Fernuni Hagen

Hallo zusammen

Ich trage mich mit dem Gedanken, an der FernUni Hagen den Zusatzstudiengang Wirtschaftswissenschaften für Juristen zu belegen.

Kann mir jemand von Erfahrungen mit der FernUni berichten? Hat vielleicht jemand diesen Zusatzstudiengang gemacht? Wie beurteilt Ihr dieses Angebot?

Ich wäre froh, wenn Ihr mir ein paar Hinweise geben könntet.

Liebe Grüsse

Barbara

Hallo Barbara,

Kann mir jemand von Erfahrungen mit der FernUni berichten?

Ich habe von 1977 bis 1982 Wirtschaftswissenschaften an der Fernuni studiert (und bin durchs Vordiplom gefallen:wink:(). Falls Du meinst, dass diese Erfahrungen Dir heute noch weiterhelfen können, mailst Du mich am Besten an.

Gruß, Karin

Hallo Barbara,

ich studiere z.Zt. den Aufbaustudiengang zum Wirt.-Ing. (bin in einem Jahr hoffentlich fertig…). Der dürfte sich ja nicht allzu sehr von dem Deinigen unterscheiden (außer, dass ich Recht gehasst habe:smile:)

Kann mir jemand von Erfahrungen mit der FernUni berichten? Hat
vielleicht jemand diesen Zusatzstudiengang gemacht? Wie
beurteilt Ihr dieses Angebot?

Ich stehe dem Angebot sehr positiv gegenüber.
VT:

  • hohe Flexibilität (keinerlei Vorgaben bei der Studiengeschwindigkeit)
  • preiswerte, qualitativ gute Unterrichtsmaterialien
  • im Hauptstudium sehr gute Wahlmöglichkeiten

NT:

  • Vereinsamungsgefahr (kein Problem für mich, da ich gut als akad. Einzelkämpfer überlebe:smile:)
  • Außerhalb NRWs wenig Studienzentren => wenig Möglichkeit für Tutorveranstaltungen
  • Qualitativ sehr durchwachsene Tutorveranstaltungen
  • Ab dem Hauptstudium aufwendige Prüfungssituation (nur noch Düsseldorf)
  • in BWL noch wenig (aber zunehmende) Online-Angebote (schau mal unter (feunews.fernuni-hagen.de, auf dem Server sind die Newsgroups der fernuni)
  • wissenschaftlicher Ansatz ist zum Teil recht trocken (muss man mögen:smile:)
  • sehr viel Papier:smile: Ich würde sagen, ca. 500 Seiten pro Fach dürften wohl zu bearbeiten sein
  • im Hauptstudium sehr überlaufene, sehr dezentrale Seminare
  • Nebulöse Themenvergabe bei der Diplomarbeit (Friss oder stirb)

Für mich übertreffen die Vorteile jederzeit die Nachteile.

Zur Studienbelastung ist folgendes zu sagen: Im Prinzip kannst Du ohne Probleme das Studium in 6 statt 8 Semester Teilzeit neben dem Beruf durchziehen (ich war zu faul dazu:smile:), manche machen es auch in Vollzeit neben dem Beruf. Du solltest mit ca. 1 Woche Vollzeit Prüfungsvorbereitung pro Prüfung rechnen (bei mir ging dafür zum Teil der Urlaub drauf).
Während des Semesters hast Du in jedem Fach sog. Einsendeaufgaben zu bearbeiten, die als Prüfungszulassung gelten (2-3 pro Fach). Ist allerdings nicht schwierig, da im Grunde mit wenig Aufwand aus den Skripten zu lösen (oder es werden die Ergebnisse in den Newsgroups oder Tutorien diskutiert, hier solltest Du also mit ca. 4h pro Arbeit rechnen)
Es gibt (für Juristen wahrscheinlich beruhigend:smile:) Repetitorien und zusammenfassende, käuflich zu erwerbende Skripten (ich glaube z.B. Fabianca, musst mal googeln), die wohl recht gut sein sollen (mir war das egal)

Für Juristen dürfte die größte Hürde die gute alte Mathematik sein. Gerade VWL (Mikro) ist sehr Mathematik-lastig. Falls ein Studienzentrum in Deiner Nähe ist: Dort liegen alle Skripten aus, vielleicht solltest Du mal in Mathe und v.a. Mikro reinschauen. Ansonsten schau Dir ein normales Lehrbuch an, da steht auch nichts anderes drinnen.

