Firmenberatungsabzocke

Hallo, Ihr Lieben!
Mein Bekannter ist ein kleiner Elektromeister, der sich selbständig gemacht hat und durch eine Insolvenz seines Hauptauftraggebers (er baute Platinen in Heimarbeit zusammen und ging dabei beim Materialkauf in Vorkasse) selber an den Rand der Insolvenz gebracht wurde.

Im September letzten Jahres hat er sich durch einen „Kaltkontakt“ seitens der XX GmbH in seiner Verzweiflung von diesem Unternehmen beschwatzen lassen, in der Hoffnung hier neue Inputs für seine weitere Firmen-Zukunft zu bekommen. Die haben ihm auch das Blaue vom Himmel herunter versprochen - so nach dem Motto: Hervorragende Firmenkontakte in alle Branchen - machen Sie sich keine Sorgen, wir werden ihr Geschäft schon wieder hochbringen usw.

Das Endergebnis: Mein Bekannter hat über 23.000 Euro bisher an diese Beratungsfirma gelöhnt, Aufträge durch diese Beratungsfirma: Gleich Null. Außer Spesen nichts gewesen!

Einmal im Monat kommt da ein Mitarbeiter, erkundigt sich, was inzwischen in der Firma gelaufen ist, drischt kluge Sprüche, läßt ab und an mal ein paar Werbeschreiben an verschiedene Großelektrofirmen heraus und verschwindet dann wieder.

Ausgerechnet hat mein Bekannter auch noch einen 2-Jahres-Vertrag unterschrieben und sieht finanziell kein Land mehr. Diese Firma ist praktisch sein Ruin, denn das Konto geht ins Minus und in Kürze ist das Limit erreicht.

Hier der Vertragstext:
Betreuungsvereinbarung

  1. Die XX GmbH begleitet das Unternehmen XY in der weiteren Unternehmensentwicklung. Hierbei begleitet die XX GmbH den Klienten bei der Abwicklung dessen kaufmännischen Geschäftstätigkeit und steht ihm für die Bereiche Unternehmenssteuerung, Unternehmensausrichtung, Rechnungswesen, Organisation, Finanzierung und Liquidität wowie Planung und Controlling assistierend zur Verfügung. Hierzu stellt die XX GmbH dem Klienten nach jeweils zu treffender Terminvereinbarung für bis zu 8 Assistentenstunden einen von XX GmbH bereitsgestellten Assistgenten in den Räumlichkeiten des Klienten zur Verfügung.

Für den Monat vereinbarte, vom Klienten nicht in Anspruch genommene Stunden verfallen mit Ablauf des jeweiligen Monats. In einem Monat erbrachte Mehrstunden dürfen von der XX GmbH nur zum Stundensatz von 180 Euro berechnet werden.

  1. Diese Vereinbarung beginnt am 29.9.2009 und wird für die Dauer von 24 Monaten abgeschlossen, besteht also bis zum 28.09.2011.

  2. Wird die Vereinbarung nicht mindestens 3 Monate vor Ablauf der Vertragslaufzeit schriftlich gekündigt, verlängert sich das Vertragsverhältnis um weitere 12 Monate.

  3. für die Betreuungsdienste bezahlt der Klient einen monatlichen Pauschalbetrag von 1280 Euro zzgl. MwSt per Abbuchung zum Monatsende des jeweiligen Betreuungsmonats.

  4. XX GmbH ist berechtigt die Betreuungsdienste auszusetzen, wenn der Klient mit einer fälligen Rechnung mit mehr als vier Wochen in Verzug gerät.

  5. Kündigt der Klient das Vertragsverhältnis vor Ablauf der vertraglichen Mindestdauer, wird 1/2 des Betrages aus der Restvertragslaufzeit zur Zahlung fällig.

  6. Gerichtsstand ist Freiburg.

  7. Änderungen dieser Vereinbarung bedürfen der Schriftform, mündliche Absprachen bedürfen der schriftlichen Bestätigung.

Weiß irgendjemand Rat? Ist es eventuell möglich den Vertragstext anzufechten?
Übrigens ist der Vertrag nur parafiert, d.h. mit unlseserlichen Kürzeln unterschrieben.
Herzlichen Dank für Eure Mühe!

