Servus,
ja, vor etwa 25 Jahren hab ich meine Dürkheimer Rote gesetzt und seither von ihr eine ziemliche Zahl an Nachkommen gezogen. (Falls Du in den kommenden Monaten zur Pflanzzeit für Feigen mal ins Reich kommen solltest, kann ich Dir einen der letzten gepäppelten Sämlinge mitgeben.)
Die Dürkheimer Rote oder Pfälzer Fruchtfeige ist eine von vielen lokal leicht variierenden Sorten, die auf die Feigenbäumchen zurückgehen, die von den Römern in die nördlichen Teile des Imperiums gebracht wurden, wo andere Varietäten von Ficus Carica nicht gediehen. Wegen ihrer heute weltweiten Verbreitung hat sie zusammen mit den vielen anderen Varietäten dieser Sorte in dem Imperium, das im zwanzigsten Jahrhundert die Nachfolge des römischen angetreten hat, den amerikanischen Namen „Brown Turkey“ bekommen, obwohl sie weder braun noch ein Truthahn ist. Ich nenne sie Dürkheimer Rote - unter diesem Namen ist sie in dem Teil Deutschlands bekannt und verbreitet, in dem die Feigenbaumdichte weitaus am höchsten ist.
Die Dürkheimer Rote ist eine zweimal blühende Feige mit dunklen Früchten, sicherlich nicht die aromatischste, aber unter hiesigen Klimabedingungen sehr ertragreich - selbst unter den schlechten Bedingungen meines Gärtles (staunasser Auenton, viel Eisen und fast kein Kalk, in den Mittagsstunden außer im Hochsommer beschattet von der von einem Vorpächter in den 1970er Jahren viel zu groß gebauten Datsche) habe ich jedes Jahr mindestens 15 - 20 kg Feigen - in guten Lagen in der Pfalz drüben kann man schon auch mal 80 kg und mehr von einem freistehenden Baum Dürkheimer Rote bekommen. - und vor allem nicht nur ab dem ca. 5. Jahr vollkommen winterhart (ich weiß nicht, ob es bei Euch drüben noch die klassischen kontinentalen Winter gibt), vorher ist eine leichte Abdeckung nützlich -, sondern auch selbstfruchtbar, aus von Vögeln geernteten Früchten hab ich schon ohne weiteres Zutun insgesamt sechs zufällig - unter Freilandbedingungen! - aufgegangene Sämlinge gehabt.
Deine Idee, eine Feige zu vergraben, führt übrigens ganz sicher nicht zum Erfolg, weil Feigen wie sehr viele Pflanzen mit so filigran winzigen Samen Lichtkeimer sind.
Stecklinge hab ich erfolglos mit Stecken direkt in Kultursubstrat und mit gutem Erfolg mit Bewurzeln in Wasser und dann Setzen in Kultursubstrat gezogen. Bei Stecklingen ganz wichtig, dass diese nicht wie z.B. bei Rosen erst im Sommer von „ausgereiften“ Trieben des selben Jahres genommen werden, sondern gleich im Frühjahr von einjährigen Ruten, wenn die Feige spät, aber mit einem mordsmäßigen Druck auf den Leitungen ausgetrieben hat.
Mit Säen kannst Du sicherlich was probieren, hell oberflächlich und feucht halten (Glasplatte über die Keimschale). Bedenke aber, dass sehr viele der vor allem in der Türkei, Griechenland und Spanien erzeugten Kulturfeigen von Varietäten stammen, die zum Bestäuben eine „Bocksfeige“ nebenan benötigen, d.h. auch sorgfältig gehätschelt mit Winterschutz usw. keine oder kaum Früchte tragen werden. Am ehesten wird das funktionieren, wenn Du auch dafür nördlich der Alpen erzeugte Feigen hernimmst (im Burgenland und der Steiermark sollte es doch eigentlich auch welche geben - wer weiß, vielleicht stehen bereits in den Wingerten von Oberlaa und Unterlaa ein paar davon). Ich täte dafür das Fruchtfleisch mit den Samen herausschaben und eine Weile in Wasser stehen lassen, bis sich die Samen vom übrigen Schlonz leicht trennen lassen.
Schöne Grüße
MM