Finanzierung

Habe von einem renommierten Fertighaushersteller eine Finanzierung durch „MEDICAL CLERICAL“ angeboten bekommen. Das heisst, mein Eigenkapital wird per Grundschuld bei MC als Lebensversicherung angelegt. Diese Anlage hat in den letzten ~100 Jahren einen Zuwachs von ca. 12% p.a. erwirtschaftet. Dadurch wäre mein Fertighaus in gut 12 Jahren finanziert und ich ohne Schulden. Wer hat Erfahrungen mit dieser Art von Finanzierung oder lieber „Finger weg“?

Hallo Bernd,

Hausfinanzierung, indem man nicht tilgt, sondern stattdessen eine Lebensversicherung abschließt, durch die am Ende des Ablaufs auf einen Schlag getilgt wird, ist allgemein üblich.

Das rentiert sich, wenn der Zinssatz des Darlehens, das du ja gleichzeitig aufnimmst, niedrig ist. Geh doch mal nach http://www.wiso.de, scroll runter auf Zinskonditionen, dann hast du einen Vergleich, was deutsche Versicherungen fordern. Meist sind sie etwas billiger als Banken. Wenn du dir dann noch von den drei oder vier günstigsten ein komplettes Finanzierungsangebot machen lässt, hast du einen echten Vergleich.

12 % erwirtschaftet? Das glaube ich nicht. Deutsche Versicherungen haben in der Vergangenheit rund 7 % geschafft. Ausländische Versicherungen können zwar höher liegen, weil sie nicht so starken Auflagenunterliegen wie deutsche: sie dürfen ihr Geld spekulativer anlegen. Aber gleich fast das Doppelte? Zudem erhöht das auch das Risko einer Fehlspekulation - Pleite - alles weg.

Und das sogar 100 Jahre lang??? Wenn das eine amerikansiche Firma ist: Gut, die haben keine zwei Weltkriege verloren, aber immerhin gab es vor 70 Jahren die Weltwirtschaftskrise. Selbst da haben die noch 12 % geschafft?

Die übliche deutsche Art der Finanzierung über eine Versicherung sieht vor, dass das Eigenkapital auf das Haus angezahlt wird, Zinsen sind „nur“ auf den Restbetrag notwendig. In die Lebensversicherung zahlst du dann die nächsten Jahrzehnte regelmäßig ein, statt Tildung eben. Wenn ich dich aber richtig verstehe, sollst du dein Eigenkapital in die Versicherung einbringen? Das riecht mir nach Abzocke. Firma weg, Geld weg, und 100 % Belastung auf deinem Haus. Viel Spaß!

Solltest du bei weiterer Prüfung auf ein positiveres Urteil kommen, bin ich neugierig auf deinen Bescheid.

Liebe Grüße
Peggy

Diese Anlage hat in den letzten
~100 Jahren einen Zuwachs von ca. 12% p.a. erwirtschaftet.

Hallo Bernd,

auch die Rendite bei Medical Clerical ist von der Entwicklung der Aktienmärkte abhängig. 100 Jahre mit überdurchschnittlichem Ergebnis bieten keine Gewähr, daß es auch nur ein einziges Jahr so weitergeht.

Das soll auf keinen Fall Abraten von der angebotenen Finanzierung sein. Lasse nur Vorsicht walten. Deine Finanzierung muß auch dann noch funktionieren und bezahlbar bleiben, wenn die Rendite bei MC auf den Branchendurchschnitt sinkt.

Gruß
Wolfgang

Ich hoffe Du bekommst hier genau den „guten Rat“ den ein anonymer verdient !!

