Hallo Experten, oder ihr, die mit so etwas Unangenehmen Erfahrung habt.
Ich habe nun schon seit 3 Monaten eine eitrige Fistel im Unterkiefer, die nicht wegzukriegen ist. Mein ZA schnitt sie einmal auf und gab ein Bändchen rein, das dann am nächsten Tag rauskam. Einige Tage war Ruhe…und schon fings wieder von vorne an. Beim zweiten Mal spritzte der ZA sowas wie Calcium in die Fistel…half auch nur kurze Zeit. Täglich füllt sich das Ding mit Eiter und geht dann auf…schmerzt zwar nicht, ist mir aber doch suspekt- da kann doch was nicht in Ordnung sein. Zähne wurden geröngt- da sei alles ok.
Weß wer Rat?
Danke Nathalie
Hallo, eine Fistel entsteht durch einen Entzündungsherd. Meines Erachtens geht bei Dir die Entzündung von einer Zahnwurzel aus. Entweder hast Du eine Entzündung des Zahnnervens (Puplpitis) oder des Zahnhalteapparates (Parodontitis). Dieser Zahn gehört je nach Ursache von innen (Wurzelkanalbehandlung) oder von aussen (Scaling-Kürretage) gereinigt oder man enfernt ihn um die Ursache zu beseitigen.
Hier kannst Du selber nichts machen ausser mal einen anderen Kollegen aufzusuchen. Hört sich alles mysteriös an…
Gruss Christian
Täglich füllt sich
das Ding mit Eiter und geht dann auf…schmerzt zwar nicht,
ist mir aber doch suspekt- da kann doch was nicht in Ordnung
sein. Zähne wurden geröngt- da sei alles ok.
Weß wer Rat?
Danke Nathalie
Servus Nathalie,
Wenn eine Fistel auftritt ist IMMER etwas nicht in Ordnung. Der Körper macht sich nicht die Arbeit, einen Entlastungsgang durch das Gewebe (ja vielleicht sogar durch den Knochen) zu legen, wenn es nicht immer wieder etwas gäbe, das er los werden muß. Kurz: irgendwo im Kiefer bildet sich Eiter. Dafür gibt es einen Grund. Christian hat die möglichen Gründe schon genannt, aber nochmal:
entweder steckt ein abgestorbener ‚Zahnnerv‘ dahinter, oder eine Entzündung, die vom Zahnhalteapparat ausgeht. Solche Fisteln sind aber eher selten, weil der Eiter sich meistens durch die Tasche entlasten kann.
Kannst Du Dich erinnern, ob dieser Zahn schon einmal wurzelbehandelt worden ist?
Wenn ja, war möglicherweise die Wurzelbehandlung nicht erfolgreich - wenn nein, kann eine Wurzelbehandlung nötig sein.
Christian hat ja schon zart angedeutet, daß Du Dich vielleicht woanders anschauen lassen solltest. Dem muß ich, außer einem unzarten ‚ja, freilich‘ nichts hinzufügen. Entgegen landläufiger Vorurteile sind Uni-Kliniken in solchen Fällen nie ganz verkehrt, falls eine in Deiner Nähe sein sollte. Auf sich beruhen lassen darfst Du die Sache nicht. Das führt sonst möglicherweise zu der seltenen Durchsage: „Hier spricht ihr Purser, ist vielleicht ein Zahnarzt an Bord?“ Eitrige Entzündungen können mehr Ärger machen, wenn der Außen(luft)druck eher niedrig ist. Das kommt regelmäßi in Flugzeugen vor. Hast Du Deinen Sommerurlaub schon gebucht? Dann marsch! 
Kai
Danke für die ausführlichen Antworten, ihr Lieben!
Heute hatte ich ernsthaft vor, den Zahnarzt aufzusuchen, um wieder mal etwas gegen dieses Ungetüm im Unterkiefer zu unternehmen…als ich aufwachte, war alles schön weg und keine gefüllte Fistel zu entdecken. Heute Abend dann wieder der Schreck- oweh- schon wieder da!
