Feiiiiiiiiin und Neiiiiiiiiiiin

Hallo an Euch,

manchmal begegnen mir Hundebesitzer mit Junghunden, bei denen ich mich frage, was sie da tun.

Der Hund wird mit hochgezogenem Tonfall und dem Wort „Feiiiiiiiin“ gelobt, flitzt er dann voller jugendlichem Tatendrang los, folgt sofort ein ebenso im Tonfall hochgezones „Neiiiiiiiiiin“.

Ist es so schwer zu begreifen, dass diese beiden Wörter verflixt nah beieinander liegen? Vor allem, wenn die Betonung die gleiche ist?

Hab ich da irgendwo was verpasst? Gab es eine Fernsehsendung, Zeitungsartikel oder so, die die Menschen auf so eine Idee brachte?

Erstaunte Grüße, Sonja

Hallo,

das Problem ist meiner Ansicht nach nicht die Ähnlichkeit des Wortes, sondern die Unfähigkeit, in der Stimmlage konsequent zu sein. Ich höre sehr oft Hundebesitzer, die keinen Unterschied in der Stimmlage zwischen Lob und Tadel haben. Die Worte sind, zumindest bei meinen Hunden, relativ irrelevant - der Ton ist vorrangig. Bei einem Hund, der viele Kommandos kann, sind die Wörter wichtiger, aber gerade bei LOB und NEIN ist der Tonfall IMHO der wesentliche Aspekt.

Wir haben bei unserem vorigen Hund aufgrund der Ähnlichkeit von FEIN zu NEIN auf PRIMA als Lob umgestellt, einfach aus logischen Erwägungen, ohne spezifische Probleme zu haben. Bei den jetzigen Hunden loben wir mit verschiedensten Wörtern, ist egal, so lange die Stimmlage stimmt.

Gruß,

Myriam

Hallo,

mein Freundin spricht 8 Sprachen.
Ihren Hund kommandiert sie mal in der einen, mal in der anderen Sprache (nicht alle 8, aber 3 oder 4 kommen schon recht oft vor).
Ich denke nicht, dass der Hund auch 4 Sprachen spricht, sondern sich an die Tonart bzw. Mimik und Gestik des „Herrchens“ oder „Frauchens“ richtet.

LG

Hallo!

Ich stimme den anderen beiden zu, dass für einen „Durchschnittshund“ das benutzte Wort relativ egal ist meiner Meinung nach, und es weitaus wichtiger ist, wie man die Wörter sagt.
Auch wir benutzen die beiden Wörter „Fein“ und „Nein“. Grund ist nicht, dass uns das irgendwo empfohlen wurde oder wir das irgendwo aufgeschnappt haben, wie du vermutest. Es hat sich einfach ergeben. Fein war das erste was einem auf den Lippen lag beim Loben…das war sicherlich Zufallsprinzip. Und Nein hat sich als universelles Wort für Verbotenes angeboten.
Ich gebe zu, bewusst würde ich die Wörter so aber auch nicht wählen oder weiterempfehlen, obwohl unser Hund noch nie Verständnisprobleme hatte damit. Es fällt mir auch immer schwer nachzuvollziehen, wie sich beim Benutzen der Wörter nicht automatisch eine Betonung ergibt. Gut, das Fein ein bisschen euphorisch zu betonen muss manchereiner vielleicht erst üben, vor allem wenn man noch nicht durchschaut hat, wie ein Hund tickt. Aber das Nein kommt doch automatisch schärfer über die Lippen meine ich immer. Naja, vielleicht gehe ich da zu sehr von uns aus… für keinen aus der Familie war das je ein Problem. Und der Hund weiß immer was wir meinen.
Ein schönes Beispiel dafür, wie egal das Wort im Prinzip ist und wie wichtig die Betonung ist, dass unser Hund bei einem Nein, dass im zwischenmenschlichen Gespräch fällt gar nicht reagiert… es wird dort in der Regel weniger in der Befehlsform ausgesprochen sondern komplett anders oder gar nicht betont.
Auf der anderen Seite reagiert sie auf ein freudig ausgesprochenes „Kartoffel“ oder „Sofa“ durchaus :wink: (auch wenn sie nicht recht weiß, wie sie da reagieren soll)

lieben Gruß
aj

Liebe Son-ja

manchmal begegnen mir Hundebesitzer mit Junghunden, bei denen
ich mich frage, was sie da tun.

Das geht mir manchmal genauso.

Der Hund wird mit hochgezogenem Tonfall und dem Wort
„Feiiiiiiiin“ gelobt, flitzt er dann voller jugendlichem
Tatendrang los, folgt sofort ein ebenso im Tonfall hochgezones
„Neiiiiiiiiiin“.

Wie vorher schon gesagt wurde, kommt es erstens auf die Betonung an - ich glaube erstens schon, dass wir Menschen, die ja eine ungeheure Beherrschung der Stimmbänder vorweisen können (=Sprache) einen Unterschied machen zwischen Loben und Tadeln. Das alleine nützt uns bei der Hundeerziehung allerdings noch nicht viel.

Andererseits wird doch aber in jedem noch so mittelmässigen Hundebuch darauf hingewiesen, dass Hunde nicht nur viel besser riechen, sondern, wie in diesem Fall wichtig, auch viel besser hören können, nämlich ungefähr 5 - 10x - da ist sich die Forschung noch nicht so ganz einig. Sicher ist aber, dass Hunde jedenfalls besser hören als wir.

Und nun will mir jemand erzählen, dass der Hund, wo er doch so viel besser hört als wir, nicht ein „Nein“ von einem „Fein“ unterscheiden kann?

Selbstverständlich wird der Hund erst einmal versuchen die beiden Lautäusserungen miteinander zu vereinbaren - das jedoch passiert bei jedem neuen Kommando / jeder neuen Lautäusserung genauso! Sehr aufschlussreich ist dabei der „Kühlschrank-Test“: man gibt dem Hund bestimmt den Befehl „Kühlschrank!“ wenn er sich gerade auf mich konzentriert und schaut was passiert. Steht der Hund, wird er sich sehr wahrscheinlich setzen, danach wahrscheinlich hinlegen, wenn ich die Spannung aufrecht erhalten und falls er es noch nicht getan hat, irgendwann aus Frustration zu fiepen oder bellen anfangen… Deshalb ist es ganz wichtig, dass der Hund sowohl das Kommando „Nein“, wie auch das Lob „Fein“ lernt. Weil die Leute ihren Hunden jeweils nicht ganz genau klar machen, was sie eigentlich meinen, deuten Sie den „Ungehorsam“ des Hundes als seine Missinterpretation des Gesagten. Hunde sind aber keine Menschen.

Im Übrigen hat jemand auch genau diesen Versuch gemacht und drei oder vier Hunden ziemlich gleichlautende Namen gegeben, wie Tracey, Stacey, Macey und Gracey. Die Hunde hatten keinerlei Probleme, die Namen zu unterscheiden. Nachzulesen ist das in einem der Bücher von Stanley Coren - wenns jemanden wirklich interessiert, kann ich gerne nachschauen in welchem das war.

Gruss,

Semiramis

Danke für die Antworten
Ich denke auch, dass sich ein Hund hauptsächlich am Tonfall orientiert, wenn alles in gleicher Weise betont wird, gehts gern daneben.

Viele Grüße, Sonja
(Unser Dackel ist immer begeistert, wenn ich ihn mit einem tiefen, langgezogenen „cooooool“ lobe ; ))