Kalle

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Hallo,

die Clerical Medical ist ein recht renomiertes Unternehmen.
Diese Renditen wurden wirklich erreicht.
Wie Wolfgang aber schon geschrieben hat sollte die Finanzierung auch bei einer Rendite von 7% funktionieren.
Bei Eigennutzern macht diese Art der Finanzierung nach meiner Meinung nicht viel Sinn. Die Zinsen kannst Du ja nicht steuerlich geltend machen.
Ich würde empfehlen das Eigenkapital einzusetzen und mit 1% zu tilgen. Einen Sparvorgang kannst Du als Zusatztilgung zusätzlich meist locker aufbauen. Derzeit funktioniert es sehr gut 15 Jahre lang die Zinsen fest zu schreiben und dann die Police 15 Jahre laufen zu lassen. Dann bist Du fertig und hast effektiv weniger bezahlt als bei Deiner Variante.
Für das Ansparen würde ich aber lieber die Prudential nehmen. Die Konditionen sind einfach besser.

Gruss
Christian

Hallo Kalle,
das mit dem „anonym“ musst Du mir näher erklären.
Bernd

Ich hoffe Du bekommst hier genau den „guten Rat“ den ein
anonymer verdient !!

Kalle

Vielen Dank für eure Tips und Ratschläge, werde aber wohl herkömmlich finanzieren, da auch dieses Angebot nicht so schlecht aber vermutlich sicherer ist.
Bernd

Hi Bernd,

im Moment sind die Zinsen unverschämt günstig.
Laß Dich also nicht mit einer 1 %igen Tilgung abspeisen. Tilge so viel wie Du Dir leisten kannst.

Als Rechenbeispiel (So Pi x Daumen)

Wenn Du mit einem % tilgst, kommst Du bei ca. 6 % Zinsen auf eine Gesamtlaufzeit von knapp 30 Jahren

Bei 4 % Tilgung ist der Kredit nach 14 Jahren weg!

Also wie immer

Tilgen Tilgen Tilgen Tilgen Tilgen Tilgen

Gandalf

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Hallo Gandalf,

da mich diese Aussage imer schon mal gereizt hat, bekommst Du jetzt heute mal meine ganz persönliche Meinung zum Thema ab, nicht böse sein.

Sicher ist es rein finanzmathematisch richtig, dass man soviel tilgen sollte wie möglich. Aber es gibt da ja auch noch einen Haufen weitere Faktoren, die man nicht außer Acht lassen sollte. Höher tilgen bedeutet, dass man Geld hierfür aufwenden muss, was einem an anderer Stelle fehlt. Und so sind die Beispiele nicht an geringer Zahl, wo nur aus diesem Grund auf viele Jahre der Lebensstil massiv beeinträchtigt wird, weil man ja hoch tilgen muss. Es wird sich nichts mehr gegönnt, dafür ist die Hütte in 20 statt in 30 Jahren schuldenfrei. Und was wird dabei vergessen? Dass man gerade die jungen Jahre nicht nachholen kann und es keine Garantien für eine bestimmte Lebenserwartung und somit auch keine Garantien dafür gibt, dass man Dinge nachholen kann, die man sich die Jahre über mit der hohen Tilgung nicht erlaubt hat.

Ich sehe die Sache daher ein wenig anders. Die Bank verschafft mir mit dem Darlehen die Möglichkeit im eigenen Haus zu wohnen und zu leben, und zwar sofort und nicht erst in 20 oder 30 Jahren. Dies ist es mir wert, dafür Zinsen zu zahlen, wenn nicht, würde ich es ganz lassen. Natürlich ist es gut nach den eigenen Möglichkeiten hoch zu tilgen, aber mir wäre eine schnelle Rückzahlung und damit ein insgesamt niedrigerer Zinsaufwand es nicht wert, wenn ich dafür meinen Lebensstil einschränken müsste. Ich lebe heute und morgen kann es schon vorbei sein, und dann möchte ich nicht, dass ich zwar das Haus schuldenfrei, ich selbst aber vom Leben nichts gehabt habe. Jeder 4. stirbt deutlich vor Erreichen der statistischen Lebenserwartung und dem gehen oft schwere Krankheiten voraus, und dann ist es eben einfach zu spät, es sich noch einmal anders zu überlegen.

