Ficken, wie wird das Wort richtig gebraucht?

Hallo,

das Wort ‚ficken‘ ist ja wohl jedermann /-frau geläufig, deshalb kann man es wohl hier auch mal ansprechen.

Ich habe folgende Frage, und bitte diese Frage hier völlig ‚unerotisch‘ zu verstehen:
Weiß jemand, wie eigentlich die richtige Sprach-Anwendung des Wortes ist:
Wenn die wohl allgemein gültige (auch lt.Duden) ‚Übersetzung‘: „reiben, kratzen, hin- und herbewegen“ ist, dann müßte es doch eigentlich heißen (vom Mann aus): ‚Ich habe mich in ihr gefickt‘, ‚wir haben uns gefickt‘, oder (von der Frau aus) ‚er hat sich in mir gefickt‘, oder so ähnlich.

MEINE FRAGE: Gibt es da eine KORREKTE Festlegung für die Benutzung dieses Wortes im Sinne der Bedeutung?

Gruß
Cedrus

Hallo,

Weiß jemand, wie eigentlich die richtige Sprach-Anwendung des
Wortes ist:
Wenn die wohl allgemein gültige (auch lt.Duden) ‚Übersetzung‘:
„reiben, kratzen, hin- und herbewegen“ ist,

das ist die ursprüngliche Bedeutung. Da der Begriff inzwischen so nicht mehr gebräuchlich ist, sondern im Sinne von „den Koitus vollziehen *“ bzw. von „hereinlegen“, „austricksen“, „übel behandeln“ gebraucht wird, hat sich auch die sprachliche Form diesen Bedeutungen angepasst.

* Ein früher Beleg für diese Verwendung ist übrigens in Michael Lindeners „Rastbüchlein“ von 1558 zu finden:

Das kindermachen hatt aber noch wunderbarliche seltzamme nammen, dann es wunder thut und macht, … als: stropurtzlen , ficken, nobisen, raudi-maudi, schiri-miri, nullen, menscheln, zusammenschrauben, pirimini, leuß imm pelz, pampeln, strampeln, federziehen, auff dem hackpret schlahen, pfefferstossen, immberreiben, fleyscheln, holtzhawen, und scheiterklüben etc. …
http://www.archive.org/stream/michaellindener00lindg…

Gruß
Kreszenz

Hi,

du bekommst jetzt von mir stellvertretend für ihn:

Michael Lindener

ein Sternchen dafür:

stropurtzlen

Gruß
Elke

Hi Cedrus,

nachfolgend die englische Variante:wink:
http://www.youtube.com/watch?v=4rX7-R54-Q8

Viele Grüße
Eve*

du bekommst jetzt von mir stellvertretend für ihn:

Michael Lindener

ein Sternchen dafür:

stropurtzlen

danke - mir hat das auch am besten gefallen (… und die Vorstellung, in einschlägigen Talkshows ertönte es anstelle des *Piep*). :wink:

Gruß
Kreszenz

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* Ein früher Beleg für diese Verwendung ist übrigens in
Michael Lindeners „Rastbüchlein“ von 1558 zu finden:

Hallo,

ich hab mal gelesen, dass das Wort „Flint“ = Feuerstein den gleichen Ursprung hat. Beim Feuermachen geht es ja immer hin und her.

Ich meine, es war bei Richard Fester - Sprache der Eiszeit.

Nur so am Rande bemerkt - ich finde den zusammenhang sehr interessant

Gruss

Uli

nullen
Hi,

ein Sternchen dafür:

stropurtzlen

Dem schließ ich mich an. Herrlicher Fund.

nullen

ist aber auch nicht von schlechten Eltern.

Vielleicht sollten wir das als normative Alternative für das neuerdings im Plauderbrett verbotene böse Wort „ficken“ vorschlagen.

Gewisse unfeine poetische Aufforderungen würden dann lauten:
„stropurtzlt euch selber“, oder
„nullt euch selber“

Gruß
Metapher

3 „Gefällt mir“

Hi,

ich hab mal gelesen, dass das Wort „Flint“ = Feuerstein den
gleichen Ursprung hat. Beim Feuermachen geht es ja immer hin
und her.

www.etymonline.com berichtet über das englische Wort „flint“, das ja natürlich mit dem deutschen verwandt ist, folgendes:

O.E. flint „flint, rock,“ common Gmc. (cf. M.Du. vlint, O.H.G. flins, Dan. flint), from PIE *splind- „to split, cleave,“ from base *(s)plei- „to splice, split“ (cf. Gk. plinthos „brick, tile,“ O.Ir. slind „brick“). Transferred senses were in O.E. Flintlock as a type of musket-firing mechanism is from 1683. Flinty „hard-hearted“ is from 1536.

