Hat nichts mit Schizophrenie zu tun.
Hallo Petra,
da es sich immer empfiehlt, wenn man schon Bücher erwähnt, diese auch anzugeben, sie dies hier nachgeholt:
Sven Keller: Günzburg und der Fall Josef Mengele
ISBN 9783486645873 Buch anschauen
Robert J. Lifton: Ärzte im Dritten Reich
ISBN 3548265413 Buch anschauen
Dieses Buch wurde 1988 verfaßt, in einer Zeit, als man die damals noch so genannte Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS, heute: Dissoziative Identitätsstörung: DIS) noch zu den Formen der Schizophrenie zählte. Ein schon seit Ende der 80er als absurd verworfenes Konzept.
Die " Dopplung" ist hier eine private Begriffsbildung von Lifton!
In völlig unklarer Form leitet er ihn ab von ursprünglichen Begriffen der „Dissoziation“, wie er von Janet eingeführt wurde, wirft ihn zusammen mit Bleulers noch mit einer Ich-Spaltung assoziiertem Begriff der „Schizophrenie“, der heute noch populär falsch im Umlauf ist, und weiter mit psychoanalytischen Konzepten von „Abspaltung“ und „Dissoziation“. Ganz abgesehen von der problematischen Analogie mit der Dissoziativen Identitätsstörung.
In Anbetracht der bereits bekannten literarischen Vorlagen (William James, Alfonse Daudet) von Begriffen der Ich-Spaltung und vor allem des „Doppelgängers“ (die er selbst anführt, wobei er E.T.A. Hoffmanns „Elixiere des Teufels“ nicht erwähnt) ist diese Einführung eines Dopplungs-Begriffs im Grunde von einer absurden Überflüssigkeit.
Jedenfalls ist es lediglich ein die Verhaltens-Phänomene beschreibender Begriff bei Lifton. Er ist keine Diagnose. Was Lifton damit in seinen umfangreichen Ausführungen meint, würde man heute am ehesten unter „DIS“ fassen. Genauer gesagt: Unter ganz bestimmte, jedoch keineswegs immer in Fällen von DIS vorhandene Persönlichkeitsstrukturen.
Ja, diese Merkmale kann man sehr wohl auch finden, wenn man die Person nicht real am Tisch sitzen hat. Lifton hat Unmengen von Dokumenten, Texte, Interviews, Dialoge, Filmmaterial, gesammelt und studiert.
Diese von ihm fokussierten Merkmale finden sich aber auch unter dem heutigen Terminus „Abspaltung“, der aber mit DIS nichts zu tun hat. Daß Lifton da nicht immer sauber differenziert, ist eins der Dinge die seine Ausführungen etwas problematisch machen. Ganz abgesehen von der Schizophrenie-Nähe seiner Begriffsverwendung, die natürlich heute nicht mehr akzeptierbar ist.
Der in der Magisterarbeit von Sven Keller erwähnte Ausdruck „schizoid“ wird von Lifton gar nicht verwendet. Keine Ahnung, wo Keller das hernimmt. Die „Schizoide Persönlichkeitsstörung“ ist auch etwas ganz anderes als die von Lifton dargestellte Problematik.
Was Keller meint, ist keineswegs der Vorwurf einer Ferndiagnose, sondern vielmehr die Vermutung, daß mit einer psychopathologischen Interpretation die Handlungen als entschuldbar aufgefaßt werden könnten.
Gruß
Metapher