BTW: Es gibt auch noch eine andere spannende Überlegung in diesem Zusammenhang, und zwar die Frage des Erbes. Bei uns wird momentan soviel vererbt, wie noch nie, und viele viele Häuslebauer werden zum Teil sogar doppelt nach einigen Jahren von einem mehr oder weniger großen Erbe profitieren. Da würde ich mich nicht vorher krumm legen wollen, wenn absehbar ist, dass auf dem Wege in einigen Jahren Geld zur Verfügung stehen wird, um dann bei Auslaufen der Zinsbindung den ein oder anderen Teil komplett aus der Finanzierung nehmen zu können.

Meine Frau und ich stehen momentan selbst vor der Situation und werden den Teufel tun, uns jetzt mehr als nötig krumm zu legen. Wenn ich auf Urlaube und guten Wein, Restaurantbesuche oder was auch immer dafür verzichten müsste, würde ich in der Mietwohnung bleiben. Bei uns ist es sogar so, dass wir aufgrund besonderer Verhältnisse nicht einmal die sonst goldene Regel des Finanzierungsendes vor Arbeitsende einhalten werden, zu der ich sonst auch immer raten würde. Mir ist ein gutes Leben es einfach wert, dafür bei der Bank zu zahlen.

Gruß vom Wiz

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Hallo Wiz,

da mich diese Aussage imer schon mal gereizt hat, bekommst Du
jetzt heute mal meine ganz persönliche Meinung zum Thema ab,
nicht böse sein.

nö nö

aber ich hab mir auch so meine Gedanken gemacht, bevor ich mir ein Haus (gebraucht) gekauft habe.
Zudem hat meine Schwägerin früher in der Kreditvermittlung gearbeitet und so manch schaurige Mär (die aber leider Realität war) erzählt.
Ihre Faustformel:
Wer nicht in der Lage ist 10 % der Kreditsumme jährlich aufzubringen sollte es sich mit dem Hauskauf/bau gut überlegen.
Momentan sind die Zinsen ausgesprochen niedrig und wenn man mit einem Prozent tilgt sind nach 10 Jahren 17 - 20 % der Summe getilgt. Sreigen dann die Zinsen auf auch schon da gewesene 12 % kann das die ganze Finanzierung gefährden.
Habe ich aber mit z.B. 3 % getilgt, sind nach 10 Jahren schon ca. 50 % des Kredits getilgt und eine Steigerung der Zinsen auf 12 % sind dann zwar sehr ärgerlich, aber zu verkraften.
Zudem hab ich meine Raten so angelegt (trotz der Tilgung von fast 4 %), daß mein Lebensstil nicht allzu eingeschränkt wird.

Ein weiterer Aspekt war, daß meine Jungs beim Ende der Tilgerei gut ins Teenager-Alter kommen und deren Ansprüche dann entsprechend steigen. Das Geld das ich dann nicht mehr an die Bank zahlen muß, kann ichdann in diese Loch werfen und ev. noch was für deren Ausbildung zurücklegen, wer weiß, ob es dann noch kostenloses Studieren etc. gibt.

Gandalf

Super Hinweis! Mein Vater ist auch mit 61 gestorben!

Jedoch sagte Gandalf ja auch, wenn es möglich ist! das muss jeder für sich selber entscheiden!

Gruss
Tin

Zudem hat meine Schwägerin früher in der Kreditvermittlung
gearbeitet und so manch schaurige Mär (die aber leider
Realität war) erzählt.

die gab es sicherlich, als das noch in den „kinderschuhen“ steckte und viele beim auslaufen der zinsbindung von der ersten richtigen hochzinsphase überrascht wurden, wo sie ebenfalls bei einer niedrigzinsphase begonnen hatten.

Ihre Faustformel:
Wer nicht in der Lage ist 10 % der Kreditsumme jährlich
aufzubringen sollte es sich mit dem Hauskauf/bau gut
überlegen.

naja, diese regelt gilt aber nur bis zu ner gewissen summe! irgendwann wird es utopisch.

Momentan sind die Zinsen ausgesprochen niedrig und wenn man
mit einem Prozent tilgt sind nach 10 Jahren 17 - 20 % der
Summe getilgt. Sreigen dann die Zinsen auf auch schon da
gewesene 12 % kann das die ganze Finanzierung gefährden.

