Filme 3. Reich

Hallo Geschichtsfreunde!

Ich plane, an der Schule eine kleine Filmreihe zu starten, ergänzend zum Geschichtsunterricht, zunächst einmal Thema 3. Reich. Welche Filme sollte ich da unbedingt noch in meine Liste aufnehmen? Interessant sind zum einen Filme, die in dieser Zeit spielen, aber auch Filme aus dieser Zeit. Hier meine bisherige Liste:
Der große Diktator - Der Stellvertreter - Swing Kids - Das Leben ist schön - Comedian Harmonists - Schindlers Liste
Eventuell wäre ein Riefenstahl-Film (Olympia, Triumph des Willens) zum Thema Ästhetik der NS-Zeit noch ganz gut, aber da befürchte ich Schwierigkeiten bei der Beschaffung.
Für weitere Anregungen bin ich dankbar!

Gruß,
mono

hallo mono,
habe alle filme , die nachfolgend beschrieben sind selbst gesehen, und kann sie dir wirklich emfehlen.
besonders aber die „welle“ aus heutiger sicht
„der stellvertreter“ und „KORCZAK“ beschreiben bereiche,die vielen leider gar nicht bekannt sind.
aber eigentlich finde ich sie alle sehr unterschiedlich, und jeden auf seine weise sehr gut.
wenn du weitere filmtittel zum thema benötigst, sag bescheid.
für dein vorhaben wünsche ich dir viel erfolg.
felicitas

Die weiße Rose Michael Verhoeven
Land: Deutschland 1981/82
Drehbuch: Michael Verhoeven, Mario Krebs, nach den Tagebüchern der Geschwister Scholl
Format: 35 mm, Breitwand, Farbe
Kamera: Axel de Roche
Schnitt: Barbara Hennings, Sabine Matula
Musik: Konstantin Wecker
Darsteller: Lena Stolze, Wulf Kessler, Oliver Siebert, Ulrich Tukur, Werner Stocker, Martin Benrath, Anja Kruse u.a.
Sprache: deutsch
Freigabe: ab 12 Jahren
Länge: 121 Min
Verleih: Filmverlag / Futura
Genre : Widerstandsdrama, Literaturverfilmung
Ort : München1942 – 43
Hauptdarsteller : Lena Scholze (Sophie Scholl), Wulf Kessler (Hans Scholl)
Inhalt : 1942 tauchen erste Flugblätter gegen Hitler an der Universität München auf. Keiner traut sich, die Flugblätter aufmerksam zu lesen, da jeder Angst vor Denunzierung hat. Die Geschwister Hans und Sophie Scholl studieren beide an dieser Universität. Sophie entdeckt durch Zufall, dass ihr Bruder Hans mit drei anderen Freunden der Initiator der Aktion war. Sie hat große Angst, denn der Vater ist bereits politisch aufgefallen, sie selbst werden von der Gestapo überwacht. Sophie versucht, ihren Bruder von den Aktionen abzubringen. Aber Hans überzeugt sie von der Wichtigkeit des Widerstands. So entschließt auch sie sich, im Untergrund mit zu wirken. In mehreren Städten verteilt die Gruppe nun ihre Flugblätter, weshalb die Gestapo von einer großen Organisation ausgeht. Durch die Verbindung zu anderen Widerstandsgruppen wird die Arbeit der kleinen Freundesgruppe immer gefährlicher. Durch die Denunziation des Hausmeisters der Münchner Universität werden sie verhaftet, wenig später zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Regisseur : Michael Verhoeven studierte nach dem Abitur Medizin und schloss mit der Promotion ab. 1967 führt er zum ersten Mal Regie. 1970 führté die Vorführung seines Films „O.K.“, der den Vietnamkrieg nach Bayern verlegt, wegen angeblicher antiamerikanischer Tendenzen zum Eklat bei den Berliner Filmfestspielen und führten zum Abbruch des Festivals. Der Film „Die weiße Rose“ war die erfolgreichste Produktion des Jahres 1982, für den Verhoeven das Filmband in Silber bei der Bundesfilmpreisverleihung erhält. Gleichzeitig löste der Film heftige Diskussion in der Öffentlichkeit über nicht revidierte Todesurteile aus der Zeit des Nationalsozialismus aus, und durfte deshalb nicht von den Goethe Instituten im Ausland gezeigt werden.
Darsteller : Lena Scholze (Sophie Scholl), Wulf Kessler (Hans Scholl)


KORCZAK
Ein Film von Andrzej Wajda

Polen, Deutschland, Frankreich, 1990, deutsche Fassung, 112 Min.

