Liebe Son-ja
manchmal begegnen mir Hundebesitzer mit Junghunden, bei denen
ich mich frage, was sie da tun.
Das geht mir manchmal genauso.
Der Hund wird mit hochgezogenem Tonfall und dem Wort
„Feiiiiiiiin“ gelobt, flitzt er dann voller jugendlichem
Tatendrang los, folgt sofort ein ebenso im Tonfall hochgezones
„Neiiiiiiiiiin“.
Wie vorher schon gesagt wurde, kommt es erstens auf die Betonung an - ich glaube erstens schon, dass wir Menschen, die ja eine ungeheure Beherrschung der Stimmbänder vorweisen können (=Sprache) einen Unterschied machen zwischen Loben und Tadeln. Das alleine nützt uns bei der Hundeerziehung allerdings noch nicht viel.
Andererseits wird doch aber in jedem noch so mittelmässigen Hundebuch darauf hingewiesen, dass Hunde nicht nur viel besser riechen, sondern, wie in diesem Fall wichtig, auch viel besser hören können, nämlich ungefähr 5 - 10x - da ist sich die Forschung noch nicht so ganz einig. Sicher ist aber, dass Hunde jedenfalls besser hören als wir.
Und nun will mir jemand erzählen, dass der Hund, wo er doch so viel besser hört als wir, nicht ein „Nein“ von einem „Fein“ unterscheiden kann?
Selbstverständlich wird der Hund erst einmal versuchen die beiden Lautäusserungen miteinander zu vereinbaren - das jedoch passiert bei jedem neuen Kommando / jeder neuen Lautäusserung genauso! Sehr aufschlussreich ist dabei der „Kühlschrank-Test“: man gibt dem Hund bestimmt den Befehl „Kühlschrank!“ wenn er sich gerade auf mich konzentriert und schaut was passiert. Steht der Hund, wird er sich sehr wahrscheinlich setzen, danach wahrscheinlich hinlegen, wenn ich die Spannung aufrecht erhalten und falls er es noch nicht getan hat, irgendwann aus Frustration zu fiepen oder bellen anfangen… Deshalb ist es ganz wichtig, dass der Hund sowohl das Kommando „Nein“, wie auch das Lob „Fein“ lernt. Weil die Leute ihren Hunden jeweils nicht ganz genau klar machen, was sie eigentlich meinen, deuten Sie den „Ungehorsam“ des Hundes als seine Missinterpretation des Gesagten. Hunde sind aber keine Menschen.
Im Übrigen hat jemand auch genau diesen Versuch gemacht und drei oder vier Hunden ziemlich gleichlautende Namen gegeben, wie Tracey, Stacey, Macey und Gracey. Die Hunde hatten keinerlei Probleme, die Namen zu unterscheiden. Nachzulesen ist das in einem der Bücher von Stanley Coren - wenns jemanden wirklich interessiert, kann ich gerne nachschauen in welchem das war.
Gruss,
Semiramis