Flexion oder Derivation beim Suffix -in?

Hallo miteinander,
es geht um die Wortbildungsprozesse beim Wort „Schauspielerinnen“.
Bei der Analyse habe ich zunächst -nen abgetrennt und als Flexionsmorphem (Plural) eingestuft. Beim nächsten Schritt tat ich das gleiche mit -in. Ich dachte es sei ein Flexionsmorphem, da es (nur) den Genus des Wortes ändert. Die Lösung meines Lehrbuches war jedoch der Meinung es sei ein Wortbildungsmorphem (Suffix -in).

Könnt ihr mir sagen, warum -in in diesem Fall ein WBM und keine Flexion ist und warum es sich bei -nen anders verhält?

Beste Grüße
Stanly

Hallo Stanley,

Flexion bezieht sich nur auf die Grammatik; Flexionsmorpheme dienen dazu, die Wörter so zu formen, dass sie den grammatischen Regeln der Sprache entsprechen.
-nen ist, wie Du sagst, Flexionsmorphem für den Plural. Die Bedeutung des Worts ändert sich dadurch nicht

Derivation bezieht sich auf die Bildung von neuen Wörtern durch Ableitungssilben. Als Ausgangswort hast Du „Schauspieler“; mit der Ableitungssilbe –in bildest Du dazu das Wort für die weibliche Entsprechung. Indem Du das Genus des Wortes änderst entsteht ein neues Wort, mit dem andere „Bilder“ im Kopf entstehen als bei „Schauspieler“.

Man könnte die Analyse sogar noch verfeinern:
Schauspiel: Ausgangswort
Schauspieler: -er ist WBM für Mitwirkende in einem Schauspiel, egal ob männlich oder weiblich (Die Leistung der Schauspieler war beachtlich)

Grüße
Pit

Hallo gargas,
mein Fehler war, dass ich dachte die Anpassung des Genus würde zur Flexion, bzw. Deklination zählen. Wie ich aber jetzt gelesen habe, zählen nur Änderungen von Kasus und Numerus zur Deklination. Die Änderung des Genus zählt dann zur Derivation. Finde ich zwar nicht unmittelbar einleutend, aber nachvollziehen kann ich es jetzt :smile:

Stanly

Hallo Pit,

als sprachwissenschaftlicher Laie hinterlässt Dein Beitrag in einer Kleinigkeit bei mir große Fragezeichen und löst Unverständnis aus:

-nen ist, wie Du sagst, Flexionsmorphem für den Plural. Die
Bedeutung des Worts ändert sich dadurch nicht

Derivation bezieht sich auf die Bildung
von neuen Wörtern durch Ableitungssilben. […] Indem Du das
Genus des Wortes änderst entsteht ein neues Wort, mit dem
andere „Bilder“ im Kopf entstehen als bei „Schauspieler“.

Verstehe ich nicht: bei mir löst Schauspielerin im Kopf auch ein anderes Bild aus als Schauspielerinnen (EINE Person - MEHRERE Personen). Und ob sich die Bedeutung durch die Pluralendung nicht ändert, bezweifle ich auch …

Vielleicht kommt mein Unverständnis einfach daher, da mir die Grundlagen dieser (wie mir scheint) recht theoretischen Fragestellung fehlen (ich hab’s halt nicht studiert… somit mich bitte nicht allzusehr niedermachen. Danke).

Einen schönen Abend

Viele Grüße

Alexander

Um das Ganze noch mehr zu verwirren:
Ich kenne dieses -in weder als Flexionsmorphem noch als Derivationsmorphem. Mir ist der Vorgang als ‚i-Motion‘ bekannt und beschreibt eben die Bildung von Feminina mittels des -in. Damit würde es sich nach meinem Verständnis um ein Motionssuffix handeln…

LG

Da es in meiner eigenen kleinen Welt keine „i-Motion“ gibt, bleibt alles super :smiley:

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Alexander,
ich kann verstehen, dass dich das verwirrt. Das liegt aber nicht an dir, sondern daran, dass es schwer ist ein solch theoretisches Konstrukt anschaulich zu erklären. Gerade bei diesem Beispiel halte ich das für nahezu unmöglich.
Nachzulesen ist, dass Anpassung in Numerus und Kasus zur Flexion zählt (der/die Schauspieler), Anpassung im Genus aber zur Derivation (die Schauspielerin). Warum das so ist? Tja… man kann sich auch einen Autoren finden der das anders sieht :smile:

Gruß
Stanly