Fernsehen in der Sowjetunion in den 1970ern?

Hallo und Guten Tag,

wie weit war in den 1970ern in der damaligen UdSSR das Fernsehen verbreitet, ungefähr wieviel Prozent aller Haushalte in der gesamten Sowjetunion hatten einen Fernseher? Gibt es dazu zuverlässige Zahlen?

Vielen Dank im Voraus für Antworten,

Jasper.

hi jasper,

könnte schwer werden hier eine verlässliche info zu finden.

bedenke folgendes:
in den baltischen staaten und den europäischen ballungszentren
kann man von >90% der haushalte ausgehen.

aber wie siehts in gebieten wie aserbaidschan, turkmenistan
kirgisien und den weiten steppen kaschstans aus?

hier wird eine statistische zahl unmöglich zu ermitteln sein.

cu
im

HAllo,

nicht unbedingt.
Die lebten ja nicht in der Steinzeit. Und da schon Lenin definiert hatte „Kommunismus = Sowjetmacht + Elektifizierung im ganzen Land“ galt das quasi als unbedingt umzusetzende Staatsdoktrin. Tatsächlich hat fast jedes Dorf Anschluß an die Elektrizität bekommen - und wenn es denn notfalls per eigenem Generator war.
Dazu kam, daß die SU (wie fast alle derartigen Länder) hohen Wert darauf legte, mit ihrer Prapoaganda auch wirklich die Bevölkerung flächendeckend zu erreichen. In den 70er Jahren gab es ja noch keinen Empfang direkt per Satellit - also brauchte man keinen Empfang feindlicher Sender zu fürchten.
Ich habe tätsächlich in der Ukraine vom Zug aus die Dörfer gesehen damals. Das sah für mitteleurpäische verhältnisse echt gewöhnungsbedürftig aus. Durchhängende Drähte an windschiefen Masten - jeder deutsche Elektriker wäre in Ohnmacht gefallen. Und neben den Holzhäusern große Fernsehatennen - überall. Absolut irrsinnig. Keine gepflasterte oder asphaltierte Straße, aber Fernsehanschluß…

Gernot Geyer

Hallo Gernot,

vielen Dank für deine Antwort. Weisst du zufällig auch, ob in entlegenen „orientalischen“ Provinzen der SU wie Kasachstan, Tadschikistan oder Usbekistan usw. es bereits Fernseher gab, also als „Normalität“ in Privathaushalten, wenn auch vielleicht nicht in allen, so doch in der Mehrheit?
Und nicht nur bei dort angesiedelten Russen, sondern auch bei den jeweiligen Volksgruppen, also den Usbeken, Kasachen oder Tadschiken?

Danke im Voraus

Jasper.

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Hallo,

es gab ja in der Sowjetuion keine Unterschiede zwischen den Nationalitäten und Unionsrepubliken vom versorgungsgrad her. Na gut… Moskau und Leningrad und ein paar Zentrem waren in bestimmten Dingen priviligiert - aber sonst war alles mehr oder weniger gleich. Die haben Unsummen gerade in die Entwicklung ehemals rückständiger Gebiete gesteckt. Von daher dürfte es da auch nicht anders ausgesehen haben wie sonst.
Schau Dir doch die Ruinen in Tschetschenien an im Fernseher - es ist esakt der gleiche Baustil und das gleiche Einerlei wie woanders auch. Diese Neubaublocks hätten genau so gut in der DDR stehen können. Und die Industriestädte und Siedlungen in Mittelalsien sahen mit Sicherheit auch nicht viel anders aus - zumindest, wenn ich mich an die Bilder erinnere, die man vom großen brudervolk hin und wieder zu Gesicht bekam.

Ausnahmen dürfte es da nur in wenigen Gebieten gegeben haben, zum Beispiel, wenn Teile der Landbevölkerung in Mittelasien weiterhin Landwirtschaft als extensive Weidewirtschaft betrieben haben - so etwas gab es. Da zogen dann Bauern wie früher mit den Zelten und Tieren umher. Aber sehr viele waren das nicht und auch hier gab es Zentralsiedlungen mit Krankenhäusern, Schulinternaten und so.
Zugang zum Fernsehen hatte also wohl jeder - allerdings hatte nicht jeder einen fernseher. Da dürfte der Versorgungsgrad deutlich unter 90 % gelegen haben, zumindest in ländlichen Gebieten.
Du darfst nicht vergessen, daß dort vieles anders war als hier. Es gab z.B. selbst in Moskau noch bis zm Schluß gemeinschaftswohnungen, bei denen sich mehrere Familien eine Wohnung teilen mußten. Dort waren dann auch die technischen Geräte mehr oder weniger allen zugänglich - wenn den einen dwe Kühlschrank gehörte, gehörte dem anderen der Fernseher.
Es gibt leider wirklich kaum statistisches Material aus dieser Zeit - und schon gar nicht nach Regionen geordnet. Aber gerade über das Vorhandensein von Fernsehgeräten bei relitiv geringem Lebensstandart haben siech eigentlich fast alle gewundert, die damals in Kontakt zu Familien dort kamen. Darüber haben auch leute berichtet, die zum zum Bau der Erdgasleitung dort in wirklich ländlichen Gebieten im Einsatz waren.

