Ferner Blick, kurze Sicht - Fernsehen

Hallo MitleserInnen,

als ich eben das Fernsehgerät einschaltet, stiess ich auf BR3 zufällig auf einen alten Western, den ich zum Anlass nehmen möchte, um wieder ein Thema aufzunehmen, das mich beschäftigt: Kinder vor und in dem Fernsehen.
   Hin und wieder ist die Rede von Gewalt im Fernsehen, und anscheinend wird genügend unternommen, um Kinder solche Szenen nicht sehen zu lassen. Neben der FSK für Kino und Video wird seit einiger Zeit auch vor Fernsehfilmen der Hinweis gebracht, für welches Alter sie nicht gedacht sind. Doch dies ist meiner Ansicht nur Augenwischerei, denn betrachten wir uns doch nur die alltäglichen Krimi-Vorabendserien oder die Western- und Ritterfilme, die man am Wochenende so gemütlich auf dem Sofa zubringend schaut. Aber sind diese Sachen gewaltfrei? Nehmen wir zum Beispiel die Serie „SOKO 5113“, in der häufig die Schusswaffen gezogen werden und bisweilen auch ein Mensch erschossen wird. Oder der eingangs angesprochene Western: Es gab eine „nette“ Schiesserei, wobei etwa zu sehen war, wie jemand am Kopf getroffen. Und ist es denn nicht seltsam, wenn etwa ein Film wie „Braveheart“ geschnitten wird, damit man ihn um 20:15 Uhr zeigen kann, hingegen im Nachmittagsprogramm alte Ritterfilme laufen, in denen Menschen mit heissem Öl übergossen werden? Oder ist, um ein anderes Beispiel zu nennen, das „A-Team“ für Kinder geeignet, weil man dort zwar wie wild herumschiesst, aber kein Blut zu sehen ist? (Und wie sieht es mit den Spielzeugwaffen an Fasching aus?)
   Ebenso erwähnenswert sind so viele Zeichentrickserien, die insbesondere bei den Privaten laufen. Ich habe mir das angeschaut und war doch ein wenig entsetzt, dass man dies im morgendlichen Kinderprogramm ausstrahlt. Da schiessen etwa Roboter mit ihren multifunktionalen Waffen durch die Gegend oder „vermenschlichte“ Dinosaurier retten die Welt vor den Bösen. Und die Sprache, in der auch immer wieder Begriffe des Tötens oder Zerstörens auftauchen, bietet sicherlich auch keinen Anlass, solche Zeichenrickfilme als kindergerecht anzusehen.
   (Ich erinnere mich an meine Kinderzeit, als ich etwa am Sonntagnachmittag „Die drei Musketiere“ sah. Das hat mich so aufgekratzt, dass ich anschliessend auch gleich hauen und stechen wollte.)
   Entspricht es nicht einer gewissen Gedankenlosigkeit, dies alles auszustrahlen, nur weil man als Erwachsener solchen Filmen womöglich nicht einen hohen Stellenwert einräumt?

Ein anderer Punkt: Kinder in der Werbung. Abgesehen davon, dass die Werbung zugenommen hat, ist augenscheinlich, wie oft inzwischen Kinder als Sympathieträger der Werbebotschaften herhalten müssen, wenn sie nicht gar selbst als Konsumenten angesprochen werden sollen.
   Es gibt zwar inzwischen Reglementierungen beim Einsatz von Kindern in Film- und Fernsehproduktionen, doch bei Werbeclips greifen sie wohl nicht.

Ich hatte zu beiden Themen einmal den Deutschen Kinderschutzbund (DKSB, http://www.dksb.de) angeschrieben. Unter anderem erhielt ich dies als Antwort: In unserem Programm „Aktion:Zukunft“ haben wir ein Kapitel Kinder als Konsumenten aufgenommen. Hier haben wir u.a. festgestellt: "In vielen Bereichen der Kultur für Kinder und besonders bei den elektronischen Medien ist ein deutlicher Qualitätsverlust zu verzeichnen. Der Anteil informativer und kreativitätsfördernde Angebote wird zunehmend durch qualitativ minderwertige, zum Teil auch gefährdende ersetzt."
   Allerdings wurde mir ebenso mitgeteilt: Die Themen, die Sie ansprechen wie Kinder in der Werbung, Werbung für Kinder und zu viel Gewalt in Fernsehsendungen, sind für den Kinderschutzbund immer mal wieder ein Thema, aber es sind nicht unsere Schwerpunktthemen. Unsere Schwerpunktthemen sind Gewalt gegen Kinder und soziale Sicherheit für Kinder.
   Meiner Ansicht sollten diesen Themen aber nicht bloss „immer mal wieder mal ein Thema“ sein, weil dadurch keine Konsequenz erreicht wird. Wenn es selbst den DKSB nur beiläufig interessiert, wen interessiert es dann überhaupt?