Begleitprogramm zur Ausstellung „Oneg Schabbat. Das Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos – Ringelblum-Archiv“

Über Jahre hinweg hegte Andrzej Wajda nur eine winzige Hoffnung, einen Film über das Leben und Wirken des Arztes und Pädagogen Janusz Korczak machen zu können. Über den Mann, der freiwillig mit seinen schutzbefohlenen Waisen in die Gaskammer von Treblinka ging.

Wojciech Pszoniak in der Rolle des Janusz Korczak.

Der Film spielt 1942, drei Jahre nach der deutschen Invasion in Polen, und beschreibt das letzte, tragische Kapitel in Korczaks Leben in einem jüdischen Waisenhaus im War­schauer Ghetto.

Regie: Andrzej Wajda, Drehbuch: Agnieszka Holland, Kamera: Robby Müller, Musik: Wojciech Kilar, Produktion: Regina Ziegler-Film, Darsteller: Wojciech Pszoniak, Ewa Dałkowska, Piotr Kozłowski, Marzena Trybała, Wojciech Klata u.a.


Zur Erinnerung an Janusz Korczak

Ein Schulprojekt mit Grundschülern mit dem Thema:
In Erinnerung an Janusz Korczak und seine 200 jüdischen Waisenkinder, deportiert 1942 aus dem Warschauer Ghetto und in Treblinka ermordet.

Ein Projekt mit vielen Symbolen

Das erste Symbol: ein Kindergesicht

Begonnen hat es mit dem Zeichnen von Kindergesichtern, von bestimmten Portraits. Sie stehen symbolisch für Menschlichkeit und Nähe. Nähe deshalb, weil das Portraitzeichnen - die Künstlerin Marlis Glaser führte den Schülern vor, wie man nach Modell zeichnet (mit einem Schüler/einer Schülerin) - erfahrbar macht, wie viel Distanz zu überwinden ist und wie nah einem jemand durch das Betrachten seiner Augen, seiner Nase, seines Mundes kommt. Die Kinder haben auch durch dieses Zeichnen gelernt, dass es sich um ganz bestimmte Menschen handelt, die wirklich gelebt haben. So konnten die Kinder Regeln über das Zeichnen von Gesichtern lernen und gleichzeitig ein Gefühl für ein bestimmtes Individuum durch das Betrachten und Zeichnen bekommen.

Die Bildvorlagen stammten aus dem Buch von Roman Vishniac „Kinder einer verschwundenen Welt“ (Fotoaufnahmen aus Osteuropa 1937/38)

Das zweite Symbol: der Wagon

Der Wagon steht für die Deportationen von Millionen Menschen. Für die Kinder ist aber diese Zahl nicht so wichtig, sondern es ging darum, zu verstehen, wo, wann und warum diese jüdischen Kinder in Wagons in den Tod, eben ins Vernichtungslager Treblinka fahren mussten und ihr Tod letztendlich für uns alle unbegreiflich und sinnlos ist. Die Wagons wurden von einer Linolplatte gedruckt. Auf diese wurden die ausgeschnittenen Portraitzeichnungen geklebt.