Zu den Kosten: Im Moment hast Du als Deutscher(!) bei Teilzeit mit ca. 200-300 Euro pro Semester zu rechnen. Wie es mit Schweizern aussieht (falls Du solchiger bist), kann ich nicht sagen.
Vorsicht: Es werden gerade in NRW Studiengebühren eingeführt. Bis zu 625 Euro pro Semester kämen dann für Aufbaustudien dazu, was ein ziemlicher Hammer ist…

Grüße
Jürgen

Hallo Jürgen,

wo du schon so nett an Barbara geantwortet hast, will ich dich auch interviewen :smile:

Sag mal, wie beurteilst du aus deiner Sicht (du hast einiges von den Gefahren und Nachteilen geschrieben) die Rolle eines Mentors bei dem Fernstudium? Ich wurde gerade gefragt, ob ich für so einen Mentor in einigen Fächern einspringen möchte. Und ich weiß ehrlich nicht, ob es was bringt - im Sinne, ob es für Fernstudierende tatsächlich nützlich ist.

Viele Grüße

Hallo peet,

wo du schon so nett an Barbara geantwortet hast, will ich dich
auch interviewen :smile:

dann tue das:smile:

Sag mal, wie beurteilst du aus deiner Sicht (du hast einiges
von den Gefahren und Nachteilen geschrieben) die Rolle eines
Mentors bei dem Fernstudium? Ich wurde gerade gefragt, ob ich
für so einen Mentor in einigen Fächern einspringen möchte. Und
ich weiß ehrlich nicht, ob es was bringt - im Sinne, ob es für
Fernstudierende tatsächlich nützlich ist.

Kommt sehr auf Dich drauf an…:smile: Außerdem auch auf das jeweilige Fach (ich kann naturgemäß nur für Wiwi sprechen)

Spass beiseite. Auch ich habe im Grundstudium (nur dort ist ja flächendeckend eine Versorgung mit Mentoren vorgesehen) regelmäßig an Tutorien teilgenommen.
Der Grund war ganz einfach: Es wurden einem die Lösungen der Einsendeaufgaben ins Heft diktiert, weswegen ich mich während des Semesters nicht mit dem Stoff beschäftigen musste…
Problem dabei: Es ist eigentlich von der FU nicht erlaubt und aus rein akademischen Gründen auch nicht besonders zielführend…

Weiterhin wurden kurz vor der Prüfung Prüfungsaufgaben diskutiert, ebenfalls natürlich gerne von den Studierenden gesehen.

Ich befürchte, dass das zumindest in den Wiwi das normale darstellt und letztendlich die durchschnittliche Erwartungshaltung an Tutorien von Seiten der Studierenden beschreibt.

Nichts desto trotz gab es einige Mentoren, die natürlich ihrer eigentlichen Aufgabe gerecht werden wollten und den Stoff versuchten zu vermitteln. Hier trennte sich dann für mich auch der Spreu vom Weizen, denn es gab zum Teil wirklich schauderhafte Plaudertaschen, die mir die knappe Zeit am Abend sprichwörtlich stohlen (Tutorien gehen von 19h-ca.21.30h!).
Andere hingegen brachten Praxiswissen und sehr viel Begeisterung in die Sache hinein, was der Qualität des Tutoriums sehr entgegen kam.