Mit dem Wattestäbchen draufgedrückt, platzt das Ding dann auf, entleert sich und gibt wieder einen Tag Ruhe…droht ein Zahnarztbesuch, dann schrumpft das gemeine Ding zusammen und macht sich unsichtbar.
In diesem Zahn steckt seit ein paar Monaten ein Goldstift, darüber eine Krone. Vielleicht mag ja mein Kiefer diesen Goldstift nicht? Ist das möglich?
In diesem Zahn steckt seit ein paar Monaten ein Goldstift,
darüber eine Krone. Vielleicht mag ja mein Kiefer diesen
Goldstift nicht? Ist das möglich?
Servus Nathalie,
am Gold wird es nicht liegen! Aaaaber - einen Stift kann man nur in einen toten Zahn stecken. Da wo jetzt der Stift ist, war früher ein Organ (Pulpa) aus Bindegewebe, Blutgefäßen, Nervengewebe, Epithel). Irgendetwas ist dann geschehen, das zum Untergang dieses Organs geführt hat. Meistens sind es Kariesbakterien, die das bewirken. Das heißt: Zahnweh - Doktor stellt eine akute Entzündung (Pulpitis) fest, oder gar, daß die Pulpa abgestorben (nekrotisch) ist. Dann folgt Herumfeilen im Wurzelkanal, Einlagen, Wurzelfüllung, diverse Röntgenaufnahmen, Abwarten. Wenn der Doc die Prognose der verbliebenen Wurzel für gut genug hält, ‚stabilisiert‘ er später den Zahn mit einem Stift (daß er ihn damit eher schwächt, hat er aus der Fachliteratur nicht mitgekriegt) und überkront den Zahn, um ihn möglichst lange zu erhalten.
Manchmal war auch die Krone zuerst da und die übrigen Prozeduren waren eine Folge der Überkronung.
Jedenfalls ist das alles bei Dir nicht erfolgreich gewesen. Unten um die Wurzelspitze herum kämpft Dein Körper gegen die Bakterien, die immer noch (oder wieder) aus der Wurzel in den Körper hineinwollen. Dieser Kampf geschieht mit Hilfe von weißen Blutkörperchen, die wir in diesem Kontext als Eiter bezeichnen. Die Gefallenen dieses Krieges (Bakterien und Blutkörperchen) sollen entsorgt werden. Die Fistel - ein schlauchförmiger Gang vom Infektionsherd nach außen - ist hier die bewährte Methode. Über Millionen von Jahren war das die einzige, denn Zahnärzte sind eine ziemlich rezente Erscheinung in der Menscheitsgeschichte.
Das alles weiß Dein Zahnarzt natürlich auch. Er müßte auch wissen, daß das Spülen und ‚Mittelchen Einspritzen‘ das Problem nicht löst. Er ist nur in einer psychologischen Falle, weil er ja all die langwierigen, unangenehmen und aufwändigen Dinge mit diesem zahn gemacht hat. Er weiß zwar, daß medizinisches Handeln nie 100%-ig erfolgreich sein kann, aber es ist trotzdem nicht einfach, ganz cool zu sagen: „Nathalie, das war nix. Entweder muß die Wurzelbehandlung revidiert (noch mal gemacht) werden, oder die betroffenen Wurzelspitzen müssen mit ihrer Umgebung (Knochen) operativ abgetrennt werden (Wurzelspitzenresektion), oder der Zahn muß - mitsamt seinem Stift und seiner Krone - entfernt werden.“
Wer sagt das schon gerne? Die Wahrheit wäre es trotzdem - sorry!
Kai
Vielen Dank, lieber Kai. Ich sehe jetzt viel klarer!
Am Donnerstag werde ich zu meinem ZA pilgern…ich halte dich am Laufenden, sollte es dich interessieren 
LG aus Wien
Nathalie
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