Hi,
Die Ansprüche bei uns nicht sehr hoch, ganz normal.
Es mag zwar speziell für Deine Firma stimmen, aber generell sind die Ansprüche in Deutschland meistens völlig übertrieben. Wer zu alt ist kriegt keinen Job, wer Lücken im Lebenslauf hat bekommt das negativ ausgelegt (normaler Menschenverstand: warum?), weiblich, vielleicht gar mit Kindern oder im gebärfähigen Alter - nö, kein Interesse an der Bewerberin, kein linearer Lebenslauf, sondern ein paar Umwege - hmm, besser nicht…
Ich selber bin vor 2 Jahren im Rahmen der Probezeit gekündigt worden weil ich in einer betriebsinternen Schulung auf 83% richtige Antworten gekommen bin, das Unternehmen aber 85% erwartet. 2 weiteren Mitstreitern ging es ebenso, einer davon hatte 84%, der andere 81%. Von 4 Leuten, die man 3 Monate für richtig schweineteures Geld qualifiziert hatte, und die den Job tatsächlich sehr gut hätten machen können, hat man 3 gekündigt… übrigens nachdem wir aber die anderen 3 Monate der Probezeit mitgearbeitet haben und da offenbar alles OK war (sonst hätte man uns ja gleich rauswerfen können). Eine Erwartung von 85% ist ja eh schon recht hoch angesetzt, vor allem beim Schwierigkeitsgrad der Aufgaben in der Prüfung. Noch dazu wäre es ein Leichtes gewesen bei irgendwelchen Laberfragen („Da geben wir Ihnen mal, hmm, sagen wir 7 von 10 möglichen Punkten…“) so zu bewerten daß wir alle locker durchgekommen wären.
Das Problem hier ist daß man Leute in vielen Jobs einarbeiten könnte, gerade auch dann wenn die Ansprüche - wie bei Euch - nicht besonders hoch sind. Gemacht wird es nicht. Dadurch haben all diejenigen, die nicht „rundum perfekt“ sind, erst gar keine Chance.
Andererseits will jeder immer den absolut perfekten Mitarbeiter haben, mit super Ausbildung und tollen Noten, viel Erfahrung - aber dann nur einen Hungerlohn bezahlen… das kann gerade bei besonders guten „Topleuten“ nicht funktionieren. Man kann nicht erwarten daß Leute sich für wenig Kohle den Arsch aufreissen wenn sie andererseits viel Engagement und Wissen mitbringen. „If you pay peanuts you get monkeys“.
In meinem Umfeld gibt es diverse Leute, die gut ausgebildet sind oder zumindest mit Engagement viel an auf dem Papier nicht beweisbarem Wissen wettmachen könnten, von denen ich denke daß die in sehr vielen Bereichen einsetzbar wären. Eine Chance haben sie aber nicht. Andere haben z. B. Halbtagsstellen mit einer Arbeitszeit von 9-19 Uhr an 5 Tagen in der Woche oder einen Stundenlohn von X (wobei X schon unverschämt niedrig liegt), in einem Fall werden davon trotzdem auch noch nur 80% bezahlt, in einem anderen Fall heißt es geschickt „wird mit dem Faktor 0,77 berechnet“.
So kriegt man keine guten Leute, und IMHO kommt es nicht von ungefähr daß uns andere Länder in vieler Hinsicht überholen. So wie es hier momentan am Arbeitsmarkt läuft, wie man mit Mitarbeitern und Bewerbern umgeht - wie andererseits aber auch (gerade kleine) Unternehmen unter Druck gesetzt und ausgebeutet werden, so gibt das nix.
Gruß,
MecFleih