Fernsehen I

Hallo,

warum sind die Umschaltzeiten beim FS so lang, egal ob über Kabel, dvb-t oder über die Swap-Funktion, also das letzte Programm wieder aufrufen?

Da ich die Zeiten allegemein zu lang finde, ist Marke etc. recht unwichtig, auch wenn es dort Unterschiede gibt.

Gruß Volker

Hi,

bei jetzigen Fernsehgeräten wird, vom Entwickler so gemacht, in der Umschaltphase das Bild eine Zeitlang dunkel- und der Ton stummgeschalten, damit sich der Benutzer nicht über kurz wackelnde Bilder und pratzelnde Störgeräusche beim Umschalten beschwert.

Bei den digitalen Receivern kommt hinzu, dass die Signale im Empfangsgerät erst entsprechend aufbereitet werden müssen, bis ein dastellbares Bild zustandekommt.

Schaff´ dir eine dBox I an (der erste digitale Receiver), mit dem ältesten Softwarestand und schaue damit mal ein Vierteljahr. Dann wirst du die Umschaltzeiten aktueller Geräte ersteinmal schätzen lernen :smile:

HM

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Hallo Volker,

warum sind die Umschaltzeiten beim FS so lang, egal ob über
Kabel, dvb-t oder über die Swap-Funktion, also das letzte
Programm wieder aufrufen?

Die Quelle spielt keine Rolle, da kommt einfach HF an den Tunereingang.

Wenn du den Sender wechselst, muss zuerst die Tuner-PLL umprogrammiert werden und auf der neuen Frequenz einrasten. Macht man die Zeitkonstnte der PLL zu schnell, rastet das Ding bei der kleinsten Störung gleich aus und dein Bild wäre dann gestört…
Wenn die PLL eingerastet ist, haben wir erst ein ZF-Signal.Jetzt muss ersteinmal die AGC einschwingen, damit am Ausgang des Tuners ein Signal mit konstantem Pegel anliegt. Gleichzeitig wird die Tuner-PLL noch mit der automatische Feinabstimmung auf die exakte Senderfrequenz eingeregelt.
Nun muss eine weitere PLL auf die Zeilen- und Bildfrequenz einrasten.
Um die Bildfrequenz überhaupt erkennen zu können, muss theoretisch mindestens einmal ein ganzes Bild empfangen worden sein, andernfalls kann ich ja gar nicht erkennen wo ein Bild anfängt, geht also auch nicht unter 1/25s. Praktisch muss aber die PLL auch hier entsprechen träge sein, damit sie bei nur einem gestörten Bild nicht gleich davonläuft und dann längere Bildstörungen entstehen würden, weil wieder alles erst einrasten muss.

Um den Farbträger zu erkennen, ist auch noch eine PLL vorkhanden, aber auch das benötigt etwas Zeit um einzuschwingen.

In dieser Zeit wird heute einfach Bild und Ton abgeschaltet. Dabei muss den schlechtesten Fall annehmen…

Auch rein theoretisch geht das Ganze nicht unter einigen 1/10s.

Zudem darf so ein Fernseher ja heute nichts mehr kosten, also kann man technisch auch nur einen begrenzten Aufwand treiben …

Und wie schon gesagt wurde ist das ganze bei digitaler Übertragung noch etwas schwieriger. Um mit der Vorhanden Übertragungsbandbreite auszukommen, wird das Bild in zwei Komponenten zerlegt.
Einerseits in diejenigen Anteile, welche sich von Bild zu Bild unterscheiden und diejenigen Komponenten, welche praktisch statisch sind, wie z.B. der Hintergrund. Die ersteren werden sofort übertragen und mit den letztren wird dann die verbliene Bandbreite aufgefüllt. Im TV-Gerät befindet sich dann ein Bildspeicher in welchen alles wieder zusammengesetzt wird. Normalerweise funktioniert das recht gut, macht aber in zwei fällen (sichtbare) Probleme:

  1. Bei einem Bildschnitt, dann wird der ganze Zwischenspeicher sofort ungültig und muss erst wieder gefüllt werden.
  2. Bei einem Kameraschwenk, dabei gibt es ja keine statischen Bildanteile mehr.
    Gelöst wird das Problem indem man zuerst das ganz Bild mit einer geringen Auflösung überträgt, was dann zu der sichtbaren „Klötzchenbildung“ führt.

Da du ja zu einem Zufälligen Zeitpunkt umschaltest, hast du erst ein vernünftiges Bild, wenn der Bildspeicher gefüllt ist, was wiederum einige „Bilder“, eigentlich Frames, Übertragungszeit benötigt…

Bei den gaaanz alten gaanz analogen Geräten, war diese Bild- und Ton-unterdrückung noch nicht vorhanden und man konnte verfolgen, wie sich alles einregelt. Zuerst war das Bild verschneit und wurde dann erst scharf. Und da der Ton dabei krachte und mit voller Lautstärke rauschte, haben Nachts auch die Nachbarn einen Kanalwechsel mitbekommen.

