindern über die Thematik Islam/Christentum/Feste zu führen. Das kann nur zu einem besseren Verständnis untereinander führen.
Gruß
Eckard.
Hallo alle zusammen,
vielen Dank!
Ihr habt uns sehr geholfen!
Schöne Woche und Feiern,
Andre
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