Hallo tachyonbaby,

also der Vertrag liest sich eher wie eine sehr teueres Zeitungsabo und hat mit Unternehmensberatung absolut nichts zutun.

Als Unternehmensberater bin ich oft schockiert, was in der Szene alles herumläuft. Ich möchte auf wesentliche Fehler im Vertrag aufmerksam machen, bzw. Fakten, die eine Firmenberatung im Krisenfall aufweisen MUSS !!!

Sanierungskonzept:

* Unternehmensdarstellung und bisherige Entwicklung
* Rechtliche Verhältnisse
* Finanzsituation
* Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens

* Ausführliche Krisenanalyse und Beurteilung

* Ausführliche Sanierungsmaßnahmen punktgenau und
Beschreibung der Erfolgsaussichten

* Planungsberechnungen wie GuV, Planzahlen, Bilanz,
Finanzplan und Kennzahlen

und zwar mit und ohne Sanierungsmaßnahmen

* Abschließend eine Ergebnisbesprechung bzw.
Ausarbeitung

Diese Punkte nur als Hinweis. Die eigentliche Beratung ist viel umfassender.

Bei Ihrem Vertrag wird der größte Teil benutzt, um die Gelder zu sichern und zu fordern.

Tipp:

SOFORT zu einer Verbraucherzentrale und die Rechtsabteilung aufsuchen, oder die IHK. Auch dort sitzen versierte Anwälte.

Lieber Bernhard Schreiner!
Herzlichen Dank für Ihre prompte Antwort!

Ich habe Ihren Text an meinen Bekannten weitergegeben. Der wird sich am Montag erst mal mit der Handwerkskammer in Verbindung setzen. Mal schauen, ob die dort helfen können. Denn bei ihm wird es finanziell jetzt wirklich eng und Aufträge sind nicht in Sicht. Es kann ja nicht angehen, daß eine Unternehmensberatung dazu beiträgt, die zu beratende Firma in den Konkurs zu treiben, schließlich kennen die doch die Umsatzzahlen und sehen, daß da nichts hereinkommt…

Nochmals: Herzlichen Dank!

Liebe Grüße
Tachyonbaby

Da war Ihr Bekannter ganz schön blauäugig gewesen, einen solchen Vertrag zu unterschreiben.
An den Elekromeister:
Hier kann Ihnen nur ein Rechtsanwalt helfen, der im Wirtschaftsrecht zu Hause ist.
Das ist eine von vielen Lumpenfirmen, die in diesem Staat immer mehr sich verbreiten. Die Seriösen bleiben auf der Strecke.
In Zukunft immer erst die anderen in Vorleistung gehen lasen. Also: Wenn Sie mir einen neuen seriösen und in allen Richtungen hin interssanten Partner nachweisbar vermitteln, dann können wir in der Folge über eine vertragliche Zusammenarbeit sprechen. Für diese Vermittlung vereinbaren Sie einen festen Preis, der nur im Erfolgsfall zu zahlen ist, z.B. nach einer Laufzeit mit dem neuen Partner von einem Jahr. Wenn der Vertragspartner da mitmacht, dann können Sie annehmen, das es für beide ein gutes Geschäft ist. Formulieren Sie immer gemeinsam. Diese bestehende vertragliche Zusammenarbeit mit dem Lumpenberater ist bestimmt rechtlich anfechtbar. Es sieht nach einer allgemein formulierten Klausel aus. Gehen Sie zur Rechtsberatung und fragen Sie dort, ob Sie Anzeige wegen Betruges stellen können, da von all den Versprechungen ja nichts oder kaum etwas in Ihrem Sinnne erfolgt ist. So liegt der Verdacht des Betruges nahe.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.
Übrigens fragen Sie mal im Management von Mercedes nach. Die vergeben auch Aufträge, wenn Sie preiswert sein können.

Lieber Peter Hauptmann!

Herzlichen Dank für Ihren Rat und für den Tipp. Ich werde das an meinen Bekannten weitergeben.

Liebe Grüße
Tachyonbaby