Das dritte Symbol:

Grabstein mit Inschrift: „In Erinnerung an Janusz Korczak und seine 200 jüdischen Waisenkinder, deportiert 1942 aus dem Warschauer Ghetto und in Treblinka ermordet.“

Diese Gedenk-Inschrift zeichneten alle Schüler zum Gedenken an ein ermordetes Kind auf Transparentpapier, umgeben mit einer linearen Grabsteinform, die wir zuvor auf dem jüdischen Friedhof in Laupheim bzw. Bad Buchau gezeichnet haben. Dieses Blatt kann zugeklappt werden und dann steht auf dem Bild unten nur noch > August 1942 „Reise“ nach Treblinka

Hallo,
find ich toll dass du „Der große Diktator“ mit reingenommen hast. :smile:
Vielleicht noch einen Film aus der Zeit, von damals? „Der Blaue Engel“ oder „Die Feuerzangenbowle“ vielleicht?
Auf http://akas.imdb.com (der Welt größten Filmseite) findest du vielleicht noch ein paar mehr Informationen.

  • André

Moin aus Hamburg!
Also ich würde in jedem Fall noch „Das Urteil von Nürnberg“ mit Burt Lancaster und Spencer Tracey empfehlen, sowie den (relativ) neuen Film über Wilhelm Furtwänglers „Entnazifizierung“; leider ist mir der Titel entfallen - einer der Hauptdarsteller ist jedenfalls Harvey Keitel. Ich finde, der Film macht sehr klar, wie es zu dieser Mitläuferei kam (ohne dabei den verehrten W.F. zu verteufeln). Übrigens ist der soundtrack absolut wundervoll…
Gruß
T
P.S.
Deine Film-Auswahl finde ich übrigens sehr gelungen. Und den Furtwängler-Film sollte man wohl doch eher nur einem Oberstufen-Publikum vorführen…

Taking sides
Hallo Tilman,

auch wenn der Film dir gefällt und auch wenn ich die Leistung der Schauspieler nicht mindern würde, wäre der Film nicht in diese Reihe zu empfehlen. Aus meiner Sicht stehen dem im Wege:

  1. falsche Darstellung der Hauptfigur in dem Stück von Harwood und in dem Film von Szabo. Kurz gesagt, es ist eine Parabel, aber keine Furtwängler-Studie.
  2. reale „Mitläuferei“ verlief anders. „Der Stellvertreter“ wäre da besser geeignet, das Thema zu behandeln.
  3. Der Soundtrack wäre aus selben Gründen (falsche Darstellung des Stils Furtwänglers) zu verdammen.

Ansonsten alles ok :smile:

Hallo Mono

Vielleicht ja:
Geh und sieh (UdSSR - Mitte 80er)
Beeindruckend!!! Zeigt 2. Weltkrieg aus der Sicht eines russischen Kindes/Jugendlichen, Ziemlich brutal und schockierend…

Gruß
Manfred

Hallo mono,

ich fand „Hitlerjunge Salomon“ sehr interessant.
http://www.moviemaster.de/index.htm?archiv/film/film…
Und da der Hauptdarsteller zeitweise Schüler in einer NS Eliteschule ist, ist das Thema in einer Schule von heute vielleicht gut angebracht.

Gruß, Joe

Hallo

Ich kann „der Pianist“ sehr empfehlen.
Der Film spielt in Warchau aus der Sicht eines jüdischen Pianisten. Sehr eindrucksvoll und erschütternd. Hat auch etliche Filmpreise wie zum Beispiel 3 Oskars gewonnen.

Tine

Hallo mono,

evtl. wäre es noch lohnenswert, die TV-Serie „Holocaust“ (1978) mit auf die Liste zu setzen. Vielleicht gar nicht mal so sehr wegen der Darstellung der historischen Vorgänge (über deren Adäquatheit man sicherlich streiten kann), als wegen der ernomen Publikumsresonanz, die die Serie bei der Erstausstrahlung sowohl in den USA als auch in Deutschland ausgelöst hat.

Analog zu „Der große Diktator“ noch zwei Filme, die zeigen, dass man das Thema auch ein Stück weit komödiantisch und dennoch ernsthaft aufarbeiten kann:

"Sein oder Nichtsein" von Ernst Lubitsch (1942)
http://german.imdb.com/title/tt0035446/

"Jakobowsky und der Oberst" (1958) nach dem Theaterstück von Franz Werfel
http://german.imdb.com/title/tt0051915/

Grüße
Wolfgang

und noch eins …
„Die Brücke“ (1959)
http://german.imdb.com/title/tt0052654/

Im toten Winkel
Hallo nochmal,

was mir noch einfällt ist „Im toten Winkel“, das Interview, das André Heller mit Hitlers letzter Privatsekretärin Traudl Junge führte.
Für Schulaufführungen sicher auch deshalb interessant, weil es die Bundeszentrale für politische Bildung durch Bereitstellung von Unterrichtsmaterial fördert.

http://www.im-toten-winkel.de/

W.