Also meine Meinung: Wenn straff organisiert, auf die Bedarfe der Studierenden abgestimmt (EAs+Prüfungen) und mit Freude an der Sache durchgeführt, ja, dann bringts was und Du wirst ggf. aus dem gesamten Umland Studis anziehen (die von anderen Mentoren flüchten, FU-Studenten sind mobil:smile:)

Ansonsten: Nein danke, weil Zeitverschwendung (außer vielleicht, um andere Mitleidende kennenzulernen, auch nicht eben unwichtig)

Ach ja, erwarte nicht zuviel Begeisterung von den Studierenden, um 21h ist man nicht mehr besonders energiegeladen, was das sich einbringenn angeht (ich bin tatsächlich ein paar mal kurz eingepennt:smile:)

Grüße
Jürgen

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Vielen Dank
Mein Sternchen für die ausführliche und informative Antwort! :smile:

Viele Grüße

Hi Jürgen

Hab herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort.

Was ich beim Ganzen überhaupt nicht einschätzen kann ist der zeitliche Aufwand. Beim Teilzeit-Zusatzstudiengang für Juristen geben sie ca. 27 Wochenkursstunden an (für Mathe I, BWL I und BWL III) das scheint mir für ein Teilzeit-Studium doch recht viel zu sein … bei einer Verlängerung des Studiengangs um ein Semester auf fünf Semester kommt man auf eine Durchsnittszeit von 20 Kurswochenstunden, was ich immer noch recht viel finde (auch wenn ich nur 80% arbeite und jeweils am Freitag frei habe).

Was sind da Deine Erfahrungen: sind die angegebenen Kurswochenstunden gut berechnet oder braucht man eher weniger oder mehr Zeit?

Wegen den Studienzentren: ich bin zwar aus der Schweiz, bin aber regelmässig in der Nähe von München … dort soll es ein Studienzentrum haben. Kennst Du dieses?

Herzlichen Dank für Deine Bemühungen und liebe Grüsse aus der Schweiz

Barbara

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Hi Barbara,

Was ich beim Ganzen überhaupt nicht einschätzen kann ist der
zeitliche Aufwand. Beim Teilzeit-Zusatzstudiengang für
Juristen geben sie ca. 27 Wochenkursstunden an (für Mathe I,
BWL I und BWL III) das scheint mir für ein Teilzeit-Studium
doch recht viel zu sein … bei einer Verlängerung des
Studiengangs um ein Semester auf fünf Semester kommt man auf
eine Durchsnittszeit von 20 Kurswochenstunden, was ich immer
noch recht viel finde (auch wenn ich nur 80% arbeite und
jeweils am Freitag frei habe).

Vom zeitlichen Aufwand her kommt es eben sehr stark auf Dich selber drauf an.
Ich kann natürlich nur von mir reden. Wenn Du es nicht unbedingt auf ein Prädikatsexamen anlegst und effizient im (auswendig) lernen bist (was ich jetzt bei einer Juristin annehme, da haben die Ing. eher ihre Problemchen), dann sollte es vom Aufwand locker zu schaffen sein.
Zu den Fächern: zu Mathe kann ich nichts sagen, da sehr stark von Deinen Kenntnissen und Deinen Begabungen abhängig (und ich musste es als Ing. nicht belegen). Z.B. das Stichwort Lagrange sollte Dich als Ziel nicht schrecken (gell, was war das doch gleich:smile:)…

Zu BWL 1 und BWL 3: Absolut locker (ein bisschen trockene Buchhaltung und Kostenrechnung, viel Papier, wenig Inhalt). Diese Fächer kannst Du ohne Probleme zusammen durchziehen. Ich habe mich sehr geärgert, weil ich BWL 3 nicht dazugenommen habe…

Wie ich erzählte: Du musst mit ca. 4h pro EA (egal ob Tutorium oder Einzelkampf) und 1 Woche Vollzeit vor der Prüfung eines Faches rechnen, nicht mehr und nicht weniger. Und wenn Du es schaffst, während des Semesters das viele Papier zumindest 1x zu lesen, dann hast Du die Prüfung bereits bestanden…

Was sind da Deine Erfahrungen: sind die angegebenen
Kurswochenstunden gut berechnet oder braucht man eher weniger
oder mehr Zeit?

