Fieberträume

Moin Gemeinde,

da es mal wieder aktuell ist und ich selber schon damit zu tun hatte eine Interessenfrage.

Meine Frau hat momentan eine ordentliche Grippe mit Fieber. Als wenn das nicht schon genug wäre, plagen sie üble Albträume, die zu ‚normalen‘ Zeiten nicht oder nur selten vorkommen. Bei mir ist es ähnlich, d.h. bei Fieber hab ich auch weit häufiger Albträume als zu fieberfreien Zeiten und daß wir damit nicht alleine stehen ist auch bekannt.

Jetzt stellt sich mir die Frage, warum das so ist. ALso warum in Fieberzeiten Albträume so gehäuft und in solcher Heftigkeit vorkommen.

Gandalf

Hiho :smile:

Der Frage würd’ ich mich gerne anschliessen. Wobei ich bei Fieber
keine Alpträume habe, dafür kann ich jedoch herrlich fabulieren.
D.h. ich beginne bewußt eine kleine Geschichte im Geiste die sich
innerhalb weniger Sekunden verselbständigt und ich teilweise
mit halb offenen Augen tagträume. Ich sitze regelrecht in einer
Filmvorführung. Interessant ist, daß ich mit der gleichen
Einstiegsgeschichte verschiedene Handlungsstränge bekomme.

Grüße, René
PS: Als kleines Kind hatte ich dieses Phänomen ohne Fieber, war
eine herrliche Methode abends langsam wegzudämmern.

Hallo, vielleicht hirlft dir das ja weiter:

„Den Vorteilen einer besseren Abwehrleistung, stehen objektive wie subjektive Nachteile gegenüber: für einen Kampf gegen Krankheitserreger muss der Körper alle Energiereserven aktivieren. Dazu versetzt er sich in eine katabolische, d.h. alle Nährstoffe abbauende Lage. Das Gegenteil von katabol ist anabol. Das bedeutet, dem Körper wird mehr zugeführt (über Essen), als man verbrennt. Die katabole Stoffwechsellage bewirkt, dass sich kranke Menschen müde fühlen. Der Körper spart so Kraftreserven, indem er zur Ruhe zwingt. Kranke fühlen sich oft schlapp und haben Gliederschmerzen, weil Proteine abgebaut werden, auch in den Muskeln. Den meisten ist auch kalt. Das liegt daran, dass die Körperwärme auf die wichtigen Körperregionen konzentriert werden. Die Extremitäten sind weniger wichtig. Kleine Kinder können darüber hinaus unter Kinderkrämpfen leiden, größere können in ihrem Bewusstsein eingetrübt sein (Fieberdelir).“ (medizininfo)

„Delirium : Ein Zustand mit stark veränderter (z.T. übersteigerter) Wahrnehmung, in dem irreale Sinneseindrücke und Gedankengänge, traumhafte Erlebnisse und Visionen vorherrschen. Das Delirium ist oft von starker Unruhe, Zittern, Schweißausbrüchen und Fieber begleitet. Der Betroffene kann kurzzeitig für Anreden zugänglich sein. Seine Erlebnisse sind für seine Umgebung schwer oder gar nicht nachvollziehbar. Die Geschehnisse während eines Deliriums können durchaus als angenehm empfunden werden, manchmal aber auch wie ein schrecklicher Alptraum. Vorkommen: durch bestimmte Rauschdrogen (z.B. Halluzinogene); bei chronischem Alkoholismus (sog. Delirium tremens); seltener als Begleiterscheinung bei einigen Hirnerkrankungen oder hohem Fieber; als Unverträglichkeitsreaktion bei Antidepressiva und Neuroleptika oder anderen Psychopharmaka; bei schweren psychischen Störungen und Krisen.“
Manu

Hi Gandalf,

ich würde mal behaupten, dafür gibt es mehrere Gründe.
Erstens, ja, es ist bekannt, dass man bei hohem Fieber fast im Delirium ist, oder bei extremem Fieber, sogar ganz.

Aber allgemein habe ich zB bei mir festgestellt, dass bei mir Albträume nur dann auftreten, wenn ich schwitze!!!

Ich habe mal ne Zeitlang sehr regelmässig Albträume gehabt, was mich wunderte, weil ich gerade sehr glücklich und zufrieden war.

Es hatte aber einen physischen Grund! Mein Freund schlief immer öfter bei mir, und wenn er mit unter der Decke war… Wärmflasche sozusagen…, schwitzte ich !

Inzwischen habe ich auch erfahren, dass bei Frauen mit Diabetes sowie bei Frauen mit PCOS (die auch Glukose ein wenig anders verarbeiten), dies sehr ‚common‘, häufig, ist.

Tja, bei Fieber ist auch die Temperatur erhöht.

Das andere, was ich mir auch als Grund vorstellen kann, ist die Tatsache, dass man, wenn man krank ist, im Bett liegt & mehr schläft. Mehr, als der Körper normal braucht. Und vor allem, als er normal kriegt, wenn man öfters mal nicht ausschläft.

Unter der Woche klingelt u.U. der Wecker so früh, dass er einen aus der Tiefschlaft- und nicht der Traumphase reisst.