Für „fuck“, was natürlich auch mit dem deutschen „ficken“ verwandt ist, weiß die Seite eine ganze Menge zu erzählen, daher hier nur der Link: http://www.etymonline.com/index.php?search=fuck&sear…

Dafür sagt der Pfeifer (auch ein etymologisches Wörterbuch), dass das Wort im Frühneuhochdeutschen tatsächlich noch ‚reiben, jucken, kratzen‘ bedeutete. In der Bedeutung ‚Sex haben‘ ist’s wohl seit dem 16. Jahrhundert belegt (eine Textstelle wurde ja hier schon zitiert). Leider ist laut Pfeifer die Etymologie ungeklärt, man vermutet Lautmalerei.

Gruß,

  • André
1 „Gefällt mir“

[ot] Feuerstein
Moin, Uli,

ich hab mal gelesen, dass das Wort „Flint“ = Feuerstein den
gleichen Ursprung hat. Beim Feuermachen geht es ja immer hin
und her.

hin und her mit dem Feuerstein? Das mach mir mal vor :smile:))

Mit dem Feuerstein, genauer mit zweien, werden Funken erzeugt, indem der eine auf den anderen geschlagen wird. Das Hin hätten wir, jetzt fehlt nur noch das Her.

Gruß Ralf

Das Hin
hätten wir, jetzt fehlt nur noch das Her.

Hi Ralf,

bei Dir klappt es halt mit einem Schlag.

Aber so genau kenn ich mich auch nicht aus.
Gruss

Uli

Hallo Kreszenz,

Weiß jemand, wie eigentlich die richtige Sprach-Anwendung des
Wortes ist:
Wenn die wohl allgemein gültige (auch lt.Duden) ‚Übersetzung‘:
„reiben, kratzen, hin- und herbewegen“ ist,

das ist die ursprüngliche Bedeutung. Da der Begriff
inzwischen so nicht mehr gebräuchlich ist, sondern im
Sinne von „den Koitus vollziehen *“ bzw. von
„hereinlegen“, „austricksen“, „übel behandeln“ gebraucht wird,
hat sich auch die sprachliche Form diesen Bedeutungen
angepasst.

Zumindest im Schweizer Dialekt ist z.B. ein an eine Kante durchgescheuertes Seil immer noch durchgefickt.

MfG Peter(TOO)

Hallo, Peter (TOO),

Zumindest im Schweizer Dialekt ist z.B. ein an eine Kante
durchgescheuertes Seil immer noch durchgefickt.

und hier gibt es noch - zumindest bei der älteren Generation - den Begriff „Fickmühle“ (Zwickmühle) beim Mühlespiel.

(Meiner Schwiegermutter ist wahrscheinlich bis heute nicht klar, warum ihre Kinderschar in den 60er Jahren immer so albern reagierte, wenn sie das Wort gebrauchte …)

Gruß
Kreszenz

Hallo Kreszenz,

und hier gibt es noch - zumindest bei der älteren Generation -
den Begriff „Fickmühle“ (Zwickmühle) beim Mühlespiel.

Stimmt, an die hab ich gar nicht gedacht, kennt man hier aber auch noch.

MfG Peter(TOO)

Hallo,

vielen Dank für die vielen Antworten unterschiedlichster Art.
Auch mir hat der Ausdruck ‚stropurtzlen‘ recht gut gefallen!

Um aber bitte nochmal auf meine Ursprungsfrage zur sprachlich korrekten Verwendung des Verbs ‚ficken‘ zurückzukommen:
Ist es in der heutigen Verwendung, die sich in der Bedeutung ‚verschoben‘ hat, dann so - wie Kreszentia angedeutet hat - daß es ein *aktiver* Ausdruck vom Mann aus gesehen geworden ist:

Ich möchte dich f… (vom Mann gesagt - ok)
Ich möchte mit dir f… (vom Mann aus gesagt - ok)
Ich bin gef… worden (von der Frau gesagt - ‚geht‘ das sprachlich??? - ich würde sagen: evtl.: ja)
Er hat mich gef… (von der Frau gesagt, ist wohl auch sprachlich zweifelhaft?? - Ich würde sagen: evtl.: Ja)
Wir haben gef… (geht das sprachlich??? - ich würde sagen: Ja)
Sie hat mich gef… (vom Mann gesagt, geht sprachlich wohl sicher nicht!!)

Würdet Ihr das auch so sehen? Was sagt Ihr bei den *evtl.*?