Gernot Geyer

Satellitenfernsehen in der UdSSR
Hallo Gernot und Ilja (danke für die Antwort),

hatte denn die Sowjetunion nicht sogar einen eigenen Fernsehsatelliten?

Gruß Jasper.

In den 70er Jahren
gab es ja noch keinen Empfang direkt per Satellit - also
brauchte man keinen Empfang feindlicher Sender zu fürchten.
Ich habe tätsächlich in der Ukraine vom Zug aus die Dörfer
gesehen damals.

Hallo,

vielen Dank für deine Antwort.

Dir Antworten kann ich nur bestätigen.

Weisst du zufällig auch, ob in
entlegenen „orientalischen“ Provinzen der SU wie Kasachstan,
Tadschikistan oder Usbekistan usw. es bereits Fernseher gab,

das gibt es nette Bilder oder auch alte Dok-Filme, in denen
zu sehen ist, wie die Normaden in der mongolischen Steppe gleich
nachdem sie ihre Jurte aufgebaut haben ihren Fernseher auf
einem Schemmel plazieren und dann irgendwie den Empfang herstellen.
Selbst ohne Strom ging das wohl zeitweise auch per Batterien.

Interessant ist auch, daß die Russen schon Farbfernseher
herstellten (Typ: Raduga), als es sowas noch nicht mal in der
DDR gab.
http://de.wikipedia.org/wiki/Raduga_(Fernseher)

also als „Normalität“ in Privathaushalten, wenn auch
vielleicht nicht in allen, so doch in der Mehrheit?

So ist es. Bis auf wirklich ganz abgelegene Gebiete, war
die Abdeckung wohl tatsächlich recht gut.

Und nicht nur bei dort angesiedelten Russen, sondern auch bei
den jeweiligen Volksgruppen, also den Usbeken, Kasachen oder
Tadschiken?

Wie schon geschrieben, wurde zu Zeiten der UdSSR da kein
Unterschied gemacht.

gesehen damals. Das sah für mitteleurpäische verhältnisse echt
gewöhnungsbedürftig aus. Durchhängende Drähte an windschiefen
Masten - jeder deutsche Elektriker wäre in Ohnmacht gefallen.

Ist auch heute in vielen Gegenden Russlands und der ehemaligen
Republiken noch genauso :smile: Ein Elend, daß man nur mit
3. Welt vergleichen kann.

Und neben den Holzhäusern große Fernsehatennen - überall.
Absolut irrsinnig. Keine gepflasterte oder asphaltierte
Straße, aber Fernsehanschluß…

So is’ses eben, auch heute noch, bloß daß es wohl inzwischen
wohl auch eher Sat. üblich ist.

Gruß Uwi

Hallo,

Gernot und Ilja (danke für die Antwort),
hatte denn die Sowjetunion nicht sogar einen eigenen
Fernsehsatelliten?

Fernsehsateliten für die Fernübertragung von Programmen
gab es sicher schon (allg. Kommunikationssateliten).
Schließlich kann man die UdSSR in den 70igern noch als die
führende Raumfahrtnation betrachten.

Aber die Sat-Technik für den privaten Fernsehempfang ist eine
Entwicklung, die es auch im Rest der Welt so noch nicht in den
70igern gab.
http://de.wikipedia.org/wiki/Satellitenfernsehen#Ges…

Massenwirksam ist die Sat-Technik erst Anfang der 90iger geworden.
Da ist auch interessant, daß die östlichen Gebiete der ehemaligen
DDR wohl sehr schnell eine deutlich höhere Abdeckung mit
Sat-Schüsseln hatte als der Westen der BRD.
Auf Sat-Schüsseln waren z.B. die Dresdner (im Tal der Ahnungslosen)
schon vor der Wende richtig scharf. Dafür wurden teilweise
Unsummen ausgegeben und auch sehr aufwendige Bastellösungen
entwickelt.
Gruß Uwi

In den 70er Jahren
gab es ja noch keinen Empfang direkt per Satellit - also
brauchte man keinen Empfang feindlicher Sender zu fürchten.
Ich habe tätsächlich in der Ukraine vom Zug aus die Dörfer
gesehen damals.

Hallo,

schau mal hier nach
http://de.wikipedia.org/wiki/Fernsehgeschichte_%28So…

Im Lande werden jetzt schon etwa 20 Millionen Fernsehempfänger gezählt. Ende 1970 werden es annähernd doppelt soviel sein. Im Jubiläumsjahr haben die Sowjetmenschen 4.900.000 Fernseher, 6.200.000 Empfänger und Musiktruhen und 842.000 Magnetbandgeräte erhalten.
Gruß

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