Feinabstimmung Naturkonstanten

Hallo,

es gibt ja Leute, die aus dem Staunen darüber nicht mehr rauskommen, dass der Kosmos so ist, wie er ist. Sie sagen, dass es uns Menschen gar nicht gebe, wenn diese oder jene Naturkonstante auch nur ein klitzekleines bisschen anders wäre. Dann würde die Sonne nicht leuchten und das Wasser wäre nicht anomal und und und. Letztlich ist unsere Existenz sowas von unwahrscheinlich, dass nur ein superschlauer Schöpfer, der uns gerne haben wollte, alles festgelegt haben könne.
Ich schreibe dies in ironischem Ton, weil ich das Argument für Unsinn halte.
An jedem Punkt in meinem Leben hätte etwas anderes passieren können als tatsächlich passiert ist. Ich kann also minütlich aufschreiben, wie wahrscheinlich es ist, dass etwas anderes passiert als tatsächlich passiert. Z.B. die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Anruf oder ein Herzinfarkt oder sonstwas mich davon abhält, diesen Artikel zu schreiben. Dann multipliziere ich von meiner Geburt bis jetzt die Wahrscheinlichkeiten der Ereignisse, die nötig waren, damit ich diesen Artikel jetzt schreibe und komme auf eine furchtbar kleine Zahl. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass ich diesen Artikel schreibe! Und doch tue ich es und finde nichts Besonderes daran. Ein Wunder? Oder Schicksal?
Oder ist meine Analogie falsch?

Viele Grüße, Tychi

Hallo!

Was Du beschreibst, nennt sich das „anthropische Prinzip“. Wenn das Universum nicht so wäre, wie es ist, könnten wir uns darüber keine Gedanken machen. Folglich muss jedes Universum, über das „wir“ nachdenken, so sein, wie unseres ist.

Michael

http://de.wikipedia.org/wiki/Anthropisches_Prinzip

Hallo Michael,

das wusste ich schon. Was mich interessiert, ist, ob meine Analogie eine valide Widerlegung der Angebrachtheit des Staunens ist.
Kann sein, dass es im Artikel im Zusammenhang mit den Multiversen-Betrachtungen behandelt wird, sah aber auf dem ersten Blick nicht so aus.

Viele Grüße, Tychi

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Hallo,

es gibt ja Leute, die aus dem Staunen darüber nicht mehr
rauskommen, dass der Kosmos so ist, wie er ist.

Hallo Tychy, natürlich darf jeder über seinen Schutzengel staunen. Aber das Staunen über die Feinabstimmung zwischen Materieinhalt und Expansionsgeschwindigkeit des Raums fand auf erheblich höherem Niveau statt und hat zu erstaunlichen Ergebnissen in der Kosmologie geführt.
–Die beiden Ausprägungen des Kosmol-Prinz. stark und schwach sind nicht sehr hilfreich für die Forschung, da ist Ironie nicht sehr verräterisch, wenngleich fast immer eine Schwäche.
–Das Staunen über die Feinabstimmung hat Allan Guth zu der Vermutung geführt, daß es zu einem frühen Zeitpunkt der kosm. Entwicklung eine exponentiell beschleunigte Expansion gegeben haben muß, die dazu geführt hat, daß die oa Feinabstimmung sich von selbst eingestellt hat und nicht von einer Instanz eingerichtet werden mußte. Aber ich glaube genau diese Feinabstimmung wolltest Du auch nicht ironisieren, so erstaunlich und zunächst unerklärlich sie in den 60er Jahren noch war. Mit sympathischem Gruß, eck.

Hallo Tychi,

An jedem Punkt in meinem Leben hätte etwas anderes passieren
können als tatsächlich passiert ist.
Dann multipliziere
ich von meiner Geburt bis jetzt die Wahrscheinlichkeiten der
Ereignisse, die nötig waren, damit ich diesen Artikel jetzt
schreibe und komme auf eine furchtbar kleine Zahl.

meinst Du wirklich kleine Zahl ?
Ich komme auf eine sehr sehr große Zahl von „JA-Nein-Entscheidungen“
(Ereignisse)welche kombiniert das untenstehende ergeben.

