Finanzierung aus Rückstellungen

Kann mir mal jemand ganz einfach erklären,
-warum die Finanzierung aus den Rückstellungen so vorteilhaft ist,

  • warum sie den Gewinn mindern, wenn sie im nächsten Jahr doch sowieso wieder in die Bilanz kommen
    -warum der Finanzierungseffekt so groß ist, je länger der zeitliche Abstand zwischen der Bildung der Rückstellung und der Inanspruchnahme ist?

Woher kommt das Geld nun wirklich, wenn es doch noch nicht geleistet wurde?
Ich versteh die Zusammenhänge nicht, freu mich aber, wenn ein Experte mir da helfen kann
lg, Eva

Kann mir mal jemand ganz einfach erklären,
-warum die Finanzierung aus den Rückstellungen so vorteilhaft
ist,

=> Steuerstundungen
Heißt es müssen nicht soviele Steuern gezahlt werden Steuern

  • warum sie den Gewinn mindern, wenn sie im nächsten Jahr doch
    sowieso wieder in die Bilanz kommen

Eben, aber nich dieses Jar (Zinseffekte)

-warum der Finanzierungseffekt so groß ist, je länger der
zeitliche Abstand zwischen der Bildung der Rückstellung und
der Inanspruchnahme ist?

siehe Punkt 2

Woher kommt das Geld nun wirklich, wenn es doch noch nicht
geleistet wurde?
Ich versteh die Zusammenhänge nicht, freu mich aber, wenn ein
Experte mir da helfen kann
lg, Eva

Das Geld würde von dem Unternehmen z.B. für evtl. Verluste beisweitegelegt, also, es kommt schon vom Unternehmen, nur es wird in der Bilanz nicht als Gewinn ausgewiesen!

Da hab ich doch glatt mal ne Frage übersehen.

-warum die Finanzierung aus den Rückstellungen so vorteilhaft
ist,

Die Formulierung „Finanzierung durch Rückstellungen“ finde ich mißverständlich. Eine Rückstellung wird gebildet, wenn eine Verpflichtung der Höhe oder der Sache nach noch nicht bestimmt ist, d.h. ob bzw. wieviel gezahlt werden muß, ist noch unbekannt. Das hat eigentlich nicht wirklich etwas mit Finanzierung zu tun. Die Position hat eine Zwitterstellung, entweder wird die Position irgendwann Verbindlichkeit oder Eigenkapital (nämlich dann, wenn die Verpflichtung nicht oder in geringerer Höhe anfällt).

Dennoch ist doch so, daß eine Rückstellung normalerweise nicht freiwillig gebildet wird, sondern weil eine Verbindlichkeit droht. Niemand wird sagen (können): „Hey, dieses Jahr finanziere ich mich mal ein bißchen mehr durch Rückstellung. Der Akt des Finanzierens hat in meinen Augen mit bewußt, freiwillig und zielorientiert zu tun.“

  • warum sie den Gewinn mindern, wenn sie im nächsten Jahr doch
    sowieso wieder in die Bilanz kommen

Sie stehen nicht im nächsten Jahr in der Bilanz, sondern per Bilanzstichtag des Jahres, in dem sie den Gewinn mindern. Die Bildung der Rückstellung erfolgt ertragswirksam, d.h. sie mindern in der Tat den Gewinn.

Als Erläuterung der Buchungssatz:
Aufw. für die Bildung von RSt. an Rückstellungen

-warum der Finanzierungseffekt so groß ist, je länger der
zeitliche Abstand zwischen der Bildung der Rückstellung und
der Inanspruchnahme ist?

Es wurde schon erwähnt: Steuerstundung. Der Betrag mindert in Jahr 0 den Gewinn. Erst wenn die RSt aufgelöst wird (weil sie nicht oder nicht in voller Höhe gebraucht wird), fällt die Steuerlast an und zwar nur auf den Teil der Rückstellung, der nicht gebraucht wird.

Woher kommt das Geld nun wirklich, wenn es doch noch nicht
geleistet wurde?

Die Frage verstehe ich nicht.