Gruß
Cedrus

pc

hat sich auch die sprachliche Form diesen Bedeutungen
angepasst.

inwieweit könnte die variation „bürsteln“ historische wurzeln haben?
mir ist dies nur aus der „Neuen Frankfurter Schule“ bekannt, insbesondere aus dem machwerk des hochgeschätzen herrn henscheids.

und: wäre dies eine korrekte sprachliche möglichkeit, unangenehme befindlichkeiten zu vermeiden?

e.c.

inwieweit könnte die variation „bürsteln“ historische wurzeln
haben?

Halte ich für unwahrscheinlich; falls ich doch noch etwas finde, lass ich Dich’s wissen.

mir ist dies nur aus der „Neuen Frankfurter Schule“ bekannt,
insbesondere aus dem machwerk des hochgeschätzen herrn
henscheids.

War das nicht Herr Gernhardt? „Bürsteln“ und „an die Dudeln fassen“?
.

und: wäre dies eine korrekte sprachliche möglichkeit,
unangenehme befindlichkeiten zu vermeiden?

Dazu müsste man wissen, was die Kreise, in denen Du zu verkehren pflegst, als korrekt empfinden - notfalls könntest Du ja aber auf „stropurtzlen“ oder „raudi maudi“ ausweichen.

Gruß
Kreszenz

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War das nicht Herr Gernhardt? „Bürsteln“ und „an die Dudeln
fassen“?

auch. alles ein einziger literarischer schweinekoben, wahrscheinlich aber doch von arnold hau geklaut.

Dazu müsste man wissen, was die Kreise, in denen Du zu
verkehren pflegst, als korrekt empfinden

ganz aktuell das hiesige plauderbrett. dort ist derzeit der ausdruck „ficken“ verboten, mit „bürsteln“ komme ich aber meist durch. die anderen hier angebotenen varianten probiere ich mal bei gelegenheit.

e.c.

Hallo!

Ist es in der heutigen Verwendung, die sich in der Bedeutung
‚verschoben‘ hat, dann so - wie Kreszentia angedeutet hat -
daß es ein *aktiver* Ausdruck vom Mann aus gesehen geworden
ist:

Ja, so sehe ich das auch. „Ficken“ ist für mich kein reines Synonym für „miteinander Sex haben“, sondern für Penetrieren im physischen und ggf auch psychischen Sinn. Die Beleidigung „Fick Dich!“ wird ja nicht umsonst durch den Stinkefinger ausgedrückt …

Ich möchte dich f… (vom Mann gesagt - ok)

Zustimmung.

Ich möchte mit dir f… (vom Mann aus gesagt - ok)

Hlört sich für mich völlig schief an. Hier wird „ficken“ synonym für „Sex haben“ eingesetzt, was aber im Widerspruch zu anderen Verwendungen steht, wie zum Beispiel bei „in den Arsch ficken“.

Bei „Vögeln“ geht es mir übrigens genauso: „Ich möchte mit Dir vögeln!“ hört sich für mich schief an - „Ich möchte Dich vögeln!“ dagegen nicht. Wobei „vögeln“ für mich „geschlechtneutral aktiv“ ist - „Ich möchte Dich vögeln“ können Mann und Frau sagen…

Ich bin gef… worden (von der Frau gesagt - ‚geht‘ das
sprachlich??? - ich würde sagen: evtl.: ja)

Absolut! Das ist für mich völlig stimmig. Wenn das ein Mann sagt, bedeutet das für mich, daß er dass entweder im übertragenen Sinne meint oder etwas in sein A… bekomen hat. Was auch sehr schön sein kann. :smile:

Er hat mich gef… (von der Frau gesagt, ist wohl auch
sprachlich zweifelhaft?? - Ich würde sagen: evtl.: Ja)

Siehe oben … für mich absolut ok.

Wir haben gef… (geht das sprachlich??? - ich würde sagen:
Ja)

Nein, für mich wieder schief.

Sie hat mich gef… (vom Mann gesagt, geht sprachlich wohl
sicher nicht!!)

Doch - entweder mit einem entsprechenden Spielzeug (*grins*) oder im übertragenen Sinn.

Um auf den übertragenen Sinn zukommen: Ich kenne die Formulierung „Er/Sie hat mich gefickt“ aus dem Psychologie-Studium auch in einem psychologischen Sinne, z.B. wenn jemand jemand einen anderen ausnützt, dabei vielleicht sogar demütigt, sich über ihn stellt, ihn missachtet. Wenn also die Frau ihren Mann betrügt, während er zu Hause den Abwasch macht, könnte z.B. ein Freund sagen: „Du lässt dich von ihr permanent in den Arsch ficken!“

Gruß,
Max