MfG Peter(TOO)

Nochmal Hallo,

Schaff´ dir eine dBox I an (der erste digitale Receiver), mit
dem ältesten Softwarestand und schaue damit mal ein
Vierteljahr. Dann wirst du die Umschaltzeiten aktueller Geräte
ersteinmal schätzen lernen :smile:

Ok, ich habe offensichtlich eine technologische Stufe verschlafen, aber mich stört es.

Gruß Volker

Hallo Peter,

deinen Ausführungen zu analoger Technik stimme ich voll und ganz
zu aber…

Und wie schon gesagt wurde ist das ganze bei digitaler
Übertragung noch etwas schwieriger.

Ja.

Im Falle von DVB-S:
Bevor wir zu Problemen kommen die du unten schilderst muß da erst
mal ein Viterbi Decoder einrasten. Dann haben wir da auch noch einen
Reed Solomon Decoder und wenn die alle gelockt sind, dann kommen
zum ersten mal Daten aus dem Channeldecoder.

Um mit der Vorhanden
Übertragungsbandbreite auszukommen, wird das Bild in zwei
Komponenten zerlegt.

Naja das kommt eher aus dem analogen Fernsehen und wurde übernommen.

Einerseits in diejenigen Anteile, welche sich von Bild zu Bild
unterscheiden und diejenigen Komponenten, welche praktisch
statisch sind, wie z.B. der Hintergrund. Die ersteren werden
sofort übertragen und mit den letztren wird dann die verbliene
Bandbreite aufgefüllt.

Wenn datt mal so ginge…
Jeder Macroblock wird sofort und vollständig übertragen. Eine
Qualitätskonstante regelt meisten die „Genauigkeit“ der statischen
Komponenten (Anzahl Bits in der DCT (Discrete Cosinus
Transformation)).
In großen PlayOutCenter (z.B. ARD) wird das für alle Kanäle eines
Transponders gemeinsam geregelt.

Im TV-Gerät befindet sich dann ein
Bildspeicher in welchen alles wieder zusammengesetzt wird.
Normalerweise funktioniert das recht gut, macht aber in zwei
fällen (sichtbare) Probleme:

Oh, da kenn ich viel mehr Fälle…:smile:

  1. Bei einem Bildschnitt, dann wird der ganze Zwischenspeicher
    sofort ungültig und muss erst wieder gefüllt werden.

Das ist eigentlich nicht weiter schlimm, da an jeder Stelle wieder
ein I-Frame eingefügt werden kann.

  1. Bei einem Kameraschwenk, dabei gibt es ja keine statischen
    Bildanteile mehr.

Wenn es ein reiner Schwenk ist dann geht es, die Motionvektoren
(Bewegungswektoren) zeigen halt alle in die Richtung des Schwenks.
Bei MPEG4 und H264 hat deshalb übrigens einen sogenannten global
Motion Vector definiert, der das gesamte Bild verschiebt.
Problematisch wird es wenn sich die Perspetive von links nach rechts
ändert, dann geht das nicht mehr über Bewegungsvektoren.

Gelöst wird das Problem indem man zuerst das ganz Bild mit
einer geringen Auflösung überträgt, was dann zu der sichtbaren
„Klötzchenbildung“ führt.

Nee.

Da du ja zu einem Zufälligen Zeitpunkt umschaltest, hast du
erst ein vernünftiges Bild, wenn der Bildspeicher gefüllt ist,
was wiederum einige „Bilder“, eigentlich Frames,
Übertragungszeit benötigt…

Bis zum nächsten I-Frame dauert es bei DVB etwa 0,5s (alle 12 Bilder).

Wenn man sich als Hersteller an alle Spezifikationen halten würde
(Nordiq Spec), dann dauert die Umschaltzeit etwa 3 Sekunden.

Tuner tunen, Channeldecoder einrasten, PMT abwarten, PAT abwarten,
SDT abwarten, Audio & Video PID einstellen und warten auf das nächste
I-Frame und nachdem dies decodiert ist kann es schon losgehen.

Gruß
Stefan

Abend Volker!

warum sind die Umschaltzeiten beim FS so lang, egal ob über
Kabel, dvb-t oder über die Swap-Funktion, also das letzte
Programm wieder aufrufen?

Wie lange sind sie denn (circa)?

Da ich die Zeiten allegemein zu lang finde, ist Marke etc.
recht unwichtig, auch wenn es dort Unterschiede gibt.

Das mag dein Horizont sein aber es gibt da wesentliche Unterschiede.
Ich finde es immer wieder toll wenn mir meine Kunden erzählen
wollen welche Informationen ich benötige zur Problemlösung.

Gruß
Stefan