Es ist
äußerst unwahrscheinlich, dass ich diesen Artikel schreibe!

Ebenso unwahrscheinlich ist, daß irgendein Molekül in Deinem
morgendlichen Butterbrot gerade dort und zu dieser Zeit dort ist.

Und doch tue ich es und finde nichts Besonderes daran. Ein
Wunder? Oder Schicksal?

Mathematische, physikalische oder philosophische Frage ?
Gruß VIKTOR

das wusste ich schon. Was mich interessiert, ist, ob meine
Analogie eine valide Widerlegung der Angebrachtheit des
Staunens ist.

Ich denke nicht.
Angenommen es gibt nur ein Universum. Dann hast du nur einen „Versuch“ die Naturkonstanten so einzustellen, damit sie Leben im Universum zulassen.

Deine Leben dagegen geht bei fast allen Entscheidungen in der einen oder anderen Art und Weise weiter. Ob du den Artikel schreibst oder nicht, wird für dein Leben unerheblich sein. Deswegen ist dies aus deiner Sicht natürlich nichts zum Staunen.
Um deine Analogie einzuhalten, müsstest du aber in „unsere“ Rolle in deiner Analogie schlüpfen, und das ist die Rolle des Beitrags, der genau zu einem bestimmten Zeitpunkt geschrieben wird.
Und wenn dieser Beitrag über seine Existenz nachdenken könnte, dann würde er sich wohl auch wundern, wieso du dich genau immer so entschieden hast, dass du ihn genau mit dem Inhalt und zu der Uhrzeit so schreiben konntest.

–Die beiden Ausprägungen des Kosmol-Prinz. stark und schwach
sind nicht sehr hilfreich für die Forschung, da ist Ironie
nicht sehr verräterisch, wenngleich fast immer eine Schwäche.
–Das Staunen über die Feinabstimmung hat Allan Guth zu der
Vermutung geführt, daß es zu einem frühen Zeitpunkt der kosm.
Entwicklung eine exponentiell beschleunigte Expansion gegeben
haben muß, die dazu geführt hat, daß die oa Feinabstimmung
sich von selbst eingestellt hat und nicht von einer Instanz
eingerichtet werden mußte. Aber ich glaube genau diese
Feinabstimmung wolltest Du auch nicht ironisieren, so
erstaunlich und zunächst unerklärlich sie in den 60er Jahren
noch war. Mit sympathischem Gruß, eck.

Das gefällt mir sehr. Besonders die exponentiell beschleunigte Expansion mit der Selbsteinstellung der Konstanten. Nun, noch mehr gefällts mir die Möglichkeit, dass es am Anfang viele Kosmen gabs und nur diejenigen, die in sich logisch und kompatibell waren, haben „überlebt“. Es besteht auch die Möglichkeit, dass immer wieder neue Kosmen entstehen, aber nur diejenigen die sich nicht selbst wiedersprechen und fähig sind mit den restlichen zu kommunizieren weiter bestehen.
Das konnte auch manche Spuckhaftigkeit erklären, weil sich die verschiedenen nicht abgrenzen.

Michael

http://de.wikipedia.org/wiki/Anthropisches_Prinzip

Was mich interessiert, ist, ob meine

Analogie eine valide Widerlegung der Angebrachtheit des
Staunens ist.

Hallo Tychi, wie will man die Angebrachtheit des Staunens widerlegen? Aber Deine zwei Wahrscheinlichkeiten sind möglicherweise nur eine. Daß Du jetzt lebst und schreibst, ist bei konsequenter Anwendung des Kausalitätsprinzips eine Notwendigkeit und ferne Wirkung des Urknalls und kein Zufall. Wohl aber der Urknall selbst, der unter der Voraussetzung einer „creatio ex nihilo“ eben keine Ursache haben kann. Gru?, eck.