Persönlich gesagt: eher weniger…

Wegen den Studienzentren: ich bin zwar aus der Schweiz, bin
aber regelmässig in der Nähe von München … dort soll es ein
Studienzentrum haben. Kennst Du dieses?

Ich komme zwar eigentlich aus München, habe da auch mal eine Prüfung geschrieben, das Studienzentrum kenne ich allerdings nicht von innen. Das neue Semester hat ja gerade begonnen, vielleicht solltest Du mal schauen, ob Du nicht an einer Einführungsveranstaltung teilnehmen kannst. Auch haben die Studienzentren eigene Studienberatungen, die können Dir ebenfalls weiterhelfen.

Als Ing. kann ich nur sagen: Schwierig ist BWL eigentlich nicht, wer keine Probleme hat, viel Stoff auswendig zu können, sollte wenig Schwierigkeiten haben. Hürden könnten eigentlich nur VWL und Mathe/Statistik sein…

Du kannst mich gerne jederzeit weiterlöchern, viele Fragen werden aber auch in den newsgroups der FU beantwortet (z.B. feu.wiwi.diskussion, feu.asta, feu.junior-senior.wiwi und zu jedem Fach gibts spezielle newsgroups, wenn Du Dir also bei z.B. Mathe unsicher bist, kannst Du dort nachfragen)

Machs und probiers, beleg erstmal lieber zuviel als zuwenig, Du hast keinen Zwang, direkt nach einer Belegung auch die Prüfung zu schreiben! Wenn es Dir also zuviel würde, kannst Du jederzeit die Prüfung ohne Schwierigkeiten verschieben…

Grüße in den Süden
Jürgen

PS: Wunder Dich ggf. nicht, warum Du das Ding 3x bekommen hast… Posten ist nicht so einfach:smile:

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Hallo Jürgen

Hab vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten. Ich habe mich nun auch mal durch die Diskussionsforen der Fernuni geklickt (danke für den Tipp, die hätte ich sonst nicht auf der website gefunden)und dort auch noch Hinweise gefunden.

Danke und liebe Grüsse aus der Schweiz

Barbara

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Hallo Barbara,

vor ettlichen Jahren hab ich mich in Hagen in Informatik (Nebenfach Mathe/Physik) eingeschrieben.
Die Qualität des Materials war tadellos.
Allerdings hat sich nach gut einem Semester privat einiges ereignet, sodaß ich den Faden verloren hab und mich schließlich exmatrikuliert hab.
Mein Zeitaufwand lag anfangs bei ca. 15 h pro Woche. Wobei ich sagen muß, daß der Stoff aus dem ersten Semester mehr oder weniger eine Wiederholung des Stoffs aus meinem ersten Studium war, sodaß es später bei gleicher ‚Wirksamkeit‘ sicher mehr geworden, oder eben die Studienlänge nach oben gerutscht wäre.

Auf jeden Fall gehört ein geharnischt Maß an Selbstdisziplin dazu und wenn Du Dir nach ehrlicher Befragung nicht sicher bist diese zu haben, solltest Du das Projekt gut überlegen, denn es kostet zum einen einiges und Arbeit bedeutet es auch, die dann ‚offiziell‘ für die Katz ist.
Das man was gelernt hat, steht dann auf einem anderen Blatt.

Gandalf

Hi Barbara,

Wirtschaftswissenschaften weiss ich nicht, aber meine Frau studiert seit Jahren an der Fernuni, und das ist absolut OK. Auch ganz bestimmt keine Überlastung.

Cheers, Felix