Blödsinn, im Netz findet man derzeit ein Angebot für 28 Jahre feste Bindung mit 5,6 % eff. Jahreszins.

Ansonsten geb ich dir aber recht, wenn´s möglich ist, tilgen, tilgen, tilgen. Aber man kann sich halt auch todsparen.

Es muss jeder selber wissen, was ihm der Komfort eines eigenen Heims wert ist!

Gruß
Tin

Hi tin_tin,

Ihre Faustformel:
Wer nicht in der Lage ist 10 % der Kreditsumme jährlich
aufzubringen sollte es sich mit dem Hauskauf/bau gut
überlegen.

naja, diese regelt gilt aber nur bis zu ner gewissen summe!
irgendwann wird es utopisch.

nein, eben nicht. Du mußt bei jeder Summe in der Lage sein 10 % aufzubringen, sonst ist das Objekt zu groß/teuer für Dich!

Blödsinn, im Netz findet man derzeit ein Angebot für 28 Jahre
feste Bindung mit 5,6 % eff. Jahreszins.

Aber ich werde nach 14 Jahren mit der Tilgung fertig sein und dann exakt die Hälfte für mein Haus bezahlt haben!

Gandalf

nein, eben nicht. Du mußt bei jeder Summe in der Lage sein 10
% aufzubringen, sonst ist das Objekt zu groß/teuer für Dich!

das hört sich eher nach der faustregel an, 10 % der kaufsumme als eigenkapital zu haben. das ist geläufiger.

Aber ich werde nach 14 Jahren mit der Tilgung fertig sein und
dann exakt die Hälfte für mein Haus bezahlt haben!

das ist ja auch in ordnung, wenn du damit gut leben kannst!

Hallo,

ja, ich habe auch so einige Fälle im Verwandschafts- und Freundeskreis gehabt. Immer nur wie blöde geackert und gesprat und dann Krebs, ein Brückenpfeiler, Alsheimer, … alles so kurz vor oder nach der Pensionierung. Und da ich nicht weiß, wie lange man mir hier so bei guter Gesundheit gibt, werde ich den Teufel tun, mich mehr einzuschränken als nötig. Krassestes Gegenbeispiel aus der letzten Zeit (kein Witz): Zu meiner Frau kamen zwei Frauen so ca. Mitte 60 aus dem Heimatdorf und wollten wissen, wofür es sich denn so lohnen würde etwas zu spenden. Die Ehemänner (gute Freunde) waren beide kurz zuvor verstoren und sie hätten jetzt die Mitteilung von der Bank bekommen, dass es Sparbücher über einigen DM 100.000,-- gebe. In beiden Fällen hatten es die Männer ganz klassisch übernommen die Finanzen zu verwalten und immer erzählt es müsse gespart werden, um das Haus abzubezahlen, etwas für später zurückzulegen, … Nie mehr als Urlaub an der Ostsee, keinerlei Freizeitaktivitäten, Bekleidung und Essen nur vom Billigsten und Nötigsten. Und jetzt haten sie ein großes Vermögen aber ihr Leben hinter sich, und waren ihren Männern keineswegs dankbar für das hinterlassene Geld, sondern, wie ich finde zu Recht, mehr als nur böse für ein verschwendetes Leben.

Gruß vom Wiz

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Hi tin_tin,

das hört sich eher nach der faustregel an, 10 % der kaufsumme
als eigenkapital zu haben. das ist geläufiger.

das ist aber das Mindeste, was Du als Eigenkapital haben solltest, je mehr desto besser.

Aber ich meinte es schon so wie ich gesagt habe.

Wenn Du z.B. 125.000 € aufnehmen mußt, solltest Du in der Lage sein, 12.500 € jährlich für Zinsen und Tilgung aufzubringen. Wenn es ‚nur‘ 11.000 sind, ist es nicht sooooo tragisch, aber wenn es schon deutlich unter 10.000 geht, sollte das zu kaufende/bauende Objekt besser eine Nummer kleiner gewählt werden.

Gandalf