Firmenübernahme mit Fremdkapital

Hallo,

ich habe mich auf die Übernahme von Internetseiten mit vorhandenen Besuchern und Umsatz spezialisiert.
Dabei lief immer alles ohne Fremdkapital.
Jetzt würde ich das ganze gerne etwas „größer anlegen“.
D.h. Internetseiten sollen nicht nur mit Eigenkapital gekauft werden,
sondern auch über Fremdkapital (Bankkredit) finanziert werden.
Auch bin ich am überlegen mir eine Existenz aufzubauen, indem ich eine bestehende Firma aufkaufe und das teilweise mit einem Bankkredit realisiere.
Jetzt würde mich interessieren wie realistisch das ganze ist, einen Bankkredit zu bekommen und wie hoch der Eigenkapitalanteil sein müsste.
Um das ganze besser zu beurteilen, nachfolgend drei Fallbeispiele:

  1. Zwei Internetseiten im Bereich Reise
    Gewinn in den letzten 1 bis 2 Geschäftsjahren: je 30 bis 40.000 Euro
    Kaufpreis: ca. 80.000 Euro netto

  2. IT Recruitment Spezialist, Standortunabhängig
    BGA: 30.000 Euro
    Forderungen: 240.000 Euro
    Verbindlichkeiten: 240.000 Euro
    Umsatz: 1.200.000 Euro
    Eigentümer Cash Flow 215.000 Euro
    Beschäftigte: 2
    Kaufpreis: 1.200.000 Euro

  3. IT-Systemhaus für Automatisierung: SW u. HW Entwicklung
    BGA: 100.000 Euro
    Forderungen und Kasse: 180.000 Euro
    Anzunehmende Verbindlichkeiten: 200.000 Euro
    Umsatz: 2.700.000 Euro
    EBIT: 570.000 Euro
    Beschäftigte: 37
    Kaufpreis: 4.500.000 Euro

Wir gehen jetzt mal davon aus, dass der Käufer fachlich und persönlich die Bank als auch den/die jetzigen Eigentümer überzeugen kann.
Wie hoch wäre jeweils das notwendige Eigenkapital?

Vielen Dank und viele Grüße

Norbert

Hallo Norbert,

Deiner VK ist zu entnehmen, dass Du BWL-Student bist. Als BWL-Student hat man erfahrungsgemäß irgendwann einmal die Namen Mogdigliani und Miller sowie die Bezeichnungen „Leverage Effect“ und „Leveraged Buy Out“ gehört. Das Lesen von Nachrichten über Private Equity-Investments in der Tagespresse steuert dann sein Übriges bei.

Momentan ist es sogar für gestandene Mittelständler schwer, an FK zu kommen, etwa um kleinere Wettbewerber aufzukaufen. Die Ursachen für dieses Kredit-Dilemma sind ja hinlänglich bekannt.

Bei Dir kommt nun aber noch erschwerend hinzu, dass Du Dir eine Branche ausgesucht hast, an der sich die Banken schon kurz vor und nach der Jahrtausendwende die Finger verbrannt haben. Dies solltest Du unbedingt berücksichtigen wenn Du fragst:

Jetzt würde mich interessieren wie realistisch das ganze ist,
einen Bankkredit zu bekommen und wie hoch der
Eigenkapitalanteil sein müsste.

Der EK-Anteil muss, unter Beachtung von aktueller wirtschaftlicher Lage und angestrebten Geschäftsmodell, schon entsprechend hoch sein. Letztlich wird hier auch die Bank ihre eigenen Vorstellungen äußern (wollen).

By the way, die Aussage

Wir gehen jetzt mal davon aus, dass der Käufer fachlich und
persönlich die Bank als auch den/die jetzigen Eigentümer
überzeugen kann.

halte ich für ziemlich ambitioniert. Aus der eigenen beruflichen Erfahrung kann ich nunmehr sagen, dass das Überzeugen von Bankverantwortlichen in Zeiten wie diesen nicht gerade leicht fällt. Ein betreuter Maschinenbauer mit 7 Mio. JÜ im abgelaufenen Geschäftsjahr, bei stetigem JÜ-Wachstum seit 2000 hatte es immens schwer, finanzielle Mittel für eine Übernahme im Volumen von 4 Mio. zu erhalten. Auch hier wollte der Unternehmer FK einsetzen. Am Ende hatte die Bank zwei Vorschläge: a) das FK müsste „übersichert“ werden oder b) er sollte es zu 100% mit EK finanzieren.

Wie hoch wäre jeweils das notwendige Eigenkapital?

So pauschal kann das keiner sagen. Eben deswegen nicht, weil die Bank hier auch noch ein Wörtchen mitreden will und die Beurteilung der Gesamtverhältnisse letztlich bei der Bank liegt.

VG
Sebastian