Finanzielle Unterstützung durch Pat. unethisch?

Liebe Forumsmitglieder,

meine Klinik würde sich gerne eine Software anschaffen mit der man die Dokumente der Klinik verwalten kann, veraltete Arbeitsanweisungen aufspüren und z.B. sicher stellen kann, dass jeder Mitarbeiter Neuigkeiten mitbekommt. Also nichts unbedingt Notwendiges, aber etwas, dass Zeit einsparen würde, um sich mehr den Patienten selbst widmen zu können.

Dies würde im ersten Jahr gut 10.000€ kosten und in jedem weiteren gut 6.000€. Eigentlich Peanuts für das Gesundheitswesen sollte man meinen. Nun ist es aber so, dass das Jahresbudget meiner Klinik für alle Neuanschaffungen nur wenig über den Kosten im 1. Jahr liegt, wir also (fast) nichts anderes anschaffen könnten.

Mir kam die Idee, die Patienten zu bitten, sich an den Kosten zu beteiligen. Im Medizinbetrieb scheint das aber nicht unheikel, schließlich übt die Lage des Patienten einen gewissen Druck auf die Spendenfreudigkeit aus. Andererseits geht in den Kirchen der Klingelbeutel herum, mit dem Fegefeuer im Hinterkopf und den Blicken der Banknachbarn auf dem Portemonnaie…

Ich würde mal um Rückmeldung bitten, was die Forumsmitglieder darüber denken, um mir ein allgemeines Stimmungsbild davon machen zu können, ob sowas als verwerflich erachtet wird oder nicht.

Vielen Dank!

[MOD Volker]
Moin,

ich sperre erstmal, bis geklärt ist, wo die Frage hingehört oder wegen AGB (Werbung und analoges) gelöscht wird.

Ein schönes WE und Gruß

Volker

[MOD Volker]
Hallo,

nach Rücksprache wieder geöffnet.

Gruß Volker

Also Manticor,

wenn ich eine Klinik und deren Abrechnungen kenne,(kann man ja erfragen- was bleibt übrig)

könnte ich mir vorstellen, in eine besondere Box etwas zu spenden.

Diese Box im Gang fest installieren und täglich mit Zeugen leeren, aufschreiben und gegenzeichnen.

Kleine Zettel geschrieben, mit der Beschreibung wofür und warum gespendet werden könnte, an die Patienten verteilen.

Mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass es auf freiwilliger Basis und völlig im Ermessen der jeweiligen Patienten geschehe.

Patienten direkt ansprechen würde ich nicht.

Lg aria

Hallo!

Vom ethischen Standpunkt aus fände ich es nicht verkehrt, aber, wie gesagt, unter dem Stichwort der absoluten Freiwilligkeit (und auch erst am Tag der Entlassung).

Eine andere Idee wäre vielleicht, bei den Strafbehörden anzufragen, ob sie einen Teil der Bußgelder zur Unterstützung der Klinik oder eines e.V. (der vielleicht noch zu gründen wäre)zuweisen würden.

Was mich interessieren würde wäre, ob das rechtlich mit der freiwilligen Spende der Patienten so in Ordnung ist.

Mir ist ein Fall bekannt, wo z.B. ein Altenheimbewohner ohne Bezug zur eigenen Familie dem Heim eine große Spende für einen Anbau machen wollte.

„Leider“ wurde das Ganze notariell gemacht, wodurch der Heimleiter Kenntnis davon hatte (er hatte das im besten Sinne rechtlich absichern wollen), und dadurch war die Spende für das Heim hinfällig.

Begründung war, dass der Bewohner sich damit hätte eine bessere Betreuung „erwirken/erkaufen“ können oder wollen.

Angelika

Hallo,

da sprichst Du aber den speziellen Fall des § 14 HeimG an. Ein Krankenhaus fällt aber nicht unter das HeimG. Eine vergleichbare Regelung im Krankenhausbereich ist mir nicht erinnerlich.