Hi mono,

ich denke die Klassiker für den deutschen Schulgebrauch
dürften Schlöndorffs Oskar-premierte Grass-Adaption der
„Blechtrommel“ und Szabos Kl.Mann-Adaption des „Mephisto“
sein.

Darüber hinaus hätte ich noch eine Anregung für den Abschluß
der „kleinen Filmreihe“: Käutners „Rosen für den Staatsanwalt“.
(Falls Du ihn nicht kennst: Ein Nazijurist macht im Wirtschafts-
wundernachkriegsdeutschland Karriere. Ein vom allgemeinen Wohl-
stand verschont gebliebener Looser lebt vom Krawattenverkauf
aus dem Bauchladen. Der Looser hat ein großes Problem: keinen
Gewerbeschein. Der Karrierist hat ein größeres: Ein Todesurteil
unterschrieben, welches dem Looser galt. Nun treffen ergo der
Richter und sein Opfer ein zweites Mal aufeinander, als Staats-
anwalt und Angeklagter. Und der Clou: Dem tölpelhaften Looser
ist es nicht nur gelungen in letzter Sekunde dem Erschießungs-
kommando zu entkommen, ihm flattert in ebendieser glücklichen
Sekunde auch noch sein Todesurteilsschrieb in die schwejkschen
Hände. Und - ebendiesen Schrieb trägt er bei sich, als er vor
seinen Richter tritt. Und gegen jede demokratische Erwartungs-
haltung fängt Käutners ganz großes Problem erst in dieser Situ-
ation an. - Doch keine Sorge: Der Film versuchte mit äußerst-
möglicher Leichtigkeit den Zeitgenossen den Kopf zu waschen.)

Mehr in Richtung Gegenwart (Anfang 80ger) könnte so ein Film-
reihenabschlußfilm aber auch „Morgen in Alabama“ heißen: Hier
wird einem braunen Netzwerk nachgespürt, das zwar im „Unter-
grund“ agiert, jedoch „ganz oben“ in Politik und Wirtschaft
geerdet ist und in mindestens einem Fall (dem von Maximilian
Schell nachgegangenen) gleichzielgerichtet fusionierend agie-
ren.
Man muß die „Wehrsportgruppen“-Zeit, in welcher der Film ent-
standen ist, nicht kennen, um eine etwas paranoide Wirklich-
keitswahrnehmung zu entwickeln. Andererseits: 10 Jahre später
wäre der Film gefeiert worden - von der pc-Elite.
Irgendwie diskussionswürdig.

x-nada

Ich finde ein MUST ist für eine solche Reihe
„Musicbox“ - Regisseur Costa-Gavras
Darsteller: Jessica Lange, Armin Mueller-Stahl
Ende der 80iger Jahre

Bei diesem Film geht es um die Täterseite.
Jessica Lange spielt eine Anwältin. Ihr Vater ist aus Ungarn nach dem 2. Weltkrieg in Amerika eingewandert, wo sie geboren ist. Er wird wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, was ihn im Fall einer Verurteilung auch seine erworbene amerikanische Staatsbürgerschaft kosten wird.

Der Tochter gelingt es erst einmal juristisch die Unschuld des Vaters zu beweisen, aber es gibt immer mehr Anzeichen, die sie nicht zu Ruhe kommen lassen. Sie fährt auch nach Ungarn und kommt auf die Spur einer Musicbox, die in ein Pfandhaus gegeben wurde und die Klarheit darüber bringt, wer ihr Vater wirklich war.

Der Film erzählt sehr anschaulich und spannend die Widerstände und Schwierigkeiten in der Auseinandersetzung mit der Tätergeneration.

Viele Grüße

Iris