Finanzierung: Wie lange Zinsen festschreiben?

Hallo zusammen,

landläufig gilt doch die Faustregel: „Je niedriger die Zinsen umso längere Zinsbindung“.
Das würde derzeit für 10 Jahre oder mehr sprechen, oder?

Andererseits höre ich, dass Leute behaupten, mit variablem Zins bzw. 1-jähriger Festschreibung besser gefahren zu sein, da sie mehr tilgen konnten. Okay, dass kann ja in Zeiten sinkendem Zinses so sein…!!!

Aber: Ist das nicht eine Überlegung, kürzer festzuschreiben (auch „gestückelt“: ein Teil 1 Jahr, ein Teil 5 und 10) um dann den finanziellen Spielraum in die Tilgung (oder Sondertilgung) zu stecken?
(ich mache dazu auch mal ´nen Excel - aber jetzt ist´s mir langsam zu spät…)

Nebenfrage: Gibts es eine Formel, um sich den Verlauf eines Annuitäten Darlehens selber aufzuzeichnen (Excel etc)?

Danke an alle Beteiligten!
ok

Andererseits höre ich, dass Leute behaupten, mit variablem
Zins bzw. 1-jähriger Festschreibung besser gefahren zu sein,
da sie mehr tilgen konnten.

Guten Morgen,

angesichts z. Zt. sehr niedriger Bauzinsen ist die Spekulation auf weiter sinkende Zinsen sehr gewagt, um nicht dusselig zu sagen. Vernünftigerweise strebt man jetzt als Darlehensnehmer eine möglichst lange Zinsbindung an und tilgt möglichst hoch. Wenn Du dann auch noch ein Sondertilgungsrecht aushandelst, ist alles im grünen Bereich.

Die Vorgehens- und Denkweise aus Zeiten mit beinahe doppelt so hohen Zinsen ist heute nicht zu gebrauchen.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,
Danke für die Antwort. Bezieht sich diese auf den von dir zitieren Satz? Das wäre mir dann schon klar, dass der Zins z.Zt. wohl irgendwo im Minimum ist und von daher die kurze Festschreibung unsinnig wäre.

Meine Überlegung ist nur, die Gesamtbelastung gleich hoch zu halten (im Vergleich zur längeren Festschreibung) und die freiwerdenden Mittel für die Tilgung einzusetzten.
(Beispiel: Zins(5 Jahre): 5%; Zins(1 Jahr): 3%. D.h. im ersten Jahr „spare“ ich bei Gesamtvolumen von 100000€ 2000€, diese 2000€ nutzte ich zur Tilgung. „verloren“ habe ich nur, wenn der Zins in den nächsten 4 Jahren auf durchschnittl. 5.5% oder mehr steigt)

Ist das auch „dusselig“?
Mit welchen Steigerungen muss man denn rechnen? (Faktoren: Wirschaftswachstum: bleibt es länger schlecht, dann bleibt der Zins noch niedrig. Osterweiterung: Sie bringt etwas Unsicherheit, der Zins steigt etc) Allerdings plane ich 2/3 der Finanzierung über CHF-Darlehen.

Grüsse,
Ok

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi ok,

wie Wolfgang schon schrieb, jetzt möglichst lang festschreiben. Der langjährige Mittelwert der Hypothekenzinsen ist ca. 8 %, wenn Du jetzt mit weniger als 6 % abschließen kannst (günstige Angebote liegen je nach Beleihungsgrenze bei 5,5 % und weniger), solltest Du mindestens auf 10 Jahre abschließen.
Bei Laufzeiten von mehr als 10 Jahren besteht eh die Möglichkeit nach zehn Jahren ohne Zahlung von Ablösesummen den Vertrag zu kündigen, falls dann die Zinsen günstiger sein sollten.
Dann noch was zur Tilgung:
Laß DIch nicht zu einem Vertrag mit 1 % Tilgung überreden. Jede Mark (ach je, jetzt sinds ja Euro) die Du tilgt ist eine Mark, die Du weniger verzinsen mußt.
Sehen wir es mal so:
Die Zinsen die Du zahlst, sind die ‚Miete‘ für Dein Haus, die Tilgung ist Dein ‚Sparanteil‘
Der Vergleich hinkt etwas, aber im Prinzip stimmt es.
Je mehr Du anzahlst, desto weniger ‚Miete‘ mußt Du zahlen und bist schneller der richtige Eigentümer Deines Hauses.

Gandalf

Hi ok,

also diese Überlegungen würde ich nur machen, wenn es absolut egal ist, ob ich mich „verzocke“ oder nicht.

Deine Zinsrechnung geht so wahrscheinlich tief.

Ich habe meinen Kunden früher immer geeraten, ihre Belastung mit 8% Zinsen und 1% Tilgung zu berechnen. Wer sich deise Belastung nicht leisten kann, sollte sein Vorhaben wirklich nochmal durchdenken.

