Kann ich annehmen, dass deutliche Risiken wie z.B. die Kreditvergabe bei
mangelnder Bonität und das Weiterverkaufen von Kreditbriefen oder Hypotheken aus
denen später große „riskante“ Fonds entstanden sind, politisch, juristisch,
gesellschaftlich IGNORIERT oder sogar geheimgehalten wurden?
Warum dringen keine Warnungen durch? Wird kein Risikomanagement auf globaler
und nationaler Ebene geführt?
Werden nicht sogar Risiken im Banken- und Investmentbereich verborgen?
Kennt ihr Beispiele wo Risiken bewusst ignoriert oder verborgen wurden?
Ich freue mich sehr auf eure Antworten!
Vielen Dank!
I.
Hi libitum,
deine Frage kann keiner mit einer einfachen Antwort begründen.
Folgendes muss du hinterfragen:
- Wo für ist der Kredit vergeben worden?
- Welche Laufzeiten sind beschlossen worden?
- Wie war die Bonität in den letzten drei Jahren?
- Welche weiteren Vertragsvereinbarungen sind die Grundlagen für den Kredit?
- Welche Bedingungen haben zum Ankauf bzw. Verkauf der Kredite geführt?
usw.
Dann musst du eine Risikobewertung durchführen.
Dabei ist die Schwere des Risikos, Ausfallwahrscheinlichkeit und die Entdeckungswahrscheinlichkeit zu Bewerten um eine Risikowahrscheinlichkeit und Risikokritizität zu bekommen mit/ohne mögliche Optimierungsmaßnahmen zu berücksichtigen.
Einfache mathematische Grundbewertung:
RK = B*A
RPZ = B*A*E
Die Anforderung werden immer individuell festgelegt.
Es werden immer ein Risikomanagement durchgeführt!
Aber es kommt auf die Anforderung an, die der Kreditgeber für den Kredit zugrunde legt und welcher Gewichtung er ansetzt.
Ich persönlich kenne keine Risiken, die bewusst ignoriert, verborgen oder verschwiegen wurden.
Ich kenne nur Kredite, bei denen eine fehlerhafte Anforderungsbewertung zum Misserfolg führten, sowohl für Kreditnehmer als auch Kreditgeber.
Daher ein Tipp für alle, die eine Kredit vergeben und brauchen.
Die Hausaufgaben machen und nicht nur einmal!!!
Bankrisiken zu beurteilen sind nicht mein Gebiet. Ich beschäftige mich mit Systemrisiken.
Gruß
zAc
Hallo,
ihre annahme ist leider völlig richtig.
Es gibt eine gefährliche mischung aus inkompetenz, beratungsresitenz, lobbyistenhörigkeit und parteienproporz - aber jedes volk hat die regierung, die es verdient.
Ein beispiel: 2003 berieten schröder, eichel, ackermann u. co. über die kommende bankenkrise, bad banks und staatliche garantien über 50 mrd. euro.
Aber später wird behauptet, man sei total überrascht worden.
mfg ignaz
Hallo,
natürlich wurden und werden Risiken verborgen und ignoriert, wenn es um das große Geld geht. Das war schließlich eine der wichtigsten Erkenntnisse der Finanzkrise.
Die Verschleierung von Risiken wurde aber auch staatlich gefördert, wie z.B. die Vergabe von Hausbaukrediten in USA an Menschen mit geringem Einkommen, weil Georde W. Bush seinerzeit die Parole ausgegeben hatte, dass jeder Amerikaner ein Haus besitzen sollte. Das ist eine Schönwetterparole, die - wie geschehen - bei steigenden Zinsen die betroffenen Menschen, die ihre Schulden nicht mehr bezahlen könenn, im Regen stehen lässt und damit z.T. Ihr Leben zerstört.
Ein anderes, aktuelles Beispiel ist Griechenland. Das Land hat, gefördert durch die jeweiligen Politiker jahrelang auf Pump gelegt, Korruption setzte vernünftige Regeln außer Kraft, es wurden alte Löcher gestopft indem an anderr Stelle neue geschaffen wurden. Darüber hinaus hat man sich selbst und die europäischen Partner jahrelang über die wahre Pleitesituation belogen.
Das tragische System dahinter heißt: Risiken ignorieren, Risiken verdrängen und sein eigenes Schäfchen ins Trockene zu bringen. Wenn dann der unausweichliche Schadensfall eintritt, sich dumm stellen oder besser noch: verschwinden.
Es finden sich nämlich immer einige andere, die die ganze Zeit dabei zugesehen haben oder die Katastrophe haben kommen sehen. Helfen und Löschen müssen immer diejenigen, die daran absolut unbeteiligt waren, weil sonst ja das ganze Euro-Gebäude einstürzt.
In diesem Bewusstsein werden die Spanier, die Porugiesen und die Italiener genau so weitermachen, wie bisher (alles andere wäre ja zu mühsam), weil die anderen Europäer dann schon einspringen, wenn ganz plötzlich die Pleite da ist!
Diese „Spiel“ wird solange weitergehen, bis die kleinen deutschen, französichen und andere Helferlein selbst pleite sind - und dann? Wir Deutsche müssten eigentlich jetzt auf die Straße gehen und massiv dagegen protestieren, dass wir nachträglich den Luxus einiger griechischer Milliardäre bezahlen sollen!!!
Angesichts der Tatsache, dass auch die deutschen Politiker bereits Verpflichtungen (Schulden und Beamtenpensionen) in Höhe von ca. 3 Billionen Euro ! aufgehäuft haben, muss dieser wahnsinnige Teufelskreis endlich aufhören!!
Ich setze hier auf ein altes deutsches Sprichwort: „Wer sich die Suppe einbrockt, muss sie auch selber auslöffeln!“ (zumindest den größten Teil)
Ich hoffe, auf Deine Fragen brauchbare Antworten gefunden zu haben!