Aber noch als Ergänzung: Es gibt Rückstellungen die nicht steuerwirksam sind, d.h. deren Bildung nicht steuerlich abzugsfähig ist, z.B. Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften. Daran ist mal ein Kunde von mir zugrunde gegangen. Es mußten Rückstellungen in unglaublicher Höhe gebildet werden, die das FA nicht anerkannt und entsprechende Stuerzahlungen verlangte. Dieser Liquiditätsabfluß führte dazu, daß man die Verpflichtungen die der Bildung der RSt zugrundelagen, nicht mehr erfüllen konnte: Pleite mit rd. 1.000 Arbeitsplätzen. Die Nichtabzugsfähigkeit der Drohverlustrückstellungen war übrigens eine der ersten steuerlichen Maßnahmen der rot-grünen Regierung 1999.

Und jetzt nur raus mit den Zusatzfragen :wink:

Gruß
Christian

erstmal eine Def: rückstellung sind eine passivposition in der bilanz. sie werden gebildet, um eine periodengerechte erfolgsermittlung zu gewährleisten. man unterscheidet passievierungspflichtige und rückstellungen mit passivierungswahlrecht.
bsp. pflichtige:

  • ungewisse verbindlichkeiten (pensionen,Steuernachzahlungen,Prozesskosten)
  • drohende verluste (erheblicher preisrückgang bereits gekaufter, aber noch nicht gelieferter rohstoffe)
    -unterlassene instandhaltung, die innerhalb der nächsten 3 monate nachgeholt werden
  • gewährleistungen ohne rechtliche verpflichtungen (kulanzgewährleistungen)
    wahlrecht:
    -unterlassene instandhaltung, die später als 3 monate nachgeholt werden
  • aufwandsrückstellungen, die das alte jahr betreffen (messeaufwand,betriebsverlegung)

Kann mir mal jemand ganz einfach erklären,
-warum die Finanzierung aus den Rückstellungen so vorteilhaft
ist,

da verschiedene rückstellung dem unternehmen sehr lange zur verfügung stehen und sich bei den anderen ein gewisser bodensatz bildet, steht dem unternehmen das geld zinslos zur verfügung. wichtig ist, das es über gewinne erwirtschaftet worden ist. es wurde nur bis dato nicht versteurt. da die passivseite die mittelherkunft ausweist und die aktivseite die mittelverwendung kann man bei der bildung von rückstellungen von finanzierung sprechen. es ist grob ein kredit (vorderungen die in der zukunft beglichen werden müssen). werden rückstellungen aufgelöst, die gar nicht oder nur zum teil wirklich benötigt wurden, so sind sie dann steuerpflichtig (prinzip der steuerstundung). aber wie beschrieben ist die nicht der finanzierungseffekt, oder nur zum geringen teil.

  • warum sie den Gewinn mindern, wenn sie im nächsten Jahr doch
    sowieso wieder in die Bilanz kommen

wie bereits in einer anderen antwort gesagt, stehen sie schon ab der erstellung der bilanz, der gegenposten findet sich in der GuV.

-warum der Finanzierungseffekt so groß ist, je länger der
zeitliche Abstand zwischen der Bildung der Rückstellung und
der Inanspruchnahme ist?

je länger das geld zinslos zur verfügung steht, desto länger kann es eine firma investieren, keine firma hält die rückstellungen auf dem konto für den fall des abrufs bereit, erst wenn erkennbar wird, dass sie fällig wird. in seltenen fällen wird sie angelegt bei der bank.

Woher kommt das Geld nun wirklich, wenn es doch noch nicht
geleistet wurde?

wie gesagt, es stellt eine minderung des gewinnes dar, d.h. es wurde über den umsatz erwirtschaftet. das geld kommt aus der innerbetrieblichen werterstellung.

Ich versteh die Zusammenhänge nicht, freu mich aber, wenn ein
Experte mir da helfen kann
lg, Eva

tja ich hoffe es wurde etwas klarer. wenn nicht, einfach nachfragen.

Gruß

Thomas