Wenn dann ein niedrigerer Zins abgeschlossen werden kann, soll die differenz zur Tilgung eingesetzt werden.

Also 9% Belastung, Zinsabschluß 6% dann 3% Tilgung.

Notfalls kann man die tilgungsquote durch Vereinbarung wieder senken.

Wichtig immer ausreichende Zwischentilgungen vereinbaren.

Ich würde sogar auf 20 Jahre die zinsen festschreiben.

Die konjunkturzyklen haben sich zwar verändert, aber ich würde beim Minizins nicht mit fallenden Zinsen zocken.

gruss
winkel

Ich würde sagen, es kommt immer drauf an. Wenn ich weiß, dass ich in 5 Jahren einen größeren Geldbetrag zur Verfügung habe, dann kann ich doch lieber einen 5-Jahres-Kredit nehmen, der außerdem einen geringeren Zinssatz hat als ein 10-Jahresvertrag(!), und bin dann nach 5 Jahren den Kredit wieder los…
Beatrix
http://www.trixi.de

Mit welchen Steigerungen muss man denn rechnen? Faktoren:
Wirschaftswachstum…

Hallo,

genau das ist der springende Punkt. Niemand kann die wirtschaftliche und politische Entwicklung und das Zinsniveau auch nur für die nächsten paar Monate voraussehen (Falls Du das kannst, mußt Du sofort ganz viel bauen, nämlich Dagobert-mäßige Geldspeicher. Du wirst steinreich. Arme Teufel wie Schumi, die Deutsche Bank und Bill Gates werden Dich anpumpen :smile:)

Was geschieht am Kapitalmarkt, wenn es der Cowboy im Irak richtig krachen läßt? Was ist, wenn die Leute merken, daß die für UMTS aufgenommenen Kredite sämtlich notleidend werden? Was ist, wenn Portugal, Frankreich und Deutschland ihre Stastsverschuldung nicht in den Griff bekommen und weiterhin meinen, man könne das alles länger schleifen lassen? Ich will über diese Themen nicht diskutieren, ich will Dir nur vor Augen führen, auf welch dünnem Eis Du Dich mit Annahmen über die Zinsentwicklung bewegst. Auch im Land der Eidgenossen würde ich mich nicht darauf verlassen, daß es eine Insel der Niedrigzins-Glückseligkeit bleibt.

Ein Auf und Ab war in der Vergangenheit für die Zinsen völlig normal. 8% und noch weit mehr gab es früher schon mehrfach. Wenn Du Dir Zockerei wirklich leisten kannst, mach es. Wenn Du aber rechnen mußt und das hört sich alles sehr danach an, dann sorge für Festzins auf niedrigem Niveau für möglichst lange Zeit und tilge, was das Zeug hält.

Ausgerechnet mit dem Dach über dem Kopf würde ich nicht spekulieren, sondern für Planungssicherheit sorgen. Leider weiß man auf diesem Gebiet immer erst am Schluß, ob eine Vorgehensweise optimal war oder nicht. Angesichts niedriger Zinsen aber auf noch niedrigere Zinsen zu hoffen, geht mit einiger Wahrscheinlichkeit daneben.

Der Rat kam ja schon: Festzins auf niedrigem Niveau für lange Zeit und die Differenz zu 8 oder 9% Zinsen in die Tilgung packen. Wenn Du das leisten kannst und auch noch Eigenkapital einbringst, hast Du eine solide Finanzierung, die insgesamt nicht zu lange läuft und Dich nicht kippen läßt, wenn am Ende der Festschreibung höhere Zinsen fällig werden. Dann lachst Du vermutlich wegen der anfänglich hohen Tilgung über die verbliebene geringe Restschuld.

Oft reichen die Mittel nicht. Deshalb wird die Finanzierung mit 1%-Tilgung und irrsinniger Laufzeit so hingebogen, daß es gerade reicht, um noch den Kühlschrank zu füllen. Damit sind i. d. R. hohe Risiken verbunden, von Krankheit über Arbeitslosigkeit bis Scheidung; Risiken, die oft genug den Verlust des sauer abgesparten Hauses zur Folge haben. Wenn es also irgend geht und es sich nur um einen so geringen Betrag handelt, wie die von Dir genannten 100.000 €, dann wische das Darlehen mit hoher Tilgung, z. B. 10%, vom Tisch.

Gruß
Wolfgang

Hi alle,

Wenn es
also irgend geht und es sich nur um einen so geringen Betrag
handelt, wie die von Dir genannten 100.000 €, dann wische das
Darlehen mit hoher Tilgung, z. B. 10%, vom Tisch.

leider machen die meisten Banken nur maximal 5 % Tilgung mit, die sind ja auch nicht doof. Bei mir mußte ich schon ziemlich feischen, damit mir mit meinen 4 % Tilgung nicht eine Zinserhöhung aufgedrückt wurde.

Gandalf