BTW: Ein in solchen Dingen erfahrener Notar hätte schon die richtigen Wege gefunden. Es gibt da durchaus Möglichkeiten.

Gruß vom Wiz

Hallo,

das ist wohl ein schlechter Scherz, oder?

Würdest du bei Karstadt etwas in die Spendenbox werfen, weil die sich eine neue Lagersoftware kaufen wollen?

Wenn das Krankenhaus seine Patienten auf Wohltätigkeitsbasis umsonst behandeln würde, könnte man darüber nachdenken. Aber das Krankenhaus bekommt Geld für seine Leistung. Wenn es mehr bekommen will, soll es besser wirtschaften oder besser mit den Krankenkassen verhandeln. Sollen Patienten Spenden, damit die Rendite, die das Krankenhaus an die Eigentümer abführt, höher wird?

Es ist nicht nur unethisch, sondern völlig unmoralisch auch nur auf die Idee zu kommen, dass Patienten, die in einer Notlage sind, dafür auch noch spenden sollen, auch noch mit dem Argument, dass man sich sonst nicht richtig um sie kümmern kann. Das ist reinste emotionale Erpressung! Du willst Arzt sein?

Viele Grüße

Marina

Noch eine Ergänzung:

Wenn die Klinik um Spenden bittet, weil sie eine Kinderkrankenstation besser ausstatten will oder die Palliativstation oder eine Übernachtungsmöglichkeit für Angehörige, wäre das anders, weil das Dinge sind, die von den Krankenkassen nicht bezahlt werden.

Krankenhäuser sind reine Wirtschaftsbetriebe, die ihre Patienten auch vor die Tür setzen oder abweisen, wenn sie ihnen nicht genug Geld bringen und dann soll gespendet werden? Ich stelle mir so eine Box vor im Eingangsbereich vom Rhönklinikum in Uelzen, wo meine Mutter letztens gelegen hat und trotz schlechter Wundheilung und obwohl sie alleine lebt nach Hüftoperation nach ein paar Tagen schon entlassen wurde. Da hat sich keiner drum geschert, ob es der Frau gut geht. Aber die Aktionäre halten die Hand auf.

Also ich als Patient spende, wenn ich damit jemanden etwas Gutes tun kann.

Die " Krebskinder" einen Clwon oder neue Betten bekommen.
Die Klinik Material ins Ausland schicken will oder Patienten aus dme Ausland umsonst behandelt.

Aber was interessiert mich so eine Abrechnung? Da habe weder ich etwas davon, noch ist es gut für mein Gewissen oder einem 3. wird geholfen.
Es ergibt sich kein Vorteil für mich daraus und man spendet ja nur aus dem eigenen Vorteil heraus. Wie gesagt, ich hätte nicht einmal ein gutes Gefühl dabei, weil ich nicht einmal verstehe worum es dabei geht.

Kannst natürlich ne Box aufstellen, aber reich wirst du dabei sicher nicht…

Ich bedanke mich für eure Meinungen, von denen mich einige ziemlich erschreckt haben. Ich möchte auch in keine Diskussionen eintreten, die vermutlich nur damit enden, dass jeder auf seiner Meinung beharrt.

Nur eine Bitte: Man sollte zwischen dem Krankenhaus als Institution und den Mitarbeitern in der Krankenversorgung unterscheiden, wenn man urteilt oder verurteilt.

Manticor

Hallo!

Der UP beschrieb aber schon genau, dass der Patient letztendlich sehr wohl etwas von der verbesserten Datenerfassung bzw. Dokumentation haben würde.

Wenn man dadurch *wirklich* auf einen Blick Arbeitsanweisungen, vielleicht Diagnosen usw. einsehen kann, z.B. Azrtberichte dadurch schneller und präziser erstellt werden könnten, bliebe im Endeffekt mehr Zeit für die Behandlung oder auch die menschliche Seite übrig.

Natürlich nur, wenn die Klinik nicht an anderer Stelle beim Personal spart…

Angelika