Abschliessend eine eigene kleine These von mir zur Gewalt im Fernsehen. Es mutet für mich seltsam an, dass man bei Nackt- bzw. Sexszenen wesentlich schneller dabei ist, diese zu beschneiden oder sie für nicht altersgemäss zu erklären. Pornographische Filme werden ebenso, obwohl sie erst ab 23:00 Uhr - und damit ab 18 J. - gesendet werden dürfen, trotzdem beschnitten, denn Pornographie darf es hierzulande nicht „öffentlich“ geben. Das ist bis ins Detail reglementiert. Hingegen scheint man bei Gewaltszenen nicht so viel Skrupel zu kennen, wobei ich nur einmal an den David-Lynch-Film „Wild At Heart“ erinnern möchte, der um 22:00 oder 23:00 Uhr gesendet wurde und in dem überdeutlich zu sehen ist, wie sich Willem Dafoe mit einem Gewehr den Kopf wegschiesst, dass es an das Zerplatzen einer Melone erinnerte. Hier stellt sich doch für mich die Frage, wo eigenlich die „Pornographie der Gewalt“ beginnt!?
   Geht man ein wenig tiefer, könnte man mutmassen, dass Sex Leben schafft, Gewalt hingegen Leben zerstört, womit in der Gesellschaft weniger Sensibilität vorzuherrschen scheint, wenn es darum geht, Leben zu nehmen statt zu geben.

Marco

Was soll man auf all dies antworten?

  1. Es ist wissenschaftlich nach wie vor NICHT erwiesen, dass Gewaltdarstellungen die Bereitschaft zur Gewalt bei Kindern erhöhen.

  2. Die Werbung arbeitet halt mit den wirksamsten Techniken.

  3. Das schlimme am Fernsehen ist aber wirklich, dass es die Zeit der Kinder unproduktiv vernichtet. Es wäre viel wünschenswerter, dass die Kinder als Produzenten von irgendetwas kreativem agierten als dass sie Konsumenten von Fernsehprogrammen sind.
    Selbst ich als Erwachsener empfinde Fernsehen als Zeitvernichtung und habe deshalb gar keinen Fernseher. Man sollte die Kinder aber auch nicht zu streng reglementieren. Man sollte erstmal erkunden, ob überhaupt der Wunsch nach kreativer Tätigkeit veranlagt ist, denn zwingen kann man dazu niemanden, der es nicht will.

  4. Wenn man seine Kinder von der Glotze wegbekommen will, kann man ja auch zu Tricks greifen. Ob die funktionieren, weiss ich aber nicht. Man kann von seinen Kindern 2 Wochen lang verlangen, dass sie täglich 6 Stunden Fernsehen am Stück schauen und hoffen, dass sie danach keine Lust mehr haben und sich sträuben.

cu unimportant

  1. Wenn man seine Kinder von der Glotze wegbekommen will, kann
    man ja auch zu Tricks greifen. Ob die funktionieren, weiss ich
    aber nicht. Man kann von seinen Kindern 2 Wochen lang
    verlangen, dass sie täglich 6 Stunden Fernsehen am Stück
    schauen und hoffen, dass sie danach keine Lust mehr haben und
    sich sträuben.

Willkommen bei Clockwork Orange

Ich denke, dass das keine gute Idee ist. Man kann mit seinen Kindern auch zusammen fernsehen und dann auch darüber diskutieren. Ich glaube, wir sprechen den Kindern einen eigene Urteilsfähigkeit ab. Wir waren letzte Woche mit unserem 8-jährigen Sohn in „Shrek“. Wenn du so willst, ist der Film streckenweise sehr brutal(eine Horde Ritter werden in Grund und Boden „gewrestelt“, ein Vogel platzt, bei dem Veruch mit der Prinzessin um die Wette zusingen usw.), aber unser Sohn hat sich köstlich amüsiert. Ich glaube schon, dass unsere Kinder unterscheiden können zwischen Trickfilm und Realität.
Wir sind mit Tom und Jerry aufgewachsen und der ist wirklich brutal, aber geschadet hat es nicht.

Viele Grüße

Ordnazo

cu unimportant

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Was soll man auf all dies antworten?

  1. Es ist wissenschaftlich nach wie vor NICHT erwiesen, dass
    Gewaltdarstellungen die Bereitschaft zur Gewalt bei Kindern
    erhöhen.

doch, ist es. allerdings kommen postwendend nach jeder entsprechenden studie gegengutachten raus, rate mal von wem das geld stammen könnte…
wer nur einmal kinder(spez. kleine jungs) nach konsum und beim erzählen von diesen filmen erlebte, braucht keinen beweis.
cu

strubbel