Und krank schlaft ich andauernd, aber einen leichten Schlaf, in dem ich eben allgemein viel träume´.

Und weil ich schwitze, sind’s dann halt oft Albträume…

Eine bessere Erklärung hab ich leider nicht.
Gruss, Isabel

Hallo!

Ich würde einmal folgenden Versuch wagen:

Eine der maßgeblichen Instanzen unseres „Bewusstseins“ ist der Komplex des Arbeitsgedächtnisses, welche Informationen durch elektrische Impulse aufrecht erhält.

Das Arbeitsgedächtnis leitet u.a. Informationen an das Langzeitgedächtnis weiter, die dort dauerhaft biochemisch gespeichert werden. Auch Gefühlszustände werden hier gespeichert. Dieser Speicher ist unsagbar groß, und die meisten relevanten Informationen sind permanent verfügbar.

Es ist besonders wichtig, dass speziellen Ereignissen spezielle Emotionen zugeordnet sind, da dies für das „Überleben“ relevant ist.

Man vermutet, dass der Traum als solcher u.a. auch dazu dient, diese Informationen zu ordnen. Dies macht Sinn, da die Verarbeitung von Informationen über das Arbeitsgedächtnis abläuft, und dessen Kapazität äußerst gering ist im Gegensatz zu dem Langzeitgedächtnis.

Da das Arbeitsgedächtnis tagsüber von Sinneseindrücken überflutet wird, ist eine nächtliche Überarbeitung bei freier Kapazität wünschenswert.

Meistens bezieht sich die Verarbeitung primär an das Tagesgeschehen, da die aktuellen Emotionen präsent sind. Es ist vorstellbar, dass spezielle Emotionale Inhalte auch mit den Inhalten von bereits erlebten Ereignissen einhergehen und hier verknüpfungen entstehen. Deswegen können Traumbilder entstehen, die nichts mit dem aktuellen Geschehen, sondern mit bereits vergangenen Ereignissen verknüpft sind.

Da das Erleben bei einer Erkrankung insgesamt sehr negativ zu bewerten ist, ist auch die emotionale Valenz von Träumen überwiegend negativ.

Im Übrigen ist eine weitere EInflussgröße auf die Arbeitsweise des Arbeitsgedächtnisses das Hormon Cortisol, welches bei Stress permanent freigesetzt wird. Stress entsteht übrigens dauerhaft bei Krankheit - eine Krankheit ist für den Organismus eine seht belastende Angelegenheit.

Cortisol hat den Vorteil, dass es die Glukoseverstoffwechselung vorantreibt und so zusätzlich Energie bereit gestellt werden kann. Allerdings wird bei hoher Cortisolbelastung die Funktionsweise des Arbeitsgedächtnisses nachweislich eingeschränkt(z.B.: Lupien, Gillin & Hauger, 1999; Wolf et al., 2001; Bryden, 1988; Al Absi et al., 2002). Dies kann zusätzlich zu einer subjektiv veränderten Wahrnehmung führen, was emotional ebenfalls negativ empfunden wird.

Dieses Erklärungsmodell ist von mir selber zusammengebastelt - es erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, zumal ich noch nicht im „Schlaflabor“ gearbeitet bzw. gelernt habe.

Ich hoffe, es hilft eventuell trotzdem ein wenig
& lieben Gruss
Patrick

Blut-Hirn-Schranke
N’Abend Gandalf,
so weit ich weiß, ist ein „Mechanismus“ der zu den phantastischen und teil unangenehmen Ideen und Bildern bei hohem Fieber führt (egal ob im Schlaf- oder Wachzustand) die Tatsache, daß bei Fieber die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger wird. (je höher je mehr, meine ich mich zu erinnern) Dadurch kommen allerlei Stoffe, die das normalerweise nicht tun und auch nicht sollen in unser zentrales Nervensystem hinein und machen da „spaßige“ Sachen. Ist im Grunde eine kleine Vergiftung.

Gruß
Kerstin

Hallo Kerstin!

Bitte entschuldige zunächst meine Skepsis, aber einfach so „dahingeworfen“ kann ich als geneigter Leser nicht allzuviel damit anfangen.

Zunächst: Weisst Du, welches Organ im menschl. Gehirn die Blut-Hirn-Schranke ausbildet und aus welchem Zelltypus der neurol. Grundtypen des ZNS sich dieses Organ zusammensetzt?

Darauf aufbauend würde mich dann natürlich interessieren, warum bei Fieber dieses Organ weniger aktiv sein soll?

Lieben Gruß
Patrick

Hallo Patrick,
anfängliche Skepsis entschuldige ich immer. Du hast recht, daß war nur hingeschmissen.
Bin schon auf dem Weg ins Bett, deshalb hier nur zwei gegoogelte links, die zeigen das es so ist.
An die Erklärungen warum, versuch ich mich morgen zu erinnern und liefere die bei Bedarf nach.
Also hier:
http://www.biogen.de/dyn_ms03.php?id=2210303
oder auch
http://www.medizinfo.de/arzneimittel/resorption/schr…

Ich hoffe, daß beruhigt deine Skepsis.
Morgen, wenn ich Zeit habe (müßte eigentlich) mehr
Gruß und Gute Nacht
Kerstin